2016 ist NRW 70 Jahre alt geworden! Wirklich ganz NRW?

21. Januar 2017

2016 ist NRW 70 Jahre alt geworden! Wirklich ganz NRW?

70 Jahre Nordrhein-Westfalen

Rheinland und Westfalen haben 2016 den 70. Geburtstag von Nordrhein-Westfalen gefeiert. Der kleinste Landesteil Lippe aber war bei der Gründung durch die Briten im Jahr 1946 allerdings noch nicht mit von der Partie. Bis heute sind die Lipper noch stolz auf die Verhandlungen.

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Mit Material von dpa, Carsten Linnhof

Hat ganz Nordrhein-Westfalen im Jahr 2016 Geburtstag gefeiert? Nein, nicht das ganze Land, denn der kleinste Landesteil Lippe ist erst seit 1947 dabei. Nach dem Zweiten Weltkrieg sträubten sich die Lipper, Teil von NRW zu werden. Sie kämpften aber nicht mit Fäusten, sondern mit Worten am Verhandlungstisch und entschieden erst im Jahr 1947: Wir wollen uns nicht den Niedersachsen unterwerfen, wir schließen uns Nordrhein-Westfalen an.

Es waren die Zugeständnisse der Rheinländer und Westfalen, die den Ausschlag gaben für den damaligen Ministerpräsidenten des Freistaates, Heinrich Drake. „In den Lippischen Punktationen ist die Einigung festgeschrieben", erzählt Stephan Prinz zur Lippe. „Das war der Startschuss für eine erfolgreiche Nachkriegsgeschichte." Prinz zur Lippe ist als Nachfahre des letzten noch regierenden Fürsten Hausherr im Detmolder Schloss.

Die Lipper schauen auf eine fast 900-jährige Geschichte als Grafschaft, Fürstentum oder Freistaat zurück. Vor der Eingliederung in das gerade gegründete Nordrhein-Westfalen wurde vereinbart: Das lippische Vermögen bleibt unangetastet und auch die Kultureinrichtungen bleiben erhalten. Das wäre mit den Niedersachsen nicht gegangen", sagt Prinz zur Lippe. Die Lipper seien es gewohnt gewesen, eigenständig zu sein. Da war es gut, dass Detmold Sitz der Bezirksregierung wurde - und nicht etwa eine außerhalb des ehemaligen Freistaates gelegene Stadt. Das wäre dem Bedürfnis nach Selbstverwaltung nicht gerecht geworden, sagt zur Lippe.

Von den Zugeständnissen profiert das einst bettelarme Lippe noch heute. Mit der Musikhochschule, dem Landestheater, dem Landesverband Lippe, der Bezirksregierung und dem Landgericht Detmold hat die Region wichtige Anziehungspunkte für Künstler,innen und Künstler, Juristinnen und Juristen und Verwaltungsexpertinnen und Verwaltungsexperten. Das sorgt für einen regen Austausch von und nach Lippe.

Ich kenne keinen Lipper mehr, der nicht zugezogen ist", sagt Daniel Wahren, Musiker und Touristenführer in Detmold. Allein die 1.000 Musikstudenten aus der ganzen Welt würden einen großen Wandel in der Bevölkerung mitsich bringen.

Und der kleinste Landesteil von Nordrhein-Westfalen auch hat prominente Söhne: Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und der Vorsitzende des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe, Andreas Voßkuhle, kamen beispielsweise in Detmold zur Welt. Im Interview mit der Neuen Westfälischen bestritt der oberste deutsche Verfassungsrichter Ende Juni aber, ein echter Lipper zu sein. Ein richtiger Lipper hat - wie ich mir habe sagen lassen -, mindestens zwei Ziegler in seiner Familie, die hier ansässig waren. Damit kann ich leider nicht aufwarten." Die Lippischen Ziegler zogen als saisonale Wanderarbeiter über Jahrhunderte quer durch ganz Europa, um ihre Familien daheim zu versorgen.

Die Lipper gelten häufig als geizig und betonen gerne, dass sie sich oft vernachlässigt fühlen. Das sind Klischees, die zwar dazu gehören, aber längst nicht mehr auf die Region passen. Touristenführer Wahren sagt: Die letzten großen Hungersnöte in Deutschland gab es in Lippe. Die Leute hatten einfach nix. Daraus sind diese Mythen entstanden."

Eine weitere Zuschreibung ist die Sturheit der Lipper. In dieser Hinsicht seien sie sich aber immerhin mit den Westfalen ähnlich. Hier sind wir wohl verwandt", sagt Touristenführer Wahren. Mit Blick auf die Rheinländer betont er aber besonders die Unterschiede: Mit dem Karneval kann hier keiner etwas anfangen, das geht an uns vorbei."

Im alten Lippe gibt es dafür jedoch ander Festtage und Sehenswürdigekeiten, dieTouristen anlocken: Das Hermannsdenkmal am Rande des Teutoburger Waldes ist eines der beliebtesten Ziele von Touristen in Nordrhein-Westfalen. Die Menschen fahren nach einem Besuch mit einem anderen Verständnis nach Hause", sagt Stephan Prinz zur Lippe. Die Region sei ein wunderbares Gegenstück zur Industriekultur im Ruhrgebiet. Lippe trägt zum Gesamtkunstwerk NRW bei und ist nicht nur ein Anhängsel."

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