Verleihung des Landesverdienstordens am 16. September 2015

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16. September 2015

Verleihung des Landesverdienstordens am 16. September 2015

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft verleiht den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen an 11 Bürgerinnen und Bürger

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat 11 Bürgerinnen und Bürger mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Im Rahmen einer Feierstunde in der Villa Horion in Düsseldorf vergab die Ministerpräsidentin diese herausragende Auszeichnung des Landes Nordrhein-Westfalen und würdigte den Einsatz und die Leistungen aller Ordensträgerinnen und Ordensträger.

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Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat 11 Bürgerinnen und Bürger mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Im Rahmen einer Feierstunde in der Villa Horion in Düsseldorf vergab die Ministerpräsidentin diese herausragende Auszeichnung des Landes Nordrhein-Westfalen und würdigte den Einsatz und die Leistungen aller Ordensträgerinnen und Ordensträger. „Die hier versammelten Ordenskandidatinnen und Ordenskandidaten sind ganz besondere Menschen“, sagte die Ministerpräsidentin. „Sie sind Vorbilder, sie stehen für Werte wie Menschenwürde, Gerechtigkeit, Solidarität, Toleranz und Zivilcourage.“

An die Ausgezeichneten gewandt sagte Hannelore Kraft: „Der Orden ist unsere Art, ‚Danke‘ zu sagen für außergewöhnliche Leistungen, die teilweise über Jahrzehnte erbracht worden sind. Was wäre das Land, wenn es nicht solche aufopferungsvollen Menschen gäbe? Ich meine, es wäre viel kälter und nicht so lebens- und liebenswert, wie es ist.“

„In Nordrhein-Westfalen gibt es mehr als fünf Millionen Ehrenamtliche, die in den unterschiedlichsten Bereichen arbeiten“, hob die Ministerpräsidentin hervor. „Wir erleben in diesen Wochen, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger in unserem Land genau in diesem Sinne für Flüchtlinge engagieren, dass sie sich einsetzen für die vielen Männer, Frauen und Kinder, die zu uns kommen, um ein Leben in Frieden und Sicherheit führen zu können. Ich bin unglaublich stolz darauf.“

Der Verdienstorden des Landes ist im März 1986 aus Anlass des 40. Geburtstages des Landes Nordrhein-Westfalen gestiftet worden. Er wird an Bürgerinnen und Bürger als Anerkennung ihrer außerordent­lichen Verdienste für die Allgemeinheit verliehen. Die Zahl der Landesorden ist auf 2.500 begrenzt. In den 27 Jahren seines Bestehens sind bisher knapp 1.500 Frauen und Männer mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet worden.

Die Ministerpräsidentin überreichte die Orden an:

  • Hans-Dieter Arntz, Euskirchen
  • Serdar Bozkurt, Duisburg
  • Bergit Fesenfeld, Velbert
  • Angela Genger, Ratingen
  • Prof. Dr. Ulrich Göbel, Hilden
  • Prof. Wolfgang Hufschmidt, Essen
  • Dr. Frank Paetzold, Mönchengladbach
  • Edeltraud Preuß, Niederkassel
  • Gertrud Servos, Neuss
  • Bundesminister a.D. Prof. Dr. Klaus Töpfer, Höxter
  • Bundesaußenminister a.D. Dr. Guido Westerwelle, Köln

Die Laudationes im Wortlaut:

(Es gilt das gesprochene Wort)

Hans-Dieter Arntz aus Euskirchen

„Was den Menschen auszeichnet, ist nicht, dass er Geschichte hat, sondern dass er etwas von seiner Geschichte begreift.“ hat Carl Friedrich von Weizsäcker einmal formuliert.
 
Hans-Dieter Arntz zeichnet sich dadurch aus, dass er überaus viel von seiner – und damit unser aller – Geschichte begriffen hat und dass er dies seit Jahrzehnten immer wieder aufs Neue unter Beweis stellt. Seit mittlerweile 40 Jahren richtet er sein ehren­amtliches Engagement auf die regional­his­torische Forschung und vor allem auf die deutsch-israelische und christlich-jüdische Aussöhnung.
 
Der ehemalige Oberstudienrat, der nicht etwa Geschichte, sondern Politologie, Sozial- und Erziehungs­wissenschaften studiert hat, interessierte sich schon früh für die jüngere Vergangenheit seiner Wahlheimat. Ihm gebührt das besondere Verdienst, mit der wissenschaftlichen Aufbereitung der national­sozia­listischen Zeit im Raum Euskirchen begonnen zu haben. Bereits 1982 erschien das Buch „JUDAICA – Juden in der Voreifel“. Für dieses Werk knüpfte Hans-Dieter Arntz zugleich Kontakte mit Juden in vielen Ländern der Welt. Inzwischen hat er 16 regionalhistorische Werke verfasst, die auch international geschätzt werden. Hinzu kommen Beiträge in Jahrbüchern und Tages­zeitungen. Auch sie sind ein eindrucks­voller Beleg für die Aufarbeitung des dunkelsten Kapitels unserer Geschichte.
 
Hans-Dieter Arntz hat sich insbesondere verdient gemacht durch die unzähligen persönlichen Kontakte zu ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, zu Überlebenden der Konzen­tra­tions­lager, die früher in der Region gelebt haben. Er hat sie gesucht und gefunden und durch sein Wirken Vertrauen geschaffen. Die von ihm orga­nisierten Treffen mit den damaligen Ein­wohnern und deren Angehörigen im Raum Euskirchen haben wichtige Signale gesetzt: Ob es persönliche Probleme oder Anliegen waren, etwa die Hilfe beim Renten­antrag, ob es um Familien­zusammen­führungen oder Wiedersehens­treffen ging – immer war Hans-Dieter Arntz mit großem persönlichem Einsatz zur Stelle. So hat Hans-Dieter Arntz einen ungeheuer wertvollen Beitrag geleistet, Ver­gangenes zu bewältigen und zu echter Aussöhnung zu finden. Mit einem Kreis von etwa 90 Menschen stand er bereits in den 80er Jahren in Kontakt. Was er von ihnen erfahren hat, ist in seine Publikationen und seine Vorträge eingeflossen.
 
Auf seine Dokumentationen konnten sich viele Gemeinden auch stützen bei der Installation der sogenannten „Stolpersteine“. Diese Steine erinnern daran, wo einst in der Nachbarschaft Juden gewohnt haben, bevor sie Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurden. Auf die Empfehlungen von Hans-Dieter Arntz wurden überdies Straßen umbenannt, Mahnmale errichtet und jüdische Friedhöfe und vergessene Synagogen erhalten und gepflegt.
 
Bei alldem war und ist es das Anliegen von Hans-Dieter Arntz, die Menschen immer wieder zu sensibilisieren, gegen das Vergessen anzukämpfen und Aussöhnung zu praktizieren.
 
Und da es alles andere als eine Selbstver­ständlichkeit ist, will ich an dieser Stelle erwähnen: Hinter der Anregung, Ihnen, lieber Hans-Dieter Arntz, für Ihr Lebenswerk den Verdienstorden des Landes zu verleihen, stehen 26 jüdische Antrags­stellerinnen und Antragsteller, die heute auf verschie­denen Kontinenten leben. Es sind Über­lebende von Auschwitz, Theresienstadt und Bergen-Belsen sowie jüdische Zeitzeugen und deren Angehörige.
 
Wenn es noch eines weiteren Beweises Ihrer so erfolgreichen deutsch-jüdischen Versöhnungsarbeit bedurft hätte: Hiermit ist er auf das Eindrucksvollste erbracht!
 
Ich freue mich, sehr geehrter Herr Arntz, Sie heute mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen auszuzeichnen."

Serdar Bozkurt aus Duisburg

„Ein Satz des Philosophen Laotse, den man eigent­lich gar nicht oft genug zitieren kann, lautet: „Der Berufene häuft keinen Besitz auf. Je mehr er für andere tut, desto mehr besitzt er.“ Lieber Serdar Bozkurt, wenn diese Aussage zutrifft, und ich bin sicher, das tut sie, dann sind Sie wahrlich mit Reichtum gesegnet. Denn Sie setzen sich schon über mehrere Jahrzehnte ausdauernd und vielfältig für Ihre Mit­men­schen ein. Vor über 50 Jahren kam Serdar Bozkurt als soge­nannter ‚Gastarbeiter‘ aus der Türkei nach Deutsch­land. Innerhalb kürzester Zeit hatte er sich integriert, beherrschte sehr schnell die deutsche Sprache. Und zwar so gut, dass er von seinem damaligen Arbeitgeber bei der Anwerbung weiterer türkischer Arbeitnehmer als Dolmetscher eingesetzt wird. Seinen ausländischen Kolleginnen und Kollegen steht er zur Seite und hilft ihnen bei der Ein­gliederung in Beruf und Gesellschaft.
 
Aber auch die ‚politische Bühne‘ nutzte Serdar Bozkurt schon früh, um die Lebensbedingungen der ‚Gastarbeiter‘ zu verbessern. So gehörte er 1979 zu den Gründern des Vereins „Türkische Sozial­demokraten“ in Duisburg. Hier bot er unter anderem Tages­seminare zu Themen wie Staatsbürgerschaft, Bildung und zur Rolle der Frau in der Gesellschaft an. Seiner Initiative war es zu verdanken, dass 1975 der erste Ausländerbeirat in Duisburg eingerichtet wurde. Seit den 1990er Jahren war er in verschiedenen Ausschüssen des Rates der Stadt Duisburg.
 
Zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Migran­tinnen und Migranten gründete Serdar Bozkurt (Aussprache: Szerrdar Bohskurrt) ein Netzwerk aus Vertretern von Schulen, Kindergärten, Gewerk­schaften, Arbeitgebern, Vereinen, Kirchen, Moscheen sowie Politik und Verwaltung.
 
Serdar Bozkurt gehörte im Auftrag des Integrationsbeirates der Stadt Duisburg der „Kommunalen Gesund­heitskonferenz“ an und war hier maßgeblich daran beteiligt, dass ein Gesundheitswegweiser für Menschen mit Migrationshintergrund heraus­gegeben wurde – eine ca. 170 Seiten starke Broschüre, die in 10 Sprachen erscheint. Auch unterstützte er den Aufbau eines Dolmetscher­dienstes an einer Duisburger Klinik. Überdies war es seinen intensiven Bemühungen zu verdanken, dass eine Migrantenambulanz eröffnet werden konnte. Und nicht zuletzt übernahm Serdar Bozkurt auch noch für einige Jahre Verantwortung als Hauptschöffe.
 
Lieber Serdar Bozkurt, Sie sind ein Musterbespiel gelungener Integration. Dass Sie darüber hinaus so viele zugewanderte Landsleute dabei unterstützt haben, sich nicht nur hier zurechtzufinden sondern auch heimisch zu fühlen, das ist eine großartige Leistung, für die ich Ihnen herzlich danken möchte. Dieser vorbildliche Einsatz wird heute mit dem Verdienst­orden des Landes Nordrhein-Westfalen belohnt."

Bergit Fesenfeld aus Velbert

„Durch Umgang mit Kindern gesundet die Seele“ hat der russische Dichter Fjodor M. Dostojewski ein­mal geschrieben. Bergit Fesenfeld, die wir heute aus­zeichnen, hat demnach gewiss eine gesunde Seele, denn sie setzt sich seit vielen Jahren für Kinder ein.
 
Seit den 1990er Jahren befasst sich die Journalistin Bergit Fesenfeld besonders intensiv mit dem Thema „Menschen­rechte für Kinder“. Bereits in den 1990er Jahren war sie beteiligt an der Planung und Durch­führung der „Frühjahrstagung zur Politik für Kinder“ des Kinderbeauftragten der Landes­regierung.
 
1996 initiierte sie für den WDR das Projekt „Kinder haben Rechte“ und den „WDR-Kinderrechtspreis“, der alle 2 Jahre für vorbildlichen und unkon­ven­tio­nellen Einsatz für Kinderrechte in Deutschland oder im Ausland vergeben wird. Bis heute organisiert und koordiniert Bergit Fesenfeld die Arbeiten rund um die Preisverleihung. Preis­träger waren bisher unter anderem eine Gruppe von Kindern mit Behin­derung, die sich selbst wiederum für Kinder in Russland einsetzt, ein Verein, der für Flüchtlings­kinder in Nordrhein-Westfalen Lehrstellen orga­nisiert und ein Projekt gegen Mädchenmorde in Indien. Der Kinderrechtspreis zeichnet nicht nur ver­diente Menschen aus, er hat auch die öffentliche Diskus­sion darüber angestoßen und voran­getrieben, dass Kinder eigene Rechte haben, die respektiert und geschützt werden müssen.
 
Als eine der 1. Journalistinnen Deutschlands erkannte Bergit Fesenfeld die Bedeutung der UN-Konvention über die Rechte von Kindern aus dem Jahr 1989. Seither ist sie zur Stelle, wenn es um Kinder­rechte geht. Immer sehr gut vorbereitet, kenntnisreich, aufmerksam zuhörend und kritisch nach­fragend, tritt sie entschieden und tempe­rament­voll für ihr Anliegen ein. Es ist daher auch ihr Verdienst, dass Kinderrechte inzwischen ein Thema für eine breite Öffentlichkeit wurden.
 
Dafür nutzte sie neben ihren Sendungen im WDR-Hörfunk auch einen Lehrauftrag an der Freien Universität Berlin im Bereich „European Master in Childhood Studies and Children‘s Rights“. Ihre Vorlesungen waren bei Studierenden immer sehr beliebt und gut besucht.
 
Außerdem trat sie vielfach als Referentin auf und verfasste ein Buch zur Umsetzung der Kinderrechte und zur Schulung von Journalistinnen und Jour­nalisten im Umgang mit Kindern. Mit der Bandbreite ihrer Erfahrung arbeitet sie als Jury-Mitglied am UNICEF-Juniorbotschafter-Projekt mit.
 
Für ihre Verdienste um die Rechte von Kindern wurde Bergit Fesenfeld schon mehrfach aus­ge­zeich­net. Liebe Frau Fesenfeld: Ich freue mich ganz beson­ders – auch weil mir persönlich das Thema Kinder so am Herzen liegt – Ihnen heute den Verdienst­orden des Landes Nordrhein-Westfalen zu verleihen."

Angela Genger aus Ratingen

„Erinnerung ist eine Form der Begegnung“ schreibt der Philosoph Khalil Gibran. Angela Genger bringt uns Erinnerung nah, an Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus aus Düsseldorf deportiert wurden. Und damit eröffnet sie uns die Möglichkeit, diesen Menschen in der Erinnerung zu begegnen.
 
Angela Genger war über 20 Jahre lang Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte für die Opfer des National­sozialismus in Düsseldorf. Sie gab unzählige Impulse zur Erinnerungs- und Gedenkkultur der Stadt und baute das zunächst kleine Institut zu einer festen Größe im Düsseldorfer Kulturleben aus. Sie vernetzte es national wie international und erwarb sich so Anerkennung und Wert­schätzung weit über die Grenzen der Landes­hauptstadt hinaus. Neben der Leitung des Kulturinstituts initiierte sie zahlreiche Publikationen über einzelne Aspekte der Geschichte Düsseldorfs in der NS-Zeit und begründete die wichtige pädagogische Arbeit zur Geschichte des Nationalsozialismus in Düsseldorf.
 
Angela Genger war Initiatorin, Mitgründerin und Vorsitzende des „Arbeitskreises der NS-Gedenk­stätten und -Erinnerungsorte in NRW“ und prägte mit ihrem Engagement die Arbeit des Vereins. Es ist ihr gelungen, eine Plattform zur Vernetzung und Weiter­entwicklung der Gedenk­stättenarbeit in Nordrhein-Westfalen zu schaffen, die aktuell 25 lokale Gedenkstätten umfasst.
Angela Genger hat ihre Kompetenz und Erfahrung auch ehrenamtlich in Sachverständigen-Gremien eingebracht, zum Beispiel bei der Planung neuer Gedenkstätten. Mit viel Überzeugungskraft warb sie erhebliche Mittel ein, die die Realisierung neuer Projekte oft erst ermöglichten. In ihrer Freizeit und während ihrer Urlaubsreisen suchte sie nach Holocaust-Überlebenden, Emigrantinnen und Emi­gran­ten sowie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus Düsseldorf und führte mit ihnen lebens­geschichtliche Interviews.
 
Auch nach ihrem Ruhestand pflegt sie weiterhin Kontakte zu Menschen, die Düsseldorf während des Nationalsozialismus verlassen mussten. Durch diese intensiven Kontakte und den persönlichen Einsatz von Angela Genger verfügt das Archiv der Düsseldorfer Gedenkstätte über einen wahren Schatz von persönlichen Dokumenten und Briefen. Angela Genger hielt unzählige Begegnungen, Erzählungen und Erinnerungen fest, auf deren histo­rische Aussagen heute jedermann zurück­greifen kann.
Bei der Verabschiedung von Angela Genger aus dem aktiven Dienst wurde ganz deutlich, wieviel Wertschätzung sie von allen Seiten genießt: von Sinti und Roma, von der jüdischen Gemeinde und von christlich und politisch motivierten Wider­stands­kämpferinnen und -kämpfern.
 
Liebe Angela Genger, nehmen Sie den Verdienst­orden des Landes Nordrhein-Westfalen als Zeichen unserer Anerkennung und Wert­schätzung Ihrer – wie ich finde, großartigen und wichtigen – Arbeit für die Erinnerungskultur in unserem Land."

Prof. Dr. Ulrich Göbel aus Hilden

„Es gibt kaum ein beglückenderes Gefühl, als zu spüren, dass man für andere Menschen etwas sein kann“, so der Theologe Dietrich Bonhoeffer. Professor Ulrich Göbel muss ein sehr glücklicher Mensch sein, denn er kümmert sich seit vielen Jahren um die medizinische Versorgung schwer kranker Kinder und ich bin ganz sicher, dass er sehr oft gespürt hat, wie wichtig er für diese Kinder und ihre Familien ist. Ulrich Göbel hat als renommierter Mediziner sein ganzes Leben der Gesundheit gewid­met – besonders der Gesundheit von Kindern.
 
Schon als Direktor im Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Düsseldorf haben Sie, lieber Herr Göbel, Maßstäbe gesetzt: Unter Ihrer Ägide verbesserten sich die Heilungs-chancen für Kinder mit Keim­zelltumoren signifikant. Sie waren Gründungs­mitglied der „Landes­arbeits­gemeinschaft Knochen­mark­spenderregister“ und Gründungs­mitglied der „Elterninitiative Kinderkrebs­klinik e.V.“ im Jahr 1979.
 
Verbesserte Heilungsmöglichkeiten für krebskranke Kinder standen und stehen stets im Fokus Ihres Wirkens. Und wie ich weiß, haben Sie auch nach Ihrer Emeritierung im Jahr 2006 Ihr Anliegen nie aus den Augen verloren.
 
Tief bewegt hat Sie, lieber Ulrich Göbel, das Leid von Kindern der ostrussischen Stadt Perm. 2 russische Ärztinnen wollten sich Anfang der 1990er Jahre bei Ihnen an der Düsseldorfer Universitäts­klinik über westliche Behandlungsmethoden zur Krebstherapie informieren. Zur damaligen Zeit glich das Kinderkrankenhaus in Perm einer Baracke. Hygiene­mängel verursachten immer wieder Entzün­dungen an den Einstichstellen der Infusionsnadeln. Doch dann wurde der WDR auf die menschen­unwürdige Situation in Perm aufmerksam, sendete eine Reportage und rief die Spendenaktion „Die Kinder von Perm“ ins Leben. Dank einer riesigen Spendenbereitschaft konnte die Kinderkrebsklinik in Perm neu errichtet werden. Sie nahm 1996 den Betrieb auf. Sie, lieber Ulrich Göbel gehörten zu den Mitgründern der Klinik und investieren seither viel Zeit, eigenes Geld und vor allem Ihr Wissen und Können als Facharzt in die Verbesserung der Behandlungsmethoden. Immer wieder kommt medizinisches Personal zur Schulung nach Düsseldorf oder Sie reisen nach Perm. Der Erfolg gibt Ihnen Recht: Starben früher 8 von 10 Kindern an den Folgen der Krebserkrankung, werden heute 8 von 10 Kindern geheilt! Bis heute halten Sie selbst Konsultationen in Perm ab.
Sind Sie in Deutschland, stehen Sie über moderne Kom­mu­nikationstechniken (wie sog. „Mikroskop-Kon­ferenzen“) den Kolleginnen und Kollegen in Perm mit Ihrer fachlichen Expertise bei schwierigen Therapie­entscheidungen zur Seite.
 
2004 ernannte Sie die medizinische Akademie von Perm zum „Professor honoris causa“. Ich habe die große Freude heute eine weitere Ehrung hinzu­zufügen: den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen."

Prof. Wolfgang Hufschmidt aus Essen

„Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.“ Das ist eine Erkenntnis, die wir Victor Hugo verdanken. Und Wolfgang Hufschmidt verdanken wir es, dass er mit seinen Kompositionen das Schweigen, das unmögliche Schweigen, immer wieder aufgehoben hat.
 
Sein kompositorisches Werk, das auch über die nationalen Grenzen hinaus aufgeführt wurde, ist allerdings nicht die einzige herausragende Leistung, die wir Professor Hufschmidt zu verdanken haben.
 
Es ist dem ehemaligen Rektor der Folkwang Hochschule in Essen in seiner 8jährigen Amtszeit insbesondere auch gelungen, den Ausbau der Hoch­schule zu realisieren und die Weichen für die Erneu­erung und Erweiterung der Disziplinen zu stellen: Neue Studiengänge für Jazz und Musical wurden eingerichtet und die Tanz- und Schau­spiel­ausbildung wurde zum Markenzeichen der Folkwang Hochschule im In- und Ausland. Und eben­so ist seinem Einsatz auch die Kooperation mit den Hochschulen in Tirana/Albanien und Nishni Nowgorod/Russland zu verdanken.
 
Als Künstler, ehemaliger Professor für Komposition und als Ehrenamtler setzt sich Wolfgang Hufschmidt seit Jahrzehnten für Kunst und Kultur ein. So gehörte er bereits vor mehr als 30 Jahren zu den Gründungsmitgliedern der „Gesellschaft für musi­ka­lische Aufführungen und Veröffent­lichungen“. Dies ist eine Gesellschaft, die sich um Musizierende, vorrangig von zeitgenössischer Musik, kümmert. Doch Wolfgang Hufschmidt gründete auch einen „Verlag der Komponisten“, die „edition V“. In diesem Verlag finden neben seinen eigenen Kompositionen auch viele Künstlerinnen und Künstler mit anspruchsvoller zeitgenössischer Musik eine publizistische Heimat.
 
An der Gründung der „Internationalen Hanns Eisler Gesellschaft“ 1994 war er nicht nur beteiligt, sondern prägte sie als deren Präsident über einen Zeitraum von 12 Jahren. Die Herausgabe des Gesamtwerks des Komponisten Hanns Eisler zählt zu einer seiner Hauptaufgaben.
 
Aber mit alldem nicht genug: In leitender Funktion als Vorstandsvorsitzender hat Wolfgang Hufschmidt sich zunächst für das „Choreographische Zentrum NRW e. V.“ eingesetzt. Daraus ist später der Um­bau der ehemaligen Waschkaue auf der Zeche Zollverein hervorgegangen. Dort entstand ein Arbeits- und Aufführungsort für Künstlerinnen und Künstler mit einer einzigartigen Infrastruktur für Tanz und kulturelle Begegnung.
 
Wolfgang Hufschmidt hat mit seinem enormen ehren­amtlichen Engagement, gepaart mit seiner Erfahrung und Reputation, ganz entscheidenden Anteil am Aufbau und Gelingen dieser Kultur­institution, die in Europa ihresgleichen sucht. Auch für den Übergang des Vereins in eine stabile Stiftung hat er sich engagiert, für die er auch heute noch als stellvertretender Vorsitzender mit großem Engagement tätig ist.
Wolfgang Hufschmidt Wirken ist mit dem eines vielseitigen Architekten zu vergleichen, der neue Brücken baut, ohne alte abzureißen: Dies gilt für seine eigene Kunst, die Komposition, für die Unter­stützung des Zusammen­spiels unterschiedlicher künstlerischer Disziplinen und die Entwicklung von Hochschule und Produktions­orten für die Künste. In einer Person Vordenker, Erfinder, Konstrukteur, Moderator und Unterstützer zu sein, das ist auch für einen besonderen Künstler wie ihn schon ein ganz besonderes Kunststück.
 
Lieber Wolfgang Hufschmidt, heute habe ich die Ehre und Freude, diese Verdienste für unser Land mit nichts Geringerem als dem Landes­verdienst­orden zu würdigen."

Dr. Frank Paetzold aus Mönchengladbach

Wenn das nicht mehr gilt, dass die Wirtschaft für den Menschen da ist, sondern der Mensch nur noch für die Wirtschaft da ist, dann ist diese Welt nicht mehr menschlich – aber sie soll menschlich sein. Darum muss die Wirtschaft für den Menschen da sein und nicht umgekehrt." Das hat Johannes Rau einmal gesagt. Und ganz ähnlich sieht das sicherlich auch Frank Paetzold, denn seit Jahrzehnten setzt er sich im Dienste der Menschen für die Wirtschaft ein.
 
Ihre Verdienste, lieber Frank Paetzold, sind ebenso viel­fältig wie beachtlich. Mit Ihrem außer­gewöhn­lichen Engagement haben Sie immer wieder Impulse gegeben und Akzente gesetzt, die bis heute ihre Wirkung entfalten.
 
Als Präsident des „Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V.“ ergriffen Sie die Initiative zur Gründung der „Stiftung Impuls“ des VDMA, um Stipendien an Studierende zu vergeben und Forschung und Lehre zu fördern. Unter Ihrem Vorsitz verzeichnete die Stiftung eine enorme Erhöhung des Stiftungskapitals. Als Präsident der Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein in den 1990er Jahren galt Ihr besonderes Augen­merk der Weiterentwicklung von Aus- und Fort­bildung und der Infrastruktur. Große Verdienste erwarben Sie im Bereich der Außenwirtschaft, wovon besonders kleine und mittlere Unternehmen der Region profitieren. 1996 ernannte Sie die Kammer­vollversammlung dafür zum Ehrenmitglied.
 
1992 wurde Frank Paetzold zum Präsidenten des Europäischen Komitees des Textilmaschinenbaus „CEMATEX“ gewählt. Dem europäischen Gedanken verschrieb er sich auch als Präsident des „Regio-Rates“. Er intensivierte die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den Niederlanden – und dabei insbesondere zwischen der Hochschule Niederrhein und der Hogeschool (Aussprache: hoo-che-s-chool) Venlo. Sichtbarer Beleg für seinen Erfolg ist die Einführung des grenz­über­schreitenden Studienganges der Wirtschafts­wissenschaften.
 
Mit Weitblick reformierte er als dessen Vorsitzender den „Versorgungs­verband deutscher Wirtschafts­orga­nisationen“. Das war Voraussetzung für eine stabile Entwicklung dieses Verbandes, die bis heute andauert.
 
Unglaubliche 35 Jahre ist Frank Paetzold ehren­amt­licher Handelsrichter am Landgericht Mönchen­gladbach. Würde ich alle seine Aktivitäten und Erfolge aufführen, würde das den Rahmen dieser Würdigung wohl sprengen!
 
Aber Eines darf auf keinen Fall unerwähnt bleiben: das herausragende soziale Engagement Frank Paetzolds! 1993 gehörte er zu den Gründungs­mitgliedern des „Freundeskreises Bethesda e.V.“, der das gleichnamige Krankenhaus in Mönchen­gladbach unterstützt. Im Laufe der Jahre stiftete der Freundeskreis eine Reihe von medizinischen Apparaten und Geräten. Aber auch die vor­beu­gende gesundheitliche Aufklärung war dem Grün­dungs­vorsitzenden Frank Paetzold ein besonderes Anliegen. Viele Patientinnen und Patienten haben in den vergangenen 20 Jahren von diesem Einsatz profitiert.
 
1999 gründete Frank Paetzold gemeinsam mit seiner (inzwischen verstorbenen) Frau die „Frank und Heidi Paetzold Stiftung“. Großzügig mit eigenen Mitteln ausgestattet, hilft die Stiftung bis heute der Musikschule in Mönchengladbach durch Stipendien oder den Ankauf von Musikinstrumenten.
 
Auch das Evangelische Bethesda Krankenhaus und ein Altenheim in Mönchengladbach haben weitere soziale Projekte mit der Hilfe der Stiftung ver­wirk­lichen können.
 
Unser Dank, lieber Herr Paetzold, gilt Ihrer außergewöhnlichen Lebensleistung, die wir heute mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen würdigen. 

Edeltraud Preuß aus Niederkassel

„Kinder sind Gäste, die nach dem Weg fragen“, diesen schönen Satz verdanken wir der Ärztin und Pädagogin Maria Montessori. Und Edeltraud Preuß – selbst Mutter von 4 Kindern – ist eine Frau, die Kindern seit über 20 Jahren dabei hilft, den richtigen Weg zu finden.
 
Als Diplom-Sozialarbeiterin war Edeltraud Preuß viele Jahre im Auftrag des Jugend­amtes als ‚Anwältin des Kindes‘ unterwegs und begleitete zahlreiche Kinder und Ju­gendliche in sozial schwie­rigen Situationen. In dieser Zeit engagierte sie sich ehrenamtlich für einige Jahre im Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde Niederkassel, als Ab­geordnete der Kreissynode und als Finanz­kirch­meisterin.
 
Aus ihrer langjährigen beruflichen Erfahrung heraus hatte Edeltraud Preuß die Idee, einen Verein zu gründen, der allein das Wohl der Kinder in den Mittelpunkt stellt. So wurde schließlich vor etwa 10 Jahren der Verein „Kölner Kreidekreis e. V.“ gegründet, der bis heute von Edeltraud Preuß geleitet wird. Vorrangiges Ziel dieses Vereins ist es, sogenannte ‚Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter‘ für Kinder zu finden. Und zwar für solche Kinder, die verlassen wurden und in Heimen untergebracht werden mussten. Diese Kinder werden weder von ihren Eltern noch von Verwandten besucht. Sie haben außerhalb des Heimes keine Kontakte oder Ansprechpersonen. Ich glaube, man kann sich kaum vorstellen, wie hart es ist, eine solche Kindheit zu haben! Um solche harten Schicksale ein wenig leichter zu machen, hat Edeltraud Preuß mit Hilfe des „Kreidekreises“ ein ‚Patenprojekt‘ ins Leben gerufen, über das Patinnen und Paten möglichst langfristig zur Betreuung dieser Kinder gewonnen werden. Die Auswahl der Ehren­amtlichen betreibt Edeltraud Preuß zeitintensiv und mit größter Sorgfalt. Sie führt Schulungen für die Patinnen und Paten durch, organisiert Veran­staltungen gemeinsam mit den Kindern und sie über­nimmt überdies auch noch den größten Teil aller Verwaltungs­arbeiten.
 
Wichtig ist Edeltraud Preuß vor allem, dass die Ehren­amtlichen kontinuierlich Zeit für die Kinder haben und dass sie ihnen helfen, das in den meisten Fällen verloren gegangene Selbstwert­gefühl zu stärken, damit sie zu selbstständigen Menschen heranwachsen können. Für viele dieser Kinder sind die mühsam aufgebauten Bindungen an die Patinnen und Paten die einzige Konstante in ihrem Leben.
 
Liebe Edeltraud Preuß, für Ihren herausragenden Ein­satz für diese Kinder danke ich Ihnen und über­reiche Ihnen dafür herzlich gerne den Verdienst­orden des Landes Nordrhein-Westfalen."

Gertrud Servos aus Neuss

„Stärke wächst nicht aus körperlicher Kraft – vielmehr aus unbeugsamen Willen“ – für diese Erkenntnis Mahatma Gandhis könnte Gertrud Servos Patin gestanden haben. Denn seit mehr als 2 Jahrzehnten kämpft sie in verschiedenen Funktionen und auf zahlreichen Ebenen für ein selbst­bestimmtes Leben von Menschen mit Handicap.
 
So setzt sich Gertrud Servos im Rat der Stadt Neuss sowie im Kreistag des Rhein-Kreises Neuss für eine Inklusion in allen gesellschaftlichen Bereichen ein. In der Landschaftsversammlung Rhein­land engagiert sie sich als Vorsitzende des Beirates für Inklusion und Menschenrechte sowie als stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Inklusion.
 
Über annähernd 20 Jahre übernimmt Gertrud Servos außerdem Verantwortung im Landes­behinderten­rat – seit 2010 als dessen Vorsitzende. Hier kümmert sie sich mit Nachdruck um die Interessen behinderter und chronisch kranker Menschen und vertritt deren Forderungen und Ansprüche gegenüber allen öffentlichen und gesellschaftlichen Instanzen. Den Landes­behindertenbeauftragten und den Inklusionsbeirat berät sie in allen Fragen der Inklusion.
 
Aktiv arbeitet Gertrud Servos auch bei der AWO-Ortsgruppe Neuss mit – seit 2004 als deren Vorsitzende. Hier kümmert sie sich u. a. um das Kinder- und Jugendtelefon und sie bietet Gesprächskreise im Rahmen der Erwachsenen­bildung für Menschen mit Behinderungen an.
 
Vor 20 Jahren gründete Gertrud Servos das „Netzwerk Frau und Mädchen mit Behin­derung/chro­nischer Erkrankung NRW“. Als Sprecherin ist es ihr ein Herzensanliegen, vor allem Politik und Gesellschaft für die Probleme behin­derter Frauen und Mädchen zu sensibilisieren.
 
Darüber hinaus organisiert sie gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen des Netzwerk-Büros Aktionen und Kampagnen zu wichtigen Themen:

  • Zur prekären Situation behinderter Frauen auf dem Arbeitsmarkt,
  • zur Benachteiligung von Mädchen mit Behinderung in Schule und Ausbildung,
  • oder auch zur Situation von Müttern mit Behinderung. 

Bei ihrem großartigen Einsatz geht es Gertrud Servos vor allem darum, Frauen und Mädchen mit Handicap eine Stimme zu verleihen. Unermüd­lich macht sie darauf aufmerksam, dass die Rechte der Menschen mit Beeinträchtigungen eben auch grundgesetzlich verankert sind – und dass sie im Alltag umgesetzt werden müssen.
 
Liebe Gertrud Servos, ich ziehe den Hut vor so viel Engagement und freue mich, Ihnen heute dafür den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen zu überreichen 

Bundesminister a.D. Prof. Dr. Klaus Töpfer aus Höxter

Lieber Herr Professor Töpfer, ich glaube jeder hätte ein echtes Problem, der wie ich nun über Ihre Verdienste sprechen möchte. Denn es sind sehr viele! Ich bitte also sehr um Nachsicht, lieber Professor Töpfer, wenn ich meine Laudatio auf Sie ein ganzes Stück kürzer mache, als sie es an­gesichts Ihrer Ver­dienste und Ihrer Lebensleistung eigentlich sein müsste.
 
Eine Ihrer besonderen Leistungen besteht nach meiner Überzeugung darin, dass Sie die Themen „Umwelt“ und „Nachhaltigkeit“ ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit und des öffentlichen Bewusstseins gerückt haben. Und dass Sie dies auf eine Weise getan haben, die Mut macht, die anspornt, die bei allen unglaublich großen Heraus­forderungen, vor denen wir stehen, von einer Zuversicht geprägt ist, dass wir das schaffen können: Das Naturerbe bewahren, den Klima­wandel bekämpfen.
 
Und in der Tat: Sie haben ja an vielen konkreten Beispielen gezeigt, dass es geht und wie es geht. Mit den weltweit strengsten Dioxin-Grenzwerten, die Sie als Umweltminister durchgesetzt haben. Mit dem Verbot der FCKW, die unsere Ozonschicht zu zerstören drohten. Ein Prozess, der gestoppt werden konnte. Mit der Einführung von Umwelt­ver­träg­lichkeitsprüfungen, der Vorstellung des 1. Nationalen Klimaberichts und vielem anderem mehr.
 
Sie haben gezeigt, dass wir den Blick weiten müssen, dass wir wirklich global denken, aber dann lokal handeln müssen. Wie kaum ein anderer stehen Sie für Internationalität, Sie sind ein Anwalt für Nachhaltigkeit und humane Entwicklung, der in Berlin oder Bonn ebenso zu Hause ist wie in Nairobi, New York oder Rio. Bei all dem wissen Sie, dass es keinen Sinn hat, Entwicklung und Nach­haltigkeit in einen Gegensatz zu bringen. Hier hat mir ein Satz von Ihnen immer besonders ein­geleuchtet, der Satz, dass Armut das stärkste Gift für die Umwelt sei, weil gerade Armut dazu zwinge, die letzten Bäume zu fällen und die letzten Ressourcen zu verbrauchen.
 
Es ist wirklich bemerkenswert, welche Spanne Ihr Wirken umfasst, lieber Professor Töpfer. Denn es ist keineswegs so, dass Sie über den ganz großen Problemen unserer Welt die vielleicht nicht ganz so gewaltigen Aufgaben aus dem Auge verloren hätten. Nein, Ihr Wirken ist wirklich umfassend. Wir in NRW haben z. B. allen Grund Ihnen dafür dank­bar zu sein, dass Sie als verantwortlicher Minister für den Regierungsumzug nach Berlin auch die Bonner Belange berücksichtigt haben. So haben Sie sich mit Erfolg dafür eingesetzt, dass durch den Umzug frei­werdende Liegenschaften des Bundes in Bonn neu genutzt werden konnten. Ich denke da z. B. an die Ansiedlung von UN-Einrichtungen oder an die Verlegung der Sitze des Bundesrechnungshofes und des Bundeskartellamtes nach Bonn.
 
Ja, lieber Professor Töpfer, Sie sind, das habe ich gesagt, in Berlin oder Bonn ebenso zu Hause wie in Nairobi, New York oder Rio. Aber eine ganz wichtige Stadt muss ich natürlich noch hinzufügen: Höxter! Denn dort sind Sie groß geworden und dort leben Sie seit 12 Jahren wieder. Weltoffenheit und Heimat­verbundenheit gehören bei Ihnen zusammen. Und es kann bei einem Mann Ihres Zuschnitts einfach nicht anders sein, dass Sie auch an Ihrem Heimatort eine wunderbare Wirksamkeit entfalten. Denn von dort aus haben Sie sich als Sonderbotschafter für den Aufnahmeantrag des Schlosses Corvey in die UNESCO-Welterbeliste engagiert. Mit Erfolg! (Wir waren ja beide bei der feierlichen Urkundeübergabe und der Enthüllung der Welterbeplakette am 26. Mai dieses Jahres dabei) Dass Corvey nun Weltkulturerbe ist, das ist sicher das schönste Geschenk, das Sie Ihrer Heimatstadt Höxter machen konnten.
 
Lieber Professor Töpfer, ich weiß, dass ich mit diesen Worten nur einen Bruchteil Ihrer Arbeit und Ihres Engagements gestreift habe. Aber ich will dennoch nur noch eines sagen: Ich freue mich, Ihnen heute den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen überreichen zu dürfen."

Bundesaußenminister a.D. Dr. Guido Westerwelle aus Köln

„Deutschland braucht „nicht weniger, sondern mehr Europa“, so lautet der Grundsatz einer großen Persön­lichkeit, die wir nun ehren wollen.
 
Sie, lieber Guido Westerwelle, haben als deutscher Außenminister und Vize-Kanzler an diesem Leitsatz nie einen Zweifel gelassen. Und mit dieser klaren euro­päischen Ausrichtung, die ja tatsächlich zu­gleich eine Ausrichtung an den Interessen Deutschlands ist, haben Sie die Aufgaben ange­packt, die sich in Ihrer Amtszeit gestellt haben.
 
Ich denke dabei vor allem an die Bewältigung der Euro-Krise, die Schwierigkeit, Europa in dieser Krise zusammenzuhalten und den Rückzug einzel­ner Staaten auf ihr rein nationales Interesse zu verhindern. Für Sie war immer klar: Europa hat einen Preis, aber vor allem hat es einen über­ragenden Wert. Darum haben Sie sich stets leiden­schaft­lich für die europäische Idee engagiert, Darum haben Sie stets betont, dass Europa mehr ist als Binnenmarkt und Währungsunion, nämlich vor allem auch eine Werte- und Kulturgemeinschaft. Und darum war es für Sie auch immer eine wirkliche Herzens­angelegenheit, insbesondere den Aus­tausch Deutschlands mit unseren Nachbarn Frank­reich und Polen zu intensivieren.
 
Gerade in diesen Tagen und Wochen erleben wir schmerzhaft, dass wir auf unserem Kontinent viel mehr solcher echten und überzeugten Europäer wie Sie bräuchten, lieber Guido Westerwelle.
In Ihre Amtszeit als Bundesaußenminister fielen die Um­brüche in mehreren arabischen Ländern, die unter dem Begriff „arabischer Frühling“ große Erwar­tungen weckten. Sie haben diese Prozesse mit sehr viel Anteilnahme und Sensibilität verfolgt und begleitet. Darum waren Sie auch immer skeptisch, was die Wirksamkeit militärischer Inter­ventionen angeht.
 
Mit außerordentlichem Engagement brachte Guido Westerwelle sich in die Nahost-Friedens­ver­hand­lungen zwischen Palästinensern und Israelis ein. Auf zahlreichen Reisen in die Region, setzte er sich konsequent und mit Nach­druck für die Zwei-Staaten-Lösung ein – eine Linie, die die deutsche Außenpolitik bis heute weiter verfolgt.
 
Auch für den Wiederaufbau Afghanistans hat sich Guido Westerwelle außerordentlich stark engagiert, ich denke hier nur an die große Wiederauf­bau­kon­ferenz mit der afghanischen Regierung im Dezember 2011 in Bonn.
 
Trotz seiner weltweiten Aktivitäten blieb Guido Westerwelle seinem Nordrhein-Westfalen stets ver­bunden: So hat er beispielsweise auch als Bundes­außenminister auf seiner Lateinamerikareise 2012 im NRW-Partnerbundesstaat Rio de Janeiro für die An­siedlung eines Wirtschaftsbüros in Köln gewor­ben. Er hat einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass sich die Städtepartnerschaft zwischen Köln und Rio de Janeiro – und der damit ver­bundene Austausch zwischen der brasilia­nischen und der rheinischen Metropole – so aktiv gestalten.
 
Zu seinen herausragenden Leistungen gehört das mehr als 3 Jahrzehnte währende Engagement für die Freien Demokraten. In unter­schied­lichen Funktionen und Ämtern bis hin zu General­sekretär, Vor­sitzender der Bundestags­fraktion und Bundes­vorsitzender der Partei und auch als Bonner Mandats­träger prägte Guido Westerwelle über viele Jahre das Bild der FDP.
 
Es verdient höchste Anerkennung, dass sich Guido Westerwelle auch nach seinem Rückzug aus den politischen Ämtern in seiner gemeinnützigen „Wester­welle Foundation“ ehrenamtlich für die inter­nationale Verständigung einsetzt und sich seit Beginn dieses Jahres überdies im Kuratorium der Bertelsmann Stiftung engagiert.
 
Wir alle freuen uns und sind dankbar dafür, dass Guido Westerwelle seine umfang­reichen politischen Erfahrungen weiter in den Dienst der Gemeinschaft stellt.
 
Wir alle sind auch dankbar dafür, dass er sich stets für die Bundesstadt Bonn stark gemacht hat.
 
Wir ehren mit Guido Westerwelle nicht zuletzt einen echten Botschafter des Rheinlandes, der sich – anders als man es Diplomaten sonst nachsagt – durch eine sehr klare und verständliche Sprache auszeichnet."

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