Warten auf den Wolf – Staatssekretär Becker informiert sich über die Vorbereitungen zur Rückkehr einer lange ausgestorbenen Tierart

5. August 2014

Warten auf den Wolf – Staatssekretär Becker informiert sich über die Vorbereitungen zur Rückkehr einer lange ausgestorbenen Tierart

Mit einer natürlichen Rückkehr des Wolfes nach Nordrhein-Westfalen muss gerechnet werden. Vor allem Jungwölfe aus Niedersachsen könnten die nordrhein-westfälischen Grenzen immer wieder streifen und sich eventuell sogar ansiedeln. „Deshalb müssen wir uns schon jetzt aktiv auf die Rückkehr des Wolfs vorbereiten, noch viel über den Wolf lernen und vor allem die Bürgerinnen und Bürger informieren“, erklärte der Parlamentarische Staatssekretär im Umweltministerium, Horst Becker, beim Besuch des Wolfsgeheges im Heimattierpark Olderdissen im Rahmen seiner Sommertour „WildesNRW“. Der Wolf gilt in Nordrhein-Westfalen seit 170 Jahren als ausgestorben. Für viele Menschen ist er noch immer der (böse) Darsteller in schaurigen Märchen oder für andere ein gänzlich Unbekannter. Auch im übrigen Deutschland war der Wolf fast 100 Jahre verschwunden. Doch seit 14 Jahren entwickelt sich insbesondere von der sächsischen Lausitz aus eine neue deutsche Wolfspopulation mit mittlerweile drei Rudeln im benachbarten Niedersachsen.

Das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz teilt mit:

Mit einer natürlichen Rückkehr des Wolfes nach Nordrhein-Westfalen muss gerechnet werden. Vor allem Jungwölfe aus Niedersachsen könnten die nordrhein-westfälischen Grenzen immer wieder streifen und sich eventuell sogar ansiedeln. „Deshalb müssen wir uns schon jetzt aktiv auf die Rückkehr des Wolfs vorbereiten, noch viel über den Wolf lernen und vor allem die Bürgerinnen und Bürger informieren“, erklärte der Parlamentarische Staatssekretär im Umweltministerium, Horst Becker, beim Besuch des Wolfsgeheges im Heimattierpark Olderdissen im Rahmen seiner Sommertour „WildesNRW“. Der Wolf gilt in Nordrhein-Westfalen seit 170 Jahren als ausgestorben. Für viele Menschen ist er noch immer der (böse) Darsteller in schaurigen Märchen oder für andere ein gänzlich Unbekannter. Auch im übrigen Deutschland war der Wolf fast 100 Jahre verschwunden. Doch seit 14 Jahren entwickelt sich insbesondere von der sächsischen Lausitz aus eine neue deutsche Wolfspopulation mit mittlerweile drei Rudeln im benachbarten Niedersachsen.

„Die heimische Artenvielfalt, der Schatz vor unserer Tür, ist bedroht; das gilt auch für den Wolf, der in NRW noch immer als ausgestorben gilt“, sagte Staatssekretär Becker. „Wir sind dabei, die Festplatte unserer Natur unwiederbringlich zu löschen und müssen gegensteuern. Etwa 45 Prozent der untersuchten Tier- und Pflanzenarten sind gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. Dabei sind die Ursachen des Artensterbens häufig menschengemacht. Vor allem eine zu intensive Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen und die Zerschneidung von Lebensräumen hinterlassen deutliche Spuren.“

Als sicher ausgestorben in NRW gelten die Säugetiere Braunbär, Elch, Auerochse, Wildpferd, Wolf und die Fledermausart Kleine Hufeisennase. Hinzu kommen mindestens 23 Vogelarten, dazu gehören unter anderem Wiedehopf, Blauracke, Brachpieper, Kampfläufer, Goldregenpfeifer, Fischadler sowie Auer- und Birkhuhn. Bei den Fischarten gelten Finte, Maifisch, Stör und Stint als ausgestorben. Beim Maifisch kann sich die Situation in Zukunft wieder ändern, sobald sich eine sichere Population durch die Wiederansiedlung im Rhein etabliert hat.

Neben der aktiven und erfolgreichen Wiederansiedlung von Tieren wie dem Lachs oder dem Biber kehren viele Tiere aus anderen europäischen Ländern selbständig wieder nach NRW zurück, sobald Lebensräume wieder hergestellt wurden und die Tiere die entsprechenden Rückzugsräume finden. „Wir können auch bei weiteren Wildtieren, so zum Beispiel beim Wolf langfristig mit einer natürlichen Rückkehr nach Nordrhein-Westfalen rechnen“, erklärte Dr. Matthias Kaiser, Leiter des Arbeitskreises Wolf vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV).

Anzeichen für eine Rückkehr des Wolfes auch nach NRW ist die positive Entwicklung der Bestände in anderen Bundesländern. Das Auftauchen einzelner Tiere zum Beispiel in Ost- und Südwestfalen oder in der Eifel ist daher möglich. Denn junge Wölfe suchen sich neue Reviere und wandern dabei teilweise mehrere hundert Kilometer weit. Bereits vor fünf Jahren, im Herbst 2009, stattete der damals im hessischen Reinhardswald lebende Wolf dem benachbarten Kreis Höxter einen heimlichen Besuch ab. Er riss eines Nachts ein Schaf und verschwand wieder. Über seine am Weidezaun hinterlassenen Haare und eine Gen-analyse wurde er später als Wolf bestätigt. Damals vor Ort war die Försterin Friederike Wolff vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Sie hat sich nach dem Wolfsbesuch in Höxter zur Luchs- und Wolfsberaterin weiterbilden lassen. „Unsere Aufgabe liegt in der Öffentlichkeitsarbeit und in der Beratung von Nutztierhaltern und Jägern“, erklärte die Försterin und Beraterin Wolff vor dem Gehege in Olderdissen, das ebenfalls der Umweltbildung in Sachen Wolf dient. Das Land hat mehrere Luchs- und Wolfsberater ausgebildet, zu deren Aufgaben auch die Erstaufnahme von Rissen an Wild- und Nutztieren gehört.

Denn der Wolf kann nicht zwischen seiner natürlichen Beute, dem Wild, und Nutztieren wie Schafen unterscheiden. Die oftmals beschworene Gefahr für Leib und Leben des Menschen geht vom Wolf aber nicht aus. Dennoch löst der Wolf immer wieder hitzige Debatten in der Öffentlichkeit aus. „Ich wünsche mir eine sachliche Diskussion auf allen Seiten“, sagte Staatssekretär Becker. „Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland ist einer der größten Artenschutzerfolge der letzten Jahre; wenn er zu uns kommt, darf er auch bei uns leben.“ Dazu hat das Land 2010 eine erste Arbeitsgruppe aus Fachleuten von Behörden sowie Vertretern der Naturschutzverbände, der Jagd und der Schafzucht gegründet. Ziel der Arbeitsgruppe ist, die „wolfsfreie“ Zeit zu nutzen, um Akzeptanz für den Wolf zu schaffen und wirtschaftliche Schäden zu vermeiden.

Für den Fall, dass kurzfristig ein Wolf nach NRW kommen sollte, hat das Land ein Notfallset für Schafhalter angeschafft. Dieses Notfallset zum Schutz vor Wolfsangriffen auf Schafe liegt bei der Biologischen Station Hochsauerlandkreis und kann bei Bedarf kurzfristig und schnell ausgeliehen werden. Nutztierrisse durch Wölfe werden vom Land aus Mitteln des Naturschutzes entschädigt. Denn der Wolf genießt heute strengen europäischen Schutz und darf nicht mehr bejagt werden. Die geschulten Wolfsberater können den Schafhaltern als erste Ansprechpartner dienen, um gerissene Schafe zu untersuchen und den genauen Verursacher festzustellen.

Die wesentliche Aufgabe für das Land und alle Beteiligten bleibt die Aufklärung und Information der Bevölkerung und der betroffenen Nutzergruppen - schon vor dem Auftauchen des ersten Wolfes. Daher hat der Landesbetrieb Wald und Holz NRW zu Jahresbeginn einen Workshop zum Thema Herdenschutz mit dem NRW-Schafzuchtverband und Experten aus dem Osten Deutschlands organisiert. Eine neue Wanderausstellung informiert über die Rückkehr des Wolfes. Verschiedene Informationsmaterialien sind veröffentlicht, die über die neue Internetseite www.wolf.nrw.de bestellt werden können. Weitere Informationen zu den gefährdeten und ausgestorbenen Arten in NRW sind zu finden unter http://www.naturschutzinformationen-nrw.de/artenschutz/de/arten/gruppe.


Verlust der biologischen Vielfalt bedroht das wilde NRW

In Nordrhein-Westfalen leben über 43.000 verschiedene Tier-, Pilz- und Pflanzenarten. Dieser Artenreichtum ist die Folge des Nebeneinanders zweier großer, sehr verschiedener Naturräume: Dem atlantisch geprägten Tiefland und dem kontinental geprägten Bergland. Jede dieser Regionen bietet eine historisch gewachsene Vielfalt von Lebensräumen (Biotopen) mit ihren typischen Tieren und Pflanzen, vom kleinsten Insekt über unseren „Urwald-Baum“, die Rotbuche, und den Wanderfalken als weltweit schnellstem Lebewesen bis hin zum größten Wildtier in NRW, dem europäischen Wisent. Ein Schatz direkt vor unserer Tür. Aber auch ein Schatz, der bedroht ist und den es zu bewahren gilt.

Weltweit ist die biologische Vielfalt massiv bedroht. Seit Jahrzehnten ist ein dramatischer Rückgang der Arten zu beobachten. So liegt die gegenwärtige Verlustrate in einigen Regionen der Welt etwa 100 bis 1.000 Mal höher als die natürliche Aussterberate. Auch in NRW geht der Verlust an biologischer Vielfalt weiter. Unsere Landschaften und Lebensräume haben sich durch die Eingriffe des Menschen stark verändert. Dies zeigt zum Beispiel ein Blick auf die Wälder in Deutschland: Von Natur aus wären rund zwei Drittel der Fläche Deutschlands von unserem Ur-Baum, der Rotbuche, bedeckt. Heute sind es real aber nur noch knapp sechs Prozent der Fläche.

Unser Naturerbe in NRW zu erhalten, ist eine Herkulesaufgabe, denn auch in NRW konnte bisher das Artensterben nicht aufgehalten werden: Etwa 45 Prozent der untersuchten Tier- und Pflanzenarten sind gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. Nach der aktuellen „Roten Liste NRW“ sind dabei Schmetterlinge (rund 55 Prozent), Moose (60 Prozent), Kriechtiere (etwa 71 Prozent) sowie Vögel und Wildbienen/Wespen (jeweils rund 52 Prozent betroffen) überdurchschnittlich gefährdet.

Die Ursachen des Artensterbens sind häufig menschengemacht: Hierzu gehören unter anderem die zu intensive Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen, die Zerstörung und Zerschneidung naturnaher Lebensräume und der fortschreitende Flächenfraß. So gehen täglich in NRW etwa 10 Hektar an wertvollen Lebensräumen für eine Vielzahl von Tier-, Pilz- und Pflanzenarten verloren.

Das NRW-Umweltministerium will dem fortschreitenden Verlust der biologischen Vielfalt mit einer neuen Biodiversitätsstrategie und einem neuen Landesnaturschutzgesetz entgegenwirken. Beide Vorhaben sollen in den nächsten beiden Jahren umgesetzt werden.

Weitere Informationen zum Thema und zur Sommertour 2014:

Bei Nachfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz,Wilhelm Deitermann, Telefon 0211 4566-719.

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