NRW-Rettungsmedaille

4. Dezember 2015

Stellvertretende Ministerpräsidentin Löhrmann zeichnet 31 Lebensretter mit der Rettungsmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen aus

Die Stellvertretende Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann hat in Vertretung für Ministerpräsidentin Hannelore Kraft 31 Retterinnen und Retter mit der Rettungsmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.

 
Die Staatskanzlei teilt mit:

Die Stellvertretende Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann hat in Vertretung für Ministerpräsidentin Hannelore Kraft 31 Retterinnen und Retter mit der Rettungsmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. In einer Feierstunde in der Turbinenhalle in Düsseldorf dankte die Stellvertretende Ministerpräsidentin den Retterinnen und Rettern für ihren selbstlosen Einsatz: „Sie haben in Situationen, in die Sie unversehens hineingeraten sind, außergewöhnlichen Mut gezeigt und unter Gefahr für Ihr eigenes Leben das anderer Menschen gerettet. Sie haben ganz instinktiv, ohne lange zu überlegen, gehandelt und das Richtige getan. Sie haben im entscheidenden Moment nicht gezögert. Sie sind Vorbilder für uns alle, Sie sind wirkliche Heldinnen und Helden!”
 
Die Rettungsmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen wird seit 1951 für Taten verliehen, bei denen Retterinnen und Retter die Gefahr für das eigene Leben nicht scheuten, um einen anderen Menschen aus einer lebensbedrohlichen Notlage zu befreien.
 
Bilder der Veranstaltung stellen wir Ihnen gerne kostenlos ab Montag, 7. Dezember 2015, hier zur Verfügung.
 
Die Rettungsmedaille erhalten heute:

  • Behrooz Bagherzadeh aus Köln, Polizeioberkommissarin Melanie Balle aus Köln, Polizeioberkommissar Sebastian Bleckmann aus Leichlingen, Polizeioberkommissarin Julia Borggräfe aus Köln, Polizeikomissar Jens Helmsen aus Köln, Polizeikommissarin Marina Lappeßen aus Aachen, Fahri Syla aus Köln, Polizeikommissar Thorsten Völz aus Linz am Rhein
  • Dirk Costantino, Peter Hildebrandt und Dieter Späte aus Verl
  • Polizeihauptkommissar Peter Andersch aus Much, Polizeihauptkommissar Hansjörg Schaub aus Siegburg, Polizeioberkommissarin Heike Lückerath aus Ruppichteroth und Polizeikommissar Stefan Hedemann aus Königswinter
  • Britta Haßlinghaus aus Recklinghausen
  • Polizeikommissarin Nuray Budak aus Georgsmarienhütte, Polizeioberkommissar Benjamin Klement aus Steinhagen
  • Polizeiobermeister Alexander Dingwerth aus Bonn
  • Polizeioberkommissar Rainer Walter aus Lippstadt
  • Julia Wurm aus Mönchengladbach
  • Polizeioberkommissar Thomas Erdlenbruch aus Essen und Polizeikommissar Sascha Sven Weirauch aus Bottrop
  • Tom-Oliver Mayer aus Odenthal und Nihal Inci aus Köln, Moritz Friedrich Eppelsheim aus Wuppertal, Alexandra Katharina Wolff aus Odenthal, Stefan Brühl aus Köln
  • Burhan Colakoglu aus Krefeld
  • Thorsten Schumacher aus Eitorf und Sabine Bernhardt aus Köln

Zum Download öffnen Sie die Galerie bitte in der Mediathek.

Die Laudationes im Wortlaut:
Rettungsmedaillen für Behrooz Bagherzadeh aus Köln, Polizeioberkommissarin Melanie Balle aus Köln, Polizeioberkommissar Sebastian Bleckmann aus Leichlingen, Polizeioberkommissarin Julia Borggräfe aus Köln, Polizeikomissar Jens Helmsen aus Köln, Polizeikommissarin Marina Lappeßen aus Aachen, Fahri Syla aus Köln, Polizeikommissar Thorsten Völz aus Linz am Rhein
 
Am Abend des 28. November 2012 gegen 19.20 Uhr werden fast zeitgleich drei Streifenwagenbesatzungen der Kölner Polizei zum Einsatz in einem Supermarkt auf der Venloer Straße beordert. Dort habe sich ein Mann mit Benzin übergossen und gerade selbst angezündet.

Als die erste Funkstreifenwagenbesatzung mit Sebastian Bleckmann und Jens Helmsen eintrifft, ist bereits von außen im Kassenbereich Feuerschein wahrzunehmen. Kurz darauf treffen die anderen beiden Streifenwagen ein. Trotz der zu diesem Zeitpunkt schon starken Rauchentwicklung begibt sich die sechsköpfige Besatzung ins Gebäudeinnere. Die Brandentwicklung, der dichte Rauch und die aus dem Supermarkt herausströmenden Menschen machen es den Beamtinnen und Beamten unmöglich, die zwischen Kassenbereich und Regalen liegende brennende Person zu bergen. Mit Feuerlöschern und Löschdecken ausgestattet, versuchen Jens Helmsen, Sebastian Bleckmann, Julia Borggräfe und Melanie Balle den Brand einzudämmen. Sie werden von Fahri Syla, der als Ladendetektiv im Markt eingesetzt war, mit einem Feuerlöscher unterstützt - dabei zieht sich Fahri Syla selbst Verletzungen zu. Der Brand, der auf einige Regale übergegriffen hat, lässt sich zunächst nicht eindämmen. Und durch die Flammen und die starke Rauchentwicklung können die Retterinnen und Retter nicht sofort zu dem brennenden Mann vordringen.

Um den Bereich abzusichern und die Schaulustigen von der Gefahrenzone fernzuhalten, verlassen Melanie Balle und Julia Borggräfe den Supermarkt. Unterdessen versuchen Marina Lappeßen und Thorsten Völz in den hinteren Bereich des Supermarktes zu gelangen, um zu prüfen, ob sich dort noch Menschen aufhalten. Dabei wird ihnen durch die sich immer weiter ausbreitende Rauchentwicklung die Sicht genommen, so dass sie die Tür zum Lager nicht erreichen können.

Die Beamten konnten nicht wissen, dass zu diesem Zeitpunkt bereits Behrooz Bagherzadeh, ein Mitarbeiter des Marktes, alle Kunden und Kolleginnen und Kollegen des Marktes gewarnt und aus dem Supermarkt geschleust hatte, er kontrollierte das Lager und den Keller, um sicherzu­stellen, dass alle den Markt verlassen hatten. Als Letzter verlässt er daraufhin durch den Hinterausgang den Laden.

Jens Helmsen, der zugleich auch ausgebildeter Rettungssanitäter ist, und Sebastian Bleckmann haben inzwischen den Mann, der neben einem der in Flammen stehenden Regale liegt, aus der unmittelbaren Gefahrenzone herausziehen können. Mit Hilfe von Blumenwasser, das die aus dem hinteren Ladenbereich zurückgekehrten Thorsten Völz und Marina Lappeßen in Eimern in der Nähe des Eingangsbereichs ent­decken, gelingt es schließlich, die restlichen Flammen am Körper des Betroffenen zu löschen. Endlich kann der bewusstlose Mann nach draußen gezogen werden.

Jens Helmsen leitet sofort, unterstützt von seinem Kollegen Sebastian Bleckmann, Erste-Hilfe-Maßnahmen ein. Die eintreffende Feuerwehr löst zusammen mit dem Notarzt die beiden Polizeibeamten bei der Versor­gung des Schwerverletzten ab. Währenddessen hat sich Marina Lappeßen nochmals mit Hilfe von Behrooz Bagherzadeh, der ihr den Weg zeigt, zum rückwärtigen Bereich des Supermarktes begeben und den Warenanlieferungsbereich bzw. den Zugang zum Lager inspiziert. Sie gelangt in das Lager und macht sich durch lautes Rufen bemerkbar – die starke Rauchentwicklung nimmt ihr jede Sicht. Sie informiert die Einsatzkräfte der Feuerwehr und sichert den rückwärtigen Gebäude­bereich. Die Feuerwehr stellt abschließend fest, dass sich keine weiteren Personen mehr dort aufgehalten haben.

Die drei Polizistinnen und drei Polizisten haben - unterstützt von Fari Syla - den jungen Mann, der seinem Leben ein Ende setzen wollte und der einige Tage später seinen schweren Verletzungen erlag, zunächst aus der Brandsituation gerettet.

Behrooz Bagherzadeh hat Mitarbeiter und Kunden aus dem Gefahren­bereich gebracht und Verkaufsräume und Lager kontrolliert. Die sechs eingesetzten Beamtinnen und Beamten nahmen in einem weit über ihre Dienstpflichten hinausgehenden Maß eine Eigengefährdung bewusst in Kauf, um Menschenleben zu retten und Schaden von der Allgemeinheit abzuwenden.

Und auch Behrooz Bagherzadeh und Fari Syla sind angesichts des Brandes nicht geflohen, sondern haben sich – ebenfalls ohne geeignete Schutzausstattung – selbst in Lebensgefahr begeben und versucht, andere Menschen vor möglichen schweren Folgen für Leib und Leben zu bewahren. Alle acht erhalten die Rettungsmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen.
 
Rettungsmedaille für Dirk Costantino, Peter Hildebrandt und Dieter Späte aus Verl

Nach einer Herzattacke verliert am Morgen des 18. April 2013 ein 61 Jahre alter Fahrer auf der Königsberger Straße in Verl-Sürenheide die Kontrolle über sein Fahrzeug, rast etwa 150 m über einen Acker und prallt gegen einen Baum. Schnell gerät das Auto in Brand.

Eine Anwohnerin beobachtet den Unfall und benachrichtigt sofort ihre Nachbarn, die Eheleute Späte. Frau Späte ruft die Polizei an und versucht danach durch Handzeichen weitere Autofahrer auf die nicht einsehbare Unfallstelle aufmerksam zu machen und zur Mithilfe zu bewegen.

Dieter Späte läuft ohne zu zögern zu dem verunglückten Fahrzeug. Als er die Unfallstelle erreicht, brennt der Motorraum bereits und der Innen­raum des Autos füllt sich mit Qualm. Abgesehen von der blockierten Fahrertür lassen sich alle anderen Türen öffnen. Dieter Späte versucht, den kräftigen bewusstlosen Fahrer aus dem Auto zu ziehen – jedoch ohne Erfolg.

Mittlerweile hat Peter Hildebrandt, der mit seinem Taxi die Unfallstelle passiert, angehalten und eilt zu dem brennenden Fahrzeug. Aber auch zu zweit ist es nicht möglich, den Mann aus dem Unfallauto zu bergen. Derweil breitet sich das Feuer aus, der Innenraum wird immer heißer. Es kommt bereits zu kleineren Explosionen, Bäume und Sträucher in der näheren Umgebung fangen Feuer.

Dirk Costantino, Löschführer der Freiwilligen Feuerwehr Verl-Kaunitz, wird ebenso wie seine Kameraden alarmiert. Da er direkt von seiner Arbeitsstelle zum Unfallort fährt, kommt er als Erster an, bevor die an­deren Einsatzkräfte eintreffen. Ohne Ausrüstung und Schutzkleidung eilt er den beiden Männern zu Hilfe. Zu dritt gelingt es ihnen schließlich, das Unfallopfer über den Beifahrersitz aus dem brennenden Fahrzeug zu bergen. Bis zum Eintreffen des Notarztes führen sie Wiederbelebungs­maßnahmen durch.

Trotz der sofort eingeleiteten Hilfe stirbt der Autofahrer zwei Tage später im Krankenhaus an den Folgen des Herzinfarkts. Bei der Rettungsaktion ziehen sich Dieter Späte und Peter Hildebrandt selbst leichte Rauchver­giftungen zu und müssen kurz stationär behandelt werden.

Mit ihrer mutigen Rettungsaktion haben sich die drei Männer aufgrund der starken Rauchentwicklung selbst in Lebensgefahr gebracht. Auch wenn es für den alarmierten Feuerwehrmann Dirk Costantino zu seinen Pflichten gehört, übersteigt sein tatkräftiges Handeln ohne Schutzklei­dung und weitere Ausrüstung das Maß der ihm obliegenden Einsatz­pflicht erheblich. Eine spätere Bergung wäre aufgrund des sich ausbrei­tenden Feuers nicht mehr möglich gewesen.
 
Rettungsmedaille für Polizeihauptkommissar Peter Andersch aus Much, Polizeihauptkommissar Hansjörg Schaub aus Siegburg, Polizeioberkommissarin Heike Lückerath aus Ruppichteroth und Polizeikommissar Stefan Hedemann aus Königswinter

Am 20. Juni 2013 ist der Rhein-Sieg-Kreis von einem heftigen Unwetter mit Starkregen besonders betroffen. Es kommt sogar zu Überlastungen der Notrufnummern von Feuerwehr und Polizei.

Die Polizeiwache St. Augustin erreicht kurz nach 13.00 Uhr ein akuter Hilferuf. Die Anruferin bittet darum, einen Rettungswagen zur Ina-Seidel-Straße, einem zweieinhalbgeschossigen freistehenden Haus in St. Augustin, zu schicken. Dort laufe die Souterrain-Wohnung, in der sich eine Einrichtung zur Tagesbetreuung für Kleinkinder befinde, mit Regenwasser voll. Zu der Zeit halten sich mehrere Kleinkinder im Alter von zwei bis drei Jahren in einem Schlafraum der Einrichtung auf. Sofort macht sich die Streifenwagenbesatzung mit Hansjörg Schaub und Heike Lückerath auf den Weg.

Vor Ort erklärt die Tagesmutter den beiden, dass sich sechs kleine Kinder im Schlafraum des Souterrains aufhalten. Das Wasser am Treppenabgang zum tiefergelegenen Außeneingang des Kellers steht bereits bis zur Türklinke. Der Wasserdruck ist schon so stark, dass ein Öffnen der Tür nicht möglich ist. Auch der Versuch von Heike Lückerath und Hansjörg Schaub, über das Fenster des Kellerlichtschachts in die unteren Räume zu gelangen, scheitert. Doch der Keller kann auch über eine Treppe in der verschlossenen Erdgeschosswohnung erreicht werden.

Zu diesem Zeitpunkt treffen Peter Andersch und Stefan Hedemann zur Unterstützung ein. Mit dem geliehenen Hammer eines Nachbarn schla­gen die Polizeibeamten die Terrassentür der Wohnung ein, um sich Zu­tritt zu verschaffen. Im Treppenhaus zeigt sich, dass der Wasserstand im Kellergeschoss etwa 90 cm hoch ist. In dem durch den Ausfall der Be­leuchtung dunklen Keller, in dem allerhand Unrat und Leergut schwimmt, stehen sie – ohne über eine Eigengefährdung durch Elektrizität nachzu­denken – vor der geschlossenen Tür des Kinderschlafzimmers. Auch hier verhindert der Wasserwiderstand das Öffnen der Tür, so dass sich die Helfer wiederum nur mit Hilfe des Hammers Einlass verschaffen können. Im Schein ihrer Taschenlampen nehmen sie als erstes zwei kleine Kinder wahr, deren Köpfe ab dem Kinnbereich soeben noch aus dem Wasser ragen. Die beiden Kinder befinden sich in einem bereits komplett unter Wasser stehenden Laufstall und halten sich – den Kopf im Nacken – am Rand des Laufstalls fest. Ihre Rettung erfolgt buchstäblich in letzter Minute.

Zwei weitere Kleinkinder, die sich im unteren Teil von Etagenbetten befinden, werden ebenfalls bereits vom Wasser umspült, das langsam aber stetig weiter steigt. Nur die beiden Kinder im oberen Teil der Etagenbetten kommen noch nicht mit dem Hochwasser in Berührung. Sofort tragen die Beamten die Kleinen nach oben ins Erdgeschoss. Mit Getränken versorgt und in Decken gewickelt werden sie wegen des Verdachts der Unterkühlung in die Kinderklinik in St. Augustin gebracht, die sie am Nachmittag aber wieder verlassen können.

Peter Andersch, Hansjörg Schaub, Heike Lückerath und Stefan Hedemann haben unter Einsatz ihres eigenen Lebens vier Kleinkinder unmittelbar vor dem Ertrinken gerettet. Da sofortiges Handeln erfor­derlich war, erfolgte die Rettung der Kinder ohne geeignete Schutz- und Sicherheitsausrüstung. Dieser Einsatz überstieg erheblich die Dienst­pflichten der Polizistin und der drei Polizisten – auch deshalb, weil sie während der Rettungsaktion die Gefahr eines möglichen Stromschlags in Kauf nahmen.
 
Rettungsmedaille für Britta Haßlinghaus aus Recklinghausen

Am 6. Februar 2014 gegen 13.45 Uhr überquert eine 82-jährige Seniorin auf der Straße Im Paßkamp in Recklinghausen mit ihrem Elektro-Krankenfahrstuhl den Bahnübergang der Bahnstrecke Hamm – Oberhausen. Zu diesem Zeitpunkt sind die Schrankenbäume der Gleisanlage geöffnet. Als die Seniorin sich mitten auf den Bahngleisen befindet, fällt ihr ein Gegenstand aus dem Korb ihres Elektrostuhls. Bei dem Versuch, den Gegenstand aufzuheben, stürzt sie auf die Gleise. Inzwischen haben sich die Schrankenbäume gesenkt. Die Lichtzeichen­anlage des Bahnübergangs zeigt Rotlicht.

Britta Haßlinghaus, die soeben mit ihrem Fahrzeug vor den sich schlie­ßenden Schrankenbäumen des Bahnübergangs anhält, sieht die Seniorin im Bereich der Gleise neben ihrem Rollstuhl liegen. Gleichzeitig hört sie die laute Signalhupe des herannahenden Güterzugs. Frau Haßlinghaus zögert keinen Moment, springt aus ihrem Auto und rennt zu der Gestürzten. Bei dem zunächst vergeblichen Versuch, ihr aufzuhelfen, verletzt sich Frau Haßlinghaus am Knie. Ungeachtet dessen greift sie der Seniorin unter die Arme und zieht sie rückwärts von den Schienen. Bei dieser Aktion verlieren beide den Halt und fallen hin.

Britta Haßlinghaus geht in Anbetracht des mittlerweile bedrohlich nahen und hupenden Zuges schon von ihrem Scheitern aus. Dennoch mobili­siert sie all ihre Kräfte und zieht die alte Dame die letzten Meter von den Schienen. Dabei sagt sie ihr, sie solle die Beine einziehen. Nur wenige Zentimeter von den beiden entfernt rauscht dann der Güterzug vorbei. Dieser hätte nicht rechtzeitig bremsen können und kommt erst viel später zum Stehen.

Ein Zeuge, der mittlerweile auf der gegenüberliegenden Seite des Bahnübergangs mit seinem Fahrzeug gehalten und die Rettungsaktion verfolgt hat, eilt zur Hilfe. Nach Eintreffen des Krankenwagens werden beide Frauen ärztlich versorgt. Während Frau Haßlinghaus eine Knie­prellung davonträgt, bleibt die Seniorin unverletzt.

Britta Haßlinghaus hat mit ihrem mutigen und selbstlosen Handeln und unter Einsatz ihres eigenen Lebens die Rettungstat unternommen. Dadurch hat sie das Leben der gestürzten und hilflosen alten Dame, die sich selbst mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht rechtzeitig in Sicherheit hätte bringen können, gerettet.
 
Rettungsmedaille für Polizeikommissarin Nuray Budak aus Georgsmarienhütte und Polizeioberkommissar Benjamin Klement aus Steinhagen

Am 17. April 2014 gegen 23.30 Uhr wird der Polizei in Halle ein Wohnungsbrand gemeldet. Als die Polizeibeamtin Nuray Budak und ihr Kollege Benjamin Klement als Erste vor dem Mehrfamilienhaus Grüner Weg eintreffen, nehmen sie zunächst weder einen Feuerschein noch eine Rauchentwicklung außerhalb des Gebäudes wahr. Allerdings haben sich schon mehrere Personen vor der Haustür versammelt und Brandgeruch liegt in der Luft.

Während Benjamin Klement diese ersten Informationen per Funk weitergibt, geht Nuray Budak bereits ins Haus und bittet anschließend ihren Kollegen, ein Brecheisen aus dem Wagen mitzunehmen. Sie begeben sich in das bereits verrauchte Dachgeschoss, wo sich noch Bewohner in ihren Wohnungen aufhalten sollen. Zwischen den beiden Dachgeschosswohnungen erkennen sie im nicht beleuchteten Flurbe­reich einen Mann, der zwar ansprechbar, aber offensichtlich verwirrt ist. Auf Nachfrage erklärt er, die linke Dachgeschosswohnung alleine zu bewohnen, deren Tür geschlossen war, und dass sich keine weitere Person dort aufhalte. Nuray Budak leitet den rußbehafteten Mann aus dem Gefahrenbereich nach unten.

Währenddessen vernimmt Benjamin Klement aus der rechten Dach­geschosswohnung eine leise Stimme. Da trotz mehrfachen Klopfens nicht aufgemacht wird, öffnet Benjamin Klement die Wohnungstür mit dem Brecheisen. Die Bewohnerin hat telefoniert und den Ernst der Lage offensichtlich noch gar nicht erkannt. Benjamin Klement muss nach­drücklich darauf bestehen, dass sie das Haus verlässt, erst dann kommt sie dieser Aufforderung nach und verlässt ihre Wohnung. Herr Klement prüft anschließend, dass sich in der anderen Dachgeschosswohnung tatsächlich niemand mehr aufhält. Mit Unterstützung zweier hinzuge­kommener Helfer des Ordnungsamtes gelingt es, die Wohnungstür ebenfalls aufzubrechen; doch die starke Hitze und dichten Rauchschwa­den machen es unmöglich, hineinzugehen. In dem noch einsehbaren Teil des Wohnungsflures ist aber keine weitere Person mehr zu erkennen. Als Benjamin Klement schließlich das Gebäude verlässt, ist es nach Auskunft der anderen Mitbewohner vollständig evakuiert.

Nach dem Verlassen des Hauses fängt sowohl bei Polizeikommissarin Nuray Budak als auch bei Polizeioberkommissar Benjamin Klement ein starker Hustenreiz an. Zwar kann bei beiden eine starke Kohlenmonoxid­vergiftung ausgeschlossen werden, dennoch bleiben sie bis zum Mittag des nächsten Tages in stationärer Behandlung im Krankenhaus. Der gerettete Bewohner, in dessen Wohnung der Brand durch eine brennen­de Zigarette auf dem Schlafsofa entstanden war, wird mit einer starken Rauchvergiftung intensivmedizinisch behandelt und wäre ohne recht­zeitige Hilfe vermutlich gestorben.

Die beiden Polizeibeamten haben sich durch ihr rasches Einschreiten, wohlwissend, dass die Feuerwehr mit Atemschutz noch einige Minuten bis zum Eintreffen benötigen würde, vorbildlich verhalten und unter Zurückstellung des Eigenschutzes zwei Menschen, die sich durch den giftigen Brandrauch in akuter Lebensgefahr befanden, das Leben ge­rettet. Dabei haben sie die ihnen obliegenden Pflichten erheblich über­schritten.
 
Rettungsmedaille für Polizeiobermeister Alexander Dingwerth aus Bonn

Am Freitagabend, den 20. Juni 2014 gegen 20.15 Uhr fährt Polizei­obermeister Alexander Dingwerth von der Bundespolizeiabteilung St. Augustin in seiner Freizeit mit dem Fahrrad am Bonner Rheinufer ent­lang. Als er sich auf der Höhe der Gaststätte „Bahnhöfchen“ befindet, wird er von einer Passantin auf einen menschlichen Körper im Rhein aufmerksam gemacht. Er erfährt von ihr, dass es sich um eine männliche Person handele, die soeben von der Kennedybrücke in den Rhein gesprungen sei.

Alexander Dingwerth handelt sofort, läuft zum Rheinufer, legt kurzerhand seine Kleidung ab und schwimmt zu dem in mindestens 15 Meter Ent­fernung treibenden Mann. Trotz der starken Strömung des Rheins kann er den hilflosen Mann erreichen, der zwar alkoholisiert, aber ansprechbar ist. Dem versierten Polizeiobermeister gelingt es mittels Schlepp- und Rettungstechnik, mit der Person ans Ufer zu gelangen. Als erste nimmt die inzwischen benachrichtigte Wasserschutzpolizei den Mann entgegen, der bekennt, dass er sich das Leben habe nehmen wollen und deshalb von der Brücke gesprungen sei. Gleichzeitig entschuldigt er sich bei seinem Retter dafür, dass er ihn mit seinem Handeln in Gefahr gebracht hat. Im inzwischen eingetroffenen Rettungswagen der Feuerwehr Bonn kollabiert der Mann und muss notärztlich behandelt und zur Uni-Klinik gebracht werden.

Mit seinem mutigen und selbstlosen Einsatz hat Polizeiobermeister Alexander Dingwerth, der sich in seiner Freizeit und zufällig am Rhein­ufer aufhielt, das Leben des in Suizidabsicht handelnden Mannes gerettet. Dabei hat er sich selbst vor allem durch die starke Strömung des Rheins, aber auch aufgrund der im Vergleich zur Körpertemperatur niedrigen Wassertemperatur in unmittelbare Lebensgefahr begeben.
 
Rettungsmedaille für Polizeioberkommissar Rainer Walter aus Lippstadt

Am Abend des 27. Juni 2014 werden Polizeioberkommissar Rainer Walter und drei weitere Kolleginnen und Kollegen zu einem Einsatz nach Lippstadt gerufen. Eine junge Frau hatte gedroht, sich das Leben zu nehmen. Am Einsatzort eingetroffen stellen die Beamten durch einen Blick durch die geschlossene Terrassentür fest, dass sich in einem Zimmer ein randvoll mit glühender Kohle gefüllter Grill befindet. Sofort ist ihnen klar, dass sich die junge Frau aufgrund des Austritts von Kohlen­monoxid in absoluter Lebensgefahr befindet.

Da verriegelte Fenster und Türen den Zugang zur Wohnung verwehren, versuchen sie sowohl an der Vorder- als auch an der Rückseite des Wohnhauses die Scheiben einzuschlagen. Nachdem die Tür zur Küche hin offen ist, macht sich Rainer Walter durch Rufen bemerkbar – erhält aber keine Antwort. Stattdessen erblickt er die junge Frau, die auf den Knien liegt und mühsam versucht, sich aufzurichten. Der Polizeibeamte zögert nicht lange und greift durch das von ihm eingeschlagene Fenster der Terrassentür. Nachdem er diese entriegelt hat, hält er die Luft an und rennt durch das Wohnzimmer auf die junge Frau zu, ergreift sie und bringt sie ins Freie. Hier wird sie – noch immer nicht ansprechbar – von den zwischenzeitlich eingetroffenen Rettungssanitätern weiter versorgt.

Polizeioberkommissar Rainer Walter hat durch sein sofortiges und mutiges Handeln den polizeilichen Auftrag, Gefahren für Leib und Leben abzuwehren, in überaus verantwortungsbewusster Weise wahrge­nommen. Das ihm als Polizeibeamter obliegende Maß an Pflichterfüllung hat er hierbei erheblich überschritten. Durch sein beherztes Eingreifen rettete er der jungen Frau das Leben und brachte sich hierbei selbst in Lebensgefahr. Denn auch nur kurzes Einatmen des tödlichen Atemgiftes Kohlenmonoxid hätte für Rainer Walter zu Bewusstlosigkeit und Tod führen können. Dennoch nahm er die nichtvermeidbare Eigengefährdung in Kauf, um ein Menschenleben zu retten.
 
Rettungsmedaille für Julia Wurm aus Mönchengladbach

Es ist kurz nach halb neun am Sonntagabend des 20. Juli 2014, als ein Bus der Linie 20 aus vorerst ungeklärten Umständen zunächst über den Bürgersteig fährt, einen Ampelmast rammt und dann in ein Wohnhaus an der Kölner Straße/Ecke Schleestraße in Mönchengladbach-Odenkirchen steuert und ein klaffendes Loch in die Außenwand reißt.

Julia Wurm sitzt in ihrem Wohnzimmer und wird durch den schweren Aufprall von mehreren, wie sie es wahrnimmt, explosionsartigen Knallge­räuschen aufgeschreckt. Von oben sieht sie den Bus, der frontal in ein auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehendes Haus gefahren ist. Geistesgegenwärtig alarmiert sie zunächst die Polizei, läuft aus der Wohnung und sieht den verletzten und offensichtlich eingeklemmten Busfahrer mit einer blutenden Kopfwunde. Von außen nimmt sie zunächst Kontakt zu ihm auf, um abzuklären, ob er ansprechbar ist. Ein inzwischen ebenfalls herbeigeeilter Mitarbeiter der nahe gelegenen Tankstelle hat einen Verbandskasten mitgebracht. Ungeachtet der drohenden Einsturzgefahr des stark beschädigten Wohnhauses steigt Julia Wurm in den Bus, um dem blutenden Fahrer zu helfen. Sie legt ihm einen Kopfverband an und spricht beruhigend auf ihn ein. Bis zum Eintreffen der Rettungskräfte hält sie seinen Kopf, um – wie sie als gelernte Physiotherapeutin weiß - Verletzungen der Halswirbelsäule zu vermeiden. Bei Eintreffen der Notärztin gibt Julia Wurm kompetent Auskunft und assistiert zunächst weiter. Der im Bus eingeklemmte Fahrer, der sich auf einer Betriebsfahrt ohne weitere Fahrgäste befand, kann nach der Absicherung des akut einsturzgefährdeten Gebäudeteils schließlich aus seiner schwierigen Lage befreit werden und wird vom Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht.

Julia Wurm hat sich durch ihre beherzte Rettungstat selber in Lebens­gefahr gebracht, denn das schwer beschädigte Haus hätte jederzeit ein- oder lose Fassadenteile herabstürzen können und sowohl den verletzten Busfahrer als auch sie selbst erschlagen können.
 
Rettungsmedaille für Polizeioberkommissar Thomas Erdlenbruch aus Essen und Polizeikommissar Sascha Sven Weirauch aus Bottrop

Am Abend des 22. Juli 2014 fahren die beiden Polizeibeamten Thomas Erdlenbruch und Sascha Weirauch gegen 19.40 Uhr auf der Bocholter Straße in Essen Streife. Im Vorbeifahren bemerken sie, dass Flammen aus dem Fenster der linken Erdgeschosswohnung eines Mehrfamilien­hauses schlagen. Es ist bereits eine starke Rauchentwicklung einge­treten. Die beiden Beamten drehen umgehend ihr Fahrzeug und fordern die Feuerwehr an. Sie stellen fest, dass das Feuer die betroffene Woh­nung bereits in voller Ausdehnung erfasst hat. Beide eilen unverzüglich in die brennende Wohnung.

Während Sascha Weirauch die 65-jährige Wohnungsinhaberin aus der Wohnung herausführt, trägt Thomas Erdlenbruch den erwachsenen be­hinderten Sohn aus dem Haus. Sascha Weirauch evakuiert eine weitere Person aus der Nachbarwohnung. Danach betreten beide Polizeibeamte erneut das Haus und treffen im Flur der ersten Etage auf eine Bewohner­in mit Kind. Aus dem mittlerweile schon stark verrauchten Flur trägt Sascha Weirauch das Kind nach draußen, Thomas Erdlenbruch führt die Frau aus dem Haus. Eine zu starke schwarze Rauchentwicklung und starke Hitze machen den Zugang zu den weiteren Etagen inzwischen unmöglich. Auf der Straße stehend, bemerken die Beamten, dass eine Frau am Fenster der Dachgeschosswohnung des mehrstöckigen Hauses durch Hilferufe auf sich aufmerksam macht. Sie wird von den beiden Polizisten durch Zurufe beruhigt und durch klare Verhaltenshinweise aufgefordert, bis zum Eintreffen der Feuerwehr in ihrer Wohnung zu bleiben. Das Betreten des Treppenhauses ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich. Die Berufsfeuerwehr der Stadt Essen übernimmt bei ihrem Eintreffen dann mit Hilfe der Drehleiter die Rettung der Frau aus dem Dachgeschoss.

Für die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses, insbesondere auch für den behinderten Mann, bestand aufgrund des Vollbrandes der Erdgeschosswohnung und der starken Rauchgasentwicklung akute Lebensgefahr. Eine Verzögerung von nur wenigen Minuten hätte zu verheerenden Folgen für alle Beteiligten führen können.

Sowohl PolizeioberkommissarThomas Erdlenbruch als auch Polizei­kommissar Sascha Weirauch haben sich mit ihrer mutigen Rettungstat auch selbst in Lebensgefahr gebracht und dadurch das Maß der ihnen obliegenden Pflichten erheblich überschritten.
 
Rettungsmedaille für Tom-Oliver Mayer aus Leverkusen, Nihal Inci aus Köln, Moritz Eppelsheim aus Wuppertal, Alexandra Wolff aus Odenthal und Stefan Brühl aus Köln

Am Samstagmorgen, den 23. August 2014, gegen 8.15 Uhr, fährt ein Kleintransporter auf der Tangente des Autobahnkreuzes Köln-Ost in Fahrtrichtung Oberhausen. Plötzlich gerät das Fahrzeug auf regennasser Fahrbahn zwischen der Auffahrt Köln-Ost und der Abfahrt Köln-Dellbrück ins Schleudern. Es prallt zunächst gegen die linke Betonbegrenzung, dreht sich dann nach rechts, kippt um und kommt schließlich auf der Fahrerseite im Bereich des dritten Überholstreifens zum Liegen. Der dabei ausgelöste Airbag versperrt den drei Insassen – einem Mann und zwei Frauen – die Sicht. Vergeblich versuchen sie, das Unfallfahrzeug zu verlassen.

Tom-Oliver Mayer, der zur selben Zeit auf die Tangente der Autobahn 3 in Fahrtrichtung Oberhausen fährt, beobachtet vom rechten Fahrstreifen aus den Unfall. Er stellt seinen PKW auf dem Seitenstreifen ab. Während seine Beifahrerin, Alexandra Wolff, die Polizei verständigt, läuft er über die Fahrbahn zum Unfallwagen. Sofort erkennt er, dass sich die Insassen nicht selbstständig befreien können. Nahezu zeitgleich erreicht der Bun­deswehrsoldat Moritz Eppelsheim die Unfallstelle. Er stellt sein Fahrzeug vor dem Unfallwagen auf der Überholspur ab, um so die Unfallstelle vor dem nachfolgenden Verkehr zu schützen. Dann versucht er mit seinem Bundeswehrmesser vergeblich, die Windschutzscheibe des Unfallwa­gens einzuschlagen. Dabei zieht er sich eine Schnittverletzung an der Hand zu. Tom-Oliver Mayer klettert währenddessen auf die oben lie­gende Tür des umgekippten Transporters und öffnet sie. Nun können die Insassen mit seiner Hilfe nacheinander das Fahrzeug verlassen. Alle drei stehen offensichtlich unter Schock. Da der verletzte Fahrer nicht allein stehen kann, wird er sofort neben die Mittelleitplanke gelegt.

Mittlerweile hat auch Stefan Brühl, ein Bundeswehrkamerad von Moritz Eppelsheim, die Unfallstelle erreicht. Als ausgebildeter Rettungssanitäter kümmert er sich gemeinsam mit Alexandra Wolff, die den Notruf abge­setzt und dann ebenfalls die Fahrbahn überquert hat, um die drei Unfallopfer. Schließlich stößt noch die Ärztin Nihal Inci als Ersthelferin dazu. Auch sie hat ihr Auto mit Warnblinklicht so abgestellt, dass es die Unfallstelle vor dem nachfolgenden Verkehr schützen kann. Die beiden verunfallten Frauen sind zwar verängstigt, augenscheinlich aber nicht schwer verletzt. Deshalb kümmert sich Frau Inci direkt um den blutend am Boden liegenden Fahrer. Zusammen mit den anderen Ersthelferinnen und -helfern überwacht sie seine vitalen Funktionen – bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes.

Alle am Unfallgeschehen Beteiligten haben sich in einer lebensgefähr­lichen Situation befunden: Die verunglückten Insassen hätten sich nicht selbstständig aus dem Unfallwagen befreien können. Sie wären – ohne den mutigen und umsichtigen Einsatz der Helfenden – allein durch den nachfolgenden Verkehr der Gefahr weiterer Zusammenstöße mit möglicherweise noch schwerwiegenderen Folgen ausgesetzt gewesen. Auch die Ersthelferinnen und Ersthelfer haben sich einer lebensge­fährlichen Situation ausgesetzt. Das Halten auf einer sehr befahrenen Autobahn, erst recht im Bereich eines Autobahnkreuzes, sowie das Überqueren einer mehrspurigen Fahrbahn bei laufendem Verkehr sind grundsätzlich lebensgefährlich. Trotzdem haben sie sich selbst in Lebensgefahr begeben, um das Leben anderer Menschen zu retten.
 
Rettungsmedaille für Burhan Colakoglu aus Krefeld

Am Silvesterabend 2014 feiert Burhan Colakoglu zusammen mit Ver­wandten und Freunden, einer Gruppe von etwa 15 Personen, die Silvesterparty auf einem der Partyschiffe auf dem Rhein in Köln. Darunter sind auch sein Bruder sowie dessen beste Freundin mit ihrem neuen Freund. Die Gesellschaft hält sich die ganze Zeit über auf dem zweiten Deck des Schiffes in der Nähe des Balkons auf. Kurz vor 01.00 Uhr in der Neujahrsnacht verlässt Burhan Colakoglu für kurze Zeit das Deck und als er wiederkommt, hört er, jemand sei über Bord gegangen. Dann hört er auch schon seinen Bruder schreien, dass die Freundin ins Wasser gefallen sei.Obwohl sein Bruder schon die Jacke ausgezogen hat, schubst er ihn und seinen Onkel, der ihn noch abhalten will, zur Seite und steigt selber auf das Geländer des Schiffes. Der Bruder zieht ihm noch von hinten die Jacke aus, dann macht Burhan Colakoglu einen Fußsprung ins Wasser. Zu diesem Zeitpunkt treibt die Freundin schon am Ende des Schiffes, das sich etwa in Höhe der Hohenzollernbrücke befindet. Aus Sorge, durch den Sog des weiter­fahrenden Schiffes zu nah an die Schiffsschraube zu geraten, drückt er sich vom Schiff weg und schwimmt so schnell er kann zu Monique. Als er sie nach einigen Metern schließlich zu fassen bekommt, merkt Burhan Colakoglu sofort, dass die Freundin bewusstlos ist. Bei seinen Versu­chen, ihren Kopf über Wasser zu halten, gehen sie beide immer wieder unter. Ihm wird klar, dass er sie kurz loslassen muss, um selber wieder über Wasser zu kommen und Luft zu holen. Sofort packt er Monique wieder und weiß in dem Moment, dass er sie festhalten muss, bis fremde Hilfe kommt, denn allein würden sie es nicht schaffen. Nach einer von ihm so empfundenen Ewigkeit werden die 32-jährige Frau und Burhan Colakoglu, der um ihrer beider Leben kämpft, endlich von der inzwischen alarmierten Wasserschutzpolizei gesehen und mit Hilfe eines als Griff dienenden Bootshakens aus dem Wasser an Bord gezogen.

Auf dem Rettungsboot wird die Frau, die erkennbar eine Kopfverletzung erlitten hat, sofort reanimiert. Ihr Retter, der stark unterkühlt ist, wird in Decken gehüllt vor den warmen Maschinenraum gelegt. Beide werden ins Krankenhaus gefahren, aus dem Burhan Colakoglu am Mittag des Neujahrstages entlassen wird. Leider verstirbt die Freundin am selben Abend gegen 22.00 Uhr.

Burhan Colakoglu hat mit seinem sofortigen und sehr mutigen Handeln das Leben der Verunglückten zu retten versucht und sich dabei selber in höchste Lebensgefahr begeben. Er hätte bei der Rettungsaktion ertrinken, an Unterkühlung sterben oder von einem der vielen Partyschiffe, die zu dieser Zeit auf dem Rhein unterwegs waren, erfasst werden können. Auch wenn die junge Frau leider keine 24 Stunden später verstorben ist, hat Burhan Colakoglu zunächst ihr Leben gerettet.

Rettungsmedaille für Thorsten Schumacher aus Eitorf und Sabine Bernhardt aus Köln

Am 14. Januar 2015, einem Mittwoch, befährt der Fahrer eines BMW gegen 9.40 Uhr die linke Fahrspur der fünfspurigen Bundesautobahn 4 zwischen der Anschlussstelle Köln-Poll und dem Autobahnkreuz Gremberg in Fahrtrichtung Olpe. Plötzlich fährt der BMW quer gegen die rechte Leitplanke, prallt dort ab und gelangt wiederum quer über drei Fahrspuren mit geringer Geschwindigkeit nach links an die Mittelleitplanke. Dort kommt das Fahrzeug zum Stehen.

Thorsten Schuhmacher befindet sich zur gleichen Zeit mit seinem PKW auf der mittleren Fahrspur hinter dem BMW-Fahrer. Als er bemerkt, dass der Fahrer die Gewalt über sein Fahrzeug verloren hat, stellt er seinen Wagen am rechten Fahrbahnrand ab und läuft zur Unfallstelle zurück. Zeitgleich ist auch Sabine Bernhardt in derselben Fahrtrichtung unter­wegs. Sie registriert sowohl den Unfallwagen als auch den jungen Mann, der bereits angehalten hat. Sie stellt ihren PKW ebenfalls auf dem Seitenstreifen ab und setzt einen Notruf ab. Anschließend läuft sie über die Autobahn zu der Unfallstelle. Gemeinsam gelingt es Sabine Bernhardt und Thorsten Schumacher, den schwergewichtigen Verun­glückten auf der Beifahrerseite aus seinem Fahrzeug zu ziehen und dahinter abzulegen.

Er ist bereits blau im Gesicht, weder Puls noch Atmung sind feststellbar. Für eine Sicherung der Unfallstelle bleibt den beiden angesichts dieser Situation keine Zeit. Als bei der Bundeswehr ausgebildeter Rettungs­sanitäter übernimmt Thorsten Schumacher sofort die Beatmung und Sabine Bernhardt beginnt mit der Herzdruckmassage. Bereits nach kurzer Zeit wird sie hierbei von einer weiteren Helferin abgelöst, die hinter dem Unfallwagen angehalten hat und so die Unfallstelle etwas vor dem nachfolgenden Verkehr schützt. Obwohl er bereits sehr erschöpft ist, führt Thorsten Schumacher die Reanimation so lange fort, bis der Notarzt eintrifft. Das Unfallopfer wird daraufhin in ein Krankenhaus gebracht.

Der Verunglückte befand sich aufgrund eines erlittenen Herzinfarkts und des Ausfalls sämtlicher Vitalfunktionen in akuter Lebensgefahr. Aber auch die beiden Retter begaben sich durch das Überqueren und Aufhalten auf der linken Fahrspur einer Bundes­autobahn bei laufendem Verkehr in Lebensgefahr. Ohne den mutigen Einsatz von Sabine Bernhardt und Thorsten Schumacher wäre das Unfallopfer nicht mehr lebend ins Krankenhaus gekommen. Der Unfallfahrer ist trotz aller Bemühungen noch am Nachmittag desselben Tages verstorben.

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