Ruhrtriennale 2012

16. April 2012

Ruhrtriennale 2012

Für die vierte Ruhrtriennale 2012-2014 konnte der Komponist und Theatermacher Prof. Heiner Goebbels als Intendant gewonnen werden. Die diesjährige RuhrTriennale findet von 17. August bis 30. September 2012 statt.

Das war die Saison 2012
"Everything which is not a story could be a play", "Alles, was keine Geschichte ist, kann Theater sein", heißt es schon bei Gertrude Stein. Theater kann eben so viel mehr sein als eine Geschichte: eine Vielfalt von Eindrücken aus Bewegungen, Klängen, Worten, Räumen, Körpern, Licht und Farben. Und mit diesem "mehr" kann das Theater vielleicht gerade da berühren, wofür (noch) die Worte fehlen. Das heißt, Kunst als Erfahrung steht auch für die Offenheit, das Geschehen auf der Bühne nicht immer unbedingt verstehen zu müssen, einer fremden Sprache oder einer unbekannten Musik zuzuhören, einem Bild zuzuschauen, für das kein Begriff existiert.

Die Räume der Industriekultur sind in ihrer Materialität die schärfsten Kritiker, wenn man "nur so tut als ob". Fehlt der Rahmen einer Guckkastenbühne, einer Blackbox oder eines goldenen Portals, merkt man selbst noch in der letzten Reihe, ob auf der Bühne nur etwas vorgegeben wird.

Theater besitzt eine eigene Realität, die eben nicht so tut, als würde sie nur auf eine andere verweisen. Gerade das gibt dem Publikum die Freiheit, das Theater mit der eigenen Realität und den eigenen Erfahrungen abzugleichen. Nähe und Ferne zwischen Theater und Realität sind nicht eine Frage der Interpretation der Regie, sondern selbst zu entdecken. Die Möglichkeiten für individuelles Entdecken sind kleiner geworden, die Räume für Vorstellungskraft enger. Hier kann die Kunst im Theater zu einem Schutzraum, zu einem Museum der Wahrnehmung werden, in dem all das wieder möglich ist.

Der Name Ruhrtriennale leuchtet leichter ein, wenn man jede Triennale als ein Statement für eine "Ästhetik auf drei Jahre" ansieht, ist Heiner Goebbels, Künstlerischer Leiter der Ruhrtriennale 2012-2014 überzeugt. So wird es in den nächsten drei Jahren kein Thema geben.

Themen schränken nicht nur den künstlerischen Leiter ein, sondern auch vehement den Auftrag an die Künstlerinnen und Künstler - und nicht zuletzt den Blick des Publikums. Gute Kunstwerke - das ist in der Darstellenden Kunst nicht anders als in der Bildenden Kunst - haben viele Geschichten und geben nicht alle ihre Geheimnisse frei.
Der Tanz ist vermutlich die am wenigsten institutionalisierte Kunstform. Und es ist wohl kein Zufall, dass es ausgerechnet die Choreografinnen und Choreografen waren, die in den letzten 20 Jahren die Möglichkeiten der Darstellenden Künste erweitert und zum Nachdenken angeregt haben.

Nicht nur zum Nachdenken über Bewegung, sondern auch zum Nachdenken über das Verhältnis von Musik und Tanz, von Klang und Bild, von Hören und Sehen. Deswegen hat die Ruhrtriennale Choreografen eingeladen wie Boris Charmatz, Tino Sehgal, Anne Teresa De Keersmaeker, Jérôme Bel, Lemi Ponifasio, Mathilde Monnier, Laurent Chétouane - auch weil sie längst schon etwas anderes machen als Tanz: Kunst mit allen Mitteln.

Der Raum kann genauso wichtig sein wie das Werk. Vor Sonnenaufgang, früh morgens, zeigt die Ruhrtriennale in der Jahrhunderthalle eine zauberhafte Melange aus alter, aber sehr aktuell klingender Chormusik und den im Dunkeln zunächst kaum wahrnehmbaren Körpern der Tänzerinnen und Tänzer von ROSAS. Klassische Musik mit weltberühmten Solisten kommt nicht im Konzertsaal, sondern in dem ganz intimen, fast privaten Rahmen eines Maschinenhauses auf der Zeche Carl zur Aufführung - und man kommt dabei der Virtuosität der Musiker so nah wie den Menschen in der Live Art-Ausstellung 12 Rooms.

No Education - Kinder sind die Experten der Festivaljury, sind die "enfants" bei Boris Charmatz, die Stars in When the mountain changed its clothing. Und zugleich sind sie die Protagonisten der No Education-Projekte: als visionäre Bauherren, als lebende Skulpturen, als Performer - weil Kinder Dinge zeigen können, die Erwachsene verlernt haben.

Im Festivalcampus auf dem Gelände der Jahrhunderthalle Bochum tauschen sich Studierende und Dozenten aus ganz Europa mit den Künstlerinnen und Künstlern der Ruhrtriennale aus. Sie nehmen das Festival als lebendiges Laboratorium und diskutieren das Gesehene und Gehörte untereinander, mit dem Publikum und den Machern.

Regional / International ist bei der Ruhrtriennale keine Alternative. Viele Künstlerinnen und Künstler, die zur Ruhrtriennale eingeladen wurden, bringen Experten, Young Professionals, Laien und Amateure aus dem Ruhrgebiet auf die Bühne:

Als "Assistenten" in Europeras 1&2 von John Cage, als Darsteller in der Prometheus-Inszenierung von Lemi Ponifasio, als Folk bei Romeo Castellucci und in dem off-off Musical des Nature Theater of Oklahoma, als Performer in 12 Rooms im Museum Folkwang oder als Schlagzeuger bei Boredoms.

Ein Festival / zwei Opern - John Cage und Carl Orff - gegensätzlicher geht es vermutlich kaum: für die Ruhrtriennale ist das auch als ein Statement für musikalische Offenheit und Breite zu sehen. Was beide verbindet, ist aber nicht nur die Tatsache, dass Europeras 1&2 und Prometheus im Repertoire der Opernhäuser der Welt nicht vorkommen, sondern vor allem, dass diese beiden Werke auf unterschiedliche Weise radikal mit der Tradition brechen und damit eine Perspektive für die Zukunft des Musiktheaters anbieten. Beide erweitern die Oper auf ihre Weise: überraschen mit einer völlig unhierarchischen, dezentralen Struktur (bei Cage) oder lenken die Aufmerksamkeit weg vom Gesang hin auf die Musikalität der gesprochenen Sprache (bei Orff).

Und "irgendwo" in der ästhetischen Vielfalt zwischen Cage und Orff präsentiert die Ruhrtriennale auch Charles Ives, die Kunst der Improvisation und die Ränder des Pop - da, wo sie zur Kunst werden: die rituelle Power der Boredoms und die Sounds von alva noto und Ryuichi Sakamoto.
   
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Ansprechpartner/-in:

Reinhard Krämer
Reinhard.Kraemer@ mfkjks.nrw.de

Christine Holsträter
Christine.Holstraeter@ mfkjks.nrw.de

Dokumentation 2011

Zur Ruhrtriennale 2011  

Erfolgreiche Bilanz für die Ruhrtriennale 2012
Heiner Goebbels, Künstlerischer Leiter der Ruhrtriennale 2012/2013/2014 und Lukas Crepaz, Geschäftsführer der Kultur Ruhr GmbH, stellten am 29. September 2012 die vorläufige Bilanz der Ruhrtriennale 2012 vor. Die Ruhrtriennale endete am 30. September 2012 mit der Verleihung der Children's Choice Awards und dem audio-visuellen Konzert utp_ von Ryuichi Sakamoto und alva noto in der Bochumer Jahrhunderthalle.

Im ersten Jahr unter der Leitung des Komponisten und Theatermachers Heiner Goebbels brachte die Ruhrtriennale vom 17. August bis 30. September 2012 rund 900 internationale Künstlerinnen und Künstler in das Ruhrgebiet. Über 30 Produktionen, darunter rund 20 Uraufführungen, Neuproduktionen und Deutschlandpremieren sowie zahlreiche Konzerte und Gastspiele verwandelten herausragende Industriedenkmäler in spektakuläre Aufführungsorte für Musik, Bildende Kunst, Theater, Tanz und Performance.

Rund 50.000 Zuschauer sahen die Produktionen 2012, davon rund 7.000 die Live Art-Ausstellung 12 Rooms. Insgesamt wurde eine Auslastung von 85% erreicht. Darüber hinaus speisten ca. 13.000 Besucher ihren Herzschlag in die Lichtinstallation Pulse Park ein. Ungezählt blieben die zahlreichen Besucher von Our CenturY, der begehbaren Installation rund um die Jahrhunderthalle Bochum.

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