Rede von Frau Ministerin Dr. Angelica Schwall-Düren anlässlich der Veranstaltung „Medienfrauen NRW 2011“ im KOMED 50670 Köln, im MediaPark 7 am 15. März 2011

15. März 2011

Rede von Frau Ministerin Dr. Angelica Schwall-Düren anlässlich der Veranstaltung „Medienfrauen NRW 2011“ im KOMED 50670 Köln, im MediaPark 7 am 15. März 2011

Rede von Frau Ministerin Dr. Angelica Schwall-Düren anlässlich der Veranstaltung „Medienfrauen NRW 2011“ im KOMED 50670 Köln, im MediaPark 7 am 15. März 2011

Rede von

Frau Ministerin

Dr. Angelica Schwall-Düren

anlässlich der Veranstaltung

„Medienfrauen NRW 2011“

im KOMED 50670 Köln, im MediaPark 7

am 15. März 2011

Beginn: 9.30 Uhr –

Rede etwa ab 9.50 Uhr

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,

liebe Frau Bürgermeisterin, liebe Gäste,

auch ich möchte Sie ganz herzlich willkommen heißen. Anlass für unser Treffen ist ein Tag, der in diesem Jahr besonders groß gefeiert wurde. Unweigerlich. Der Weltfrauentag fiel diesmal auf den Karnevalsdienstag. Dabei wollten wir es allerdings nicht belassen. Wir sind der Überzeugung, dass das Thema „Frauen“ immer eine eigene Veranstaltung wert ist. Vor allem in punkto Gleichberechtigung – trotz aller Fortschritte, über die wir mit Freude berichten können.

Natürlich haben es Frauen heute im Berufsleben leichter und natürlich gilt das auch für Medienberufe.

Ich will nur ein Beispiel nennen, das die Jüngeren unter Ihnen hoffentlich schon nicht mehr glauben können. Vor fast genau 40 Jahren entschied das ZDF erstmals, Nachrichten von einer Frau präsentieren zu lassen. Wibke Bruhns wird mir verzeihen, wenn ich ihre Geschichte noch einmal erzähle. Aber sie hat es beeindruckend schwer gehabt. Sie wurde von Frauen beschimpft. Sie wurde von Männern beschimpft. Sie solle sich gefälligst um Mann und Kinder kümmern. Warum sie über Dinge rede, von denen sie nichts verstünde. Ihre Weiblichkeit wurde in Frage gestellt, ihre Arbeit der Gotteslästerei gleichgestellt. Ich zitiere aus einem damaligen Beschwerdebrief: „Gott straft Frauen, die ihren angestammten Platz verlassen.« (FAZ-Artikel, verfasst von Wibke Bruns)

Ganz nebenbei sei bemerkt: Niemand empörte sich damals darüber, dass sie für diesen Pionierjob äußerst schlecht bezahlt wurde. Die Fernsehrevolution musste sie als freie Mitarbeiterin antreten.

Diese Zeiten sind in Deutschland erfreulicherweise vorbei. Ich stehe heute hier als Ministerin, ich überbringe Ihnen Grüße von unserer Ministerpräsidentin Frau Kraft. Wir leben in einem Bundesland, in dem sich Frauen bis an die Spitze arbeiten konnten. Zum Beispiel Monika Piel, heute WDR-Intendantin, Petra Müller, Geschäftsführerin der Filmstiftung, oder Anke Schäferkordt, ihres Zeichens Geschäftsführerin von RTL. Dort, wo über Inhalte, Richtungen und Geld entschieden wird, sind nicht mehr nur Männer zu finden. Das muss so sein. Aber es ist immer noch bemerkenswert.

Die Debatte über Gleichberechtigung ist noch immer notwendig

Wir sind mit der Debatte um Gleichberechtigung noch nicht am Ende. Das hat uns in diesen Tagen allein die Reaktion auf die Diskussion um die Frauenquote gezeigt. Es wird auf heftigste Art um ihre Notwendigkeit gestritten. Ich finde es wunderbar, wenn junge Frauen davon ausgehen, grundsätzliche Ungerechtigkeiten hätten sich längst erledigt. Für sie ist es heute selbstverständlich, dass sie ihr Abitur machen, dass sie studieren und dass sie danach arbeiten können. Irgendwann jedoch stehen sie vor Fragen, die diese Sicherheit ins Wanken bringen:

Haben sie tatsächlich die gleichen Chancen ganz nach oben zu kommen oder werden sie auf den letzten Metern ausgebremst?

Werden sie für die gleiche Tätigkeit tatsächlich genauso gut bezahlt wie ihre männlichen Kollegen?

Und haben sie nach einer Familienpause tatsächlich eine Chance, dort wieder anzufangen, wo sie aufgehört haben?

Nehmen wir eine statistische Angabe als Antwort:

Frauen in Deutschland verdienen durchschnittlich 23 Prozent weniger als Männer. Diese Angabe ist natürlich mit Vorsicht zu betrachten. Es handelt sich um einen Wert, der die durchschnittlichen Bruttostundenlöhne aller arbeitenden Männern und Frauen misst. Das heißt, im Einzelfall können Frauen und Männer also durchaus gleich oder weniger unterschiedlich bezahlt werden. Aber schauen wir uns die Gründe für die Abweichungen genauer an:

–     Nach wie vor arbeiten viele Frauen und Männer in unterschiedlichen Berufen und Branchen, in denen auch das Gehalt unterschiedlich ausfällt.

–     In Leitungs- und Führungspositionen - die grundsätzlich besser bezahlt werden - sind immer noch wesentlich mehr Männer als Frauen zu finden.

–     Bei einer Familiengründung unterbrechen Frauen immer noch länger ihre Berufstätigkeit als Männer.

–     Wenn Frauen dann in ihren Beruf zurückkehren wollen, müssen sie häufig einen geringer qualifizierten Arbeitsplatz akzeptieren.

–     In den beruflichen Sektoren, in denen der Anteil der Frauen traditionell hoch ist, gibt es grundsätzlich größere Unterschiede in den Gehältern von Männern und Frauen.

–     Die Vorstellungen von Karriere sind unterschiedlich. Der Weg durch die Hierarchien ist nicht immer das, was Frauen wollen. Sie machen sich selbstständig. Oder treten auch mal gerne kürzer.

Politik muss tatsächliche Wahlmöglichkeiten schaffen

Der Politik steht es nicht zu, ein Urteil über den ganz persönlichen Antrieb für oder gegen eine Karriere zu fällen. Sie muss aber Bedingungen schaffen, die jedem eine tatsächliche und nicht nur eine theoretische Wahlmöglichkeit eröffnen. Jeder soll den Weg gehen können, den er selbst bestimmt. Und die Politik muss Hindernisse überwinden helfen, die einer Chancengleichheit entgegen stehen.

Das versucht die Landesregierung ganz pragmatisch:

Zum Beispiel durch die Entscheidung, die Kinderbetreuung zu verbessern, damit Frauen nach der Geburt ihrer Kinder schneller wieder in ihren Beruf finden. Und wenn sie wollen, auch wieder Vollzeit arbeiten können.

Zum Beispiel mit einem Wiedereinstiegsprogramm, das allen Müttern die Rückkehr in die Berufe erleichtert.

Zum Beispiel mit einem Mentorenprogramm, das Frauen beim Aufstieg in Führungspositionen unterstützt.

Politik muss über Wahlmöglichkeiten informieren

Die Landesregierung versucht auch mit Veranstaltungen wie diesen zu helfen.

Mit Veranstaltungen, die informieren und Orientierung geben. Nordrhein-Westfalen bietet heute 20 Ausbildungsberufe und 150 Studiengänge im Medienbereich. Die Studiengänge werden bereits zur Hälfte von Frauen besucht. Aber nur wenige entscheiden sich für einen Ausbildungsberuf, fast keine für einen technischen (Mediengestalterin in Bild und Ton erweist sich als deutlich attraktiver als bspw. die Informations- und Telekommunikationssystem-Elektronikerin (kurz: die IT-System-Elektronikerin).

Die Frage, ist, ob diese Berufe generell von Frauen abgelehnt werden oder ob sie nicht einfach unbekannt sind.

Es gibt selbstverständlich Mädchen und Frauen mit naturwissenschaftlich-technischen Interessen. Gemeinsam mit der „Stiftung Partner für Schule NRW“ fördert die Landesregierung diese Interessen schon im Schulunterricht. Ich bin mir sicher, dass auch heute wieder einige dabei sein werden, die wir mit unseren Angeboten inspirieren können. Sie müssen sie nur kennenlernen.

Dabei wollen wir Ihnen, liebe Gäste, nicht einfach nur reine Informationen übergeben oder Sie auf Links verweisen. Wir wollen Ihnen Vorbilder vorstellen. Ich bin sehr froh, dass wir viele Frauen gewonnen haben, die von ihrem Erfolg und von ihren Erfahrungen in den Medien erzählen und Ratschläge aus erster Hand geben können.

Allen Referentinnen danke ich an dieser Stelle herzlich dafür, dass sie sich heute die Zeit für die vielen Nachwuchstalente nehmen und sie hoffentlich zu einem der vielen Medienberufe ermutigen.

Sie senden überdies ein wichtiges Signal aus, nämlich dass wir auch weiterhin über das Thema Frauenförderung sprechen sollten. Nicht nur am Weltfrauentag. Wie lange noch, das wird sich zeigen. Dazu möchte ich die Soziologin Elisabeth Badinter aus ihrem jüngsten Buch zitieren, das derzeit die Medienrunde macht. „Erst wenn Männer einsehen, dass Gleichberechtigung nicht nur die Rolle der Frauen, sondern auch ihre eigene verändert, haben Frauen eine Chance, ihnen gleichgestellt zu sein.“

All Ihnen wünsche ich nun einen spannenden, informativen, bereichernden und schönen Tag.

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