Rede des Staatssekretärs Eumann zur Verabschiedung von Prof. Dr. Norbert Schneider

27. September 2010

Rede des Staatssekretärs Eumann zur Verabschiedung von Prof. Dr. Norbert Schneider

Rede des Staatssekretärs Eumann zur Verabschiedung von Prof. Dr. Norbert Schneider

Rede

anlässlich der Verabschiedung

von Professor Dr. Norbert Schneider

Lieber Herr Schneider,

liebe Frau Schneider,

liebe Frau Frauke Gerlach

verehrte Damen, meine Herren,

Grußworte zu sprechen, sind oft so eine Sache. Sie wissen, was ich meine. Sie alle sprechen gelegentlich - und nicht nur darüber. Eine typische Situation sieht dann so aus. In der Regel gibt die Zeitvorgabe wenig Gelegenheit, das zu sagen, was man glaubt, sagen zu müssen. So passiert es, - in der Regel -, dass Grußworte, ohne dass der Wortgruß etwas dafür kann, missbraucht werden. Zum Beispiel zu Ko-Referaten.

Ich will dieser Versuchung widerstehen – will es zumindest versuchen. Und bin damit gleich mitten drin. Denn einer meiner Lieblings-Schneider-Sätze geht so: „Nicht die Versuchung ist das Problem, sondern die Folgen, wenn man ihr erliegt.“

Also will ich dieser Versuchung widerstehen und Sie und mich vor den möglichen Folgen bewahren. Wie die aussehen könnten? Fragen Sie nicht Ihren Arzt oder Apotheker, fragen Sie unseren Regulierer. Noch können wir es.

Der Versuchung zu widerstehen, fällt mir auch deshalb leicht, leichter als sonst, weil mein Grußwort den Anfang macht. Denn soviel ist sicher, vor Schneider zu sprechen ist leicht, danach fällt man leicht durch.

Das kann mir also, mein Glück, so nicht passieren. Aber wer weiß schon, wer und was noch kommt. Ich weiß nur, es ist schade, dass einer geht. Aber der hat heute auf jeden Fall das letzte Wort – und auch ab Morgen hat sein Wort Gewicht – nicht nur, aber auch bei mir.

Gewiss: Da mag es manchen geben, der frohlockt, er sei jetzt aus dem Schneider, so oder so oder so. Ich bin sicher, er irrt.

Ich habe versprochen: Ich will es mir leicht machen, und halte mich deswegen an die alte Regel, nicht länger zu Reden, als man auf einem Bein stehen kann. Regeln, das ist mein Stichwort, Regeln sind Ausgang, Inhalt und Ziel im Leben des Regulierers. Und um einen solchen geht es ja heute.

Die Regel kennt, Sie kennen das auch, die Ausnahme. Das ist für die meisten Regulierer ein Graus und für alle Regulierten ein kostbarer Augenblick des Glücks. Solche Ausnahmen sind es, die das Besondere ausmachen, weil sie aus der Routine ausbrechen und uns deshalb im Gedächtnis bleiben:

Lieber Herr Schneider, für mich waren, sind und bleiben Sie diese besondere Ausnahme. Sie sind ein Ausnahme-Regulierer im besten Sinne des Wortes und auch der Regulierer, der die Kraft des Wortes am meisten schätzt und am besten nutzt.

Apropos Kraft: Ich habe die Ehre heute im Namen der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen zu sprechen und übermittle Ihnen die herzlichen Grüße von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Gleich wird Frau Löhrmann als stellv. Ministerpräsidentin noch kommen. Auch das soll unterstreichen: Diese Landesregierung schätzt Ihr Urteil und Ihr Urteilsvermögen.

Lieber Herr Schneider,

nicht alle haben die Inhalte Ihrer Reden sofort verstanden. Es steht zu befürchten, manche nie. Dabei bestanden sie – in der Regel – aus Klartext.

Als Regulierer haben Sie aber nicht nur die Sender in die Verantwortung genommen, sondern auch die Empfänger. Der Empfänger, der auch eine Verantwortung hat, für das, was er liest, sieht, hört.

Für mich war, beinahe, jede Ihrer Reden eine spannende Ausnahme und jede Aufmerksamkeit wert.

Was mir heute wichtig ist zu sagen, vermag ich nicht in ein Grußwort zu kleiden. Dafür brauche ich ein Dankeswort.

Lieber Herr Schneider,

ich danke Ihnen sehr für viele kluge Worte, für Ihr offenes Ohr, für Ratschläge die geholfen haben und keine Schläge waren; ich danke Ihnen für gute Regulierung im Medienland Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus.

In Anlehnung an Luhmann, bekenne ich hier und heute, untermalt von Schumann, der es in seiner Düsseldorfer Zeit auch nicht immer leicht hatte, nicht nur die Rheinischen unter Ihnen verstehen, was ich meine, gerne: Vieles, was ich über Medien, ihre Ordnung und gelegentliche Unordnung weiß, weiß ich durch Sie.

Und durch Sie habe ich gelernt, nicht nur an Visionen, sondern vor allem an Fiktionen zu glauben. Die Medienwelt, in der wir uns bewegen, kennt ja nicht, wie die Analogen unter Ihnen, Dichtung und Wahrheit, sondern teilt sich selbst ein in Fiction und Nonfiction. Und unsere Medienwelt ist voller Fiktionen. Gerade bei den Fiktionen muss man genau hinschauen. Das haben Sie getan von Berufswegen – und da Sie erkennbar weder an Leib und Seele Schaden genommen haben, sagt das auch viel über die Qualität unserer Medien aus. Man kann mit ihnen gut leben.

Lieber Herr Schneider,

Wir leben in revolutionären Zeiten. Die zeichnen sich durch Unübersichtlichkeit aus. Geht es uns schon wie einem Romanhelden Paul Austers, der sagt: „Das sehe ich erst, wenn ich es glaube? Nein, zumindest noch nicht.

Deshalb gilt: Revolutionen gelingen nur mit Regeln. Die Revolutionäre unter Ihnen wissen genau, was ich meine. Sonst kann es nämlich passieren, dass man zwar den König köpft, aber anschließend einen Kaiser bekommt.

Aber wir wollen doch ein Happy End, an dessen Ende der medienkompetente Held die medienkompetente Heldin kriegt und beide die Inhalte, die ihnen nutzen.

Damit das gelingt, braucht es jetzt und in Zukunft Regeln und Regulierer, vor allem aber Ziele und Orientierung.

Deswegen verfolgt auch die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen das Ziel, eine Medienanstalt der Länder zu schaffen. Und anders als andere, sehen wir dadurch eine Stärkung des Föderalismus und eine Stärkung der föderal verantworteten Medienpolitik.

Und es braucht Stifter, die gute Ideen stiften und es braucht Stifter, die dieser Gesellschaft etwas von dem zurückgeben, was sie durch diese Gesellschaft bekommen haben. Wir nehmen auch Geld, um ihre Idee einer Stiftung Medientest zu verwirklichen.

Das nehme ich mir vor: Denn wir brauchen Orientierung in einer Welt, in der man sonst vor lauter Reizen nicht weiß, wer zählt und was zählt. "In this world of overrated pleasure and underrated treasure", heisst es bei Dorsey. Lassen Sie uns diese Schätze heben. Sie finden sich. Bei Ihnen habe ich gelernt, an diese Fiktion zu glauben.

Also: Wenn Sie jetzt stiften gehen, lassen Sie uns Stiften gehen.

Keine Schneider-Rede ohne Lec. Ich erlaube mir ein weiteres Mal eine Adaption: Ich werde noch lange unter dem Eindruck stehen, den sie auf mich gemacht haben, lieber Herr Schneider.   

Und am Ende meiner Worte stehen zwei Wünsche.

Lieber Herr Schneider,

ich wünsche Ihnen erstens alles erdenklich Gute und zweitens wünsche ich uns, dass Sie uns nicht vergessen.

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