Nordrhein-Westfalen ist bei der Ansiedlung von Lachsen Spitzenreiter

Porträtfoto von Minister Johannes Remmel
10. November 2015

Nordrhein-Westfalen ist bei der Ansiedlung von Lachsen Spitzenreiter – dritte Phase der Wiederansiedlung

Minister Remmel: Unser Ziel sind „Lebendige Gewässer“

Seit 1988 sind rund zehn Millionen Junglachse in nordrhein-westfälische Flüsse ausgesetzt worden, derzeit sind es zwischen 600.000 und 700.000 pro Jahr. Aber auch die natürliche Vermehrung der Lachse leistet bereits wieder einen erheblichen Beitrag zum Bestandsaufbau.

 
Das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz teilt mit:

Nordrhein-Westfalen ist das Rheinanliegerland, in dem die meisten zurückkehrenden Lachse gezählt werden. Jeden Herbst steigen hunderte Lachse die Flüsse herauf, um in nordrhein-westfälischen Gewässern abzulaichen. „Eine dauerhafte Wiederansiedlung von Lachsen und anderen Wanderfischen kann allerdings nur gelingen, wenn auch die Maßnahmen der EU-Wasserrahmenrichtlinie zur Verbesserung der Lebensräume und Wanderstrecken konsequent umgesetzt werden“, erklärte Umweltminister Johannes Remmel heute an der Lachskontrollstation in Buisdorf an der Sieg. „Unser Ziel sind lebendige Gewässer und der Schutz von Pflanzen und Tieren. Dazu gehört auch, Fische wieder anzusiedeln. Das dies erfolgreich gelingen kann, beweist unser Wanderfischprogramm, das wir auf jeden Fall bis zum Jahr 2020 fortsetzen werden.“ Seit dem Beginn der Wiederansiedlungsbemühungen wurden mehrere tausend Lachs-Rückkehrer nachgewiesen. In Teileinzugsge­bieten der Sieg gibt es bereits eine Naturvermehrung wie in natürlichen Lachsflüssen.
 
Seit 1988 sind rund zehn Millionen Junglachse in nordrhein-westfälische Flüsse ausgesetzt worden, derzeit sind es zwischen 600.000 und 700.000 pro Jahr. Aber auch die natürliche Vermehrung der Lachse leistet bereits wieder einen erheblichen Beitrag zum Bestandsaufbau. Nach vorsichtiger Hochrechnung stammen heute im Sieggebiet wieder bis zu 100.000 Junglachse jährlich aus natürlicher Fortpflanzung. Aus der Sieg und weiteren nordrhein-westfälischen Flüssen wandern die Junglachse dann in die Nordsee. Durch die natürliche Auslese kehren weniger als ein Prozent der ausgewachsenen Tiere zurück um abzulaichen. Um einen Aufstieg der Lachse zurück nach Nordrhein-Westfalen zu ermöglichen, ist in den letzten Jahren für Durchgängigkeit in den Flüssen gesorgt worden. Dazu wurden alte Wehre entfernt und neben Schleusen oder kleinen Staumauern Fischtreppen installiert, auf denen die Lachse diese Hindernisse überwinden können.
 
Schülerinnen und Schüler aus Siegburg und Siegen bekamen am Dienstag die Möglichkeit, die Entwicklung heimischer Lachse hautnah zu verfolgen. Dazu verlieh Minister Remmel den Schulklassen Urkunden über eine Lachspatenschaft, ein Projekt der Stiftung Wasserlauf. „Dieses Projekt bedeutet ‚Natur zum Anfassen’ und dieser Titel ist Programm“, erklärte Remmel. Mit der Übernahme einer Lachspatenschaft setzen die Schülerinnen und Schüler eigenhändig Junglachse in die Sieg und informieren sich regelmäßig über die Überlebens- und Rückkehrraten der erwachsenen Lachse.
 
Erfolge in der Wiederansiedlung von Fischen in NRW-Gewässern gibt es neben dem Lachs auch beim Maifisch und dem Nordseeschnäpel. So kehrten im Jahr 2014 und 2015 erstmals wieder hunderte der bis zu drei Kilogramm schweren Maifische seit dem Zusammenbruch der Bestände in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts in den Rhein und seine Nebenflüsse zurück. Das Projekt zur Wiederansiedlung läuft seit 2007. 10,8 Millionen junge Maifische sind in dieser Zeit eingesetzt worden. Der einstmals in NRW ausgestorbene Nordseeschnäpel aus der Familie der Lachse pflanzt sich bereits seit 2006 ohne künstliche Aussetzung von Jungtieren im Rheindelta am Niederrhein fort. Zwischen 1996 und 2006 wurden regelmäßig junge Nordseeschnäpel am unteren Niederrhein ausgesetzt.
 
Neben den gefährdeten Fischarten sind in den heimischen Gewässern weitere Tierarten akut bedroht, etwa auch der Edelkrebs oder die Flussperlmuschel. Der Edelkrebs zählte früher in nahezu allen Gewässern in Nordrhein-Westfalen zum natürlichen Arteninventar. Infolge der Einschleppung der Krebspest durch die nicht heimischen amerikanischen Flusskrebse wurden die Bestände fast ausgelöscht.  Heute existieren landesweit nur noch etwa 100 Fundorte. Noch seltener ist die Flussperlmuschel, die nur noch in der Eifel an einem Standort existiert. Von dieser Population wurden 2006/2007 Jungmuscheln gewonnen, die derzeit weiter aufgezogen werden. Aufgrund der komplizierten Vermehrungsstrategie der Perlmuschel gestalten sich bestandserhaltende Maßnahmen für die Art eher aufwändig und kompliziert.
 
„NRW ist ein Wasserland. Auf einer Länge von mehr als 50.000 Kilometern durchziehen Flüsse und Bäche unser Land. Sie sind die Lebensadern Nordrhein-Westfalens und als Garanten für die biologische Vielfalt unverzichtbar“, betonte Minister Remmel, der in diesem Jahr mit dem Thema „Lebendige Gewässer“ einen Fokus auf die Situation des Lebensraums Wasser und der dortigen Artenvielfalt legt. „Aber es zeigt sich, dass die menschlichen Eingriffe der Vergangenheit in Form von Begradigungen und die Belastung der Flüsse mit Abwässern oder anderen Substanzen diesen wertvollen Lebensraum massiv belastet haben.“ Rund 60 Prozent der Gewässer in NRW sind erheblich verändert oder künstlich angelegt. Nur noch etwa sechs Prozent der Flüsse und Seen verfügen nach Untersuchungen des Landesumweltamtes (LANUV) über ein intaktes Öko-System – mit entsprechenden Folgen für die Tier- und Pflanzenarten in und an den Gewässern. Von 51 heimischen Fischarten sind 16 akut bedroht oder bereits ausgestorben. „Unsere Gewässer verbinden Städte und Dörfer, prägen unser Landschaftsbild, sind Erlebnisräume, Trinkwasserreservoire und bedeutende Lebens- und Entwicklungsadern für unsere faszinierende Artenvielfalt. Sie sind ein reichhaltiger Schatz, den wir bewahren und schützen müssen. Wir brauchen mehr lebendige Gewässer und die Landesregierung setzt genau hier an“, sagte Minister Remmel.
 
Besorgniserregend ist auch die Situation der Fischarten in den Flüssen und Seen in NRW: Neben den 16 akut bedrohten oder bereits ausgestorbenen Fischarten (von 51) stehen weitere sechs auf der Vorwarnliste (Bitterling, Brassen, Hecht, Nase, Rotfeder, Ukelei).

Die Gefährdungskategorien der Fischarten im Einzelnen: 

  • Ausgestorben oder verschollen
    Finte, Maifisch, Stint, Stör 
  • Vom Aussterben bedroht
    Meerneunauge, Schlammpeitzger und Nordsee-Schnäpel 
  • Stark gefährdet oder gefährdet
    Aal, Lachs, Quappe und Schneider, Äsche, Flussneunauge und Steinbeißer 
  • Gefährdung unbekannten Ausmaßes oder durch extreme Seltenheit
    Flunder, Kleine Maräne

Weitere Informationen …

 … zum Wanderfischprogramm in NRW: www.umwelt.nrw.de
 
… zum Zustand der Gewässer (Broschüre): www.flussgebiete.nrw.de
 
… zur Bestandsaufnahme der Gewässer in NRW im Jahr 2013: www.flussgebiete.nrw.de

Hintergrundinformation 

„Lebendige Gewässer“ – Fotowettbewerb gestartet
 
Im Frühjahr haben die Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege und das NRW-Umweltministerium ihren neuen Fotowettbewerb gestartet. Das Thema ist diesmal „Lebendige Gewässer“. Zugelassen sind digitale Fotografien, die Gewässer als Lebensräume von Tieren und Pflanzen abbilden. Bei der Motivwahl kann ein Gewässer als Landschaft im Vordergrund stehen, aber auch heimische Tiere und Pflanzen am oder im Lebensraum Wasser sind mögliche Motive. Einsendeschluss ist der 19. März 2016.
 
Mit diesem Wettbewerb nehmen das NRW-Umweltministerium und die Nordrhein-Westfalen-Stiftung erneut ein wichtiges Naturschutz-Thema in den Fokus: Natürliche und naturnahe Seen, Bäche und Flüsse sind Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten und ein wichtiger Baustein zum Erhalt unserer biologischen Vielfalt. Zudem leisten Bäche und Flüsse und ihre Auen einen wichtigen Beitrag zum Hochwasserschutz. Doch Lebensadern für unser Naturerbe können sie nur sein, wenn sie auch über ein intaktes Ökosystem verfügen.
 
Als ersten Preis loben die Veranstalter 600 Euro aus, als zweiten 400 Euro und als dritten 300 Euro. Die neun Viertplatzierten erhalten jeweils 150 Euro. Bis zum 19. März 2016 können Fotografinnen und Fotografen ihre Fotos entweder auf einem Speichermedium oder per Email einsenden. Noch einfacher geht es mit der Upload-Funktion über das Internet.
 
Über die Siegerfotos entscheidet wieder eine Online-Abstimmung im Internet, die nach dem Wettbewerbsende freigeschaltet wird. Die zwölf Bilder mit der meisten Zustimmung werden prämiert und in einem Fotokalender für das Jahr 2017 veröffentlicht. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden bei einer Veranstaltung im Haus der Stiftungen in Düsseldorf ausgezeichnet. Der jährliche Fotowettbewerb des NRW-Umweltministeriums wird bereits zum zweiten Mal gemeinsam mit der Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege veranstaltet.
 
Weitere Informationen zum Fotowettbewerb: www.fotowettbewerb.nrw.de
 

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