Gustav-Heinemann-Friedenspreis: Drei Jugendbücher stehen zur Wahl

29. Juni 2009

Nominierungsliste Gustav-Heinemann-Friedenspreis 2009: Drei Jugendbücher stehen zur Wahl

Drei Bücher stehen noch im Wettbewerb um den renommierten Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Kinder- und Jugendbücher 2009. Der mit 7.500 Euro dotierte Preis prämiert Kinder- und Jugendbücher, die durch ihre literarisch-ästhetische Qualität überzeugen.

Die Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen teilt mit:

Drei Bücher stehen noch im Wettbewerb um den renommierten
Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Kinder- und Jugendbücher 2009:

  • Ein politischer Roman, der den Genozid während des Dritten Reiches an tatsächlich oder vermeintlich psychisch Kranken aufgreift.
  • Ein Roman über die 13 Jahre alte Lakshmi aus Nepal, die glaubt, als Dienstmädchen bei einer reichen Familie arbeiten zu dürfen, aber in Wirklichkeit von ihrem Stiefvater an eine Bordellbesitzerin in Kalkutta verkauft wird.
  • Ein Buch zum Verständnis der Globalisierung am Beispiel einer Fleece-Weste. Der Autor veranschaulicht Hintergründe und Zusammenhänge der Globalisierung in Form einer tagebuchartigen, spannenden Chronologie über die Herstellung eines solchen Kleidungsstückes.

Der mit 7.500 Euro dotierte Preis prämiert Kinder- und Jugendbücher, die durch ihre literarisch-ästhetische Qualität überzeugen. Sie sollen junge Menschen ermutigen, sich für Menschenrechte, für friedliche Formen der Konfliktbewältigung sowie für Toleranz und Zivilcourage einzusetzen.

Der Gustav-Heinemann-Friedenspreis – seit 1983 vom Land Nordrhein-Westfalen verliehen – ist eine der wichtigsten und höchstdotierten Auszeichnungen für Kinder- und Jugendbücher in deutscher Sprache. Das Preisbuch wird Anfang September bekannt gegeben.

Die nominierten Bücher:

Robert Domes
Nebel im August
cbt Verlag
352 Seiten, 7,95 €
empfohlen ab 13 Jahre

In dem Roman wird das Schicksal einer historischen Figur aufgegriffen. Ernst Lossa, Ende der 1920er Jahre in Bayern geboren, entstammte einer Familie von Jenischen, einer Volksgruppe, die von deutscher Seite gerne mit „Zigeunern“ gleichgesetzt wurde. Nach 1933 hat das für die Familie fatale Folgen, denn nun unterliegt sie der Meldepflicht und Überwachung, die schließlich dazu führt, dass Ernst ins Heim kommt. Diese Ereignisse gehen nicht spurlos an dem Jungen vorüber: Er beginnt, seine Umgebung zu bestehlen, eine Neigung, die ihm schließlich zum Verhängnis wird, denn er wird im April 1942 in die psychiatrische Anstalt Kaufbeuren eingeliefert, wo er im August 1944 als vermeintlich asozialer Psychopath ein Opfer der Tötungsaktionen gegen so genanntes „unwertes Leben“ wird. In der dichterischen Rekonstruktion des Lebens von Ernst Lossa hat Domes einen hoch politischen Roman geschrieben, der vor allem eines will: Anhand eines exemplarischen Einzelschicksals aufklären über den an anderen Volksgruppen sowie an tatsächlich oder vermeintlich psychisch Kranken begangenen Genozid während des Dritten Reiches, der immer noch allzu oft in Vergessenheit gerät.

Patricia McCormick 
Verkauft
Aus dem Amerikanischen von Alexandra Ernst,
Verlag Fischer Schatzinsel, Hardcover, 312 Seiten, 13,90 €,
empfohlen ab 14 Jahre

„Ein Blechdach heißt, dass die Familie einen Vater hat, der nicht das Geld für die Pacht in der Teestube beim Kartenspiel verliert.“ Lakshmis Familie hat ein Strohdach. Mit diesem anschaulichen Vergleich eröffnet Patricia McCormick ihren Roman über die 13 Jahre alte Lakshmi aus Nepal, die glaubt, als Dienstmädchen einer reichen Familie in die Stadt zu gehen, aber von ihrem Stiefvater an eine Bordellbesitzerin in Kalkutta verkauft wird. Tagebuchartig, minimalistisch und authentisch lässt Patricia McCormick Lakshmi selbst von den erlittenen Misshandlungen und Demütigungen erzählen. Der kindliche Ton und die reduzierte und zugleich lyrische Sprache stehen in einem scharfen Kontrast zu den kaum zu bewältigenden Erlebnissen des Mädchens und seiner Leidensgefährtinnen. Die mitunter nur halb gefüllten Seiten lassen erahnen, was sich nicht in Worte fassen lässt und geben so dem Leser immer wieder Raum, sich für unterschiedlich intensive Lesarten des von Alexandra Ernst gekonnt ins Deutsche übertragenen Romans zu entscheiden.

Wolfgang Korn
Die Weltreise einer Fleece-Weste
Illustriert von Birgit Jansen,
Verlag Bloomsbury,
Paperback, 144 Seiten, 9,90 €,
empfohlen ab 12 Jahre

Wie weit die Globalisierung vorangeschritten ist, lässt sich auch an den Problembereichen ablesen, die sich heute nicht mehr national bearbeiten lassen. Das Buch von Wolfgang Korn leistet einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Globalisierung und vermittelt jugendlichen Leserinnen und Lesern einen problemorientierten Einblick in einige Facetten dieses Phänomens. Am Beispiel einer Fleece-Weste werden anschaulich Hintergründe und Zusammenhänge der Globalisierung vermittelt und in Form einer tagebuchartigen Chronologie um die Herstellung dieses Kleidungsstückes spannende, faktengesättigte Geschichten erzählt.

Damit werden junge Leserinnen und Leser für die Zusammenhänge von Billiglohnproduktion, Welthandel, Arbeitsbedingungen, Umweltproblemen, Flüchtlingsschicksalen und westlichen Konsumgewohnheiten sensibilisiert. Dies alles, ohne belehrend zu wirken oder einseitige Positionen vermitteln zu wollen – aber dennoch mit einem klaren normativen Standpunkt, mit dem es sich kritisch auseinandersetzen lässt.

Jury des Preises:

Dr. Susanne Becker, Literaturwissenschaftlerin, Herausgeberin der Zeitschrift „Deutsch.“ beim Friedrich-Verlag (Literaturdidaktik, Kinder- und Jugendbuchforschung)

Reinhard Griebner, Fernsehjournalist und Autor, Abteilungsleiter beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (Jury-Vorsitzender, Publizistik/Autoren)

Nicola Kiwitt, ausgebildete Sonderschulpädagogin und Grundschullehrerin (Pädagogik)

Dr. Gabriele von Glasenapp, Literaturwissenschaftlerin, Mitarbeiterin des Instituts für Jugendbuchforschung an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt/Main, Dozentin an der Arbeitsstelle für Leseforschung und Kinder- und Jugendmedien in Köln (Literaturwissenschaft,  Kinder und Jugendbuchforschung)

Gabriele Schink, Geschäftsführerin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels − Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V., Düsseldorf (Buchhandel/Verlage)

Hermann-Schulz, Autor u. a. für Kinder- und Jugendbücher, mehrfach prämiert, (Autorinnen und Autoren)

Prof. Dr. Johannes Varwick, Lehrstuhl für
Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen und Vergleichende Regierungslehre an der Universität Kiel (Friedenswissenschaft)

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