Neunte Mehrthemenbefragung der türkei­stämmigen Bevölkerung

17. August 2009

Neunte Mehrthemenbefragung der türkei­stämmigen Bevölkerung – Minister Armin Laschet: „Barometer für den Stand der Integration in ganz Deutschland“

„Die Integration geht viele Wege, einer davon sind die Medien. Nur wenn Zugewanderte sich und ihre Lebenswirklichkeit in den deutschen Medien wiederfinden, vermitteln sie Zugewanderten ein Heimatgefühl und geben ein Signal des Willkommens“, sagte heute Integrationsminister Armin Laschet.

Das Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration teilt mit:

„Die Integration geht viele Wege, einer davon sind die Medien. Nur wenn Zugewanderte sich und ihre Lebenswirklichkeit in den deutschen Medien wiederfinden, vermitteln sie Zugewanderten ein Heimatgefühl und geben ein Signal des Willkommens“, sagte heute (17. August 2009) Integrationsminister Armin Laschet. Die neunte Mehrthemenbefragung unter Türkeistämmigen hat ergeben, dass genau dies von den Befrag­ten in den deutschen Medien vermisst wird. „Es ist im eigenen Interesse der deutschen Zeitungen, Fernseh- und Radiostationen, dies zu ändern“, so Laschet weiter. „Bereits heute stammen in vielen nordrhein-westfälischen Städten 40 bis 50 Prozent der Kinder aus Zuwandererfa­milien. Wer diese mit seinem Angebot nicht erreicht, dem gehen lang­fristig Leser, Zuhörer und Zuschauer aus.“

Bei der repräsentativen Mehrthemenbefragung der türkeistämmigen Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen, die die Stiftung Zentrum für Türkeistudien im Auftrag des Integrationsministeriums erstellt hat, wurden rund 1.000 aus der Türkei stammende Männer und Frauen in Nordhrein-Westfalen befragt. In Nordrhein-Westfalen leben deutschlandweit die meisten Türkeistämmigen, das sind etwa eine Million Menschen.

Zusätzlich zu der Befragung in Nordrhein-Westfalen wurde 2008 zeit­gleich und mit dem gleichen Erhebungsinstrument eine repräsentative Befragung in den anderen 15 deutschen Bundesländern durchgeführt, um zu untersuchen, ob und inwieweit sich die türkeistämmigen Zuge­wanderten in Nordrhein-Westfalen von denen im Bundesgebiet unter­scheiden. Im Vergleich ergab sich eine hohe Übereinstimmung zwi­schen den Ergebnissen in Nordrhein-Westfalen und auf Bundesebene. Somit spiegeln die nordrhein-westfälischen türkeistämmigen Zugewan­derten die Lage in Deutschlang wider. „Die Mehrthemenbefragung in unserem Land kann als Barometer auch für die Situation in Deutschland herangezogen werden“, so Minister Laschet.

Das Schwerpunktthema in diesem Jahr war „Medien und Integration“. Laschet: „Es zeigt sich, dass die mediale Integration durchaus gelungen ist. Türkische und deutsche Medien werden ergänzend und nicht in Konkurrenz zueinander genutzt.“ Rund 90 Prozent der befragten türkei­stämmigen Zugewanderten nutzen sowohl deutsche als auch türkische Medien.

Das Bedürfnis nach der zusätzlichen Nutzung türkischer Medien lässt über die Generationen oder mit der Verbesserung der Sprachkenntnisse nicht nach. Legt man als Maßstab der medialen Integration auch die Nutzung deutscher Medien zugrunde, kann die überwiegende Mehrheit von 90 Prozent als medial integriert gelten.

Während die deutschen Medien eher zur Information genutzt werden, dienen die türkischen Medien eher der Unterhaltung. Auch die türki­schen Medien berichten nach Ansicht der Befragten zu wenig über die Dinge, die die Zugewanderten in Deutschland betreffen. Die konstatier­ten Defizite der deutschen und türkischen Medien gleichen sich nicht aus, sondern hinterlassen eine Lücke.

Laschet: „Die türkischen Medien sind für drei Viertel der befragten Tür­keistämmigen eine Brücke in die Heimat. Sie sprechen die Emotionen an. Hier gilt es für die deutschen Medien, ihnen eine neue Heimat zu geben.“ Eine Lösung könnte sein, dass noch stärker als bislang Men­schen mit Zuwanderungsgeschichte in deutsche Redaktionen einziehen. Nur so wird dauerhaft vermieden, dass über Zugewanderte klischeehaft und meist negativ berichtet wird.

In ihrem standardmäßigen Teil widmete sich die neunte Mehrthemen­befragung der Integration türkeistämmiger Zugewanderter in ver­schiedenen Lebensbereichen. „Die Analyse bestätigt unsere Integra­tionspolitik, die zentralen Defizite anzugehen“, so Minister Laschet. Deutlich werde aber auch, dass weiterhin Anstrengungen notwendig seien. „Integrationspolitik braucht einen langen Atem, bis sich Maßnahmen, die im Kindergarten, bei der Sprachförderung, in der Schule und am Ausbildungsplatz ansetzen, tatsächlich als messbare Erfolge bei der Befragung der erwachsenen türkeistämmigen Bevölkerung niederschlagen“, so der Minister.

Bereits jetzt zeige sich, dass die Maßnahmen der letzten Jahre in Bund und Land, die das Resultat eines neuen Verständnisses von Integrati­onspolitik als gesamtgesellschaftlicher Aufgabe sind, Wirkungen entfal­ten: Landesregierung, Bundesregierung und Parteien werden 2008 von rund 30 Prozent der Befragten als Vertreter auch der Interessen von Zugewanderten wahrgenommen. Das ist mit einer Zunahme zwischen fünf und zwölf Prozentpunkten deutlich häufiger als noch 2006. Diese zunehmende Wahrnehmung der Interessenvertreterfunktion der politi­schen Institutionen ist ein wichtiger Meilenstein für die politische Partizi­pation.

Minister Laschet: „Nur wer sich durch die Politik wahr- und ernst ge­nommen sieht, wird sich interessieren und engagieren. Außerdem un­terstützt die Wahrnehmung, die eigenen Interessen durch die Politik vertreten zu sehen und somit als Bürger dieses Landes akzeptiert zu sein, auch die Identifikation mit der Aufnahmegesellschaft.“

Nach wie vor stellen sich Schul- und Ausbildungssituation sowie die Ar­beitsmarktsituation problematisch dar. Zahlreiche jüngere Zugewanderte verfügen über gute Bildungsvoraussetzungen einschließlich guter Deutschkenntnisse, einem Teil fehlen diese jedoch. So hat fast jede/r Zehnte derjenigen, die die Schule in Deutschland durchlaufen haben, keinen qualifizierenden Schulabschluss. Zugleich verfügt aber auch ein Viertel dieser Gruppe über das Abitur. In der Altersgruppe 18 bis 29 Jahre hat ein Viertel keine berufliche Ausbildung, auch wenn dieser Anteil in den letzten Jahren geringfügig sinkt.

Eine positive Entwicklung zeigt sich bei der generell defizitären Arbeits­marktintegration, denn vor allem der Anteil der Vollzeiterwerbstätigen hat sich 2008 im Vergleich zur letzten Befragung im Jahr 2006 erhöht, infolgedessen auch das durchschnittliche Haushaltseinkommen. Dies spiegelt sich auch in einer deutlich verbesserten Einschätzung der wirt­schaftlichen Lage und der Zufriedenheit mit den ökonomischen Rah­menbedingungen wider. Inwieweit dieser positive Trend im Zuge der Rezession trägt, bleibt abzuwarten.

Eine zwar langsame, aber dennoch positive Entwicklung ist bei der ge­sellschaftlichen Einbindung und der Identifikation mit der neuen Heimat sichtbar. Eine Mehrheit von 58 Prozent der türkeistämmigen Zugewan­derten fühlt sich inzwischen zumindest auch in Deutschland heimisch und 59 Prozent haben keine Rückkehrabsichten mehr, bei der Nachfol­gegeneration ist dieser Anteil noch höher als bei der ersten Generation. Mehr als 90 Prozent haben Kontakte zu Deutschen, darüber hinaus verfügen 40 Prozent über relativ enge freundschaftliche Beziehungen zu Deutschen - mit gleich bleibender oder leicht zunehmender Tendenz.

Die Ergebnisse der neunten Mehrthemenbefragung sowie eine Kurzfas­sung können von der Homepage der Stiftung Zentrum für Türkeistudien unter http://www.zft-online.de heruntergeladen werden.

Bei Nachfragen wenden Sie sich bitte an die
Pressestelle des Ministeriums für Generationen, Familie, Frauen und Integration, Telefon 0211/8618-4338.

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