Verleihung des Verdienstordens an 22 Bürgerinnen und Bürger

7. November 2011

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft verleiht den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen an 22 Bürgerinnen und Bürger

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat 22 Bürgerinnen und Bürger in der Staatskanzlei mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Die Ministerpräsidentin überreichte diese be­sondere Auszeichnung des Landes und würdigte die ausgezeichneten Persönlichkeiten in einzelnen Laudationes.

Die Staatskanzlei teilt mit:

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat 22 Bürgerinnen und Bürger in der Staatskanzlei mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Die Ministerpräsidentin überreichte diese be­sondere Auszeichnung des Landes und würdigte die ausgezeichneten Persönlichkeiten in einzelnen Laudationes. Zuvor dankte sie allen: „Sie alle haben sich um unser Land besonders verdient gemacht. Sie haben Außergewöhnliches geleistet. Sie haben sich mit viel Zeit und Energie für andere Menschen oder für eine wichtige Sache eingesetzt. Sie alle verbindet, dass Sie Ideale haben, für die Sie leben und für die Sie sich engagieren, dass Sie Verantwortung übernehmen für unser Land, dass Sie mit Standfestigkeit und einem langen Atem an Ihre Aufgaben ge­gangen sind. Dafür sage ich Ihnen im Namen des Landes herzlichen Dank. Wir brauchen Menschen wie Sie! “

Der Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ist im März 1986 gestiftet worden. Er wird an Bürgerinnen und Bürger aus allen Gruppen der Bevölkerung verliehen, deren außerordentliche Verdienste für die Allgemeinheit in allen Lebensbereichen erworben wurden. Die Zahl der Landesorden ist auf 2500 begrenzt. In den 25 Jahren seines Bestehens sind insgesamt 1394 Bürgerinnen und Bürger mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet worden.

Fotos von der Veranstaltung und allen neuen Ordensträgern finden Sie hier ab ca. 18.00 Uhr.

Den Landesorden erhalten heute:

  • Helga Albert-Schulz, Warendorf
  • Fahriye Bolulu, Witten
  • Margaret und Günter Danek, Viersen
  • Willi Fährmann, Xanten
  • Barbara Hümer, Münster
  • Walther Kaschlun, Essen
  • Christoph Metzelder, Haltern am See
  • Klaus Michel, Sankt Augustin
  • Dietrich Graf von Nesselrode, Mechernich
  • Richard Oetker, Bielefeld
  • Regina Schmidt-Zadel, Ratingen
  • Dr. Elke Schumacher, Odenthal
  • Ellen Thiemann, Köln
  • Dr. Hans-Jürgen Zacher, Werl
  • die nordrhein-westfälischen Mitglieder der deutschen Frauen­fußball-Nationalmannschaft: Linda Bresonik (nicht anwesend), Inka Grings (nicht anwesend), Ursula Holl, Köln, Annike Krahn, Bochum, Simone Laudehr, Straelen, Maren Meinert, Neukirchen-Vluyn, Silvia Neid, Wilnsdorf, Alexandra Popp, Gevelsberg, Bettina Wiegmann, Mechernich

Die Laudationes im Wortlaut:

Helga Albert-Schulz aus Warendorf

Es gibt Menschen, die sehen Not – und helfen. Wie Helga Albert-Schulz. Kin­dern und Jugendlichen, Frauen, die von ihren Männern bedroht und geprügelt werden. Obdachlosen. Drogensüchtigen. Unbürokratisch. Unspektakulär. Aber immer wirkungsvoll – auch wenn das manches Mal bedeutete, rund um die Uhr im Einsatz zu sein. Selbst am Wochenende.

Und Helga Albert-Schulz geht weiter. Sie überlegt, was sich ändern muss, da­mit nicht andere das gleiche Leid erfahren:

Weil Frauen von ihren Männern ab­hängig sind, weil sie kein eigenes Geld verdienen, weil sie keine Arbeit annehmen können, weil sie kleine Kinder ha­ben – gründet sie in Warendorf den Verein „Tages­einrichtungen für Kinder“, setzt sie sich später für die Ganztagsbetreuung ein.

Oder als sie mit dem Problem „Drogenabhängigkeit“ konfrontiert wird: Schnell ist ihr klar, dass nur das Symptom zu bekämpfen nicht ausreicht, um den Teufelskreis aus Kriminalität und Sucht zu durchbrechen. Sie schmiedet ein parteiüber­greifendes Bündnis, das sich schließlich in einem Förderverein formiert. Seitdem er­öffnen Beratungs- und Präventionsangebote für manchen Drogenabhängigen die lang ersehnte Chance zum Ausstieg.

Die Liste der Vereine, Verbände und Anlaufstellen, die auf die Initiative der lange Zeit im Rat der Stadt Warendorf für die Grünen engagierten Kommunal­politikerin zurückgehen, ließe sich fortsetzen. Helga Albert-Schulz würde das aber nicht gerecht: Ihr ging es nie und ihr geht es bis heute nicht um Ämter und Positionen. Helga Albert-Schulz hat den Nächsten im Blick. Und zwar im bes­ten Sinne des Wortes. Genau davon lebt unser Land.

Fahriye Bolulu aus Witten

Es gibt Gesetze und Gebote, die sprengen alle Grenzen: Nationale, kulturelle und religiöse. Dem Nächsten, dem Kranken, dem Hilflosen zur Seite zu stehen – das ist ein solches Gebot. Als Fahriye Bolulu 1981 aus der Türkei nach Deutschland kommt, ist es für sie deshalb eine Selbstverständlichkeit, nicht nur das eigene Leben neu zu ordnen. Sie fragt sich gleich: „Wie gehen denn an­dere mit dem um, was sie hier erleben? Wie meistern sie die Schwierigkeiten – in der Sprache, in der Lebensweise? Und vor allem: Was machen diese Men­schen, wenn sie krank werden?“

Fahriye Bolulu belässt es nicht bei den Fragen. Sie wendet sich 1985 an das nächstgelegene Krankenhaus in ihrer neuen Heimat Witten – und bietet ihre Hilfe an. Zunächst als schlichte Übersetzerin und Begleiterin der „Grünen Da­men“. Wenig später wird sie dann selbst eine solche „Grüne Dame“ – und ge­schätzt als Zuhörerin, Gesprächspartnerin, Freundin.

Dass sie damit einen bedeutsamen Beitrag zur Integration leistet, ist ihr da­mals viel­leicht gar nicht bewusst. Und doch: Genau das ist es. Indem sie bei kleinen Pro­blemen hilft, lässt sie größere erst gar nicht entstehen. Sie beweist sich als wahrhaft talentierte Vermittlerin zwischen den Kulturen: Fahriye Bolulus Einsatz ist es zu verdanken, dass das Evangelische Krankenhaus in Witten heute ebenso über eine kleine Bücherei mit Werken in türkischer Spra­che verfügt wie über einen Gebetsraum für Muslime. Und in der Klinik-Küche ist „halal“ heute kein Fremdwort mehr: Das die türkischen Patientinnen und Patienten mittags auf den Teller bekommen, ist unter Beachtung der Speise­vorschriften des Islam gekocht.

Bei allem, was Fahriye Bolulu tut, stellt sie den Menschen in den Mittelpunkt – jenseits von Herkunft oder Religion. Jenseits aller Grenzen.

Den Landesverdienstorden für Fahriye Bolulu!

Günter und Margret Danek aus Viersen

Als Günter Danek 16 Jahre alt ist, scheint sein Leben bereits am Ende. Aufge­wachsen in Verhältnissen, die bestenfalls als „problematisch“ bezeichnet wer­den können, fällt er der Polizei mit 14 Jahren das erste Mal auf. Was folgt, ist die typische Karriere – die mit 16 Jahren dann in der Justizvollzugsanstalt ih­rem Höhepunkt zustrebt.

Für Günter Danek ist die Zeit im Gefängnis aber nicht das Ende. Im Gegenteil: Sie markiert eine Kehrtwende. Und was für eine. Ihm ist klar: Die Ängste, die Sorgen, die Nöte, das Wissen um die Ausweglosigkeit der eigenen Situation – alles das empfinden andere Gefangene in gleicher Weise. Und die größte Ge­fahr besteht darin, keinen Weg hinaus zu sehen aus einem Teufelskreis von Vorurteilen Dritter, eigenen Fehlentscheidungen und Gerichtsurteilen.

Genau da will Günter Danek helfen. Gemeinsam mit seiner Frau Margret be­ginnt er, sich um andere Strafgefangene zu kümmern. Nicht missionarisch-eifernd, sondern lebensnah und praktisch. Das junge Ehepaar bietet entlasse­nen Häftlingen eine erste Bleibe an. Ja, mehr noch: Die beiden schaffen eine familiäre Atmosphäre – und ermöglichen immer mehr Ex-Häftlingen einen Wiedereinstieg ins normale Leben.

Mit der Zeit nimmt das Engagement dann auch institutionelle Formen an. Aus dem von Günter und Margret aufgebauten Förderkreis „Gefangenenhilfe Viersen“ entsteht das Projekt „Rückspiegel“: Auch hier geht es darum, den Weg zurück in die Normalität zu finden. Und zwar nicht alleine, sondern mit professioneller Hilfe und gemeinsam mit Menschen, die um die Steine wissen, die dabei im Weg liegen werden. Und die vor allem wissen: Ein neues, ein anderes Leben ist möglich. Nicht nur in der Theorie.

Willi Fährmann aus Xanten

„Das Jahr der Wölfe“ – das ist der Titel des Romans, der für seinen Autor das Jahr 1962 zu einem besonderen Meilenstein werden lässt. Mit diesem Werk, das national wie international Beachtung findet, betritt der Schriftsteller Willi Fährmann die literarische Bühne und wird erstmals über die Grenzen seiner Heimat schlagartig bekannt. Das Buch, das in vielen Auflagen bis heute erfolgreich geblieben ist und seinen Ruf als „einen der besten deutschen Jugendliteraten“ begründet hat, sollte nicht sein letztes sein – im Gegenteil: Bis heute wurden mehr als 50 Romane, Kinder- und Jugendbücher, von ihm veröffentlicht.

Auch wenn sich Willi Fährmann nicht in eine Schublade einordnen lässt oder gar -um im Bild zu bleiben- mit den Wölfen heulen würde, so sind es doch vor allem die (zeit-) geschichtlichen Themen und Menschenschicksale, die ihn nicht mehr loslassen.

Der studierte Lehrer, gebürtiger Duisburger, ist durch seinen Beruf schon früh mit Kindern und Jugendlichen in intensivem Kontakt. Zuletzt als Schulrat in Xanten, wo Willi Fährmann seit bald fünfzig Jahren lebt. Seit seiner Pensionierung im Jahr 1988 widmet er sich voll und ganz der Schriftstellerei.

Dabei versteht er es, seine Leserinnen und Leser - das sind zwar vornehmlich aber durchaus nicht nur Jugendliche - zu einer Auseinandersetzung mit Themen unserer jüngeren Geschichte aufzufordern. Den Nachgeborenen der NS-Zeit vermittelt er dabei ganz wesentlich das Gespür für jenen Moment, in dem jeder Mensch sich für Freiheit oder Mitläufertum entscheiden muss. Das Aufzeigen der nachhaltigen Folgen des Krieges, seine historisch-politische Aufklärungsarbeit ohne erhobenen Zeigefinger und die vorbildliche sprachliche Form charakterisieren sein Werk.

Mit Willi Fährmann ehren wir heute einen u. a. mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichneten Mann, der sich um Generationen von Jugendlichen verdient gemacht hat: Nicht nur in Nordrhein-Westfalen, aber gerade hier in unserem Land, unmittelbar im Verhältnis seiner Schülerschaft zu ihm als Lehrer, aber auch um all diejenigen, denen er durch sein schriftstellerisches Schaffen und seine Lesungen unsere jüngste Vergangenheit erzählt, damit wir unsere Gegenwart besser verstehen und die Zukunft gestalten können.

Barbara Hümer aus Münster

Bei uns ist das eine Selbstverständlichkeit: Dass unsere Kinder genug zu Essen haben. Etwas zum Anziehen. Und ein Dach über dem Kopf. Dass unsere Kinder in die Schule gehen können. Und dass es Krankenhäuser gibt.

In anderen Teilen der Welt ist das anders. Ganz anders. Dort sind die Sorgen und Nöte so groß, dass sie Leben zerstören. Barbara Hümer hat dieses Elend be­rührt. Es hat sie getroffen – und aktiviert. Mehr als 30 Jahre ist sie jetzt schon Vorsitzende der Aktion Kinderhilfe Münster. Ihr Ziel: Kindern in aller Welt ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.

Schon die damit verbundenen Zahlen beeindrucken: 5 Millionen Euro werden im Laufe der Jahre an Schulen, Waisenhäuser, Pflegeheime und Krankenhäuser in Lateinamerika, Afrika, Asien und Osteuropa überwiesen.

Barbara Hümer gehört aber nicht zu den Menschen, deren Einsatz mit dem Ausfüllen eines Überweisungsträgers endet. Ungezählte Male reist sie auf eigene Kosten in die Gebiete, für die die Spenden gedacht sind – um sich vor Ort ein Bild von der Situation zu machen. Um sicherzugehen, dass die Gelder an der richtigen Stelle ankommen. Vor allem aber, um ein Gespür zu bekommen für die Nöte der Menschen.

Die Dankbarkeit, die sie dabei erfährt, ist ihr stets neuer Ansporn. Und auch wenn es ihr selber vielleicht etwas unangenehm ist: In Rio de Janeiro trägt eine Kindertagesstätte ihr zu Ehren den Namen „Barbara Hümer“.

Mit dem Landesverdienstorden erfährt Barbara Hümer heute nun auch die Anerkennung und Würdigung, die wir in NRW für sie und ihre Arbeit empfinden.

Walther Kaschlun aus Essen

„Sport“, so lassen uns die Spötter wissen – „Sport stärkt Arme, Rumpf und Beine // kürzt die öde Zeit, // und er schützt uns durch Vereine // vor der Einsamkeit“. Sport – so zeigt Walter Kaschlun seit 60 Jahren eindrucksvoll – ist aber mehr als Gesundheit und Geselligkeit.

Seit sechs Jahrzehnten ist Walter Kaschlun schon im Rudersport aktiv. Nach zahlreichen Erfolgen in den 1950er und 1960er Jahren kommt er an den Punkt, seine Erfahrungen und sein Können an die nächste Generation weitergeben zu wollen. Er wird Schiedsrichter – zunächst auf nationaler, dann auf internationaler Ebene. Er leitet Regatten. Und als Vorsitzender des Nordrhein-Westfälischen Ruderverbandes und des Rheinisch-Westfälischen Regattaverbands holt er 1974 die Internationale Ruderregatta auf den Baldeneysee. Damals eine Sensation – und das Fundament, auf dem später das Bundesleistungszentrum Rudern in Dortmund entstehen kann. Damit nicht genug: Walter Kaschlun initiiert den Wasserwanderweg Ruhr, in den 1990er Jahren vertritt er den Deutschen Ruderverband als dessen stellvertretender Vorsitzender im Weltruderverband. Er leitet bei fünf Weltmeisterschaften die deutsche Delegation und organisiert schließlich die Ruderweltmeisterschaft in Köln.

Für Walter Kaschlun ist es wichtig, das zu leben, was Sport für ihn bedeutet: ein Kenner zu sein – und dabei immer das Herzblut für den Sport zu bewahren; ambitioniert und ehrgeizig zu sein – aber im Zweifel immer die Fairness voran zu stellen; offen zu sein für Herausforderungen – aber im Erfolg immer auch bescheiden zu bleiben. Sein Nachfolger findet deshalb 2008 ein gut bestelltes Feld – aber auch eines, in dem sich recht große Fußspuren abzeichnen.

Christoph Metzelder aus Haltern am See

George Best, früherer Fußballstar von Manchester United, hat einmal über sein Leben erzählt: „Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausge­geben. Den Rest habe ich einfach verprasst.“

Christoph Metzelder ist auch Fußballstar. Bei unseren Revier-Vereinen Dortmund und jetzt Schalke 04. Aber sein Credo ist ein völlig anderes als das von George Best: Er nutzt seine Popularität, um sich für soziale Projekte zu engagieren:

Seit über 10 Jahren kämpft Christoph Metzelder mit der Initiative „roterkeil.net“ gegen Kinderprostitution und Kindesmissbrauch. Er unterstützt den Verein „Herzenswünsche“ in Münster. Ist seit 2003 Schirmherr der „SKM – Schuldnerberatung für junge Leute“ in Dortmund. 2006 war er Mitinitiator der „Halterner Bürgerstiftung“, die unter anderem das Projekt „Kein Kind ohne Mahlzeit“ in Schulen betreut, zudem Botschafter der Fußball-Weltmeisterschaft der Menschen mit Behinderung.

Ein Jahr später gründete er als eigenes Projekt die Christoph-Metzelder-Stiftung „Zukunft Jugend“, um Kinder und Jugendliche mit schwierigem sozialen Umfeld – vor allem mit Migrationshintergrund – im schulischen als auch im privaten Bereich zu unterstützen und ihnen Chancen bei der Ausbildungs- und Berufssuche zu eröffnen. Finanziell ebenso wie durch Ideen und Visionen.

Warum er das alles tut? O-Ton Christoph Metzelder: „Ich bin ein sehr heimatverbundener Mensch und möchte meinem Land und der Gesellschaft einfach etwas zurückgeben.“

Ich sage: 1:0 für Christoph Metzelder.

Klaus Michel aus Sankt Augustin

Ein Blick in unsere Verfassung lehrt uns: Der Beamte hat sein Amt und seine Auf­gaben unparteiisch und ohne Rücksicht auf die Person nur nach sachlichen Ge­sichtspunkten wahrzunehmen. Wenn ich sehe, was Klaus Michel in den vergangenen Jahrzehnten geleistet hat, dann bin ich zunächst einmal froh. Denn Klaus Michel hat seine Pflichten als Beamter immer treu erfüllt. Vor allem aber bin ich stolz. Denn in seiner Freizeit hat Klaus Michel weit mehr als nur seine Pflichten getan.

Das beginnt bei seiner Arbeit als Gewerkschafter. Für Klaus Michel ist der Deutsche Beamtenbund nie nur Lohnerhöhungs-Maschinerie, bei der sich jeder Einsatz irgendwann auf dem Gehaltszettel auswirkt. Er denkt da vielmehr in größeren Zusammenhängen. Deutlich wird das zum Beispiel am Bildungswerk des Deutschen Beamtenbundes in Heisterbacherrott. Klaus Michel gründet es vor nunmehr fast vier Jahrzehnten mit.

Vor allem aber ist Klaus Michel jemand, der über den beruflichen wie den sozialen Tellerrand hinausblickt. Mit großem Einsatz und noch viel größerem Erfolg ist er seit vielen Jahren in der so genannten „Einen-Welt“-Arbeit aktiv. In wechselnden Ämtern und Positionen – aber mit einem Höchstmaß an Kontinuität für die Menschen – die Kinder und Jugendlichen vor allem –, denen mit Bildungs- und Gesundheitsprojekten seit mehr als zwanzig Jahren geholfen wird.

Das alles geschieht übrigens auf typisch rheinische Art. Wenn der Pädagoge sagt, man müsse die Menschen dort abholen, wo sie stehen, dann hat Klaus Michel das für seine Hilfsprojekte so übersetzt: Menschen sind am ehesten bereit zu geben, wenn sie sich wohlfühlen. Kein Wunder also, dass das von Klaus Michel initiierte Tennisschleifchen-Turnier „Galoppierender Amtsschimmel“ ebenso wie der „Ball der Reise“ eine Spendensumme in sechsstelliger Höhe einbrachte. – Nordrhein-Westfalen kann froh und stolz sein, dass es Menschen wie Klaus Michel gibt.

Dietrich Graf von Nesselrode aus Mechernich

Von Nachhaltigkeit ist viel die Rede. Mit Recht. Was aber kaum jemand weiß: „Nachhaltigkeit“ ist nichts, was Umweltaktivisten irgendwann erfunden haben. Sondern „Nachhaltig­keit“ wird seit Jahrhunderten praktiziert. – In der Wirtschaft. Allerdings in einem Zweig, der öffentlich nur selten beachtet wird: Der Wald- und Forstwirtschaft. Dort gilt seit dem frühen Mittelalter: Nicht mehr Holz einschlagen als nachwachsen kann. Und die Gründe für dieses einfache Prinzip liegen damals wie heute auf der Hand: Weil die Gesellschaft von Heute sonst auf Kosten der von Morgen lebt.

Dietrich Graf von Nesselrode lebt dieses Prinzip. Er setzt sich seit Jahrzehnten für nachhaltiges Wirtschaften ein – und zwar dort, wo die Idee geboren wurde. Dietrich Graf von Nesselrode ist Forstwirt. Ein Unternehmer durch und durch. Aber einer mit einem hohen Gespür sowohl für das Machbare, als auch und gerade für das Gebotene.

Dabei ist die Unternehmerleidenschaft dem studierten Juristen nicht zwingend in die Wiege gelegt. Im Gegenteil. Seine berufliche Laufbahn führt Dietrich Graf von Nesselrode zunächst in die Finanzverwaltung des Landes NRW. Irgendwann jedoch legt Dietrich Graf von Nesselrode Bleistifte weg und Ärmelschoner ab, greift zu Fällheber und Säge und bewirtschaftet fortan seinen eigenen Forst.

Mit enormem Elan und Engagement kämpft Dietrich Graf von Nesselrode fortan für eine nachhaltige Waldwirtschaft und gegen einen forstwirtschaftlichen Raubbau. Weit über die regionalen Grenzen hinaus zeigt sich Graf von Nesselrode aktiv, wirbt unermüdlich für das von ihm mit­entwickelte Waldzertifzierungssystem.

Das alles geschieht mit bemerkenswerter Beharrlichkeit – und in einer Weise, die selbst bei denen, die mitunter gegenläufige Interessen vertreten, zu dem anerkennenden Urteil führt: „Der kämpft an allen Fronten. Das war nicht immer einfach. Aber man spürt immer: Davon ist er überzeugt!“

Richard Oetker aus Bielefeld

Als „bekannten Unbekannten“ hat ihn das Handelsblatt unlängst bezeichnet. Als eine Person, die eher bescheiden auftritt. Die nichts für große Autos übrig hat, nichts für Prunk und nichts für Pomp. Die die Öffent­lichkeit nicht sucht. Obwohl es einiges gäbe, das berichtenswert wäre: Denn dieser „bekannte Unbekannte“ – Richard Oetker – leitet ein Familienunternehmen, das Rekordumsätze verbucht.

Vor allem aber ist Richard Oetker ein Mensch, der ein besonderes Engagement entwickelte aus Schrecklichem, das er selbst erleben musste, als er in jungen Jahren entführt und lebensbedrohlich verletzt wurde.

Richard Oetker kümmert sich seither um Männer und Frauen, Jungen und Mädchen, die Opfer von Gewalt und Verbrechen geworden sind. Im WEISSEN RING stellt er sein fachliches Können zur Verfügung. Er hilft mit großem, unternehmerischem Geschick. Er zeigt sich als talentierter Organisator. Vor allem aber ist er mit seiner eigenen Erfahrung im Umgang mit der erlebten Gewalt ein vertrauensvoller und einfühlsamer Gesprächspartner. Und er gibt denen eine Stimme, die nur zu oft ein weiteres Mal zu Opfern werden, weil die Öffentlichkeit letztlich doch auf die Täter fixiert bleibt. Opfer haben meist keine Namen.

Sein Wahlspruch könnte sein, was Richard Oetker seinen Mitarbeitern kurz vor dem Jahreswechsel im vergangenen Jahr schreibt: „Angst ist immer ein schlechter Ratgeber.“ – Mutig und ohne Furcht steht er deshalb den Opfern unserer Tage zur Seite. Dafür sagt Nordrhein-Westfalen aufrichtig „Danke“.

Regina Schmidt-Zadel aus Ratingen

Für mich persönlich gehört es zu den beeindruckensten Tatsachen, dass es Überzeugungen gibt, die jenseits aller Unterschiede in Glaubensfragen überall gleich sind: Da ist der Wissenschaftler, der feststellt, dass jeder Staat, jede Gesellschaft von Voraussetzun­gen lebt, die sie selbst nicht schaffen können. Da ist das christliche Gebot der Nächstenliebe. Und da ist die aufklärerische Idee der Solidarität: „Wer im Stich lässt seinesgleichen, lässt ja nur sich selbst im Stich.“

Schwierig wird es, wenn diese abstrakten Ideen mit Inhalt gefüllt werden müssen. Da stößt dann mancher schnell an die Grenze dessen, was er leisten kann und leisten will. Nicht so Regina Schmidt-Zadel, die sich um Menschen mit Behinderung kümmert – um Menschen, die aufgrund einer Krankheit auf unsere Hilfe angewiesen sind. Die bis heute an den Folgen leiden, die das Medikament Contergan verursacht hat. Oder die aus anderen Gründen mit einer schweren Beeinträchtigung zur Welt gekommen sind. Regina Schmidt-Zadels Hilfe ist dabei stets ganz praxisorientiert: Ferienfreizeiten, Rat und Unterstützung für Eltern behinderter Kinder, Ausbau des Betreuten Wohnens.

Letztlich führte Regina Schmidt-Zadels Weg in die Politik. Zwölf Jahre setzt sie sich in Bonn und Berlin im Bundestag für die Belange von Behinderten ein, wird später die erste ehrenamtliche Behindertenbeauftragte des Landes. Für mich ist alles das so beeindruckend, weil Regina Schmidt-Zadel überzeugend verkörpert, was unser Land wie kein zweites auszeichnet: Dass wir zusammenstehen und niemanden zurücklassen. Dass wir immer wissen: „Wer im Stich lässt seinesgleichen, lässt ja nur sich selbst im Stich.“

Dr. Elke Schumacher aus Odenthal

Kinder sind der Stoff, aus dem die Zukunft kommt. – Rein chemisch betrachtet ist das natürlich Unfug. Aber mit den Augen einer Chemikerin besehen birgt die Aussage einigen Sprengstoff: Weil falsche Lagerung oder unsachgemäße Verwendung fatale Folgen haben können. Denn so wie jedes Element bestimmte Eigenschaften hat, so hat auch jedes Kind seine Charismen und Talente. Dr. Elke Schumacher weiß aber auch: Manche naturwissenschaftliche Begabung mag zwar vorhanden sein, bleibt jedoch verborgen.

Für sie ist deshalb klar: Mit dem Studium der Chemie und Mathematik soll es nicht getan sein. Und auch nicht mit dem entsprechenden Unterricht in der Schule. Wer Kinder begeistern möchte für naturwissenschaftliche Zusammenhänge – der muss mehr tun. Dr. Elke Schumacher hat mehr getan. Viel mehr: Behutsam, doch beharrlich macht sie über viele Jahre hinweg Schülerinnen und Schüler mit dem Kosmos chemischen Denkens, Beobachtens und Experimentierens vertraut. Sei es durch die Vorbereitung und Teilnahme bei der Internationalen Chemie-Olympiade. Sei es auch schlicht durch den Besuch einer Forschungseinrichtung.

Ein Geheimnis ihres Erfolges ist dabei sicherlich, dass Dr. Elke Schumacher ihr Fach auf ganz selbstbewusste Weise nicht als Orchideenfach versteht. Und dass sie sich immer wieder bemüht, Kollegen, Eltern und Schüler ebenso in ihre Projekte einzubinden wie Universitäten und – ganz praktisch – die Chemische Industrie. Achja, und nicht zu vergessen ist ihre von allen Seiten immer wieder hervorgehobene Gabe, selbst komplizierteste Zusammenhänge einfach und anschaulich zu verdeutlichen. Liebe Frau Schumacher: Lehrer wie Sie – die braucht unser Land. Die brauchen unsere Kinder!

Ellen Thiemann aus Köln

„Der Feind an meiner Seite.“ Das ist der Titel eines Buches, das Ellen Thiemann verfasst hat. Ein autobiographisches Buch. Und der Feind an ihrer Seite – das war ihr Mann. 1972 wird Ellen Thiemann von der Stasi verhaftet. Weil sie in den Westen fliehen will. Sie erträgt die Verhöre. Die Schikanen. Die Erniedrigungen. Und sie schützt ihren Mann. Auch als sie zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe in Hohenschönhausen und Hoheneck verurteilt wird. Viele Jahre später muss die dann erfahren, dass dieser Mann noch während ihrer Haft beginnt, mit der Stasi zusammenzuarbeiten.

Ellen Thiemann kann 1975 nach Westdeutschland ausreisen. Die Zeit im Gefängnis beschäftigt sie aber noch bis heute. Wie auch der Verrat. Ellen Thiemann möchte deshalb aufklären – über die Geschichte der politischen Verfolgung. Nicht nur ihrer eigenen. Sie will berichten von der Spitzelarbeit des Staatsapparats. Und sie will vorgehen gegen das Unrecht, dass ihr und vielen anderen angetan worden ist. Allerdings: Das Schwert von Ellen Thiemann ist eine Feder. Ellen Thiemann schreibt.

Sie schreibt, um den Blick zu schärfen für das, was unsere Freiheit und damit unser Zusammenleben gefährdet. Seit 1977 gehört sie dem Landesverband der Vereinigung der Opfer des Stalinismus e.V. an, in dessen Rahmen sie an einem Zeitzeugenprojekt mitwirkt. Sie entwickelt das Projekt mit und arbeitet an der Außendarstellung. Vor allem aber sucht sie als Zeitzeugin selbst das Gespräch.

So unterstützt sie seit 2001 das Zeitzeugenbüro der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen.

Fragt man die Schüler, die ihre Berichte gehört haben, fällt das Urteil eindeutig aus: Das couragierte Engagement von Ellen Thiemann ist beeindruckend. Dem kann ich mich nur anschließen und freue mich, ihr dafür heute den Landesverdienstorden überreichen zu dürfen.

Dr. Hans-Jürgen Zacher aus Werl

In einem jüdischen Sprichwort heißt es: „Das Vergessenwollen verlängert das Exil, und das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung." Wieviel Wahrheit in dieser Weisheit steckt – das hat Dr. Hans-Jürgen Zacher auf beeindruckende, teils schmerzhafte Weise und letztlich erlösende Weise erfahren. Denn seine Auseinandersetzung mit der Geschichte des so genannten Dritten Reiches führt ihn durch Akten und Archive, durch Bücher und Bibliotheken – und schließlich zu Werner Halle, genannt Vern. Einem Menschen, der unter den Nazis gelitten hatte. Der aus Deutschland fliehen muss. Der mit der grausamen Vergangenheit nie wieder zu tun haben will. Vern will nie wieder zurück in seine frühere Heimat. Bis er eben Dr. Hans-Jürgen Zacher kennenlernt.

Zacher zeigt auf so einfühlsame und beeindruckende Weise, dass die Auseinandersetzung mit Geschichte nicht nur damit zu tun hat, was war – sondern auch und sogar viel mehr mit dem, was sein wird. Und vor allem: Mit dem, was sein kann. Sein Einsatz im christlich-jüdischen Dialog, sein Engagement für Aussöhnung und Aufarbeitung sind deshalb beispielgebend. Und in seiner Heimatstadt Werl sind sie sogar sichtbar: Zunächst zwischen zwei Buchdeckeln in Form einer Dissertation über die Synagogengemeinde Werl, mit der er auch die Namen all der damals dort lebenden Jüdinnen und Juden in Erinnerung zu rufen vermag, die von den Nationalsozialisten entrechtet, vertrieben und vernichtet wurden. Doch der Einsatz von Dr. Hans-Jürgen Zacher zieht weitere Kreise: Er setzt sich mit Erfolg dafür ein, dass die Verfolgten im kollektiven Gedächtnis der Stadt erhalten bleiben – sei es durch die Umbenennung von Straßen und Plätzen, sei es durch Vorträge und Aufsätze, sei es durch Wanderausstellungen, sei es durch das persönliche Gespräch.

Überhaupt scheinen das persönliche Gespräch, das Charisma und Einfühlungsvermögen die herausragendsten Fähigkeiten von Dr. Hans-Jürgen Zacher zu sein. Immerhin ist der frühere Bundespräsident Johannes Rau so angerührt von der Geschichte Verns, dass er ihm über Dr. Zacher einen Gruß zukommen lässt – ein Gruß, der so einladend formuliert ist, dass Vern 64 Jahre nach seiner Flucht die frühere Heimat doch wieder besucht. „Versöhnen statt spalten“ hat derselbe Bundespräsident einmal als große Zukunftsaufgabe ausgegeben. Dr. Hans-Jürgen Zacher hat sie sich zu eigen gemacht.

Die nordrhein-westfälischen Mitglieder der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft: Linda Bresonik (nicht anwesend), Inka Grings (nicht anwesend), Ursula Holl, Köln, Annike Krahn, Bochum, Simone Laudehr, Straelen, Maren Meinert, Neukirchen-Vluyn, Silvia Neid, Wilnsdorf, Alexandra Popp, Gevelsberg, Bettina Wiegmann, Mechernich

Gemäß unserem Grundgesetz, das 1949 in Kraft trat, sind Männer und Frauen gleichberechtigt. Noch 1955 sah der Deutsche Fußball-Bund das allerdings anders: Er verbot in diesem Jahr seinen Vereinen, Frauenabteilungen zu gründen. Weil – ich zitiere: „Im Kampf um den Ball (...) die weibliche Anmut [verschwindet], Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.“

Tausende von Fußballbegeisterten haben bei der Fußballweltmeisterschaft der Frauen in unserem Land gezeigt, was sie von dieser – zwischenzeitlich ja glücklicherweise zurückgenommenen – Meinung des DFB halten. Dass Körper und Seele der Fußballerinnen nicht gelitten haben – davon können Sie, sehr verehrte Gäste, sich heute selbst überzeugen. Und wir erinnern uns alle an die Spiele, bei denen die Damen um Trainerin Silvia Neid auf eindrucksvolle Weise bewiesen haben, dass Anmut keineswegs verschwindet, wenn sie den Platz betreten. Und dass es ziemlich abstrus anmutet, wenn beim Frauenfußball Schicklichkeit und Anstand in Gefahr gesehen werden. Im Gegenteil: Die Frauenfußball-Nationalmannschaft hat uns viele überwältigende, mitunter durchaus anmutige und fußballerisch sehr anständige Momente beschert.

Zumindest beim Fußball ist damit jener Punkt erreicht, über den sich in den Geschichtsbüchern eine nette Geschichte findet. Beim Kampf für die Rechte der Frauen nämlich wurde dem britischen Politiker Chamberlain einmal in hitziger Atmosphäre zugerufen: „Der Tag wird kommen, an dem die Frauen regieren werden.“ Chamberlain soll sich daraufhin der Dame zugewandt, ihr die Hand geküsst und gesagt haben: „Und das wird gar nichts Neues sein.“

Machen Sie, meine Damen, also weiter. Damit es auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen völlig normal und nichts Neues sein wird, wenn Frauen das tun, was für Männer schon lange selbstverständlich ist.

Fußball und Frauen-Power „made in Nordrhein-Westfalen“ – der Landesverdienstorden für unsere Fußball-Frauen!

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