15 NRW-Bürgerinnen erhielten den Bundesverdienstorden

5. Juli 2011

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft überreicht Bundesverdienstorden an 15 Bürgerinnen aus Nordrhein-Westfalen – Erstmals Ordens­aushändigung ausschließlich an Frauen

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat an 15 Bürgerinnen aus Nordrhein-Westfalen den von Bundespräsident Christian Wulff verliehenen Bundesverdienstorden ausgehändigt. In einer Feierstunde in der Düsseldorfer Staatskanzlei bedankte sich die Ministerpräsidentin bei den Ausgezeichneten für ihr Engagement und wies auf die Besonderheit hin, dass erstmalig bei einer Ordenaushändigung ausschließlich Frauen berücksichtigt worden seien.

Die Staatskanzlei teilt mit:

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat an 15 Bürgerinnen aus Nordrhein-Westfalen den von Bundespräsident Christian Wulff verliehenen Bundesverdienstorden ausgehändigt. In einer Feierstunde in der Düsseldorfer Staatskanzlei bedankte sich die Ministerpräsidentin bei den Ausgezeichneten für ihr Engagement und wies auf die Besonderheit hin, dass erstmalig bei einer Ordenaushändigung ausschließlich Frauen berücksichtigt worden seien. Ministerpräsidentin Kraft: „Die heutige Festveranstaltung zeigt ganz deutlich, in wie vielfältiger Weise Frauen sich engagieren und dass es gelingen kann, ehrenamtliches Engagement mit familiären und beruflichen Aufgaben zu vereinbaren. Die wahren Vorbilder sind nicht irgendwelche Medien-Sternchen, sondern Menschen wie Sie. Sie alle haben viel mehr getan als Sie mussten. Sie tragen mit Ihrem Einsatz und Elan dazu bei, dass unser Land liebens- und lebenswert ist. Sie helfen mit Ihrer Menschlichkeit anderen, die Hilfe brauchen. Auch wenn Sie es selbst nicht so empfinden oder nicht wahrhaben wollen: Sie leisten tagtäglich Großes.“ Der Bundespräsident habe ein Signal setzen wollen und die besondere Wertschätzung von Frauen durch die Politik verdeutlichen wollen, so die Ministerpräsidentin, und ihr selbst sei es eine besondere Freude, diese Orden zu überreichen.

Ausgezeichnet werden:

  • Edeltraud Bräunig aus Lage (Verdienstkreuz am Bande)
  • Jawahir Cumar aus Düsseldorf (Verdienstkreuz am Bande)
  • Luise Dettki aus Ahlen (Verdienstmedaille)
  • Brunhilde Dickel aus Brilon (Verdienstkreuz am Bande)
  • Dr. Hiltrud Döhmen-Benning aus Aachen (Verdienstkreuz am Bande)
  • Ingeborg Friebe, Landtagspräsidentin a. D. aus Monheim am Rhein (Großes Verdienstkreuz mit Stern)
  • Marita von Garrel aus Anröchte (Verdienstkreuz am Bande)
  • Gretel Hagt aus Dortmund (Verdienstkreuz am Bande)
  • Christel Höltershinken aus Dortmund (Verdienstkreuz am Bande)
  • Kornelia Kippes aus Wülfrath (Verdienstkreuz am Bande)
  • Wilma Kläsener aus Gelsenkirchen (Verdienstkreuz am Bande)
  • Irene Möllenbeck aus Emmerich (Verdienstkreuz 1. Klasse)
  • Agnes Schulze Wehninck aus Bocholt (Verdienstkreuz am Bande)
  • Dr. Maria Stojanova-Scholz aus Duisburg (Verdienstkreuz am Bande)
  • Roswitha Wolters aus Mönchengladbach (Verdienstkreuz am Bande)

 

Die Laudationes im Wortlaut:

Edeltraud Bräunig aus Lage (Verdienstkreuz am Bande)

Edeltraud Bräunig beweist christliche Nächstenliebe. Tag für Tag. Und in sehr vielen Facetten.

Noch keine 40 Jahre alt, tauschte Edeltraud Bräunig Beruf gegen Berufung: Sie gab ihre Anstellung als Kartografin bei einem Verlag auf, um sich voll und ganz ehrenamtlichen Aktivitäten zu  widmen, zunächst im Rahmen der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Bad Salzuflen, wo sie für den Bau eines Kindergartens sowie eines Wohnheims für Aussiedler und Migranten sorgte. Um deren Wohlergehen kümmerte sie sich dann auch gleich persönlich, indem sie ihnen half, Möbel zu beschaffen, und ihnen auch sonst zur Seite stand.

Bis vor einiger Zeit war Edeltraud Bräuning auch eine der Leiterinnen der Bad Salzufler Frauenhilfe – etwa 50 Frauen, die für ältere Gemeindemitglieder bunte Nachmittage organisieren, kranke Gemeindemitglieder besuchen und helfen, wenn es keine Angehörige gibt, die das tun.

Fast 20 Jahre lang kümmerte sie sich um einen von ihr mit ins Leben gerufenen „Eine-Welt-Laden“. Am Ort bis heute unvergessen, wie sie mit einem Handwagen die Waren vom Lager in das Ladenlokal transportierte. Als sich genug Helferinnen und Helfer gefunden hatten, damit der Laden weiterlief, wartete auf Edeltraud Bräunig schon die nächste Herausforderung: Der Vater ihrer Freundin war pflegebedürftig geworden – und sie übernahm die Aufgabe, ihn zu pflegen.

Bei all ihrem Engagement ist Edeltraud Bräunig sehr, sehr bescheiden und scheut die Öffentlichkeit – umso schöner, dass sie heute zu uns gekommen ist, um den Bundesverdienstorden entgegenzunehmen!

Jawahir Cumar aus Düsseldorf (Verdienstkreuz am Bande)

Waris Dirie, die Autorin des berühmten Bestsellers „Wüstenblume“ sagt: „Weibliche Genitalverstümmelung hat nichts mit Kultur, Tradition oder Religion zu tun. Sie ist Folter und ein Verbrechen, das bekämpft werden muss.“

Diesem Kampf widmet sich Jawahir Cumar seit vielen Jahren. In Somalia geboren, wurde sie dort im Alter von fünf Jahren nach afrikanischer Tradition beschnitten, kurz bevor sie mit ihrer Familie nach Deutschland auswanderte.

Noch heute ist die Beschneidung von Mädchen in 34 Ländern üblich, vor allem in schwarz-afrikanischen. Um Frauen und Kindern diese schmerzliche Erfahrung zu ersparen, hat sich Frau Cumar zum Ziel gesetzt, aufzuklären, die Öffentlichkeit zu alarmieren und Hilfe zu initiieren.

Mit gerade 20 Jahren gründete sie 1996 den Verein „Stop Mutilation“. Der Verein bietet Beratung für betroffene Frauen an, leistet Aufklärungsarbeit in deutschen und auch somalischen Schulen und baut mit gesammelten Spendengeldern eine somalische Klinik speziell für beschnittene Frauen und Kinder.

In Düsseldorf kümmert sich Frau Cumar um Migrantinnen – viele von ihnen beschnittene Frauen, die sich scheuen, allein zum Gynäkologen zu gehen. Sie begleitet sie und übersetzt bei Sprachschwierigkeiten. Aktuell versucht Frau Cumar, mehrere afrikanische Frauen in psychosozialer Beratung zu schulen, um diese dann als Integrationshelferinnen in ihrem Beratungsbüro einzusetzen.

Der Bundesverdienstorden als Dank an Jawahir Cumar, die unermüdliche Kämpferin für das Recht der Frauen, selbst über ihr Leben und ihren Körper bestimmen zu können! Vielen Dank für diesen Kampf! 

Luise Dettki aus Ahlen (Verdienstmedaille)

“In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist” – nach dieser Devise lebt Luise Dettki: Seit über 60 Jahren engagiert sie sich für den Sport. Seit 1950 ist sie Mitglied des heutigen Turnvereins Einigkeit Ahlen 1919 e.V.

In über 40 Jahren Vorstandstätigkeit prägte sie den Verein. Und machte ihn ganz besonders für Kinder und Jugendliche attraktiv: Luise Dettki führte in Ahlen erstmalig speziell für 6- bis 15-Jährige das Kinderturnen ein. Sie organisierte und leitete die alljährliche Vereinsmeisterschaft im Kinder- und Jugendlichen-Geräteturnen. Sie begleitete Kinder- und Jugendgruppen zu Turnfesten. Und sie sorgt dafür, dass die jungen Vereinsmitgliedern über den Sport hinaus Angebote finden: Nikolaus- und Weihnachtsfeiern, Radtouren und Fahrten mit bis zu 60 Kindern und Jugendlichen in Jugendherbergen und zu kulturellen Veranstaltungen sind immer wieder „Highlights“, die von Luise Dettki organisiert werden.

Für Sport ist man niemals zu jung oder zu alt, das ist die Devise von Luise Dettki. Kein Wunder also, dass sie sich seit einigen Jahren auch für den Seniorensport engagiert. Und seit 1978 jeden Mittwoch von Mai bis September in allen Altersklassen das Sportabzeichen abnimmt. Das sie – wie könnte es anders sein – auch selbst schon fast 50. Mal absolviert hat.

Brunhilde Dickel aus Brilon (Verdienstkreuz am Bande)

Unsere Welt und unser Leben werden immer komplexer, immer schnelllebiger, immer fordernder. Für manche zu fordernd. Wie wir alle aus Medienberichten wissen, sind psychische Krankheiten und psychosoziale Probleme geradezu ein Zeichen unserer Zeit geworden.

Brunhilde Dickel weiß das nicht nur aus Medienberichten, sondern aus eigener Anschauung. 1985 begann sie – damals noch neben ihrem Beruf – bei der TelefonSeelsorge Hochsauerland. Schnell merkte sie, wie immens der Bedarf an Hilfe und Unterstützung für Menschen mit psychischen Erkrankungen ist. Ihre Zusammenarbeit mit einer Selbsthilfegruppe für Angehörige psychisch Kranker in Brilon mündete Ende 1991 in die Gründung des Vereins „IPSYLON“, dessen Name für „Initativkreis Psychosozialer Hilfen in Brilon“ steht.

Mit ihrer Erfahrung, mit schier unermüdlicher Energie und Ausdauer sowie mit großem Einfühlungsvermögen leitet Brunhilde Dickel bis heute diesen Verein, der Menschen mit psychischen Erkrankungen Unterstützung in den Bereichen Wohnen, Arbeit und Freizeitgestaltung anbietet. Unter ihrer Leitung entwickelte sich „IPSYLON“ von einem kleinen, teilweise auch skeptisch beäugten Außenseiterverein zu einem anerkannten Baustein der psychosozialen Versorgung im Hochsauerlandkreis. Rund 30 Stunden pro Woche kümmert Brunhilde Dickel sich um Spensdenbeschaffung und Öffentlichkeitsarbeit – und um die Koordinierung aller Aktivitäten.

Ein Herzens-Anliegen ist es ihr, neben all dem Organisatorischen auch selbst Kontakt zu den vom Verein betreuten psychisch Kranken zu pflegen. Sie ist so einfühlsam, dass sie auch Ungesagtes hört und versteht. Bei ihr heißt es in Anlehnung an das Sprichwort “Gesagt – Getan”, “Gehört – Getan”!

Dr. Hiltrud Döhmen-Benning aus Aachen (Verdienstkreuz am Bande)

Ein chinesisches Sprichwort sagt: „Ein Arzt kann die Krankheit, nicht jedoch das Schicksal bessern.“

Dr. Hiltrud Döhmen-Benning ist Ärztin. In vielen Fällen hat sie die Mucoviszidose-Krankheit von Kindern, die tödlich endende Verschleimung der Atemwege, bessern können. Sie hat aber auch – und vor allem – das Schicksal ihrer kleinen Patientinnen und Patienten gebessert, indem sie es ihnen erträglicher gemacht hat: durch neuartige Behandlungskonzepte, durch enge Zusammenarbeit von Krankenhäusern, niedergelassenen Ärzten und Physio- sowie Psychotherapeuten und dadurch, dass sie wirklich rund um die Uhr, und an 7 Tagen die Woche erreichbar war.

1981 war Hiltrud Dr. Döhmen-Benning Mitgründerin eines Selbsthilfevereins, der u.a. Klimakuren für Mucoviszidose-Patienten finanziert, in einem Haus auf Gran Canaria, das der Verein aus Spendengeldern erwarb.

Als sie im Jahr 2009 ihre Arztpraxis aufgab, verpflichtete sie ihren Nachfolger, die Praxis in ihrem Sinn weiterzuführen. Sie selbst ist weiterhin als ärztliche Beraterin des Selbsthilfevereins und in der Mucoviszidose-Forschung engagiert. Und wir hoffen, dass Sie das noch lange tun werden und hoffen auf viele Nachahmer.

Ingeborg Friebe, Landtagspräsidentin a. D. aus Monheim am Rhein (Großes Verdienstkreuz mit Stern)

Nur zwei Dutzend Frauen aus Nordrhein-Westfalen wurden bislang mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern ausgezeichnet – mit Ingeborg Friebe wird es jetzt eine Trägerin mehr geben.

Ehre wem Ehre gebührt: Seit über einem halben Jahrhundert nutzt Ingeborg Friebe Ämter und Funktionen dafür, sich für ein menschliches und gedeihliches Miteinander einzusetzen: In all ihren politischen Spitzen-Ämtern hat sie stets Bodenhaftung mit Perspektive verbunden, sei es als ehrenamtliche Bürgermeisterin der Stadt Monheim von 1976 bis 1997, sei es von 1985 bis 1990 als Vizepräsidentin des Landtags und von 1990 bis 1995 als dessen Präsidentin.

Geschickt und erfolgreich nutzte Ingeborg Friebe seinerzeit ihr Landtagsmandat um Monheim 1976 aus den “Fesseln” Düsseldorfs zu befreien, in die es 1975 im Rahmen der kommunalen Neuordnung geraten war. Schon seit 1952 tritt Ingeborg Friebe in der Europa-Union Deutschlands für ein vertrauensvolles grenzüberschreitendes Miteinander. Die Bemühungen der Stadt Monheim um ein vereintes Europa wurden bereits 1985 mit der Ehrenfahne des Europarates ausgezeichnet. Im Landtag setzte Ingeborg Friebe den Gedanken fort und förderte den Austausch mit Österreich, Spanien, Italien und Frankreich.

Ihr Einsatz für das historische „Haus Bürgel“ ist ein herausragendes Beispiel für ihre Heimat- und Naturverbundenheit: Dank ihres Einsatzes ist das ehemalige Römerkastell „Haus Bürgel“ nicht – wie zeitweise geplant – zu einem exklusiven Golfvereinsheim geworden, sondern zu einem überregional attraktiven Museum (mit Funden aus der Römerzeit) inmitten einer geschützten Auenlandschaft, deren Besonderheiten Kindern und Erwachsenen bei Exkursionen nahegebracht werden.

Ingeborg Friebe wird für ihr vielseitiges Engagement geschätzt, für die einen ist sie die „First Lady“ von Monheim, für die anderen die „Mutter des Museums“ von Haus Bürgel und für alle, die sie kennen, eine herausragende Frau ihrer Generation, die sich mit Herz und Verstand dem Allgemeinwohl verpflichtet fühlt.

Das Große Verdienstkreuz mit Stern für Ingeborg Friebe!

Marita von Garrel aus Anröchte (Verdienstkreuz am Bande)

„So ein Frauenzimmer!“ mag man bei Marita von Garrel ausrufen – und das ist keinesfalls despektierlich gemeint. Sie selbst nennt sich „Frauenzimmer“ – d. h. sie nennt so die Vereinigung, die sie im Jahr 2005 mit gründete und die als „Anröchter Frauenzimmer e.V.“ Hilfe in allen Lebenslagen leistet.

Die Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach hatte schon vor über 100 Jahren die Erkenntnis: „Für das Können gibt es nur einen Beweis, das Tun“. Marita von Garrel hat diesen Beweis mehrfach erbracht – als Mutter, als selbständige Steuerberaterin und in zahlreichen Ämtern in ihrer Partei, der CDU. Und sie ist sich sicher, dass das auch andere Frauen können – und will diese Frauen dazu bringen, es auch zu tun. In der Frauen Union organisiert sie Rhetorikkurse, Motivationstrainings und politische Schulungen, um ihre Geschlechtsgenossinnen aus der Deckung zu holen. Daneben ist sie eine äußerst geschickte und erfolgreiche „Networkerin“ – auch dies mit dem Ziel, mehr Frauen in Gremien und Führungspositionen zu bringen.

Vielleicht kommt Marita von Garrel ihrem Ziel ja auch heute Abend noch ein Stück näher: Bei all den „ausgezeichneten Frauen“, die heute hier sind, findet sie sicher die eine oder andere, die sie für die gemeinsame Sache begeistern kann!

Gretel Hagt aus Dortmund (Verdienstkreuz am Bande)

„Die großartigste Schwäche eines Menschen ist sein Mitleid“ – so die Erkenntnis des Schriftstellers Thomas Niederreuther. Nach dieser schönen Erkenntnis, hat Gretel Hagt aus Dortmund ihre Schwäche zu einer großartigen Stärke gemacht: Seit 1977 engagiert sie sich bei der AWO und hilft den Schwachen und Hilfsbedürftigen unserer Gesellschaft.

1987 hatte sie die Idee zur Gründung der AWO-Kleiderkammer – und setzte die Idee um. Seitdem kümmert sie sich um das Sammeln, das Aufbereiten und die Ausgabe der Kleidungsstücke.

1989 war der Andrang von DDR-Übersiedlern und südosteuropäischen Aussiedlern so groß, dass alle regulären Aufnahme-Einrichtungen überfüllt waren. Gretel Hagt sorgte dafür, dass den Hilfesuchenden mehrere Monate lang eine Dortmunder Turnhalle als Unterkunft zur Verfügung gestellt wurde.

Besonders am Herzen liegt ihr die Sorge für junge Menschen: So ist sie Mitgründerin des „Wickeder Ferienspaßes“, einer Ferienfreizeit-Maßnahme für Kinder, die in den Sommerferien nicht verreisen können. Auch unterstützt sie zahlreiche Projekte der AWO, mit deren Hilfe junge Menschen ausgebildet, qualifiziert – und damit ein Stückchen weit für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden.

Und in der Seniorenbegegnungsstätte der AWO sorgt sie jede Woche für gesellige „Seniorennachmittage“.

In dem Projekt „Schule früher“ vermittelt Gretel Hagt Schülern, wie Schule zu ihrer Zeit war. Und da staunen die jungen Handy- und Internet-User nicht schlecht, wie sehr damals z. B. das Auswendiglernen gefordert war.

Christel Höltershinken aus Dortmund (Verdienstkreuz am Bande)

Manche behaupten, das Leben fange erst richtig an, wenn die Kinder aus dem Haus sind und der Dackel gestorben ist. Ich weiß nicht, ob Christel Höltershinken einen solchen tierischen Sterbefall zu beklagen hatte; jedenfalls fing ihr Leben in der Kommunalpolitik an, als ihre Kinder selbst für sich sorgen konnten. Und was für ein Leben: Sie mischt überall mit, wo sie Gutes für Menschen erreichen kann, die Hilfe brauchen.

So ist Christel Höltershinken seit 1983 in der CDU aktiv – und das auf verschiedensten Ebenen. Als Vorsitzende der Dortmunder CDU-Ortsunion Süd, als Vorstandsmitglied des CDU-Stadtbezirksverbandes Innenstadt-Ost, als stellvertretende Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Dortmund, Delegierte zum CDU-Bezirksverband Ruhr sowie zum CDU-Landesverband NRW und Mitglied der CDU-Fraktion im Rat der Stadt Dortmund sowie im Ausländerbeirat.

Beeindruckende Ämter und Funktionen – die sie mit mindestens so beeindruckender Aktivität ausfüllt. Dabei liegt ihr die Jugend- und Sozialarbeit besonders am Herzen. Sei es seit fast 20 Jahren im Vorstand des Vereins „In VIA Katholische Mädchensozialarbeit Dortmund e.V.“, sei es bei ihrem unermüdlichen Einsatz für den Fortbestand der Bahnhofsmission in Dortmund, sei es bei ihrem Engagement für Kultur in Dortmund oder sei es zur Förderung des altsprachlichen Unterrichts in den Dortmunder Schulen.

Wo auch immer sie als Initiatorin, Koordinatorin, Moderatorin, schlicht als  treibende Kraft gebraucht wird: Christel Höltershinken ist zur Stelle. 

Kornelia Kippes aus Wülfrath (Verdienstkreuz am Bande)

Kornelia Kippes musste früh erwachsen werden: Als sie gerade zwölf Jahre alt war, starb ihr Vater. Plötzlich stand ihre Mutter mit vier Kindern, eins davon nach einem Sportunfall querschnittsgelähmt, allein da. Für die kleine Kornelia war es damals selbstverständlich, die Mutter zu unterstützen, wo immer sie konnte. Täglich mehrere Stunden versorgte sie fortan ihren Bruder, dessen innigster Wunsch es war, zuhause gepflegt zu werden, bei seiner Familie, von seiner Familie. Über 25 Jahre lang konnte sie ihn pflegen, bis ihr Bruder zuhause starb.

Als ihre Mutter Mitte der 1990er Jahre zunehmend hilfsbedürftig wurde, war es für Kornelia Kippes erneut eine Selbstverständlichkeit zu helfen. Zunächst allein, später unterstützt durch einen Pflegedienst und letztlich in einem Alten- und Pflegeheim gab sie ihrer Mutter all die Fürsorge, die ihr guttat.

Bald war Kornelia Kippes auch bei den Bewohnerinnen und Bewohnern des Heims als „gute Seele“ bekannt und natürlich auch gefragt. Und so war es für sie wieder selbstverständlich, sich auch in der offiziellen Funktion der stellvertretenden Vorsitzenden des Heimbeirates um die Belange der alten Menschen zu kümmern. Mit viel Elan und Erfolg hat sie sich seither für zahlreiche Qualitätsverbesserungen eingesetzt – darunter auch Mahlzeiten, bei denen die Vorlieben der Seniorinnen und Senioren besser berücksichtigt werden. Bis zu 20 Stunden pro Woche ist sie für ihre Schützlinge da. Und hat dafür sogar ihre berufliche Arbeitszeit reduziert.

Wobei sie – wie könnte es anders sein – auch in ihrem beruflichen Bereich wie selbstverständlich Verantwortung übernommen hat. Als Betriebsratsmitglied erreichte sie, dass Vereinbarungen zur Gleichstellung sowie zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie geschlossen wurden. Und dass unabwendbarer Personalabbau, wenn dann sozialverträglich erfolgte.

Wilma Kläsener aus Gelsenkirchen (Verdienstkreuz am Bande)

Wilma Kläsener könnte man geradezu als die „Rattenfängerin von Gelsenkirchen“ bezeichnen. Sie schart nämlich hunderte kleine Leseratten um sich.

Seit fast 15 Jahren leitet Wilma Kläsener die Katholische öffentliche Bücherei der Gemeinde Herz Jesu in Gelsenkirchen. 100 Jahre alt und ziemlich verstaubt war diese Bücherei 1997 – und das auch im übertragenen Sinn. Wilma Kläsener nahm sich vor, die Bücherei zu modernisieren und vor allem junge Menschen fürs Lesen zu begeistern. Mit ihrem Mitarbeiter-Team gelang ihr in tausenden von ehrenamtlichen Arbeitsstunden, was kaum jemand für möglich gehalten hätte: Heute verfügt die Bibliothek über rund 4.500 Medieneinheiten. Die Zahl der Ausleihen hat sich in den letzten zehn Jahren nahezu verachtfacht: Über 8.000 Ausleihen pro Jahr belegen, wie attraktiv das Angebot ist. Es gibt besondere Aktionen für Kindergärten und Grundschulen – wöchentlich kommen dabei rund 150 Kinder in die Bibliothek – machen den jungen Leseratten Lust auf mehr. Und sie bekommen auch mehr: soviel, wie sie tragen können. Wilma Kläsener und ihr Team kennzeichnen Stoffrucksäcke mit den Namen der kleinen Lesebegeisterten, die dann mit leuchtenden Augen ausgewählte Bücher einpacken.

Wenn Deutschland im Rahmen der nächsten PISA-Studie bei der „Lesekompetenz“ hoffentlich die Nase vorn hat – dann ist das sicher auch ein Verdienst von Wilma Kläsener.

Irene Möllenbeck aus Emmerich (Verdienstkreuz 1. Klasse)

„Politik ist nicht die Kunst des Möglichen, sondern des Unmöglichen“ – So die Erkenntnis des tschechischen Politikers Vaclav Havel. Wer Irene Möllenbeck kennt, weiß, dass sie diese „Kunst des Unmöglichen“ perfekt beherrscht: In ihren über 30 Jahren Engagement in Kommunal- und Landespolitik hat sie vieles möglich gemacht, was vorher unmöglich schien: Als junge Mutter, die wieder in den Beruf einsteigen wollte, stellte Irene Möllenbeck fest, dass es weder ausreichend Kindergartenplätze noch ausreichend flexible Öffnungszeiten gab. Und sie handelte. Als sachkundige Bürgerin im Rat von Emmerich wurde ihr klar, dass ausländische und deutsche Schülerinnen und Schüler mehr Förderung brauchen. Und Irene Möllenbeck handelte und unterstützte die Gründung des Internationalen Zentrums für Integration und Freizeitgestaltung. Als Frau schienen Irene Möllenbeck die Chancen und Rechte von Frauen noch immer nicht fair berücksichtigt. Also wurde sie Mitgründerin der Frauengruppe „Lila Punkte – Frauen am Niederrhein“, initiierte zahlreiche Aktionen und Projekte und ermöglichte den Fortbestand des Frauenhauses in Kleve, indem sie einen Förderverein ins Leben rief. Und als Kultur-Interessierte unterstützt sie die Aktion „Stolpersteine für Emmerich“, mit der an Schicksale jüdischer Mitbürger in der NS-Zeit erinnert wird. Und sie sorgte für die Eröffnung und Erhaltung des Plakatmuseums am Niederrhein, in einem alten Fabrikgebäude, sorgte sie übrigens auch.

Irene Möllenbeck – die Künstlerin des Unmöglichen, die Politikerin mit Herz und Verstand!

Agnes Schulze Wehninck aus Bocholt (Verdienstkreuz am Bande)

„Ist doch easy, super-easy, weil ich 1000 Frauen bin“ – diese Zeile aus einem deutschen Schlager könnte für Agnes Schulze Wehninck geschrieben sein.

Agnes Schulze Wehninck ist Hauswirtschaftsmeisterin, bewirtschaftet einen traditionsreichen Hof, hat junge Frauen in der ländlichen Hauswirtschaft ausgebildet, engagiert sich seit über 35 Jahren im Landfrauenverband, wirkt in der Kommunalpolitik mit und im Heimatverein Barlo an der Bewahrung von Traditionen sowie der Erhaltung der plattdeutschen Sprache.

Bei all ihrem Engagement gilt ihr besonderes Augenmerk den Jüngsten: So sorgte sie mit dafür, dass der Schulweg zur Grundschule gesichert wurde und ein „Schülertaxi“ eingerichtet wurde, um die Schülerinnen und Schüler sicher von zuhause in die Schule und wieder zurück zu bringen. Und so lädt sie auch immer wieder Grundschulkinder ein, die „Museumsscheune“ auf ihrem Hof zu besuchen. Dort erzählt sie den kleinen Gästen dann spannende Geschichten von früheren Zeiten und erläutert ihnen die alten landwirtschaftlichen Geräte und Haushaltsgegenstände, die dort zu besichtigen sind. Eine spannende, eine lohnende und eine Arbeit, die der Gesellschaft viel Positives entgegenbringt.

Dr. Maria Stojanova-Scholz aus Duisburg (Verdienstkreuz am Bande)

Maria Stojanova-Scholz ist eine herausragende Ärztin – sie baute den Fachbereich Rheumatologie im Klinikum Duisburg auf, der inzwischen weit über die Region hinaus einen hervorragenden Ruf als Rheumazentrum genießt.

Und Maria Stojanova-Scholz ist keine „Göttin in weiß“, die unmündigen Patienten sagt, was sie zu tun und zu lassen haben. Nein, für sie steht umfassende Information der Rheumapatientinnen und -patienten an oberster Stelle. Sie weiß, wie schmerzhaft Bewegung und Training für die Betroffenen sein kann; sie weiß aber auch, dass bei Schmerzgeplagten die Einsicht in die Notwendigkeit Berge versetzen kann. Nach dem Motto „vereint sind wir stark“ setzt sie auf ein „Arzt-Patienten-Team“, in das jeder seine Verantwortung und seine Fähigkeiten einbringt. Der Erfolg gibt ihr recht: Für Rheuma-Patientinnen und -patienten ist Maria Stojanowa-Scholz mittlerweile eine „Institution“. Bundesweit ist sie gefragte Referentin auf Fachtagungen. Viele Rheuma-zentren haben sich von ihr Behandlungs-Konzepte ausarbeiten lassen.

Seit über 20 Jahren wirkt Maria Stojanova-Scholz auch an einem Projekt für schwerstbetroffene Rheumakranke mit. Credo dieses Projekts ist es, dass ein selbständiges Leben zuhause auch in schweren Fällen möglich ist – was Mitglieder der Rheuma-Liga bei Hausbesuchen mit praktischen Ratschlägen sicherstellen.

Roswitha Wolters aus Mönchengladbach (Verdienstkreuz am Bande)

Als Roswitha Wolters 1993 als erste Frau in der Geschichte der Volksbank Rheydt eG in deren Aufsichtsrat berufen wurde, waren die aktuellen Diskussionen um eine Frauenquote in Aufsichtsräten noch Zukunftsmusik.

Roswitha Wolters war bei vielem, was sie tat, eine der ersten Frauen. Seit 1969 Mitglied des Turnvereins Giesenkirchen 1891 e.V., übernahm sie 1976 das Amt der ersten Kassiererin und Pressesprecherin. Mit Kompetenz und Durchsetzungskraft führte sie eine geordnete kaufmännische Buchführung ein. Bis zu 20 Stunden pro Woche engagierte sie sich – neben ihrem Beruf als Bankkauffrau – im und für den Verein.

Nicht genug damit – auch in der Kommunalpolitik hat Roswitha Wolters einiges bewegt. Seit 1971 Mitglied der CDU, setzte sie sich von 1989 bis 1994 in der Bezirksvertretung für die Interessen der Menschen im Ortsteil Giesenkirchen ein und anschließend 15 Jahre lang als sachkundige Bürgerin im Sportausschuss des Rates der Stadt Mönchengladbach.

Bildung ist für Roswitha Wolters der Schlüssel zum Erfolg – und zwar umfassende Bildung. Als Vorsitzende des Fördervereins des Franz-Meyers-Gymnasiums Mönchengladbach sorgte sie deshalb dafür, dass der naturwissenschaftliche Bereich ebenso ausgebaut wurde wie die Bereiche Sport, Musik und Soziales. Und sie sorgte für politische Bildung der Schülerinnen und Schüler – etwa, indem sie immer wieder Fahrten zu Landtagsdebatten organisierte.

Seit 1997 profitiert auch das Verwaltungsgericht Düsseldorf von ihrer Erfahrung, das sie als ehrenamtliche Richterin unterstützt. Eine Frau, die in vielen Bereichen gewirkt hat und hoffentlich noch lange wirkt!

Weitere

Pressemitteilungen

Weitere

Informationen

Pressefotos

Download

Seiten

Kontakt

Pressestelle

Keine Ergebnistreffer

Verwandte

Meldungen

Verwandte

Themen

Information

Downloads

Links

Zum Thema

Information

Karte

Abonnieren

Newsletter

Abonnieren Sie hier den Newsletter der Landesregierung Nordrhein-Westfalen oder bestellen Sie ihn ab.