Ministerpräsident Rüttgers überreicht Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland an 16 Bürgerinnen und Bürger

18. Juni 2009

Ministerpräsident Rüttgers überreicht Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland an 16 Bürgerinnen und Bürger: „Ihr Engagement zeichnet uns alle aus“

Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hat heute den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland an 16 Bürgerinnen und Bürger ausgehändigt. In einer Feierstunde in der Düsseldorfer Staatskanzlei dankte der Ministerpräsident den Ausgezeichneten: „Der Staat kann nicht allein ein gutes Leben für alle Bürger schaffen. Ohne eine Gesellschaft aktiver Bürger geht es nicht. Das gilt mehr denn je.“

Die Staatskanzlei teilt mit:

Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hat heute (18. Juni 2009) den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland an 16 Bürgerinnen und Bürger ausgehändigt. In einer Feierstunde in der Düsseldorfer Staatskanzlei dankte der Ministerpräsident den Ausgezeichneten: „Der Staat kann nicht allein ein gutes Leben für alle Bürger schaffen. Ohne eine Gesellschaft aktiver Bürger geht es nicht. Das gilt mehr denn je. Sie, die wir hier auszeichnen, sind Teil dieser aktiven, dieser vitalen Bürgergesellschaft. Sie leben sie vor. Auf unterschiedlichste Arten und in vielen Gebieten. Sie haben viel zum Guten verändert, manchmal auch gegen Widerstände. Ihr Engagement zeichnet uns alle aus. Dafür verdienen Sie Anerkennung, auch stellvertretend für viele andere, die Ihnen auf Ihrem Weg geholfen haben.“

Der Ministerpräsident betonte in seiner Festrede die Notwendigkeit von Vorbildern: „Vor allem Kinder und Jugendliche brauchen Vorbilder, die Werte leben, sie vorleben. Menschen, die tun, was sie sagen. Menschen, die dabei nicht nur an ihren eigenen Vorteil denken. Menschen, die sich für andere einsetzen. Solche Menschen sind das, was man Elite nennt. Elite zu sein bemisst sich daran, ob man Werte vorlebt. Die Werte, die die Grundlage unserer freiheitlichen Verfassung sind.“

Den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland haben heute
(18. Juni 2009) erhalten:

·         Frank A s b e c k, Bonn (Verdienstkreuz am Bande)

·         Professor Dr. Mihran D a b a g, Bochum (Verdienstkreuz am Bande)

·         Professor Dr. Gerd F a l t i n g s, Bonn (Verdienstkreuz 1. Klasse)

·         Professor Dr. Harald Heinz F u c h s, Münster (Verdienstkreuz 1. Klasse)

·         Dr. h. c. Ralph G i o r d a n o, Köln (Großes Verdienstkreuz)

·         Helmut Andreas H a r t w i g, Bonn (Verdienstkreuz am Bande)

·         Karlheinz K o m m, Lübbecke (Verdienstkreuz am Bande)

·         Anna Gisela K u c k, Sankt Augustin (Verdienstkreuz am Bande)

·         Ulrich Meyer z u  B e x t e n, Herford (Verdienstkreuz am Bande)

·         Irmgard O h l, Hamburg (Verdienstkreuz am Bande)

·         Professor Dr.-Ing. Manfred P a h l, Paderborn (Versdienstkreuz 1. Klasse)

·         Professor Dr. Alfred P ü h l e r, Bielefeld (Verdienstkreuz am Bande)

·         Reinhold S c h u l t e, Dortmund (Verdienstkreuz 1. Klasse)

·         Maria Luise W e i sm ü l l e r (Schwester Alexa), Köln (Verdienstkreuz am Bande)

·         Dr. Irmel W e y e r, Ostercappeln (Großes Verdienstkreuz)

·         Johannes Jakob W o l f f, Pulheim (Verdienstkreuz am Bande)

Die Laudationes im Wortlaut:

Frank Asbeck, Bonn (Verdienstkreuz am Bande)

„Ich will ein Teil der Lösung des Problems sein“, sagt Frank Asbeck von sich selbst. Mit seinem langjährigen Engagement im Bereich Solarstrom trägt er maßgeblich zum Klimaschutz bei.

Oft wird er „der Sonnenkönig von Bonn“ genannt – er selbst mag diesen Namen weniger; die Sonne gehöre schließlich allen. In den 90er Jahren gründete er die SolarWorld AG, die innerhalb von 10 Jahren zum drittgrößten Anbieter Solarstrom der Welt anwuchs. Sein Ziel ist es, dass Solarstrom auch ohne Subventionen mit herkömmlichem Strom konkurrieren kann. Dafür schuf er den SolarWorld Einstein-Award für Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um die Nutzung der Solarenergie verdient gemacht haben.

Aktuell beteiligt sich Frank Asbeck mit der SolarWorld als Hauptsponsor an der Regenwaldausstellung des Museum König in Bonn. Und um den Beginn eines neuen, umweltschonenden Zeitalters auch symbolisch einzuläuten, hat Frank Asbeck dem Vatikan gerade eine Solarstromanlage geschenkt.

Auch Frank Asbecks Heimat verdankt seiner Großzügigkeit viel: Er gehörte zu den Mitstiftern der „Bürgerstiftung Rheinviertel“ und arbeitet seitdem im Kuratorium mit. Er hat dabei nicht nur ein Bild des deutschen Expressionisten August Macke für das Kunstmuseum gesichert, er hat auch die Restaurierung einer Bonner Kirchenorgel finanziert – worin sonst solle man sein Geld besser investieren als in seine eigene Stadt, sagt er. Für Frank Asbecks soziales Engagement und seinem nachhaltigen Einsatz für den Klimaschutz gebührt ihm unser Dank.

Professor Dr. Mihran Dabag, Bochum (Verdienstkreuz am Bande)

Es gibt Geschichten, die sind furchtbar. Furchtbar für die Menschen, die sie erleben mussten, so furchtbar, dass es selbst Zuhörern schwer fällt, ihnen zu folgen.

Professor Mihran Dabag ist ein Mann, der zuhört: Er hat Augenzeugenberichte von Überlebenden des Armenischen Völkermordes dokumentiert. Er hat das Institut für Diaspora- und Genozidforschung an der Ruhr-Universität Bochum mit aufgebaut und gibt als sein Leiter die Zeitschrift für Genozidforschung heraus. In seiner Arbeit analysiert er Strukturen und Prozesse der kollektiven, staatlich gestützten Vernichtungsgewalt und den Völkermord. Seine Ergebnisse sind heute die wissenschaftliche Grundlage für wissenschaftliche Vergleiche von Völkermorden. Seine Arbeit gab der Trauma-Forschung richtungweisende Impulse.

Professor Mihran Dabag hat in seiner Forschung verschiedene Disziplinen zusammengebracht und wichtige Theorien erarbeitet, auch weil er ein gesellschaftliches Ziel verfolgt. Er fragt nach den Ursachen von manchen der schrecklichsten Geschehnisse der Menschheit, damit wir sie jetzt und in Zukunft verhindern können.

Das Werk von Professor Dabag ist ein Vorbild, weil es auch von einer geradezu politischen Überzeugung getragen wird: Der Mensch gestaltet seine Geschichte selbst. Für seine Leistungen in Wissenschaft und Forschung und für unsere Zukunft gebührt ihm unser Respekt.

Professor Dr. Gerd Faltings, Bonn (Verdienstkreuz 1. Klasse)

Professor Gerd Faltings kann etwas, was einzigartig ist: Er hat einen mathematischen Beweis erbracht, über den sich Mathematiker 60 Jahre lang die Köpfe zerbrochen hatten. Damit wurde Professor Faltings 1983 weltberühmt.

Nicht umsonst war er bereits ein Jahr vorher als einer der jüngsten Professoren Deutschlands berufen worden. 1994 wurde er dann Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft und bereits ein Jahr später Direktor des Max-Planck-Instituts für Mathematik in Bonn. Er ist außerdem Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und Künste und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Wegen seiner Leistungen auf dem Gebiet der arithmetischen Geometrie wurde er als Mitglied in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle an der Saale gewählt. Aber nicht nur Experten schätzen ihn: Denn neben Fachliteratur hat er auch eine Einführung in die moderne Mathematik herausgegeben, die auch für Laien verständlich ist.

Für seine Verdienste wurde Professor Faltings vielfach ausgezeichnet: Mit dem Dannie-Heinemann-Preis der Göttinger Akademie der Wissenschaften und dem Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Und er wurde mit der Fields-Medaille geehrt, die als „Nobelpreis“ der mathematischen Wissenschaft gilt. Professor Faltings ist sozusagen der Mathestar Deutschlands.

Seine herausragenden Leistungen verdienen unsere höchste Anerkennung.

Professor Dr. Harald Heinz Fuchs, Münster (Verdienstkreuz 1. Klasse)

Professor Harald Heinz Fuchs ist ein Pionier der Nanowissenschaften. Maßgeblich treibt er Forschung und Entwicklung auf diesem Gebiet voran. An der Westfälischen Wilhelms Universität Münster arbeitet er an der Weiterentwicklung von Rastersondenmethoden und der Untersuchung von Selbstorganisationsphänomenen von organischen Schichtsystemen.

Interdisziplinäre Forschung, über 200 Publikationen und über 30 Patentanmeldungen zeugen von seiner erfolgreichen wissenschaftlichen Arbeit. Gastprofessuren an chinesischen und europäischen Universitäten unterstreichen die internationale Wertschätzung von Professor Fuchs.

Durch seine Erfahrungen in der Industrie und als Mitbegründer von zwei Startup-Firmen ist Professor Fuchs aber nicht nur in der reinen Wissenschaft, sondern auch bei der wirtschaftlichen Umsetzung von Innovationen eine treibende Kraft. Die Ausstrahlungskraft des Kompetenzzentrums Nanoanalytik ist auf sein Engagement zurückzuführen.

2002 wurde er außerdem zum Mitglied der Projektgruppe Miniaturisierung neuer Materialien der Europäischen Akademie zur Erforschung der Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen in Bad Neuenahr berufen. 2003 nahm ihn die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina zu Halle auf.

Es sind seine herausragenden wissenschaftlichen Arbeiten auf dem jungen Gebiet der Nanotechnologie und sein Engagement für den Technologietransfer, für die wir Professor Fuchs heute danken und ehren.

Dr. h. c. Ralph Giordano, Köln (Großes Verdienstkreuz)

Ralph Giordano gehörte mit seiner Familie zu den Opfern des NS-Regimes. Diese Erfahrung hat ihn tief geprägt.

Als Fernsehjournalist und Publizist hat er wie wenige andere die öffentliche Debatte zum Faschismus, Nationalsozialismus und Stalinismus bestimmt. Nicht umsonst gilt Ralph Giordano als streitbarer Mann. Aber es geht ihm nicht nur um die Vergangenheit. Immer wieder setzt er sich für Zivilcourage und Menschlichkeit ein – unabhängig davon, ob die von ihm vertretenen Positionen gerade dem Zeitgeist entsprechen. Vor allem engagiert er sich für die Belange von Minderheiten und sozial Benachteiligten. Mit großer Leidenschaft prangert er Diskriminierung, Vertreibung und Folter an.

„Lasst euch nicht einschüchtern“, fordert Ralph Giordano. In diesem Sinn werden alljährlich Personen mit dem Bertini-Preis ausgezeichnet, der nach seinem Roman „Die Bertinis“ und dem darin enthaltenen Aufruf zur Zivilcourage benannt ist.

Ralph Giordano ist bekennender Humanist, Demokrat und Moralist. Er ist Aufklärer und Mahner, der sich einmischt und den Mut hat, Tabufragen zu stellen. Fragen, die viele Menschen bewegen, aber häufig nicht formuliert werden. Fragen, die politisch gelöst werden müssen. Zum Beispiel zur Integration der Zuwanderer. Nicht zuletzt seinem Engagement ist es zu verdanken, dass z.B. der Bau der Großmoschee in Köln eine wichtige politische Kontroverse ausgelöst hat.

Durch sein intensives Engagement als Journalist, Schriftsteller und Autor leistet Ralph Giordano einen zentralen Beitrag zur Entwicklung der politischen Kultur in Deutschland.

Dafür zollen wir ihm allerhöchste Anerkennung und sagen ihm unseren Dank.

Helmut Andreas Hartwig, Bonn (Verdienstkreuz am Bande)

Fortschritt lebt von Menschen, die Neues wagen. Menschen wie Helmut Andreas Hartwig.

Früh schon hat er Unternehmen davon überzeugt, dass Investitionen in Kultur wichtig sind. Er ist einer der Pioniere des Kultur-Sponsoring in Deutschland. Dadurch entstanden tausende innovativer Arbeitsplätze. Er ist aber auch Initiator und Organisator vieler Benefizveranstaltungen, so für die Deutsche Herzstiftung, die Aidshilfe und die Deutsche Krebshilfe. Er engagiert sich bei UNICEF und in der „Bürgerstiftung Rheinviertel“, die mit Kulturveranstaltungen den Erhalt von Kindergärten und Hospizen sichert. Er fördert junge Talente für die deutsche Rock- und Pop-Musik und den talentierten Nachwuchs in einem Think-Tank, in dem junge Köpfe visionäre Konzepte für die Zukunft erarbeiten. Er organisiert Symposien und Schulungen, um kreative Offenheit und vernetztes Denken zu schaffen.

Außerdem vermittelt er Jugendlichen und Erwachsenen die Bedeutung von Demokratie und Sozialer Marktwirtschaft. Aufgrund seiner Initiative wurde das Internationale Forum Burg Liebenzell gegründet, ein Zentrum für gesellschaftspolitische Bildung. Seit Jahren begleitet er dafür die „Wertekommission – Initiative Werte Bewusste Führung“, einen Zusammenschluss von Nachwuchskräften. Wichtig ist ihm dabei, Menschen aus unterschiedlichen Berufen und Schichten zusammenzuführen. „Die Zukunft hat schon begonnen“, das könnte als Motto über der Arbeit von Helmut Hartwig stehen, für die wir ihm danken und die wir heute auszeichnen.

Karlheinz Komm, Lübbecke (Verdienstkreuz am Bande)

„Sehn wir doch das Große aller Zeiten, auf den Brettern, die die Welt bedeuten.“ Das schrieb Friedrich Schiller über das Theater. Karlheinz Komm würde das sofort unterschreiben. Schon früh zog ihn das Theater in seinen Bann, so sehr, dass Karlheinz Komm als Erwachsener seinen Beruf als Lehrer aufgab, um sich uneingeschränkt dem Theater widmen zu können. Seitdem arbeitet er an deutschen Bühnen als Autor, Schauspieler und Intendant.

Aus seiner Feder entstanden über 30 Kinder- und Jugendtheaterstücke und Schauspiele und Volksstücke. Sie werden mit großem Erfolg gespielt, auch auf Plattdeutsch. Außerdem finden wir Karlheinz Komms schriftstellerische Fähigkeiten in seinen Gedichten und in seinem autobiographischen Roman Kriegskinder.

Karlheinz Komm liegt es am Herzen, dass Theater für Jedermann erlebbar wird, vor allem für junge Menschen. So gründete er mobile Theater, die in Schulen und öffentlichen Einrichtungen auftreten, und er ist Mitgesellschafter des Westdeutschen Tournee-Theaters.

Sein Name steht besonders im Raum Minden-Lübbecke für herausragende Theaterarbeit. Er inszenierte an der Freilichtbühne Lübbecke-Nettelstedt und schreibt Theaterstücke für seine Seniorentheatergruppe Senioritas und den Arbeitskreis Kirche und Theater.

Mit dem Bundesverdienstorden würdigen wir heute sein Engagement, Menschen für Kultur und Theater zu begeistern.

Anna Gisela Kuck, Sankt Augustin (Verdienstkreuz am Bande)

Anna Gisela Kuck weiß, wie man außerordentliche und mutige Leistungen anerkennt.

Denn als Mitarbeiterin in der Botschaft Israels in Bonn hat Anna Kuck Ehrungen von Deutschen organisiert, die als Gerechte unter den Völkern in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem eine Widmung erhielten.

Mit seinem Dokumentationszentrum und Museum ist Yad Vashem ein Ort der Mahnung und des Erinnerns an den Holocaust und an seine Opfer. Yad Vashem mahnt wie kein zweiter Ort, sich an die Schrecken des Nationalsozialismus zu erinnern. Der Ort ehrt aber auch jene, die während des Holocaust ihr Leben eingesetzt haben, um das Leben anderer zu retten. 20.000 namentlich gewidmete Bäume in der Allee der Gerechten und Bronzetafeln an der Gedenkstätte erinnern an sie. Viele dieser Ehrungen hat Anna Kuck mit ihrem Einsatz erst möglich gemacht. Sie hat es über lange Jahre getan und in dieser Zeit auch gegen Widerstände daran mitgewirkt, dass wir heute auf diese Menschen als Vorbilder schauen können. Anna Gisela Kuck weiß, wie wichtig es ist, dass die Öffentlichkeit von solchen Vorbildern erfährt. Deshalb spürt sie immer wieder Menschen auf, die den jüdischen Opfern der Nationalsozialisten geholfen haben. Mit Vorträgen hält sie die Erinnerung an die Unmenschlichkeit der nationalsozialistischen Barbarei, aber auch an die unter Lebensgefahr handelnden Helferinnen und Helfer wach.

Heute ehren wir Anna Gisela Kuck für Ihr besonderes Engagement im Namen der Menschlichkeit.

Ulrich Meyer zu Bexten, Herford (Verdienstkreuz am Bande)

Das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde, sagt bekanntlich der Volksmund. Ulrich Meyer zu Bexten muss sehr glücklich sein, denn er hat Zeit seines Lebens im Sattel verbracht: Als Springreiter hat er viele nationale und internationale Preise gewonnen.

Sein Motto heißt „Kinder für Kinder“, denn Ulrich Meyer zu Bexten will besonders Kinder an seinem Glück teilhaben lassen. Schon früh vermisste er im Reitsport Nachwuchsturniere. Also entwickelte er ein Konzept für ein Benefiz-Turnier, bei dem ein ausländisches und ein deutsches Kind im Team die Springprüfungen absolvieren. Seine Erfahrungen im Kinderreitsport bringt er außerdem mit großem Engagement im Kinderkomitee des Weltverbands des Pferdesports ein.

1999 fanden die ersten German Friendships statt, die von ihm mit viel Einsatz betreut wurden. So sind auch internationale Freundschaften entstanden. Aber er kümmert sich auch um die therapeutische Seite des Sports: So wirbt er Spenden für Therapeutisches Reiten und für die Allianz Chronisch Seltener Erkrankungen ein.

Ulrich Meyer zu Bexten trägt außerdem dazu bei, den Reitsport in Ostwestfalen international bekannt zu machen. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Springausschusses des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei. Ulrich und Friederike Meyer zu Bexten sind Träger des Friedensreiterpreises, eine der höchsten Auszeichnungen im deutschen Reitsport.

Das Glück kann man beim Reiten auf vielerlei Arten finden. Ulrich Meyer zu Bexten hat aber sein Glück auch in der breiten Förderung von Kindern und Jugendlichen gefunden. Dafür danken wir ihm und verleihen ihm heute den Bundesverdienstorden.

Irmgard Ohl, Hamburg (Verdienstkreuz am Bande)

Stellen Sie sich vor, es läutet zur Pause, aber kein Schüler steht auf. So ist es, wenn Irmgard Ohl vor Schülern über ihrer Jugend im Nationalsozialismus spricht. Dann hat sie die volle Aufmerksamkeit ihrer jungen Zuhörer.

Irmgard Ohl ist Jüdin. Als junge Frau hat sie den Holocaust überlebt. Heute besucht sie regelmäßig Schulen. Dort berichtet sie über ihre Zeit als Schülerin, über ihre Deportation und den Überlebenskampf im Ghetto und in den Konzentrationslagern. In ihren Vorträgen vermittelt sie den Schülern die nationalsozialistische Schreckensherrschaft und die Verfolgung der Juden höchst anschaulich. Für junge Menschen ist ihre Geschichtsstunde in ihrer Wirkung nachhaltiger, als es der normale Unterricht je sein könnte.

Irmgard Ohl hat aber auch bei Dokumentarfilmen und bei der Zusammenstellung von Ausstellungen mitgewirkt. Außerdem hat sie ihre Erinnerungen veröffentlicht, die in einer fesselnden und für jeden verständlichen Weise berichten, was damals geschah.

Wenn Irmgard Ohl von ihrer Jugend im Nationalsozialismus erzählt, geht es ihr nicht um einen moralischen Fingerzeig, sondern um die Vermittlung von Toleranz – Toleranz gegenüber allen Menschen, egal welcher Hautfarbe oder nationaler oder religiöser Zugehörigkeit.

Wir danken Irmgard Ohl mit dem Bundesverdienstorden für ihr langjähriges Engagement für Toleranz, Frieden und Verständigung.

Professor Dr.-Ing. Manfred Pahl, Paderborn (Versdienstkreuz 1. Klasse)

Professor Manfred Pahl ist ein Ingenieur, dessen Schaffenskraft nicht zu bremsen ist: Zunächst in der Entwicklung der Bayer AG tätig, übernahm er 1980 an der Universität in Paderborn den Lehrstuhl für Mechanische Verfahrenstechnik und später auch für Umweltverfahrenstechnik.

Er hat in einer Pionierrolle die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Universitäten aufgebaut, als deutsche Universitäten noch kaum mit der Industrie zusammengearbeitet haben. Professor Pahl hat dadurch auch dazu beigetragen, Paderborn als Hochschulstandort noch bekannter zu machen. Außerdem hat er sich für den Nachwuchs eingesetzt: Für Schüler rund um den Ingenieurberuf hat er die Informationsmesse „future.ing“ sowie einen Preis für herausragende Leistungen von Studierenden ins Leben gerufen und das Studenten-Projekt Erforschung und Implementierung unweltfreundlicher Energiequellen geleitet.

Darüber hinaus hat er sich durch die Gründung des Westfälischen Umweltzentrums stark für die Umweltforschung engagiert.

Aber auch sozial engagiert sich Professor Pahl: In Bosnien half er beim Wiederaufbau einer zerstörten Universität in Mostar. Zunächst mit Spenden, dann mit dem Projekt Neue Studienstruktur der Fakultät für Maschinenbau.

Nicht umsonst hat Professor Pahl hat für sein Schaffen schon viele Auszeichnungen bekommen: Unter anderem vom Verein Deutscher Ingenieure. Er ist außerdem Ehrendoktor an Universitäten in Ungarn und Russland. Eng arbeitet er mit Universitäten und Wissenschaftlern in Europa und Asien zusammen.

Für seinen Einsatz für Forschung, Wirtschaft, Nachwuchs, Umwelt und die Gesellschaft danken wir ihm und ehren seine besonderen Verdienste.

Professor Dr. Alfred Pühler, Bielefeld (Verdienstkreuz am Bande)

Wenn Menschen das Wort Gentechnik hören, sind die meisten erst einmal skeptisch. Viele haben Vorurteile. Professor Alfred Pühler hilft, diese Vorurteile abzubauen: Denn seit dreißig Jahren arbeitet er an der Entwicklung der modernen molekularbiologischen Wissenschaften. Bereits 1993 hat er eine Studie zu den Gefahren genveränderter Bakterien für die Umwelt durchgeführt, die nicht nur ein Meilenstein auf ihrem Gebiet ist, sondern die auch dazu beigetragen hat, Vorurteile und Ängste gegenüber der Gentechnologie abzubauen.

Sein Verständnis von Wissenschaft umfasst stets den Dreiklang von Forschung, Ausbildung des Nachwuchses und nachhaltigem Wissenschaftsmanagement. Ihm ist zu verdanken, dass ein Centrum für Biotechnologie an der Universität Bielefeld eröffnet werden konnte.

Als Mitglied des Wissenschaftsrates der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina gestaltet Professor Pühler außerdem die politischen Rahmenbedingungen der Genomforschung und Biotechnologie mit. Er ist ferner Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Künste von Nordrhein-Westfalen und Vorstandsmitglied der Landesinitiative BioGenTec NRW. Mit diesem Wissen ist er gefragter Genom-Experte für die Bundesregierung und der Europäischen Kommission.

Für sein hervorragendes Wirken als Wissenschaftler und für die Gesellschaft erhält Professor Pühler heute den Bundesverdienstorden.

Reinhold Schulte, Dortmund (Verdienstkreuz 1. Klasse)

Reinhold Schulte ist ein Mann, der sich außergewöhnlich stark in seinem Berufsleben engagiert: 1972 stieg er als Versicherungskaufmann bei der Signal Versicherungsgruppe ein, wurde dann 1987 in den Vorstand berufen und übernahm 1997 den Vorstandsvorsitz. Er führte die Signal Gruppe mit der Hamburger Iduna Gruppe zur Signal Iduna Gruppe zusammen. Als die Signal Versicherung nach der Wiedervereinigung in Leipzig eine Filiale eröffnete, leistete er in der Aufbauphase des Handwerks Hilfe in den neuen Ländern.

Reinhold Schulte führt außerdem als Vorstandsvorsitzender den Verband der privaten Krankenversicherung e.V. und engagiert sich zugleich im Vorstand des Nordrhein-Westfälischen Handwerkstags für die bundesweite Kampagne „Meister wissen, wie es geht“.

Unter anderem ist Reinhold Schulte stellvertretender Aufsichtsratvorsitzender der Handwerksbau Niederrhein AG. Das im sozialen Wohnungsbau tätige Unternehmen sichert durch bewusste Auftragsvergabe an kleine und mittelständische Betriebe Arbeitsplätze.

Sozial engagiert ist er als Kuratoriumsmitglied der Stiftung „Von Werkstatt zu Werkstatt“. Die Stiftung unterstützt mit ihrer Projektarbeit den Aufbau handwerklicher Existenzen. Er hat die Stiftung „Partner für Schule NRW“ gegründet, die die Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft fördert. Und er gehört dem Landeskuratorium Nordrhein-Westfalen des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft an.

Für seinen Einsatz für die Ausbildung und für den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft verdient er unsere Anerkennung und unseren Dank.

Maria Luise Weismüller (Schwester Alexa), Köln (Verdienstkreuz am Bande)

Schwester Alexa ist für andere Menschen auf der Straße da: Sie ist Seelsorgerin für Obdachlose.

Vor dreizehn Jahren kam die Olper Franziskanerin nach Köln, um sich für Obdachlose und andere Randgruppen der Gesellschaft einzusetzen. Um ihre Stelle musste sie kämpfen. Erst nach vier Jahren bekam sie eine halbe Stelle bezahlt. Dabei geht ihre Arbeit und Fürsorge weit über das Maß einer Vollzeitstelle hinaus: Täglich steht sie Wohnungslosen zur Seite und hilft bei der Essensausgabe in der Suppenküche am Appelhofplatz.

Ihr Einsatz führt Schwester Alexa auf die Straße, in Krankenhäuser und auch in Gefängnisse. Täglich kämpft sie für die Würde von Obdachlosen, Prostituierten, Drogenabhängigen und Straßenkindern. Sie setzt sich ein für Respekt und Menschlichkeit im Umgang miteinander. Bei Streitigkeiten greift sie beherzt ein und erreicht meist eine friedliche Lösung.

Schwester Alexa hat außerdem die Begegnungsstätte Gubbio mit ins Leben gerufen, in der Obdachlose an religiösen Veranstaltungen teilnehmen können. Als Sterbebegleiterin ist Schwester Alexa auch auf ihrem letzten Weg für sie da. Sie ist Mitbegründerin der Obdachlosen-Gräber-Initiative. Damit setzt sie sich dafür ein, dass jeder Verstorbene eine persönliche Grabstätte mit seinem Namen erhält.

Mit ihrem Engagement steht sie nicht alleine da. Auch deshalb bat sie ausdrücklich darum, mit einer Mit-Schwester und einer Obdachlosen gemeinsam hierher zu fahren. Dieses Engagement und diese Bescheidenheit ist uns Vorbild.

Für ihre Nächstenliebe, ihre Entschlossenheit und ihren Mut verdient Schwester Alexa unsere Anerkennung.

Dr. Irmel Weyer, Ostercappeln (Großes Verdienstkreuz)

Manche jungen Menschen haben einen Traum von einer guten Sache, der sie ihr ganzes Leben widmen: Doktor Irmel Weyer wartet nicht darauf, dass der Staat Entwicklungsarbeit leistet, sie packt selbst an: Schon 1961 kam Doktor Irmel Weyer als Tropenärztin nach Tansania und übernahm in dem kleinen Ort Litembo das Ambulatorium. Damals gab es dort für die Patienten nur zehn fensterlose Hütten mit je vier Betten.

Heute, 48 Jahre später, steht auf demselben Platz ein modernes Krankenhaus mit 360 Betten, mit einer Abteilung für Gynäkologie, einer Kinderstation und einer Ambulanz, mit einem Hostel für Angehörige, einem Kindergarten und einem Mütterhaus.

Dies alles und noch mehr hat Frau Dr. Weyer mit finanzieller Unterstützung des von ihr gegründeten Fördervereins aufgebaut.

Unter ihrer Leitung hat sich das Krankenhaus einen hervorragenden Ruf erworben. In ihrer aktiven Zeit hat sie mehr als 200 Schwestern geschult und sie hat afrikanischen Ärzten ermöglicht, sich an Universitäten in Oxford und Wien zu spezialisieren. Sie fuhr zu entlegenen Siedlungen, um die Bevölkerung in Hygiene zu unterrichten oder Kranke zu versorgen und wenn nötig zur Behandlung mit ins Krankenhaus zu nehmen.

Noch heute sorgt sie für ihr Krankenhaus. Zuletzt kümmerte sie sich um zwei Doktorhäuser und ein Pförtner- und Wartehaus für Besucher.

Für ihr unermüdliches und außergewöhnliches Engagement für die Menschen in Tansania verdient Doktor Irmel Weyer unsere allerhöchste Anerkennung.

Johannes Jakob Wolff, Pulheim (Verdienstkreuz am Bande)

Ein Mann mit einem ausgeprägten Gespür für die Bedürfnisse seiner Mitmenschen – so sieht man Johannes Jakob Wolff in seiner Heimatgemeinde Pulheim.

Bis vor fünf Jahren war Johannes Wolff dort Ratsmitglied und Vorsitzender des Ausschusses für Sport, Freizeit und Erholung. Seit 2004 ist er Mitglied in den Ausschüssen für Tiefbau und Verkehr. Darüber hinaus ist er Ortsvorsteher der Bezirke Pulheim und Orr.

Er ist engagiert im Kirchenvorstand und beim Verein der Freunde und Förderer des Pfarrzentrums von St. Kosmas und Damian in Pulheim. Johannes Wolff arbeitet heute vor allem im Personal- und Liegenschaftsausschuss und unterstützt zugleich mit Fachkenntnissen die Arbeit in der Gemeinde.

Johannes Jakob Wolffs soziales Engagement kommt darüber hinaus in seiner Arbeit für den Verein Hospiz Pulheim zum Ausdruck: 35 ehrenamtliche Mitglieder widmen sich unter seinem Vorsitz Sterbenden und Schwerkranken und begleiten sie in häuslicher Umgebung. Johannes Jakob Wolff hat die Entwicklung des Vereins maßgeblich mit gestaltet.

Aber auch für die Umwelt setzt er sich ein: Er organisiert die alljährlich stattfindende Aufräumaktion im Naturschutzgebiet um die Großen Laache und hat sich in dem Projekt „Fahrradfreundliche Stadt“ engagiert.

Johannes Jakob Wolff setzt sich mit Nachdruck und uneigennützig für seine Mitbürger ein. Damit ist er uns ein Vorbild und verdient unsere Anerkennung.

Weitere

Pressemitteilungen

Weitere

Informationen

Pressefotos

Download

Kontakt

Pressestelle

Keine Ergebnistreffer

Verwandte

Meldungen

Verwandte

Themen

Information

Downloads

Keine Ergebnistreffer

Links

Zum Thema

Information

Karte

Abonnieren

Newsletter

Abonnieren Sie hier den Newsletter der Landesregierung Nordrhein-Westfalen oder bestellen Sie ihn ab.