Erinnerungskultur

2. Juni 2010

Ministerpräsident Jürgen Rüttgers kündigt die Gründung einer Stiftung an: Erinnerung an den Holocaust wach halten

Ministerpräsident Rüttgers hat gemeinsam mit dem Unternehmerehepaar Roswitha und Erich Bethe die Gründung einer Stiftung angekündigt, die jedem Schüler eine Reise nach Auschwitz ermöglichen soll.

Die Staatskanzlei teilt mit:

Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hat heute (2. Juni 2010) in der Hauptschule am Katernberg in Wuppertal gemeinsam mit dem Unternehmer-Ehepaar Roswitha und Erich Bethe die Gründung einer Stiftung angekündigt. Sie soll die Auseinandersetzung von Schülerinnen und Schülern mit dem Holocaust fördern. Jürgen Rüttgers: „Wir wollen Schülerinnen und Schüler unterstützen, die nach Auschwitz fahren wollen. Die Erfahrungen zeigen, dass die Auseinandersetzung mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte an einem der Tatorte des Massenmords am wirkungsvollsten ist. Es ist wichtig, dass wir uns auch künftig mit dem millionenfachen Mord an den Juden Europas beschäftigen – auch und gerade dann, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt.“

Das Wachhalten der Erinnerung an den Holocaust bleibe eine der wichtigsten Aufgaben der Schulen: „Wer die Zukunft Europas und der Welt friedlich und im respektvollen, toleranten Miteinander gestalten will, der muss um das Vergangene wissen. Wer das Morgen menschlich machen möchte, muss um das Unmenschliche im Gestern wissen. Die Verantwortung für das, was geschehen ist, bleibt“

Möglich wird die Gründung der „Stiftung“ durch die Zusage des Unternehmer-Ehepaares Bethe, die insgesamt sechs Millionen Euro zur Verfügung stellen. „Wir hoffen selbstverständlich, noch weitere Spender und Stifter zu finden“, so Erich Bethe. Er verwies darauf, dass es bereits erste Zusagen zur Mitarbeit und Hilfe durch weiterer Stiftungen und Initiativen gebe. Bethe zeigte sich zuversichtlich, dass „diese wichtige Arbeit nach einer auf zehn Jahre angelegten Pilotphase auf dauerhaft tragende Beine gestellt und letztlich deutschlandweit fortgeführt werden kann“.

Ministerpräsident Jürgen Rüttgers bezeichnete das Engagement des Ehepaares Bethe als vorbildlich. „Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass Herr und Frau Bethe mein Eintreten für eine neue Erinnerungskultur in dieser Art und Weise unterstützen wollen. Das zeugt von einem ganz besonderen Verantwortungsbewusstsein.“ Rüttgers erklärte, dass er von diesem Engagement auch im Rahmen seiner für Mitte Juni geplanten Reise nach Warschau berichten werde. „Was hier entsteht, macht in besonderer Weise deutlich, dass sich neben dem Staat eben auch die Bürger ihrer Verantwortung aus der Geschichte stellen wollen. Und das ist ein wichtiges und gutes Zeichen“, so Rüttgers, der zugleich einziges deutsches Mitglied des Kuratoriums der vor etwa einem Jahr gegründeten Internationalen Auschwitz-Stiftung ist.

Der Name der Stiftung soll diese Zielsetzung dabei unterstreichen: Sie wird „Die Stiftung“ heißen. Dabei soll das „S“ im Wort Stiftung zu einem späteren Zeitpunkt noch in besonderer Weise gestaltet werden. Dieses „S“ steht einerseits stellvertretend für den Anfangsbuchstaben des hebräischen Worts „sachar“ (Erinnerung), zum anderen aber auch für das Wort Shoa. Jürgen Rüttgers. „Die Tatsache, dass diese Worte aber gleichsam auf einen Buchstaben reduziert werden und dann auch noch im Wort Stiftung aufgehen, sollen das für immer Verschwundene, nicht mehr Existente symbolisieren, das es aber zu bewahren und vor dem Vergessen zu schützen gilt.“

Sobald die Stiftung gegründet und der Kapitalstock errichtet sei, werde die Landesregierung mit einer institutionellen und auf zehn Jahre angelegten Förderung in Höhe von bis zu 50.000 Euro pro Jahr zur Deckung der Verwaltungskosten dafür Sorge tragen, dass die vom Ehepaar
Bethe zur Verfügung gestellten sechs Millionen Euro zu 100 Prozent für die Erinnerungsarbeit verwendet werden können.

Daten und Fakten

Was ist Aufgabe der Stiftung?

Die Stiftung soll die Auseinandersetzung mit dem Holocaust unmittelbar in Auschwitz fördern. So soll die Erinnerung an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte wach gehalten werden.

Wie finanziert sich die Stiftung?

Die Stiftung wird vom Ehepaar Bethe und zahlreichen weiteren Personen gegründet. Das Ehepaar Bethe hat zugesagt, mit der Gründung 1 Mio. Euro sowie jährlich – begrenzt auf 10 Jahre – 500.000 Euro. für die Arbeit der Stiftung zur Verfügung zu stellen. Weitere Stiftungen haben bereits ihre Unterstützung zugesagt.

Das Land Nordrhein-Westfalen wird dieses Engagement unterstützen, indem es jährlich bis zu 50.000 Euro für die Verwaltung der Stiftung zur Verfügung stellt. Hierdurch sollen die Stiftungsgelder zu 100 Prozent für die Erinnerungsarbeit verwendet werden können.

Ist die Stiftung bereits gegründet?

Nein. Es gibt noch einige Formalitäten zu erledigen. Allerdings soll jetzt bereits damit begonnen werden, für das Programm zu werben und Schulen anzusprechen. Bereits im kommenden Schuljahr sollen die ersten Klassen das Programm nutzen können.

Wie läuft das Antragsverfahren?

Bis die notwendigen Strukturen aufgebaut sind, können sich interessierte Schulen an die Staatskanzlei wenden. Voraussetzung für eine Förderung ist, dass die Auseinandersetzung mit dem Holocaust eingebettet ist in ein Konzept. So soll das Thema nicht nur im Geschichtsunterricht, sondern koordiniert auch etwa im Deutsch- und Kunstunterricht behandelt werden.

Wer kann sich bewerben?

Bewerben können sich Klassen aller weiterführenden Schulen aus Nordrhein-Westfalen. Ab dem kommenden Jahr auch Studierende.

Wie hoch werden die Zuschüsse sein?

Das lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Es ist aber daran gedacht, den Eigenanteil auf ein Minimum zu begrenzen.

Welche Gremien wird die Stiftung haben und wie werden diesen besetzt sein?

Angestrebt ist eine möglichst schlanke Struktur mit einem geschäftsführenden Vorstand. Eventuell wird darüber hinaus ein Kuratorium ins Leben gerufen. Über die Besetzung beider Gremien ist noch nicht entschieden.

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