Ministerin Ute Schäfer möchte Kultur zur Pflichtaufgabe machen

12. August 2010

Ministerin Ute Schäfer möchte Kultur zur Pflichtaufgabe machen

Die Kultur zur Pflichtaufgabe für Städte machen: Dies ist der erklärte Wille von Ute Schäfer, Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport. Im Interview mit den Ruhrnachrichten spricht sie darüber, wie sie in schwierigen Zeiten die Rolle des neuen Ministeriums versteht.

Düsseldorf. Die Kultur zur Pflichtaufgabe für Städte machen: Dies ist der erklärte Wille von Ute Schäfer (56), SPD-Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Sport und Kultur. Sie sprach mit Reporter Felix Guth darüber, wie sie in schwierigen Zeiten die Rolle des neuen Ministeriums versteht.

Was sind ihre persönlichen Erfahrungen mit Kunst und Kultur?

Schäfer: Ich komme aus Ostwestfalen-Lippe, einer Region, die kulturell durchaus sehr bewegt ist. Als Politikerin nimmt man sich leider häufig nicht genügend Zeit für Kultur. Das neue Ressort wird mir da viel mehr Raum geben. Ich habe mir ganz fest vorgenommen, Kultur in NRW zu leben.

Müssen Sie jetzt erst einmal mit fünf Jahren schwarz-gelber Kulturpolitik aufräumen?

Schäfer: Nein. Allerdings wird es eine Weiterentwicklung geben. Im Bereich Kultur gab es ja keinen großen Dissens zwischen den Parteien. Ich glaube, es besteht zwischen allen Einigkeit darüber, dass Kunst und Kultur eine bedeutende Rolle für den Zusammenhalt und die Werteentwicklung einer Gesellschaft spielen.

Wie begreifen Sie die Rolle Ihres Ministeriums?

Schäfer: Kulturpolitik ist in NRW keine Sache, die zentral gesteuert wird. Wir sind nicht Bayern oder Baden-Württemberg, wo es eine Staatskultur gibt. Wir haben eine in der Breite gewachsene, individualisierte Kunst- und Kulturszene, aus der sich herausragende Spitzenkultur entwickelt hat. Die Rolle des Landes hierbei zu überschätzen, wäre vermessen. Unsere Aufgabe ist es, das aufzunehmen, was da ist und Schwerpunkte zu setzen.

Welche Schwerpunkte werden das sein?

Schäfer: Einen Schwerpunkt können sie an dem Zuschnitt des Ministeriums erkennen. Mit Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport wurden in einem Ressort alle Bereiche der außerschulischen Bildung jenseits von Schule und Hochschule zusammen geführt. Dabei wird die kulturelle Bildung einen hohen Stellenwert einnehmen. Es ist wichtig, bereits für Kinder ganz früh die Tür zu Kunst und Kultur zu öffnen.

Wo wollen Sie da konkret anknüpfen?

Schäfer: Einige Ansätze wie die "Begegnung Kunst/Kultur mit der Schule" oder "Jedem Kind ein Instrument" gibt es bereits. Andere wie den Kulturrucksack werden wir hinzufügen. Mit diesem Kulturrucksack wollen wir Kindern mehr Möglichkeiten für kreatives Handeln geben und freien Eintritt zu Einrichtungen der Kultur eröffnen.

In vielen Kommunen ist die Kulturlandschaft durch Sparpläne bedroht. Wie gehen Sie diese Frage an?

Schäfer: Wir wollen die Einführung einer Kulturpauschale - ähnlich der Sportpauschale oder Schulpauschale - im Rahmen der Gemeindefinanzreform prüfen. Das bedeutet nichts anderes als eine Zweckbindung der Mittel für die Städte, bisher ist Kultur eine freiwillige Aufgabe. Städte tragen finanziell den weitaus größten Teil der Kulturarbeit, das wird nicht in Düsseldorf allein bewältigt. Aber wir müssen sicherstellen, dass Kunst und Kultur nicht durch den klammen Geldbeutel allein schon bedroht werden.

Wie läuft diese Prüfung ab?

Schäfer: Wir müssen über das Gemeindefinanzierungsgesetz mit den Spitzenverbänden der Städte und Gemeinden und mit dem Landtag reden, der entscheidet. Es ist Aufgabe für mich, das als Prozess zu organisieren.

Aus dem Kulturbetrieb selbst gibt es Vorschläge für neue Strukturen, etwa eine "Theaterholding Ruhr" oder einen "Theaterpakt". Wie nehmen Sie das wahr?

Schäfer: Ich merke, dass es eine hohe Bereitschaft gibt, Chancen auszuloten. Aber über den Stand in einzelnen Städten muss ich mir erst einen Überblick verschaffen.

Halten Sie so etwas wie Theaterfusionen denn für realisierbar?

Schäfer: Es wäre nicht redlich, nach drei Wochen im Amt schon konkrete Aussagen über bestimmte Entwicklungen zu treffen. Aber die Zeit nehme ich mir, die Gespräche sind schon terminiert. Es wird Situationen geben, in denen die Moderation des Ministeriums erforderlich ist.

Hier die kulturelle Bildung an der Basis, dort Förderung von Spitzenkunst - wie gewichten Sie das Verhältnis dieser beiden Pole von Kulturpolitik?

Schäfer: Spitzenkunst hat eine ganz besondere Aufgabe. Wenn man Politik und Kunst betrachtet, passen die beiden eigentlich nicht zusammen. Politik muss eine moderierende Rolle wahrnehmen. Spitzenkunst muss aufrütteln, in Frage stellen, Konflikte suchen. Sie gibt wichtige Impulse für gesellschaftliche Weiterentwicklung. Ohne Spitzenkunst wäre unsere Gesellschaft verarmt. Deshalb muss und wird die Politik sie weiter fördern.

Kann ein Projekt wie die Kulturhauptstadt ein Vorbild für Kultur-Kooperationen in NRW sein?

Schäfer: Die Kulturhauptstadt gibt der Region enorme Impulse und muss eine Fortentwicklung erfahren. Die Eigenständigkeit, die das Ruhrgebiet mit seinen Menschen hat, gehört allerdings zu diesem Konzept dazu. Deshalb glaube ich nicht, dass es so einfach übertragbar wäre.

Quelle: Ruhrnachrichten, 12.08.2010

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