Steffens: Pflege ohne Fixierungen und Ruhigstellen durch Medikamente muss unser aller Ziel sein

3. Mai 2012

Ministerin Steffens: Pflege ohne Fixierungen und Ruhigstellen durch Medikamente muss unser aller Ziel sein - Konferenz der Heimaufsichten

Die Vermeidung freiheitseinschränkender Maßnahmen in der Pflege war Schwerpunktthema einer Konferenz mit mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der 53 kommunalen Heimaufsichtsbehörden in NRW sowie weiterer Pflegeexpertinnen und -experten in Düsseldorf. „Unser aller Ziel muss sein, dass in Heimen und bei häuslicher Pflege grundsätzlich auf Fixierungen und ein Ruhigstellen mit Medikamenten verzichtet wird“, erklärte NRW-Pflegeministerin Barbara Steffens.

Das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter teilt mit:

Die Vermeidung freiheitseinschränkender Maßnahmen in der Pflege war Schwerpunktthema einer Konferenz mit mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der 53 kommunalen Heimaufsichtsbehörden in NRW sowie weiterer Pflegeexpertinnen und -experten in Düsseldorf. „Unser aller Ziel muss sein, dass in Heimen und bei häuslicher Pflege grundsätzlich auf Fixierungen und ein Ruhigstellen mit Medikamenten verzichtet wird“, erklärte NRW-Pflegeministerin Barbara Steffens. „Schon heute gibt es dafür viele erfolgreiche Ansätze. Diese positiven Beispiele wollen wir gemeinsam mit allen Pflegeverantwortlichen erörtern und uns auf diese Weise schrittweise diesem Ziel nähern“, kündigte die Ministerin an.

„Das Gefühl, nicht eingeengt zu sein, ist für jeden Menschen von größter Bedeutung - auch dann, wenn man sich nicht mehr körperlich fortbewegen kann“, sagt Prof. Dr. Thomas Klie von der Evangelischen Hochschule Freiburg, namhafter Jurist und Gerontologe, der sich seit über 20 Jahren mit Fragen freiheitsentziehender Maßnahmen in der Pflege beschäftigt. Klie ist einer der Autoren von zwei unter dem Namen „redufix“ bekannt gewordenen richtungsweisenden Studien über die Vermeidung von Fixierungen im stationären wie im häuslichen Bereich. „Die Praxisleitlinie zu freiheitseinschränkenden Maßnahmen in der Pflege gibt viele Hinweise darauf, wie auf freiheitsentziehende Maßnahmen, die immer ultima ratio sein müssen, verzichtet werden kann“, so Klie auf der Konferenz in Düsseldorf. Nicht nur die Pflegeprofis, auch Ärztinnen und Ärzte und vor allen Dingen die Angehörigen müssten ihre Bilder von der Pflege im Alter überdenken. „Das verbreitete Pflegefalldenken stellt die Versorgung, die Satt- und Sauberpflege, in den Vordergrund. Doch auch Mobilität ist ein Menschenrecht und für die Gesundheit und das Selbsterleben von großer Bedeutung“, betonte Klie. Das Motto der ReduFix-Kampagne „Eure Sorge fesselt mich“ bringe zum Ausdruck, worum es geht: Anders sehen und anders handeln, wenn es um Fragen der Sorge insbesondere von Menschen mit Demenz geht. „In England sind Bettgitter, Fixiergurte und andere freiheitsentziehende Maßnahmen in der Pflege so gut wie unbekannt“, fügte Klie hinzu.

„Auf dem Weg zum fixierungsfreien Heim wollen wir die Pflegeeinrichtungen fachlich unterstützen“, kündigte Ministerin Steffens auf der Tagung an. Aufgabe der staatlichen Heimaufsicht sei nicht nur die strenge Kontrolle der Rechtmäßigkeit aller durchgeführten Fixierungen, sondern auch die Unterstützung bei der Umsetzung von Konzepten zur grundsätzlichen Vermeidung sämtlicher Freiheitsbeschränkungen. „Jede und jeder von uns muss damit rechnen, im Alter pflegebedürftig zu werden. Deshalb muss unser aller Interesse sein, Menschen die Angst davor zu nehmen und Konzepte umzusetzen, die uns ein weitgehend selbstbestimmtes Leben bis zum Tod ermöglichen“, unterstrich Steffens.

Bereits im Februar hatten rund 500 Pflegeexpertinnen und -experten bei einem vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter und dem Landespflegerat gemeinsam organisierten Kongress erstmals breit über das Thema „Gewalt in der Pflege“ diskutiert. Nach der Konferenz der Heimaufsichten sollen nun bei einem Workshop unter dem Titel „Das fixierungsfreie Heim“, der sich an Vertreterinnen und Vertreter von Heimaufsichten und Pflegeleistungsanbieter richtet, im Herbst in Düsseldorf Konzepte von Heimen, die ganz auf Fixierungen verzichten, vorgestellt werden. Das Thema „Vermeidung von Fixierungen“ soll daneben bei der aktuellen Reform des nordrhein-westfälischen Wohn- und Teilhabegesetzes eine wichtige Rolle spielen.

Hintergrundinformationen:
In NRW gibt es knapp 2500 Pflegeheime. Die Zahl der Pflegebedürftigen in NRW wird sich nach aktuellen Prognosen bis 2050 von derzeit rund 500.000 auf rund eine Million verdoppeln.

Nach dem aktuellen 3. Pflegequalitätsbericht des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) vom April 2012 werden bei etwa 20 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner freiheitsbeschränkende Maßnahmen angewandt. Ohne ausreichende rechtliche Grundlage waren zehn Prozent dieser Maßnahmen.

Freiheitsbeschränkende Maßnahmen werden durchgeführt, um einer Fremd- oder Eigengefährdung zu begegnen. Ein Beispiel ist das hochgefahrene Bettgitter, das ein Herausfallen aus dem Bett verhindern soll.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.mds-ev.de/media/pdf/MDS_Dritter_Pflege_Qualitaetsbericht_Endfassung.pdf

Die Gerichte in NRW genehmigten im Jahr 2010 insgesamt 36.778 freiheitseinschränkende Maßnahmen (2009: 32.730). Dazu zählen auch Maßnahmen außerhalb von Heimen, wie zum Beispiel in Krankenhäusern oder Privatwohnungen. Genehmigte Maßnahmen müssen nicht zwingend umgesetzt werden.

Die Redufix-Studie im Internet: www.redufix.de

Bei Nachfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, Telefon 0211 8618-4246.

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