Pflege braucht Zeit und deshalb verbindliche Personalschlüssel

Porträtfoto von Ministerin Steffens
10. Mai 2016

Ministerin Steffens: Pflege braucht Zeit und deshalb verbindliche Personalschlüssel

Bundesweit verbindliche Personalschlüssel für die professionelle Pflege sowie eine solidarische Finanzierung der Pflege fordert Gesundheits- und Pflegeministerin Barbara Steffens.

 
Das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter teilt mit:

Bundesweit verbindliche Personalschlüssel für die professionelle Pflege sowie eine solidarische Finanzierung der Pflege fordert Gesundheits- und Pflegeministerin Barbara Steffens. „Für eine würdevolle Pflege braucht das Pflegepersonal vor allem eins: mehr Zeit! Deshalb muss der Bund endlich für verbindliche Personalschlüssel in der professionellen Pflege sorgen. Das dafür erforderliche Personal muss über die Pflegeversicherung bezahlt werden, damit die Kosten nicht länger hauptsächlich den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen alleine aufgebürdet werden. Pflege betrifft alle, deshalb benötigen wir hier eine stärkere Beteiligung der Pflegekassen und damit ein solidarischeres Finanzierungssystem“, erklärte Ministerin Steffens anlässlich des Internationalen Tages der Pflegenden am 12. Mai 2016.
 
Bisher wird die Personalausstattung für eine Pflegeeinrichtung individuell zwischen den Pflegekassen, den Kommunen und der jeweiligen Einrichtung ausgehandelt. Bundeseinheitliche Vorgaben – gerade für eine verlässliche Finanzierungsgrundlage - fehlen. Insbesondere in stationären Pflegeeinrichtungen steigen die Anforderungen an das Personal immer weiter. Die Zahl älterer Menschen mit Mehrfacherkrankungen und speziellem Pflegebedarf nimmt zu.
 
Eine angemessene Personalausstattung ist vor allem Voraussetzung für eine menschliche und verlässliche Begleitung in der letzten Lebensphase. Etwa jede dritte Bewohnerin bzw. jeder dritte Bewohner eines Pflegeheims verstirbt innerhalb der ersten drei Monate nach Aufnahme in einem Pflegeheim, mehr als jede und jeder Zweite (60 Prozent) innerhalb des ersten Jahres. „Früher starben Menschen häufig zuhause im Kreis der Familie, heute sterben sie oft in einer stationären Pflegeeinrichtung“, so Ministerin Steffens.
 
Das Land unterstützt seit 2014 Pflegeheime bei der Versorgung schwerstkranker und sterbender Menschen. Gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern des Gesundheitswesens und Expertinnen und Experten in der Hospiz- und Palliativversorgung wurde ein Konzept für die Umsetzung der Hospizkultur und Palliativversorgung in Pflegeeinrichtungen entwickelt. Zwei vom Land finanzierte Ansprechstellen (ALPHA-Stellen) in Bonn und Münster bieten Pflegeheimen Unterstützung und Beratungen an und helfen bei der Vernetzung mit ambulanten Hospiz- und Palliativdiensten vor Ort.
Der Bund hat mit seinem Hospiz- und Palliativgesetz 2015 gute Ansätze geschaffen, um die Palliativversorgung in Deutschland zu verbessern. Aber: „Solange sich die palliative Begleitung schwer erkrankter und sterbender Menschen nicht angemessen in der Personalausstattung wiederfindet, laufen alle Verbesserungen ins Leere. Betroffene müssen in allen Lebensbereichen Rahmenbedingungen vorfinden, die ihnen ein würdevolles, selbstbestimmtes und möglichst schmerzfreies Leben bis zum Tod ermöglichen. Dafür werden wir uns weiterhin einsetzen“, kündigte die Ministerin an. „Motivierte Pflegekräfte sind unverzichtbar für eine menschliche Gesellschaft. Sie brauchen Rahmenbedingungen, die sicherstellen, dass sie lange gesund und motiviert ihre Arbeit leisten können - sonst fahren wir unser Pflegesystem vor die Wand“, so Steffens weiter. 
Die Ministerin unterstützt auch die Initiative der Freien Wohlfahrtspflege NRW zum Tag der Pflegenden unter dem Motto: „Wir begleiten Sie – würdevoll bis zuletzt!“.  

Hintergrund:

Hospizarbeit
Die Hospizbewegung will das Sterben als Teil des Lebens ins öffentliche Bewusstsein rücken, um die Unterstützung von Sterbenden und ihren Angehörigen zu verbessern. Ziel der Sterbebegleitung ist es, die mit dem Krankheitsprozess verbundenen Leiden zu lindern, die Konfrontation mit dem Sterben zu verarbeiten und die damit verbundenen Trauerprozesse zu begleiten. Hospizdienste arbeiten ehrenamtlich, werden in der Regel von gemeinnützigen Vereinen getragen und von den Krankenkassen finanziell unterstützt. Im Sinn des ehrenamtlichen und gesamtgesellschaftlichen Gedankens werden die Trägervereine die Hospizarbeit auch durch Spenden finanziert.
 
Palliativversorgung
Ziel der Palliativversorgung ist es, das Leiden von unheilbar Kranken zu lindern. Im Vordergrund steht nicht die Lebensverlängerung, sondern der bestmögliche Erhalt der Lebensqualität, Nähe, Zuwendung und die Linderung von Schmerzen und anderen Symptomen. Palliativversorgung ist Bestandteil der Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung.
 
Internationaler Tag der Pflegenden
Der internationale Aktionstag "Tag der Pflegenden" (auch "Tag der Pflege", "International Nurses Day") findet in Deutschland seit 1967 jährlich am 12. Mai, dem Geburtstag von Florence Nightingale, statt. 
 
Entwicklung der Zahl der Pflegebedürftigen
Absolute Zahlen NRW (bundesweit):

  • 2013: 581.500 (2,6 Mio.)
  • 2030: 700.000* (3,4 Mio*.)
  • 2050: 920.000* (4,5 Mio*.)
  • davon 2/3 Frauen

* Konstante Hochrechnungsvarianten, d.h. es wird ein gleichbleibendes Pflegerisiko angenommen
 
Pflegende Angehörige NRW

  • In NRW gibt es geschätzt rund eine Millionen pflegende Angehörige und Ehrenamtliche, die sich um pflege- oder hilfsbedürftige Menschen kümmern
  • Mehr als 73 % davon sind Frauen (Quelle: Statistisches Bundesamt)

Hospiz- und Palliativversorgung in NRW

  • 214 Palliativpflegedienste, davon 44 Palliativpflegdienste für Kinder
  • 66 multiprofessionelle Teams aus besonders qualifizierten Ärztinnen und Ärzten, Pflegenden und weiteren Therapeutinnen und Therapeuten. Sie versorgen schwerstkranke Menschen in häuslicher Umgebung (spezialisierte ambulante Palliativversorgung) in enger Zusammenarbeit mit der Hausärztin bzw. dem Hausarzt, dem ambulanten Pflegedienst und weiteren betreuenden Partnern.
  • 9.000 ehrenamtliche Sterbebegleiterinnen und -begleiter
  • Rund 300 ambulante Hospizdienste, davon 35 Hospizdienste für Kinder und Jugendliche, sieben Dienste begleiten sowohl Erwachsene als auch Kinder und Jugendliche.

 

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