Modellstudiengänge Pflege- und Gesundheitsberufe bewähren sich als Schritt zur berufsübergreifenden Versorgung

Porträtfoto von Ministerin Steffens
13. April 2015

Ministerin Steffens: Modellstudiengänge Pflege- und Gesundheitsberufe bewähren sich als Schritt zur berufsübergreifenden Versorgung

Als Vorreiter bei der Erprobung akademischer Ausbildungswege in den Pflege- und Gesundheitsfachberufen bietet Nordrhein-Westfalen seit 2010 verschiedene Modellstudiengänge an.

 
Das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter teilt mit:

Als Vorreiter bei der Erprobung akademischer Ausbildungswege in den Pflege- und Gesundheitsfachberufen bietet Nordrhein-Westfalen seit 2010 verschiedene Modellstudiengänge an. Eine Auswertung der bisherigen Ergebnisse und Erfahrungen zeigt, dass die Qualifikationen der Absolventinnen und Absolventen zu einem besseren, an den Bedürfnissen der Menschen orientierten Gesundheitssystem beitragen. „Die Studierenden erwerben neben der beruflichen Ausbildung zusätzliche Kompetenzen wie etwa Schnittstellen- oder Qualitätsmanagement, Entwicklung und Auswertung von praxisbezogenen Forschungsprojekten oder auch Steuerung von interprofessionellen Teams. Für eine zukunftsweisende, sektoren- und berufsübergreifende Zusammenarbeit im Gesundheitswesen sind solche Fähigkeiten unverzichtbar, um angesichts der komplexen Herausforderungen eine patientenorientierte Versorgung zu ermöglichen“, erklärte Gesundheits- und Pflegeministerin Barbara Steffens in Düsseldorf anlässlich der Vorstellung einer ersten wissenschaftlichen Bewertung der Modellstudiengänge.
 
Die Akademisierung der Pflege- und Gesundheitsfachberufe ist kein Selbstzweck, sondern notwendige Anpassung an die zukünftigen Aufgaben im Gesundheitswesen: Die Zahl der alten Menschen steigt, chronische und dementielle Krankheiten nehmen ebenso zu wie Mehrfacherkrankungen. Außerdem wünschen sich die meisten Menschen bei Krankheit oder Pflegebedürftigkeit eine Versorgung in ihrem gewohnten Umfeld. Gleichzeitig droht ein Mangel an entsprechenden Fachkräften. „Die hochschulische Ausbildung trägt dazu bei, dass Pflege- und Gesundheitsfachberufe attraktiver werden und jungen Menschen vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Diese neue Generation von Fachkräften bringt zudem erweiterte Kompetenzen mit, um gemeinsam mit anderen Akteurinnen und Akteuren im Gesundheitswesen neue, quartiersnahe Versorgungsstrukturen zu schaffen“, sagte Ministerin Steffens.
 
Auszubildende in der Hebammenkunde, der Logopädie, Physiotherapie und Ergotherapie sowie in den Pflegeberufen absolvieren im Rahmen der Modellstudiengänge parallel eine Berufsausbildung und ein Bachelorstudium. Ziel ist es, durch die zusätzliche Möglichkeit einer akademischen Ausbildung die bewährten beruflichen Qualifikationen zu ergänzen. Um beispielsweise wissenschaftliche Erkenntnisse möglichst schnell in die Praxis umzusetzen, aber auch praxisnahe Forschung zu betreiben, sollen etwa 10 bis 20 Prozent der in den Pflege- und Gesundheitsberufen tätigen Menschen hochschulisch ausgebildet werden. Neben diesen akademischen Ausbildungen werden daher auch gerade im Pflegebereich die bewährten Berufsausbildungen zur „Fachkraft“ nach wie vor eine wichtige Rolle spielen.
 
„Wir brauchen multiprofessionelle Teams, in denen Menschen verschiedener Berufe und mit unterschiedlichen Qualifikationen auf Augenhöhe zusammenarbeiten, um die Versorgungsqualität im Sinne der Patientinnen und Patienten zu verbessern“, erläuterte Steffens.
 
Die heute vorgestellten Ergebnisse aus Nordrhein-Westfalen sind auf Bundesebene ein wichtiger Beitrag zur Weiterentwicklung der Berufe im Gesundheits- und Pflegebereich. „Der Bund muss endlich die Akademisierung gemeinsam mit der Reform der Pflegeausbildungen neu regeln“, forderte Steffens.
 
Die Modellstudiengänge werden bis 2017 fortgesetzt und wissenschaftlich begleitet.

Hintergrundinformationen

Modellstudiengänge Pflege- und Gesundheitsfachberufe in NRW

  • 11 Bachelor-Studiengänge an 7 Hochschulstandorten
  • Ende 2014 rund 1550 Studierende.
  • Pro Jahr stehen rund 500 Studienplätze zur Verfügung
  • Insgesamt bereits 223 Absolventinnen und Absolventen

Beteiligte Modellhochschulen und Studiengänge:

  • FH Bielefeld (Gesundheits- und Krankenpflege))
  • Hochschule für Gesundheit, Bochum (Ergotherapie, Hebammenkunde, Pflege, Logopädie, Physiotherapie)
  • Fliedner Fachhochschule Düsseldorf (Pflege und Gesundheit)
  • Katholische Hochschule NRW, Köln (Pflege)
  • Fachhochschule Münster (Therapie und Gesundheitsmanagement)
  • Mathias Hochschule Rheine (Pflege)
  • RWTH/UK Aachen (Logopädie)

Informationen zu Pflege- und Gesundheitsfachberufen:
 
Die Broschüre "Hochschulische Ausbildung in den Pflege- und Gesundheitsfachberufen“ kann heruntergeladen oder bestellt werden auf der Internetseite des Ministeriums unter
 
www.mgepa.nrw.de/publikationen
 
oder direkt unter
 
https://broschueren.nordrheinwestfalendirekt.de/broschuerenservice/mgepa/hochschulische-ausbildung-in-den-pflege-und-gesundheitsfachberufen/1821
 
Ausführliche Informationen zu den Modellstudiengängen unter
 
http://www.mgepa.nrw.de/pflege/pflegeberufe/modellstudiengaenge/index.php
 
Unter http://www.pflegeberufe-nrw.de können sich Interessierte über die Möglichkeiten der beruflichen und der akademischen Ausbildung in der Pflege informieren.
 
Gesundheitswirtschaft in Nordrhein-Westfalen

In der NRW-Gesundheitswirtschaft arbeiten über 1,2 Millionen Menschen, bundesweit sind es mehr als 4,9 Millionen. In den Gesundheitsberufen stellen Frauen in Deutschland mit 74 % den weitaus größten Teil der Leistungserbringerinnen dar. Die Gesundheitswirtschaft ist die bedeutendste Einzelbranche des Landes. Knapp jeder sechste Beschäftigte ist mittel- oder unmittelbar in der Gesundheitsversorgung tätig. Die Gesundheitswirtschaft in NRW hat einen Anteil von 11,2 % am Brutto-Inlands-Produkt.
 
In den Pflege- und Gesundheitsfachberufen sind in Nordrhein-Westfalen derzeit rund 41.000 überwiegend junge Menschen in der Ausbildung.
 
Insbesondere im Pflegebereich wächst die Beschäftigung kontinuierlich. In NRW arbeiten alleine bei den ambulanten Diensten und in teil- und vollstationären Pflegeeinrichtungen rund 112.000 Pflegekräfte.

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