Steffens: Nicht mit Vorurteilen gegenüber Lesben und Schwulen abfinden

16. Mai 2012

Ministerin Steffens: Mit Vorurteilen gegenüber Lesben und Schwulen dürfen wir uns nicht abfinden - SchLAu-Projekt professionalisiert

Jeder Fünfte in Nordrhein-Westfalen hegt offene Vorurteile gegenüber homosexuellen Menschen, so das Ergebnis einer Studie über „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“. „Damit dürfen wir uns nicht abfinden. Vorurteile gegenüber Lesben und Schwulen sollten in einer modernen Gesellschaft keinen Platz haben“, erklärte Emanzipationsministerin Barbara Steffens anlässlich des morgigen Internationalen Tages gegen Homophobie.

Das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter teilt mit:

Jeder Fünfte in Nordrhein-Westfalen hegt offene Vorurteile gegenüber homosexuellen Menschen, so das Ergebnis einer Studie über „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“. „Damit dürfen wir uns nicht abfinden. Vorurteile gegenüber Lesben und Schwulen sollten in einer modernen Gesellschaft keinen Platz haben“, erklärte Emanzipationsministerin Barbara Steffens anlässlich des morgigen Internationalen Tages gegen Homophobie in Düsseldorf. Professionelle Aufklärungsarbeit und ein beharrliches Werben um Akzeptanz seien deshalb unverzichtbar. „Eine wichtige Säule ist dabei das Projekt SchLAu“, so die Ministerin weiter.

SchLAu steht für Schwul-Lesbische Aufklärung und ist ein Projekt, das in der Vergangenheit mehrfach ausgezeichnet wurde. Es wendet sich insbesondere an Schulen und Jugendeinrichtungen. Kern des Konzeptes ist, dass junge Menschen sich ein authentisches Bild von schwulen, lesbischen, bisexuellen und transidenten Mitmenschen machen. Klischees und Vorurteile können dabei wirkungsvoll hinterfragt werden.

Während nach der Studie Homophobie in der Gruppe der über 50-Jährigen in den vergangenen zehn Jahren deutlich abgenommen hat, ist bei 16- bis 21-Jährigen eine leicht ansteigende Tendenz homophober Einstellungen festzustellen. Beispiele dafür sind eine harsche Ablehnung von Sichtbarkeit homosexueller Partnerschaften in der Öffentlichkeit, die Verweigerung gleicher Rechte für homosexuelle Paare und eine grundsätzliche moralische Abwertung von Homosexualität. Unter vielen Jugendlichen ist das Thema Homosexualität negativ besetzt. Insbesondere Jugendliche in Schulen und Jugendgruppen sind Opfer von homo- und transphobem Mobbing und Ausgrenzung. „Schwule Sau“ und „Lesbenzicke“ sind häufig - möglicherweise leichtfertig - gebrauchte Schimpfworte ohne Rücksicht auf die Befindlichkeit von Betroffenen und daher völlig inakzeptabel.

Die Landesregierung unterstützt SchLAu seit Mitte 2011 mit einer hauptamtlichen Koordinierungsstelle, um die bislang geförderte ehrenamtliche Arbeit zu professionalisieren und zu qualifizieren. „SchLAu ist ein wichtiges ehrenamtliches Projekt, dass für die Anerkennung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt steht“, sagt SchLAu-Koordinator Benjamin Kinkel. Eine zentrale Aufgabe ist die Unterstützung der mittlerweile 13 lokalen SchLAu-Gruppen. Angeboten werden u. a. Qualifizierungsseminare für Aufklärerinnen und Aufklärer. Die aktualisierte SchLAue -Kiste - ein Koffer mit 36 antidiskriminierungspädagogischen Methoden zum Abbau von Klischees und Vorurteilen - unterstützt die SchLAu-Projekte bei der Arbeit vor Ort und kann ab der siebten Klasse eingesetzt werden.

„Langfristiges Ziel ist, SchLAu-Workshops möglichst flächendeckend in NRW anbieten zu können“, so Kinkel, der sich über die Neugründung von SchLAu-Gruppen in Bonn und Olpe freut. „Jede neue SchLAu-Gruppe ist auch ein Zeichen gegen Homo- und Transphobie“, ergänzt Miriam Yildiz, Sprecherin von SchLAu NRW.

In 2011 wurden durch SchLAu in Nordrhein-Westfalen rund 5.300 Teilnehmende in Schulen und Jugendgruppen erreicht. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum sind das rund 1.000 Teilnehmende mehr. „Das Engagement der landesweit etwa 80 ehrenamtlichen Aufklärerinnen und Aufklärer kann gar nicht genug gelobt werden“, betont Ministerin Steffens.

Hintergrundinformationen:

Die Landesregierung will jeglicher Diskriminierung konsequent begegnen. Ihr Ziel ist ein tolerantes Nordrhein-Westfalen, in dem Vielfalt selbstverständlich gelebt werden kann.

Am „Internationalen Tag gegen Homophobie“ wird weltweit Respekt und Akzeptanz gegenüber Schwulen und Lesben eingefordert.

Am 17. Mai 1990 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschlossen, Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel zu streichen. Zufällig erinnert das Datum auch an den § 175, der bis 1969 einvernehmliche homosexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte.

Nähere Informationen über SchLAu sind über die Homepage des Projekts abrufbar: www.schlau-nrw.de

Die Sonderauswertung „Homophobie in NRW“ aus der Studie über „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ steht als pdf-Datei zum Herunterladen auf der Internetseite des Emanzipationsministeriums unter https://broschueren.nordrheinwestfalendirekt.de/broschuerenservice/mgepa/homophobie-in-nordrhein-westfalen/1212

Kurzüberblick über die Ergebnisse der Studie

  • Ein Fünftel der Befragten in Nordrhein-Westfalen neigt zu homophoben Einstellungen.
  • Homophobie ist bei den Älteren, in der Tendenz auch bei den weniger Gebildeten, Männern, Befragten mit Migrationsgeschichte und auf dem Land verbreiteter.
  • Grundlegende Werthaltungen fördern oder schützen vor Homophobie: Mit zunehmender Religiosität, einer ablehnenden Haltung gegenüber kultureller und religiöser Vielfalt und einer autoritären Grundhaltung nehmen homophobe Einstellungen zu.
  • Mit der politischen Selbstpositionierung von Links über die Mitte nach Rechts nehmen homophobe Einstellungen zu. Wer sich politisch machtlos fühlt, neigt eher zu Homophobie. Darüber hinaus sind politische Einstellungen etwa zur Demokratie für Homophobie unbedeutend.
  • Eine gewisse Rolle spielt zudem die Abschätzung sozialer Beziehungen. Wer seine sozialen Beziehungen nach Kosten-Nutzen bewertet und wer über mangelnde soziale Unterstützung klagt, tendiert eher zu Homophobie.
  • Mit zunehmendem Einkommen sinken homophobe Einstellungen. Allerdings spielt die eigene finanzielle Lage verglichen mit anderen Einflussfaktoren insgesamt kaum eine Rolle für das individuelle Ausmaß von Homophobie. So ist beispielsweise die Angst vor der eigenen Arbeitslosigkeit unerheblich.
  • Homophobie ist mit anderen Vorurteilen signifikant verknüpft. Wer homosexuelle Menschen abwertet, wertet mit größerer Wahrscheinlichkeit insbesondere auch Frauen, aber auch Migrantinnen und Migranten im Allgemeinen, Juden und Muslime und in der Tendenz sogar Langzeitarbeitslose, Obdachlose und Menschen mit Behinderung stärker ab.

 
Bei Nachfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, Telefon 0211 8618-4246.

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