Lernen mit Tod und Trauer umzugehen

Porträtfoto von Ministerin Barbara Steffens
27. Juni 2016

Ministerin Steffens: Lernen mit Tod und Trauer umzugehen

NRW setzt sich bei Länderkonferenz für Schulprojekte in Kooperation mit Hospizvereinen ein

Auf Initiative von Nordrhein-Westfalen berät die Konferenz der Gesundheitsministerinnen und -minister der Länder (GMK) in dieser Woche über den Umgang mit Sterben, Tod und Trauer im Schulunterricht.

 
Das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter teilt mit:

Auf Initiative von Nordrhein-Westfalen berät die Konferenz der Gesundheitsministerinnen und -minister der Länder (GMK) in dieser Woche über den Umgang mit Sterben, Tod und Trauer im Schulunterricht. Die diesjährige GMK findet am Mittwoch und Donnerstag in Rostock-Warnemünde statt.

„Das Sterben als selbstverständlichen Teil des Lebens anzunehmen, davon sind wir weit entfernt. Wenn Kinder- und Jugendliche die Vergänglichkeit in der Schule thematisieren, trägt das zu einem offeneren Umgang mit dem Sterben in unserer Gesellschaft bei. Das ist auch angesichts der wiederkehrenden Diskussionen über Sterbehilfe von besonderer Bedeutung. Die Angst vor Schmerzen oder vor dem Verlust der Autonomie sind oft Auslöser des Wunsches auf vorzeitige Beendigung des Lebens. Dem kann auch mit Aufklärung über hospizliche und palliative Unterstützungsangebote begegnet werden“, erklärte Ministerin Steffens. „Wir brauchen Angebote an Schulen, die sich an den Bedürfnissen der Kinder- und Jugendlichen orientieren und ihnen helfen, einen angstfreien und offenen Umgang mit Tod und Trauer zu finden. In Nordrhein-Westfalen sind wegweisende Projekte mit guter Resonanz durchgeführt worden. Sie zeigen, wie diese Aufgabe in Kooperation mit örtlichen Hospizvereinen erfolgreich umgesetzt werden kann“, so Steffens.

Während der Tod früher Teil des Alltags war, unter anderem weil Angehörige im Kreis der Familie starben und nicht wie heutzutage oft im Krankenhaus oder im Heim, wird das Sterben heute oftmals ausgeblendet. Dennoch bleibt kaum jemand von dem Verlust eines nahestehenden Menschen verschont. Den individuellen Erfahrungen steht eine weitgehende Sprachlosigkeit innerhalb der Gesellschaft gegenüber. Nach einer Untersuchung des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes wünschen sich fast 60 Prozent der Befragten eine stärkere gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema.

Gerade jungen Menschen bereitet ein Trauerfall oft große Schwierigkeiten, weil sie in der Regel noch nicht gelernt haben, mit Lebenskrisen umzugehen. Häufig sind sie mit ihren Gefühlen und Ängsten alleine, denn über Sterben, Tod und Trauer wird mit Kindern und Jugendlichen wenig gesprochen. Einerseits weil viele Erwachsene Kummer und Leid von ihnen fernhalten wollen. Andererseits weil die meisten Menschen bei diesen Themen selbst unsicher, hilflos oder sprachlos sind.

Erfahrungen zum Beispiel des Zentrums für Palliativmedizin in der Uniklinik Köln belegen, dass Heranwachsende, die eine nahestehende Person verlieren, einen erschwerten Zugang zum Thema Sterben, Tod und Trauer finden und in besonderem Maße leiden, weil sie sich mit ihrem Schmerz zurückziehen. Wenn Trauer geteilt wird, dann vornehmlich mit engen Freunden, in der Regel mit Mitschülerinnen und Mitschülern. Deshalb hat das schulische Umfeld bei der Bewältigung von Trauer eine besondere Bedeutung.

„In unserer Gesellschaft ist der Tod oft ein Tabu, über das Sterben möchte kaum jemand sprechen. Aber Kinder- und Jugendliche werden etwa durch den Verlust von Großeltern oder anderen Angehörigen, Freundinnen oder Freunden damit konfrontiert. Die Schule kann ihnen in einem geschützten Rahmen die Möglichkeit bieten, sich mit Sterben und Tod, aber auch mit Trost und Trösten auseinander zu setzen“, betonte die Ministerin.

So haben bundesweit bisher etwa 6500 Kinder von dritten und vierten Klassen an dem Projekt „Hospiz macht Schule“ der Hospizbewegung Düren teilgenommen. Speziell qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hospizbewegung gestalten mit den Grundschulen Projektwochen, die Themen wie Krankheit und Leid, den Tod - aber auch Traurigsein sowie Trost und Trösten altersgerecht thematisieren. Die Kinder gestalten die Projekttage anhand ihrer eigenen Fragen und Erlebnisse - und auch die Eltern werden einbezogen. Die frühzeitige, kindgerechte Auseinandersetzung wirkt einer Tabuisierung des Themas entgegen und ist somit präventiv orientiert.

Für Jugendliche der Jahrgangstufen 9 bis 13 hat das Zentrum für Palliativmedizin der Uniklinik Köln einen Projektunterricht „Umgang mit Sterben, Tod und Trauer“ entwickelt. Unter anderem anhand von Vorträgen über Palliativmedizin und Hospizarbeit, Berichten aus der Praxis, Diskussionen, Filmen und Rollenspiel soll die Auseinandersetzung mit dem Themenbereich unterstützt werden. Außerdem lernen die Teilnehmenden die professionellen und ehrenamtlichen Hilfeangebote für Schwerstkranke kennen. Ziel ist, dass die Jugendlichen eigene Wege finden, wie sie mit Sterben und Trauer umgehen können. Sie werden darin bestärkt, ihren eigenen seelischen Nöten und Bedürfnissen mit Selbstfürsorge zu begegnen und Schwerstkranken sowie Angehörigen von Verstorbenen ohne Ängste zu begegnen.
 

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