Gewalt wird als Ursache für Erkrankungen

Porträtfoto von Ministerin Barbara Steffens
3. Juni 2015

Ministerin Steffens: Gewalt wird als Ursache für Erkrankungen oft nicht erkannt – Projekt zeigt auch erhebliche Folgen für Männer auf

Frühere Gewalterfahrungen können noch Jahre später Ursache für erhebliche körperliche und psychische Erkrankungen bei Männern wie bei Frauen sein. Frauen und Männer, die Opfer von Gewalt wurden, leiden auch deutlich öfter und stärker unter gesundheitlichen Beeinträchtigungen als Nicht-Betroffene, vor allem hinsichtlich psychischer Erkrankungen.

 
Das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter teilt mit:

Frühere Gewalterfahrungen können noch Jahre später Ursache für erhebliche körperliche und psychische Erkrankungen bei Männern wie bei Frauen sein. Frauen und Männer, die Opfer von Gewalt wurden, leiden auch deutlich öfter und stärker unter gesundheitlichen Beeinträchtigungen als Nicht-Betroffene, vor allem hinsichtlich psychischer Erkrankungen. Doch obwohl fast jeder zweite Mensch in seinem Leben Opfer von körperlicher oder psychischer Gewalt wird, wird dies als Auslöser für gesundheitliche Beeinträchtigung viel zu selten erkannt. Zu diesem Ergebnis kommt das von Land und EU geförderte Projekt „Gender Gewaltkonzept“ der Uniklinik Aachen gemeinsam mit der Aachener Beratungsstelle „Frauen helfen Frauen“.


„Die Ergebnisse des Projekts sind wegweisend. Sie zeigen wie wichtig es ist, dass Ärztinnen und Ärzte Gewalt als Ursache für gesundheitliche Beeinträchtigungen erkennen und ihnen dabei die unterschiedlichen Auswirkungen bei Frauen und Männern bekannt sind“, erklärte Ministerin Barbara Steffens.


Mit der systematischen Einbeziehung von Männern in die Befragung und die Beleuchtung ihrer gesundheitlichen Folgen nach Gewalterlebnissen erfasst das Projekt einen Bereich, dem bislang kaum Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Ein Ergebnis: Von Gewalt betroffene Männer neigen stärker zu Verhaltensweisen, die die Gesundheit gefährden, als Nichtbetroffene.


Im Rahmen des Projekts wurden 5.000 Patientinnen und Patienten des Klinikums Aachen systematisch nach ihren Gewalterfahrungen befragt und die gesundheitlichen Auswirkungen erfasst. 43 Prozent der weiblichen und 38 Prozent der männlichen Befragten gaben an, körperliche und/oder psychische, sexuelle oder wirtschaftliche Gewalt erlebt zu haben. Während betroffene Frauen häufig mit Depressionen, Schlafstörungen oder Selbstverletzungen reagieren, zeigen Männer mehr körperliche Verletzungen und ein problematisches gesundheitliches Verhalten wie Suchtmittelmissbrauch (Nikotin, Alkohol, Drogen) oder riskantes Sexualverhalten. Beide Geschlechter leiden je nach Art und Ausmaß der erlebten Gewalt unter posttraumatischen Belastungsstörungen, sexuellen Störungen, Suizidgefahr sowie Haut- und Atemwegserkrankungen. Männer erleben psychische oder körperliche Gewalt überwiegend durch andere Männer im außerhäuslichen Bereich. Frauen sind häufiger von häuslicher und sexualisierter Gewalt sowie fortgesetzter Gewalt in Paarbeziehungen betroffen.


„Menschen, die Gewalt erlebt haben, reden oft aus Scham, Angst oder Schuldgefühlen nicht darüber. Aber fast jedes Opfer von Gewalt ist irgendwann einmal in ärztlicher Behandlung. Deshalb kommt Ärztinnen und Ärzten beim Erkennen von Gewalterfahrungen und den gesundheitliche Folgen eine Schlüsselrolle zu“, betonte die Ministerin.


Ein frühzeitiges Erkennen ist wichtig, um Betroffenen gut und schnell zu helfen und ihnen eine lange Leidensgeschichte möglichst zu ersparen. Eine Befragung unter den Ärztinnen und Ärzten des Klinikums Aachens im Rahmen des Projekts hatte ergeben, dass viele von ihnen im Umgang mit Gewaltopfern unsicher sind und Gewalt als mögliche Ursache häufig nicht berücksichtigen und nicht danach fragen. Durch Fortbildungen konnten diese Kompetenzen deutlich verbessert werden. Aufbauend auf die Befragungs- und Untersuchungsergebnisse entwickelten die Projektpartner Grundlagen für eine geschlechtergerechte Beratung und Behandlung. Auch durch Vernetzung mit bereits bestehenden Beratungs- und Versorgungsstrukturen vor Ort wurde die Hilfe für die Betroffenen verbessert. 

Hintergrund


  • „Gender Gewaltkonzept“ ist ein Siegerprojekt des MGEPA-Gesundheitswettbewerbs IuK&GenderMED.NRW aus dem Jahr 2012 und wurde mit rund 477.000 Euro vom Ministerium und rund 813.000 Euro aus EU-Mitteln gefördert.
  • Befragt wurden 5.000 Patientinnen und Patienten aus verschiedenen Abteilungen des Klinikums (z.B. Notaufnahme, Gynäkologie, Augenheilkunde, Psychiatrie, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie). 150 Männer und Frauen mit Gewalterfahrungen wurden interviewt und umfangreich psychologisch untersucht.
  • Unterschieden wurde nach verschiedenen Arten von Gewalt:
    • körperliche Gewalt (alle tätlichen Angriffe wie schlagen oder treten, Androhung von Verletzungen)
    • sexualisierte Gewalt (z.B. Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, sexuelle Belästigung)
    • wirtschaftliche Gewalt (z.B. Diebstahl, Zurückhalten von Lohn oder Haushaltsgeld, Entzug von Grundbedürfnissen wie Nahrung, Kleidung, Wohnung)
    • psychische Gewalt (auch z.B. Mobbing, Bedrohung)
  • Auszüge der Ergebnisse:
    • 43 Prozent der befragten Frauen und 38 Prozent der befragten Männer geben Gewalterfahrungen an
    • Mehrheit der Gewalterfahrungen werden nicht entdeckt und deshalb auch nicht behandelt
    • Männer erleben Gewalt überwiegend durch andere Männer im außerhäuslichen Bereich
    • Frauen sind häufiger von häuslicher und sexualisierter Gewalt betroffen. Die Täter stammen überwiegend aus dem Partner-, Familien und Bekanntenkreis.
    • Sexuelle Gewalt erlebten 30 Prozent der Frauen mit Gewalterfahrung und 10 Prozent der Männer mit Gewalterfahrung
    • Frauen haben signifikant häufiger mehrere Arten von Gewalterfahrungen als Männer


Männer und Frauen mit multiplen Gewalterfahrungen haben ein deutlich höheres Risiko für Gesundheitsbelastungen (in der Regel Mehrfacherkrankungen) als Menschen ohne Gewalterfahrungen, bei sexualisierter Gewalt ist das Risiko für Sexualstörungen und posttraumatische Belastungsstörungen spezifisch erhöht.


Ausführliche Informationen zu dem Projekt unter www.gegeko.de.

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