Projekt soll Therapie-Unterbrechungen bei Pendelmigration vermeiden

26. März 2017

Ministerin Steffens: Damit Pendelmigration nicht auf Kosten der Gesundheit geht: Projekt soll Therapie-Unterbrechungen vermeiden

Viele der Migrantinnen und Migranten leben abwechselnd in der Türkei und in Deutschland. Bei Pendelmigrantinnen und -migranten, die auf Grund einer chronischen Erkrankung dauerhaft Medikamente einnehmen, kann es durch die wechselnden Wohnorte dazu kommen, dass die Arzneimittel nicht kontinuierlich zur Verfügung stehen oder nicht wie verordnet eingenommen werden. Ein vom Landeszentrum Gesundheit NRW gefördertes Projekt soll unter anderem Möglichkeiten aufzeigen, wie die Kontinuität der Behandlung verbessert werden kann und erhöhte Kosten vermieden werden können.

 
Das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter teilt mit:

Nordrhein-Westfalen ist das Bundesland, in dem die meisten türkeistämmigen Menschen leben: 2015 waren es rund 872.000, etwa 8,6 Prozent davon (75.000) sind über 65 Jahre alt. Viele der Migrantinnen und Migranten leben abwechselnd in der Türkei und in Deutschland. Bei Pendelmigrantinnen und -migranten, die auf Grund einer chronischen Erkrankung dauerhaft Medikamente einnehmen, kann es durch die wechselnden Wohnorte dazu kommen, dass die Arzneimittel nicht kontinuierlich zur Verfügung stehen oder nicht wie verordnet eingenommen werden. Ein vom Landeszentrum Gesundheit NRW gefördertes Projekt soll unter anderem Möglichkeiten aufzeigen, wie die Kontinuität der Behandlung verbessert werden kann und erhöhte Kosten vermieden werden können.
 
„Wenn im Herkunftsland Medikamente fehlen oder nicht eingenommen werden, ist der Gesundheitszustand der Pendelmigrantinnen und -migranten bei der Rückkehr nach Deutschland oft schlechter als zum Zeitpunkt ihrer Abreise in die Türkei. Wir wollen die Lebensqualität und die Versorgung der Betroffenen verbessern und erfahren, was die Menschen brauchen, um die Therapie auch im Herkunftsland nahtlos fortzusetzen. Denkbar ist beispielsweise eine Vernetzung von Ärztinnen und Ärzten sowie Apotheken aus dem Quartier der chronisch Erkrankten in Deutschland mit Kolleginnen und Kollegen aus der Herkunftsregion in der Türkei. Durch eine verbesserte Versorgung können auch erhöhte Behandlungskosten – etwa durch Krankenhausaufenthalte oder wiederholt notwendige Diagnoseverfahren – verringert werden“, erklärt Gesundheitsministerin Barbara Steffens.

Auf Grund der demographischen Entwicklung wird der Anteil der älteren türkeistämmigen Menschen in NRW – wie generell der Anteil der Älteren in der Bevölkerung – steigen, so dass zukünftig mehr Pendelmigrantinnen und -migranten im Sommer in der Türkei und im Winter in Deutschland leben. So bleiben sie einerseits in Kontakt mit Freunden und Verwandten im Herkunftsland, andererseits aber auch mit den in Deutschland lebenden Kindern und Enkelkindern. Wissenschaftler an der Universität Bielefeld wollen im Rahmen des Projekts durch Auswertung von Verschreibungsdaten in NRW herausfinden, bei wie vielen der älteren türkeistämmigen Menschen es zu Unterbrechungen bei der Verschreibung von Arzneimitteln zur Behandlung chronischer Erkrankungen kommt.
 
Durch Befragung Betroffener soll untersucht werden, welche Umstände während des Aufenthalts in der Türkei dazu beitragen, dass Medikamente nicht in gewohnter Weise eingenommen werden. Die Gründe können vielfältig sein: Verschriebene Arzneimittel können nicht in ausreichender Menge von Deutschland aus mitgenommen werden, sind in der Türkei sehr teuer, werden unter anderem Markennamen angeboten oder sind gar nicht erhältlich. Zudem fühlen sich viele Pendelmigrantinnen und -migranten subjektiv gesünder, wenn sie sich in ihrem Herkunftsland aufhalten, so dass sie die Medikamente absetzen und regelmäßige ärztliche Kontrollen unterlassen. Wenn sie in der Türkei dennoch eine Arztpraxis aufsuchen, kommt es unter anderem auf Grund fehlender Patientenunterlagen zu veränderten Verschreibungen.
 
Pendelmigratinnen und -migranten sollen auch gefragt werden, welche Unterstützungsangebote ihnen helfen könnten, die Therapie in Deutschland und in der Türkei konsequent fortzusetzen und welche Probleme es bei der Verschreibung und regelmäßigen Einnahme der Medikamente während des Aufenthalts im jeweiligen Land gibt. Zusätzliche Befragungen der behandelnden Hausärztinnen und Hausärzte in Deutschland sollen Hinweise auf geeignete Vernetzungsmöglichkeiten beispielsweise mit Kolleginnen und Kollegen sowie Apotheken in der Türkei liefern, um die Kontinuität der Medikamententherapie von älteren türkeistämmigen Menschen zu unterstützen.
 
„Wir wollen Grundlagen schaffen, um die Versorgung älterer türkeistämmiger Menschen zu verbessern. Ein Schlüssel dafür liegt in einer quartiersbezogenen Vernetzung von Gesundheitsstrukturen sowohl im deutschen Wohnumfeld als auch in der Türkei. Betroffene sowie Akteurinnen und Akteure vor Ort wissen am Besten, was sie benötigen und welche Strukturen entwickelt werden müssen. Unterstützungsangebote sollten leicht erreichbar – am besten in der Nachbarschaft – sein. Gleichzeitig müssen wir die Behandlung angesichts der zu erwartenden Zunahme der Betroffenen in NRW auch aus Kostengründen optimieren. Mit einem erfolgreichen Modell für eine grenzüberschreitende Vernetzung im Gesundheitsbereich auf kommunaler Ebene kann NRW bundesweit Vorreiter für diese zukunftsweisende Zusammenarbeit in der Versorgung werden“, so Ministerin Steffens.
 
Das Gesundheitsministerium fördert das Projekt über drei Jahre bis Ende 2020 mit insgesamt rund 223.500 Euro.
 

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