Ministerin Schäfer überreicht Förderpreis des Landes an 13 junge Künstlerinnen und Künstler und ein Künstlerduo

6. Dezember 2012

Ministerin Schäfer überreicht Förderpreis des Landes an 13 junge Künstlerinnen und Künstler und ein Künstlerduo

Den mit 7.500 Euro dotierten Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen hat Kulturministerin Ute Schäfer heute in Vertretung von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft an 13 junge Künstlerinnen und Künstler und ein Künstlerduo verliehen.

Das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport teilt mit:

Den mit 7.500 Euro dotierten Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen hat Kulturministerin Ute Schäfer heute in Vertretung von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft an 13 junge Künstlerinnen und Künstler und ein Künstlerduo verliehen. „In den jungen Preisträgerinnen und Preisträgern sehen wir den vielversprechenden Nachwuchs, den die Kultur braucht. Der Förderpreis kann ihnen einen wichtigen Schub geben und ein Sprungbrett für eine erfolgreiche Entwicklung ihrer künstlerischen Laufbahn sein“, sagte Schäfer. Künstlerinnen und Künstler bildeten den „kreativen Kern“ des kulturellen Lebens. Sie sorgten für gesellschaftliche Bewegung. Die Förderung von Kunst und Kultur sei daher immer auch ein Beitrag zur Weiterentwicklung unserer Gesellschaft.

Gewürdigt werden die Leistungen in den Sparten Bildende Kunst, Literatur, Musik, Film, Theater, Architektur und Medienkunst. Die Ehrung wird seit 1957 jährlich von der Landesregierung für überdurchschnittliche Begabungen im Bereich der Kunst vergeben. Die Preisträgerinnen und Preisträger sollten in der Regel nicht älter als 35 Jahre alt sein und müssen durch Geburt, Wohnsitz oder ihr Schaffen mit dem Land Nordrhein-Westfalen verbunden sein. Geehrt wurden in den vergangenen Jahren bereits prominente Künstlerinnen und Künstlern wie Pina Bausch, Karin Beier, Andrea Breth, Andreas Gursky, Gerhard Hoehme, Thomas Kling, Mischa Kuball, Katharina Sieverding, Christoph Schlingensief, Günther Uecker, Günther Walraff und Frank-Peter Zimmermann.

Ausgezeichnet werden in diesem Jahr:

  • in der Sparte „Malerei, Graphik, Bildhauerei“ die in Düsseldorf lebende Bildende Künstlerin Erika Hock und der in Köln lebende Bildende Künstler Jan Paul Evers,
  •  in der Sparte „Dichtung, Schriftstellerei“ die in Münster lebende Autorin Sabrina Janesch und der in Hannover lebende Autor Marcel Maas,
  • in der Sparte „Komposition, Dirigat, Instrumentalmusik“ die Violinistin Christina Brabetz aus Detmold und der in Karlsruhe lebende Komponist Anno Schreier,
  • in der Sparte „Theater: Regie, Schauspiel, Gesang, Tanz, Bühnenbild“ die in Bonn lebende Sopranistin Miriam Clark und der Schauspieler Christoph Jöde aus Dortmund,
  • in der Sparte „Film: Regie, Bühnenbild, Kameraführung“ die in Köln lebenden Regisseurinnen Isabel Prahl und Tama Tobias-Macht,
  • in der Sparte „Medienkunst“ die ebenfalls in Köln lebenden Medienkünstler Philipp Hamann und Alexander Basile,
  • in der Sparte „Architektur, Innenarchitektur, Gartenarchitektur, Städtebau, Design“ das Oberhausener Architektenduo Ben und Daniel Dratz sowie die Oberhausener Architektin Agnieszka Wnuczak.

Hinweis an die Redaktionen:
Bilder von der Preisverleihung finden Sie hier.

Bei Nachfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport, Telefon 0211 837-2417.

Laudationes für die Preisträgerinnen und Preisträger des Förderpreises des Landes Nordrhein-Westfalen für junge Künstlerinnen und Künstler 2012

Laudatio für die Bildende Künstlerin Erika Hock

Die Künstlerin Erika Hock verleiht der Skulptur eine neue Bedeutung im Spektrum der Kategorien von Raumstruktur und Modell.

In der bereits 2009 entstandenen Arbeit von Erika Hock mit dem Titel Synchromy zeigen sich Prinzipien, die als grundlegend für ihr künstlerisches Schaffen angesehen werden können. Skulptur wird von der Künstlerin als „Anschauungsform“, als Display für das Sichtbarmachen von skulpturalen, räumlichen und architektonischen Zusammenhängen verstanden. Verweise auf Architekturthemen finden sich nicht nur in der Wahl des Materials, wenn z.B. eine Stahlkonstruktion des skulpturalen Objektes an den Aufbau des Stahlskelettes modernistischer Mehrfamilienhäuser erinnert. Sie finden sich auch im konkreten Bezug auf bestehende Architekturen, wie z. B. dem Barcelona Pavillon von Mies van der Rohe oder das Dreischeibenhaus von Hentrich und Petschnigg. Bezüge zur Architektur werden auch hergestellt in der Titelgebung ihrer Werke, wie es beispielsweise die Arbeit Baldachin und Pavillon aus dem Jahr 2011 zeigt.

Gerade im Symbol des Pavillons kulminieren in Erika Hocks Arbeiten diverse konzeptionelle Gestaltungsstränge. Der Pavillon erzeugt als architektonische Kategorie Ideen von Mobilität und Modularität, insbesondere in der dezidierten Auseinandersetzung mit dem Barcelona Pavillon als das Zeichen der Moderne schlechthin. In dem Erika Hock sich mit der Veränderung von Strukturen und Materialien auseinandersetzt, wird ihr Werk zu einer spannenden Infragestellung grundlegender räumlich-skulpturaler Kategorien.

Laudatio für den Bildenden Künstler Jan Paul Evers

Die Jury spricht den Kunstpreis für bildende Kunst des Landes NRW 2012 Jan Paul Evers zu für seine künstlerischen Arbeiten im Medium der schwarz-weiß Fotografie. Zunächst scheint Evers die klassischen Themen von Fotografie zu bearbeiten, in seinem Werk finden wir Landschaft- und Naturdarstellungen, aber auch Menschenbilder und Architekturmotive. Die entscheidende Gestaltung findet experimentell in der Dunkelkammer statt. Dort verwendet Evers seine Bildvorlagen auf unterschiedliche Weise, er vermischt analoge und digitale Belichtungsverfahren, mittels herkömmlicher Schablonen werden Flächen zu gegenstandslosen Formen gestaltet, weitere Effekte, die das Ergebnis  als vornehmlich abstraktes Werk erscheinen lassen, liegen in der Körnung begründet, die durch Vergrößerung erzielt wird. Die Summe dieser Gestaltungsmittel erwirkt einen malerischen Aspekt von Fotografie, der an die Phänomene des Piktoralismus anzuschließen sucht. Viele Werke sind als Unikat konzipiert und verstärken damit die Intention des einmaligen fotografischen Kunstwerks.

Laudatio für Autorin Sabrina Janesch

Selten war die Jury in ihrem Urteil so einmütig wie bei der Wahl dieses Buches. Und selten war die Verwunderung so groß über die Tatsache, dass es sich bei „Katzenberge“ um einen Debütroman handeln sollte. Denn es ist in der Tat höchst beachtenswert, wie unaufdringlich die Struktur des Romans gewebt ist, wie sicher sich die Erzählerin gibt und wie leichtfüßig sie zwischen der erzählten Gegenwart und der erzählenswerten Vergangenheit ständig hin- und herspringt – schließlich: wie gelassen und uneitel ein bedeutsames historisches Panorama vor uns ausgebreitet wird. Und damit sind wir bei Sabrina Janesch angekommen, die (wie inzwischen viele Autoren ihrer Generation) „Kreatives Schreiben“ studierte, sich dort das Handwerkszeug angeeignet und Lehrer an ihre Seite gestellt hat. Doch wie und was Sabrina Janesch uns erzählt, kann man ohne ein großes Erzähltalent und ohne einen ausgeprägten Sinn für die Dramaturgie unserer Sprache nicht erlernen: die Geschichte der jungen, in Berlin lebenden deutsch-polnischen Journalistin Nele Leibert, die zur Grablege ihres Großvaters nach Schlesien reist, die dort eintaucht in die historische Vergangenheit dieser von Vertreibung geprägten Generation, die aus dem Meer von Legenden über Trolle und Dämonen und die Hexe Baba Jaga schöpft, und die – einer unglaublichen Geschichte über ihren geliebten Großvater folgend – sich auf die Spurensuche zu den Ursprüngen von Opa Janeczko bis nach Galizien begibt.

Aber die Geschichte über Schuld und Leid und auch ein bisschen Lebensglück wird nicht einfach rekonstruiert; sie wird im Akt des Erzählens vor allem neu geschaffen. Konservieren lässt sich nichts, Vergangenes kann nur in neuer Gestalt vitalisiert werden. Am Ende kniet Nele Leibert vor dem Grab des Großvaters. Sie hat einiges in Erfahrung gebracht, doch für die Beteiligten zu spät. Und sie hat etwas mitgebracht – einige Hände voll galizischer Heimaterde. Die aber sind der jungen Frau bis auf kümmerliche Krumen einfach verweht. So steht sie fast mit leeren Händen da, aber mit einer erlebten und erfahrenen Geschichte, die von Deutschen und Polen erzählt, von Tod und Geburt, von Selbstmord und mutmaßlichem Brudermord.

Was für ein Buch! Was für ein Stoff und was für eine dezente Sprache, die uns vom ersten Satz an in ihre Arme schließt und uns bis Seite 272 liebevoll begleitet!

Ein Förderpreis ist immer ein Versprechen auf die Zukunft. Bei Sabrina Janesch aber wird man das Gefühl nicht los, dass dieses Versprechen bereits eine Ankündigung ist. Im Herbst soll ihr zweiter Roman erscheinen. Wir freuen uns schon jetzt darauf.

Laudatio für den Autor Marcel Maas

Marcel Maas, 1987 in Oberhausen geboren, hat in Hildesheim Kreatives Schreiben und Kulturmanagement studiert. Hernach hat er in verschiedenen Funktionen, Projekten und Experimenten „Literatur als Performance“ praktiziert, was sich auch in den begleitenden Texten im Überschneidungsbereich von Popmusik und Literatur niedergeschlagen hat. In seinem erstaunlichen Roman-Debüt „Play.Repeat“ wird entsprechend der Erzähler als DJ kenntlich, es geht um Popmusik, um Rave und Rausch, um jugendliche Illusionen und Realitätsverlust. Es wird zitiert, gesampelt und gemixt, alle Inspiration scheint einem ungewöhnlich weiten Spektrum von Musik zu entspringen, von Jonny Cash bis zu Tocotronic. So scheint der junge Autor auf den ersten Blick auf den von Rainald Götz und Thomas Meinecke gebahnten Wegen der Popliteratur zu wandeln. Trotz vieler intertextueller und intermedialer Bezüge findet Marcel Maas jedoch eine Sprache, die einerseits Elemente des Jugendjargons aufnimmt und so das Lebensgefühl der handelnden Personen stimmig ausdrückt, andererseits eine ganz eigene ästhetische Wirkung entfaltet. Der Leser bemerkt schnell, dass der Roman im Wechsel von beschreibenden, analytischen und traumähnlich lyrischen Passagen, im Wechsel auch der Erzählhaltung, von der Komposition im ganzen bis zum einzelnen Satz raffiniert und höchst sprachbewusst durchgeformt ist. So erscheint "Play. Repeat" schließlich als ein von Sehnsucht und Trauer durchwehtes poetisch-analytisches Generationenportrait jenseits der Pop-Klischees. Entgegen der Bemerkung des Erzählers zum Schluss – „nichts ist hier romantisch“ - hat sich Marcel Maas Töne und Verfahrensweisen der Romantik und des Symbolismus auf zeitgemäße, unsentimentale gleichwohl sehr anrührende Weise anverwandelt. Marcel Maas ist zweifellos ein ungewöhnlich talentierter Autor, dessen Roman-Debüt zu besten Hoffnungen berechtigt.

Laudatio für die Geigerin Christina Brabetz

Die 18-jährige Geigerin, in Namibia geboren, in Kapstadt und von Prof. Thomas Christian an der Hochschule für Musik in Detmold ausgebildet, wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Auch die großen Konzertsäle Europas sind ihr nicht fremd.

Es gibt viele hochbegabte und schon fast professionell arbeitende junge Künstler und Künstlerinnen, wohl mehr, als der Konzertbetrieb wirklich angemessen präsentieren kann. Umso beeindruckender ist es, dass diese Violinistin im Alter von damals nicht einmal 18 Jahren mit einem Dirigenten wie Kurt Masur zusammenarbeiten konnte. Das Violinkonzert von Mendelssohn Bartholdy erarbeiteten sie und Christina Brabetz bekannte hinterher, dass kaum etwas sie mehr beeindruckte als die Zusammenarbeit mit diesem welterfahrenen Spitzendirigenten.

Sie hatte es sich erarbeitet und verdient, denn sie hatte zuvor den Tonali Grand Prix in der Hamburger Laeisz-Halle für sich entschieden. Konzertverpflichtungen folgten rasch, und am 2. Mai diesen Jahres gab Christina Brabetz ihr Wiener Debut im Großen Saal des Wiener Konzerthauses. Die Brünner Philharmonie unter Aleksandar Markovic unterstützte sie beim Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 von Henri Wieniawski.

Die Jury unseres Förderpreises erkannte ihr die Auszeichnung einstimmig zu. Sie zeigte sich vor allem von der Fantasie und Gestaltungskraft beeindruckt, mit der Christina Brabetz einzelne Phrasen und kleinste Wendungen interpretiert. In so manchem wohl bekanntem Werk hört der Konzertbesucher bislang Unentdecktes, wenn Christina Brabetz es spielt. Sie lotet die Tiefen der Werke Detail für Detail aus und das ist eine Fähigkeit, die man eigentlich eher bei älteren als bei jüngeren Interpreten findet.

Diese Gestaltungskraft entwickelt sie souverän vor dem Hintergrund einer virtuosen Akkuratesse, die sich nicht eigens zu beweisen braucht. Das Erste Violinkonzert von Wieniawski etwa ist für sie keine Folie zur Präsentation von Virtuosentum, sondern eine emotional-musikalische Landschaft, von der sie ihren Hörern alle topographischen Teile nahebringt. Mit dieser Interpretation gewann sie zu Recht vor gut zwei Jahren die Konzertbesucher in der Hamburger Laeisz-Halle und in diesem Mai auch das kritische Wiener Konzerthauspublikum.

Ohne Orchester ist ihre Wirkung nicht geringer. Die Sonate für Violine und Klavier d-Moll op. 108 von Johannes Brahms etwa spielt sie persönlich ausdeutend und zugleich durchweg transparent, den langsamen Satz zelebriert sie emotional bei kristallklarer Intonation. Hier muss ausdrücklich auch die Kunst ihres Begleiters Jewgenij Sinajskij erwähnt werden.

Christina Brabetz bewahrt sich auf der Bühne ihre natürliche Ausstrahlung sowohl in der Bühnenpräsenz als auch im musikalischen Vortrag. Auch davon zeigte sich die Jury beeindruckt. So steht sie mit ihrer Persönlichkeit für ihre Interpretation ein. Als Vorbild verehrt Christina Brabetz, so verriet sie in einem Interview mit WDR3, vor allem den Violinisten Jascha Heifetz. Die Jury wünscht ihr, dass sie seinem Ruhm in ihrer weiteren Karriere nahekommen wird.

Laudatio für den Komponisten Anno Schreier

1979 in Aachen geboren, studierte Anno Schreier von 1999 – 2005 an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf bei Prof. Manfred Trojahn Komposition; während seines grundständigen Studiums sammelte er internationale Erfahrungen im Rahmen eines Studienaufenthaltes am Royal College of Music in London (2003 bis 2004). Von 2005 bis 2007 studierte er in der Meisterklasse bei Hans-Jürgen Bose an der Hochschule für Musik und Theater München. Seit 2008 wirkt er als Lehrbeauftragter für Musiktheorie an der Hochschule für Musik Karlsruhe.

Trotz seines für einen Komponisten noch jungen Alters hat Anno Schreier bereits ein umfangreiches Werkverzeichnis vorzuweisen, das alle wichtigen Bereiche umfasst:

Kammermusikalische Werke für verschiedene Besetzungen sind hier ebenso zu nennen wie instrumentale Solowerke und Werke für vokale und instrumentale Besetzungen aller Größen. Besonders hervorzuheben ist jedoch sein in hohem Maße erfolgreiches Schaffen im Bereich des Musiktheaters, in dem er seit 2004 sehr erfolgreich arbeitet. Die Auftragskompositionen für große Opernhäuser (2010/11: Stadt der Blinden / Opernhaus Zürich; Mörder Kaspar Brand / Düsseldorf, Juni 2012) geben dafür ein beredtes Zeugnis ab.

Anno Schreier hat bereits zu einer eigenen musikalischen Sprache gefunden, die zwar nicht auf experimentelle Spieltechniken und Formen zurückgreift, die aber gleichwohl eine ganz eigene ‚Idiomatik‘ aufweist. In besonderem Maße überzeugend für die Jury war dabei, dass Schreier auf der Basis eines bewussten Umgangs mit tradierten Kompositionstechniken, einer sehr genaue Klang-Idee und eines hohen Bewusstseins für die Möglichkeiten der jeweiligen gewählten Besetzung zu einer musikalischen Ausdruckweise findet, die Hörerinnen und Hörer ‚aufhorchen‘ lässt, auch weil sie es ermöglicht, der Musik über das Rationale hinaus auch emotional zu folgen. Dies zeigt sich in der großen Akzeptanz seiner Werke, die von namhaften Orchestern im In- und Ausland gespielt wird.

Anno Schreier wurde durch Stipendien der Studienstiftung des Deutschen Volkes und der Deutschen Bank gefördert, er erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Die Fachjury Musik für den Förderpreis NRW würdigt mit der Auszeichnung von Anno Schreier die Vielseitigkeit und die hohe künstlerische Qualität seines kompositorischen Schaffens.

Laudatio für die Sopranistin Miriam Clark

Wer Miriam Clark zum ersten Mal hört, ist erst einmal ein wenig verdutzt. Denn die Stimme der jungen Sängerin lässt sich nicht ohne weiteres einem der üblichen Stimmfächer zuordnen. Oder besser gesagt: Die Stimme von Miriam Clark vereint Merkmale von Stimmfächern, die einander sonst für gewöhnlich ausschließen, nämlich Leichtigkeit und Fülle, sichere und glanzvolle Spitzentöne und ein dunkelrotes, reizvoll verhangenes Timbre. Diese Kombination von stimmlichen Eigenheiten ist höchst ungewöhnlich, zumal in diesem jugendlichen Alter.

Die 32-jährige Deutsch-Amerikanerin Miriam Clark wurde in Frankfurt am Main geboren und absolvierte ihr Studium an der Hochschule für Musik und Theater in München bei Prof. Fenna Kügel-Seifried. Bereits während ihres Studiums trat sie in zahlreichen Solo-Partien im Prinzregententheater in Erscheinung, darunter in Operettenrollen von Johann Strauß, aber auch mit Zeitgenössischem wie etwa in Peter Eötvös’ „Radames“.

Mit Mozarts Paraderolle der „Königin der Nacht“ debütierte sie 2008 an der Oper Frankfurt, ist seither aber keineswegs – wie viele ihrer Kolleginnen, die diese gefürchtete Partie beherrschen – weder auf diese Rolle, noch auf das Fach festgelegt. Seit 2011 ist Clark Ensemblemitglied der Oper Bonn, wo sie als „Arminda“ in Mozarts „La finta Giardinera“ und in der Titelrolle der selten zu hörenden „Lakmé“ von Léo Delibes zu erleben war. Clark absolvierte die aberwitzigen Schwierigkeiten der reich mit Koloraturen gespickten Partie souverän und wusste sowohl mit höchster Virtuosität als auch herrlich elegischen Piani zu faszinieren.

Einer vielleicht noch größeren Herausforderung hatte Clark sich zuvor am Dortmunder Opernhaus mit der Titelrolle von Vincenzo Bellinis „Norma“ gestellt, denn diese Partie verlangt neben größter Geläufigkeit und Höhensicherheit vor allem auch dramatische Durchschlagskraft.

Eine stimmliche Quadratur des Kreises, die Clark mit der größten Selbstverständlichkeit meisterte: Ihre noch leichtgewichtige, dunkel grundierte Stimme mit ihrem wunderbar weichem Timbre zeigte enorme Beweglichkeit, blühte in den Höhenlagen der Norma herrlich auf und setzte mit gebieterischer Kraft dramatische Glanzlichter. An keiner Stelle verführte die Respekt heischende Partie die Sängerin dazu, zu forcieren oder gar nachzudrücken. Alles blieb in gesundem, schmelzendem Fluss. Man darf gespannt sein, in welche Richtung sich diese so vielfältig begabte Stimme entwickeln wird.

Laudatio für den Schauspieler Christoph Jöde

Auf den ersten Blick sieht der junge Mann einfach nett aus. Ein weiches Gesicht, wache Augen, die sofort komödiantisches Talent erkennen lassen. Doch wer Christoph Jöde in Dennis Kellys Stück „Waisen“ erlebt, bekommt Angst vor ihm. Da sind die Blicke fahrig und gehetzt, alle Fasern des Körpers gespannt, also ob sie gleich zerreißen könnten. Er kriegt kaum einen Satz zusammen, so sehr rasen die Gedanken, scheinen sich in seinem Kopf zu verknoten. Manchmal sackt dieser Liam, ein vorbestrafter Junge aus der Unterschicht, zusammen, dann explodiert er ohne Vorwarnung. Eine menschliche Zeitbombe. Und eine von vielen unvergesslichen Rollen des jungen Schauspielers Christoph Jöde.

Schon während seiner Ausbildung an der Folkwang-Hochschule Essen kam Christoph Jöde fest ins Ensemble des Bochumer Schauspielhauses. Im letzten Jahr der Intendanz von Elmar Goerden spielte er im großen Haus wie im Kellertheater und musste sich nicht lange mit kleinen Rollen zufrieden geben. Der Chauffeur Matti in Bertolt Brechts „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ ist eine Partie, die kaum jemand mit einem Anfänger besetzen würde. Doch auf die Idee, Christoph Jöde sei mit einer Aufgabe überfordert, kommt man nicht so leicht.

Am Theater Dortmund, wo der 1985 in Hamburg geborene Schauspieler seit Sommer 2010 arbeitet, entwickelte er sich gleich zu einer Säule dieses starken, leidenschaftlichen Ensembles. Jöde gehört zu den Schauspielern, die nicht nur ihre Rolle verkörpern, sondern das Ganze einer Inszenierung im Blick haben. Er denkt und entwickelt mit, ist für die Regisseure ein Partner auf Augenhöhe. In Dortmund leitet er zusammen mit dem Dramaturgen Alexander Kerlin einen Sprechchor aus engagierten Bürgern, die bereits an vielen Theaterprojekten beteiligt waren. Da stehen Teenager neben Seniorinnen und präsentieren gesprochene Songs, die mal realistisch, mal mit schräger Fantasie den Alltag in einer Ruhrgebietsmetropole spiegeln. Sie fordern und zeigen  eine Gemeinschaft, über kulturelle und Generationsunterschiede hinweg. Christoph Jöde hat die Persönlichkeit und die natürliche Autorität, sich vor diese Leute zu stellen und sie zu einem Ensemble zu formen.

Jöde hat vor seiner Schauspielausbildung bereits einen internationalen Artistenpreis für Clownerie bekommen. Sein Ausdrucksrepertoire ist enorm und noch längst nicht ausgereizt. In Jörg Buttgereits Live-Hörspiel „Green Frankenstein/Sexmonster“ gestaltete Christoph Jöde ebenso skurrile wie extreme Charaktere im Sitzen, fast nur mit der Stimme. Während er in der Performance „Naked Lenz“ von Martin Laberenz zu einem körperlich entfesselten Ensemble gehörte, das in wildesten Verrenkungen komplexe, theoretische Texte in einem unfassbaren Tempo heraus sprudelte.  Bei Christoph Jöde hatte man den Eindruck, dass er sogar verstand, was da in kaum nachvollziehbarer Rasanz seinen Mund verließ.  Ebenso überzeugt er als Leonce in Georg Büchners philosophischem Lustspiel „Leonce und Lena“, ein gelangweilter, verzweifelt sinnsuchender und sehr heutiger Prinz.

Erst drei Jahre steht Christoph Jöde auf den Bühnen des Ruhrgebietes. Während dieser Zeit hat er schon so viele Rollen gespielt wie andere in einem Jahrzehnt. Jede hat er geprägt mit seiner sprühenden Intelligenz, einer entfesselten Spiellust und der Fähigkeit, die verschiedensten ästhetischen Ansätze in sich aufzusaugen und sie in sich weiter zu entwickeln. Einer der glänzen und Aufführungen tragen kann, der aber auch seinen Platz im Ensemble findet und seine Fähigkeiten als Teamplayer einsetzt. Solche Schauspieler wünscht sich jeder Theatermacher.

Laudatio für die Regisseurin Isabel Prahl

Isabel Prahl ist eine große Erzählerin kleiner Geschichten. Die Sujets ihrer Geschichten - zum Beispiel die Probleme der Inklusion behinderter Kinder, die Scham über die Ärmlichkeit der familiären Lebensverhältnisse oder die Schwierigkeiten eines jungen Lehrers - mögen bekannt erscheinen. Isabel Prahl versteht es jedoch, ihren Stoffen durch kluge Drehbücher und stilsichere bildliche Auflösungen neue wie unerwartete Wendungen und Pointen zu geben

Isabel Prahl, die Grafik Design am Institut für Design in Hamburg und Literatur, Kultur & Medien an der Universität Siegen studierte, absolviert derzeit ein Postgraduiertenstudium an der Kunsthochschule für Medien Köln.

Schon erste, kurze Filme wie ‚Armut kennt viele Geschichten‘ und ‚Superhelden‘ lassen erkennen, dass Isabel Prahl intervenieren will - gegen ein einvernehmliches Wegschauen angesichts gesellschaftlicher Probleme.

Ihr Kurzspielfilm ‚Ausreichend‘, der die Konflikte eines jungen, engagierten Gymnasiallehrers schildert, vermeidet jedes nahe liegende Klischee. Die Machtspiele mit den Schülern, in die er wie unvermeidlich gezogen wird, werden nicht plakativ ausgemalt, sondern hauptsächlich in Gesten und Blicken erzählt. Erstaunlich ist, wie Isabel Prahl ihre - zum größten Teil - Laienschauspieler führt und wie sie in souveräner Ökonomie die Geschichte zu ihrem offenen Ende entwickelt. Es ist daher durchaus naheliegend, dass 'Ausreichend' beim deutschen Kamerapreis für den besten Schnitt nominiert wurde.

Es ist zu wünschen, dass Isabel Prahl bald auch große Geschichten erzählen wird. Ihre Aufmerksamkeit für die besonderen Konstellationen des Alltäglichen und des Sozialen, ihr Sinn für die Valeurs und Wendungen der Sprache und des Sprechens, ihre sicherer Umgang mit Bild und Schnitt - und schließlich ihre Fähigkeiten, ihren Schauspielern eine selbstverständliche Präsenz zu geben, machen auf ihre weiteren Arbeiten unbedingt neugierig.

Laudatio für die Regisseurin Tama Tobias-Macht

Es sind besondere Orte und Räume, die Tama Tobias-Macht filmisch erkundet. Ihnen nähert sie sich mit neugierigem Interesse und ausserordentlichem Gespür für die Positionen und Proportionen ihrer Sujets. Ihre Arbeiten zeichnen sich aus durch wohlkomponierte Bilder und überlegte, oft kühne Schnittfolgen.

Tama Tobias-Macht wuchs in Jerusalem auf, studierte von 2003-2005 Fotografie an der dortigen Bezalele Academy of Art and Design und besucht zurzeit die Kunsthochschule für Medien in Köln.

Ihre Vermessung der „Haltestelle Hansaring“, einer ihrer früheren Filme, ist zugleich auch die Beschreibung eines Mikrokosmos: Blicke aus Fenstern, Blicke in Fenster, die transistorischen Rituale des Wartens, der Takt der sich nähernden und entfernenden Züge - alles aufgefunden in einer jenen urbanen Zwischenzonen, die aus Stillstand und Beschleunigung bestehen.

Das Leben und Zusammenleben von Frauen zeigt „Frau Macht“, eine subtile Studie über weibliche Präsenz und Kommunikation, welche bei aller Intimität nie die Dezenz vermissen lässt. Wir erfahren vieles über die drei Protagonistinnen, ihre Körperlichkeit, ihre Gestik - und doch bleibt ein wesentlicher Rest an Geheimnis.

Ihre neueste Arbeit schließlich, ihr Diplomfilm „2000m2 mit Garten“, ist eine Monographie über eine Kölner Villa, in der die beiden Bewohnerinnen wie verloren wirken inmitten der Weitläufigkeit der Liegenschaft und der Opulenz der versammelten Dinge. Tama Tobias-Macht entwirft hierfür klare Tableaus, welche Haus und Garten in ein nahezu surreales Verhältnis setzen.

Tama Tobias-Macht eignet sich die Wirklichkeit an und spielt sie uns zurück in filmischer Verdichtung. So werden ihre Räume zum Ort und zur Bühne fast magischer Alltäglichkeit, und ihre Filme zur Topographie gegenwärtiger Lebenswelten.

Laudatio für den Medienkünstler Philipp Hamann

In Philipp Hamanns Videos, Installationen und Live-Performances geht es immer um das Finden und das Erzählen von Geschichten. Das können Geschichten aus seiner eigenen Kindheit sein oder Geschichten von Menschen, die er auf seinen Reisen trifft. In seinen Live-Performances setzt er u. a. Diaprojektoren, Monitore, Lampen, Walkie-Talkies und andere analoge Geräte ein, um mit dem lakonischen Vorführen stummer Objekte, Fotografien und Filmstils Geschichten zu erzählen. In den Performances finden sich theatrale Elemente von Zauberei, Theater, Comedy, Musik und Poesie.

Philipp Hamann positioniert sich in einem multimedialen Feld aus eigenen und angeeigneten Bildern und Texten, dokumentarischem und fiktionalem Material, er arbeitet mit Wiederholungen und Variationen, hochkomplexen, verdichteten Einheiten und mit Leerstellen. Ironie (auch Selbstironie), Zweifel und Selbstzweifel geben seinen Arbeiten eine spielerische Leichtigkeit, mit der er aber nie die Ernsthaftigkeit der Auseinandersetzung mit seinen Themen unterläuft. In vielen seiner Videos hören wir die Stimme des Künstlers, der sein Material vorbehaltlos offen, mal aus sicherer ironischer Distanz, dann wieder in stammelnder Unmittelbarkeit kommentiert. Überraschungs- und Verfremdungseffekte, Stilbrüche und Stimmungsumschwünge, eine leise Melancholie und ein zärtlicher Spott prägen diese ungewöhnlich persönlichen künstlerischen Arbeiten.

Sein ebenso subtiles wie subversives Unterlaufen aller vermeintlichen Gewissheiten und Orthodoxien dokumentarischen Arbeitens lässt Videos entstehen, die sich nie auf ein Thema reduzieren lassen, sondern uns mit Verhältnissen und Personen konfrontieren, die sich einem vorschnellen Urteil entziehen.

Positiv hervorzuheben ist auch Philipp Hamanns Risikobereitschaft und die Lust am Experiment, die als Motoren der beachtlichen Dynamik seiner künstlerischen Entwicklung funktionieren. Sobald sich ein gewisses Maß an Selbstgewissheit und Vertrautheit mit seinen künstlerischen Mitteln einstellt, erweitert Hamann sein Werk um neue Elemente und Ausdrucksformen (Performance, Künstlerbücher u. a.). Dabei thematisiert dieses Werk auch immer wieder krisenhafte Momente von Ratlosigkeit, Innehalten und Scheitern.

Die Jury ist beeindruckt von der Originalität, Konsequenz und formalen Reife der Arbeit dieses jungen Künstlers, dessen Arbeiten sich durch ein hohes Maß an Lebendigkeit, Integrität und Wahrhaftigkeit auszeichnen.

Laudatio für den Medienkünstler Alexander Basile

Die Arbeiten des Künstlers Alexander Basile bewegen sich in einem erweiterten Feld von Fotografie, künstlerischer Intervention und Performance, Hoch- und Subkultur. Als Fotograf und Autor hat er sich insbesondere mit den Bedingungen der Fotografie, den Möglichkeiten visueller Kommunikation sowie den unterschiedlichen Facetten des städtischen Kulturraums auseinandergesetzt. Mit den Möglichkeiten der Kunst, - zahlreichen skulpturalen wie performativen Interventionen im öffentlichen Raum -, macht er auf Widersprüche aufmerksam Über die Skateboardkultur entwickelte Basile bisher ein sehr individuelles Sensorium für seine spezielle Wahrnehmung des öffentlichen Raums.

Der Künstler Alexander Basile ist nur ist nur schwer in einer Kunstsparte zu verorten. Seine Arbeiten haben die Jury unvermittelt angesprochen. Sie sind in ästhetischer Hinsicht und zugleich in ihrem appellativen Ansatz konsequent entwickelt und auf den Punkt gebracht. So besetzt die ortsbezogene Videoarbeit „Emerging Sculpture # 4“ einen urbanen Zwischenraum, stellt die Bewegung einer Eisläuferin und die Spuren ihres Eistanzes präzise dar und hinterfragt gleichzeitig ihre Präsenz an einem ungewohnten Ort. Seine medialen Arbeiten stellen mit verschlüsselter Bildsprache beispielweise die wirtschaftliche Nutzung des Stadtraums in Frage.

In Ergänzung zu seiner künstlerischen Praxis initiiert Alexander Basile experimentelle Vorträge, „Lecture Performances“, partizipative Video-Installationen und Diskurse zu Fragen der Autorschaft, neuen Bildwelten und deren Wahrnehmung. Dabei kommt der Zusammenarbeit mit anderen Studierenden eine besondere Rolle zu. Gemeinsam mit Kollegen der Kunsthochschule für Medien in Köln und der Kunstakademie Düsseldorf präsentiert er Ideen und Arbeiten in zahlreichen nicht kommerziellen Ausstellungsräumen – regional wie überregional.

Die Jury entscheidet sich für Alexander Basile, weil mit seinem unkonventionellen Umgang mit den visuellen Medien und bewussten Einsatz von Präsentationsmitteln neue Betrachtungsweisen eröffnet werden. Aufgrund seiner ortsspezifischen Arbeitsweise lassen sich in seinen Werken neben formalen Aspekten zahlreiche gesellschaftliche Bezüge entdecken. Alexander Basile überzeugt schließlich nicht nur als sehr selbstreflexive Einzelposition, sondern auch hinsichtlich seiner Methoden der Partizipation und Vernetzung.

Laudatio für die Architekten Ben Dratz und Daniel Dratz

Nach jeweils verschiedenen Ausbildungsstationen im Rahmen ihres Architekturstudiums und mehrfacher Mitarbeit in renommierten Büros im In- und auch im Ausland gründen die beiden Brüder Daniel Dratz (geb. 1978) und Ben Dratz (geb. 1977) 2010 das gemeinsame Architekturbüro Dratz&Dratz Architekten. Aus den zum Teil aus Wettbewerben hervorgegangenen Bauten und Projekten ist nach nur wenigen Jahren ein sehr ansehnliches Oeuvre herangewachsen, das bereits große Beachtung in Fachzeitschriften und Anerkennung in Form von Nominierungen und Ausstellungsbeteiligungen gefunden hat.

In den Arbeiten der beiden Brüder zeigt sich eine künstlerische Herangehensweise, die im Ort und/oder in der sich jeweils stellenden Aufgabe einen immer wieder neuen Ausgangspunkt findet und die sich der entwurflichen Offenheit für die Möglichkeiten des jeweiligen Projekts verpflichtet. So kommt ein gebautes Werk zusammen, das sich in autonomen Arbeiten vorstellt, die Orte, Situationen, Bedingungen, Vorgaben und Chancen referenzieren. Der gemeinsame Zug der Arbeiten aber liegt in der stets überraschenden Lösung des Entwurfs und in der Bildhaftigkeit, in der er sich darstellt und die regelmäßig eine entschiedene Wandlung zu Neuem bedeutet, ohne die Erinnerung an Altes, an Vorausgegangenes, aufzugeben.

Bei der Realisierung des neuen Eingangsbauwerkes für das Emschertalmuseum Schloss Strünkede bei Herne (2011 bis 2012) zeigt sich zu dem eine große baukonstruktive Sicherheit in der materiellen Umsetzung, die bis ins Detail geführt wird. Mit scharfkantigem Sichtbeton und spiegelnden Gläsern hebt sich der neue Anbau vom historischen Gebäudeensemble ab, zugleich aber setzt sich das Bestehende des Ortes als Spiegelung im Neuen fort.

Hinter dem Projektamen PHZ2 verbirgt sich ein beeindruckend unkonventioneller Pavillon, den die Architekten 2010 nach einem gewonnenen internationalen Wettbewerb im Kontext des Weltkulturerbes Zollverein in Essen realisieren konnten.

Der Bau besteht in Gänze aus gepressten, recyclingfähigen Altpapierballen. Insbesondere vor dem Hintergrund, das hier konstruktiv wie auch gestalterisch neue Wege beschritten wurden, besticht der Pavillon in seiner präzisen, materialgerechten Umsetzung als ein innovativer Beitrag zur Baukultur.

Auch in den weiteren kleineren und größeren realisierten Projekten und den Entwürfen, beispielshalber „Flottmanntor“ in Herne (2010 bis 2011), „Hotel Shanghai“ in Essen (2011 bis 2012) oder „Verwaltungsgebäude“ in Herne (2012) kommt jene künstlerische Herangehensweise zum Ausdruck, die das noch junge Büro Dratz&Dratz auszeichnet: der projektgebundene Versuch durch einen unkonventionellen Einsatz der Mittel, insbesondere des Materials, zu einer atmosphärischen Bildhaftigkeit zu gelangen, die das Alltägliche zu wandeln, zu überhöhen und aus seiner Banalität zu befreien im Stande ist.

Mit dem Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen würdigt die Jury das gemeinsame funkelnde Oeuvre von Daniel Dratz und Ben Dratz und wünscht den Preisträgern für ihren weiteren baukünstlerischen Werdegang gutes Gelingen.

Laudatio für die Architektin Agnieszka Wnuczak

Agnieszka Wnuczak wurde 1979 im polnischen Landsberg/Warthe geboren. Ihr Studium schloss sie an der Technischen Universität Berlin ab. Zahlreiche Ausstellungen, Wettbewerbe und Projekte standen am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn. Die Etablierung des ATELIERS STARK und die Gründung des Vereins kitev (Kultur im Turm e.V.) in Oberhausen markieren wichtige Stationen auf ihrem Weg.

Es ist immer wieder überraschend, wie junge Architekten ihre Themen selbstständig suchen und ungewöhnliche Strategien zur Umsetzung finden. So gründet Agnieszka Wnuczak kurzerhand einen Verein, „um den Wasserturm am HBF Oberhausen aus dem Dornröschenschlaf zu wecken und ihm neues Leben einzuhauchen“. Seit 2008 entstehen aus ihrer Hand Licht-, Video- und Rauminstallationen wie „Funkturm“, „Zeit 2.0“ und „Museumsbahnsteig“. Es werden künstlerische Interventionen, Ausstellungen und Workshops wie „Oberhausen 1zu1“ initiiert. In ihrem Beitrag zum Kulturhauptstadtjahr 2010 rückt sie den Turm als temporäres Gast-Geber-Hotel ins Rampenlicht. Im Jahr 2012 sollen schließlich Künstler in umgebaute Teilbereiche unter dem Wassertank des „Labor Wasserturm Oberhausen“ ziehen. Durch das zielgerichtete Engagement der Architektin wird der Wasserturm erneut zum pulsierenden Bindeglied in der Stadt.

Die Architektin scheut sich dabei nicht, ihre Visionen mit spartenübergreifenden Medien umzusetzen. So bereichert die Balkongestaltung R83 in Berlin (2005) aus geschichtetem und gefärbtem Glas die vorhandene Gründerzeitatmosphäre.

Eingestreute Alltagsgegenstände wie Überseecontainer, Europaletten und Pflanzbeete für die Ausstellung „Post Oil City & Urbane Landwirtschaft“ (2011) werten den historischen Raum der Zeche Anna 2 atmosphärisch auf. Prototypisch erfolgt ein frischer und pragmatischer Umgang mit unserer Geschichte. Einfühlsam mit einfachen, unprätentiösen Mitteln.

Mit dem Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen würdigt die Jury die Spontanität und Beharrlichkeit, mit der die junge Architektin ihre Ideen realisiert.

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