Remmel: Verschmutzung und Ausbau unserer Gewässer führen zum Verlust vieler Arten

12. August 2012

Minister Remmel: Verschmutzung und Ausbau unserer Gewässer führen zum Verlust vieler Arten / Land will bis 2027 rund 80 Millionen Euro pro Jahr für Verbesserung der Gewässer investieren

Die Landesregierung will den Zustand der Gewässer in NRW deutlich verbessern und damit dem fortschreitenden Artensterben entgegenwirken. Bis zum Jahr 2027 wird das Land dazu notwendige Maßnahmen pro Jahr mit rund 80 Millionen Euro fördern, um zumindest für 40 Prozent der Gewässer wieder einen guten Zustand zu erreichen. Die übrigen Bäche und Flüsse sind so erheblich verändert, dass sie nicht mehr vollständig naturnah entwickelt werden können.

Das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz teilt mit:

Die Landesregierung will den Zustand der Gewässer in NRW deutlich verbessern und damit dem fortschreitenden Artensterben entgegenwirken. Bis zum Jahr 2027 wird das Land dazu notwendige Maßnahmen pro Jahr mit rund 80 Millionen Euro fördern, um zumindest für 40 Prozent der Gewässer wieder einen guten Zustand zu erreichen. Die übrigen Bäche und Flüsse sind so erheblich verändert, dass sie nicht mehr vollständig naturnah entwickelt werden können. „Bäche und Flüsse sind die Lebensadern vieler Städte und Dörfer, sie prägen das Landschaftsbild, sind Erlebnisräume und bedeutende Lebens- und Entwicklungsadern für einen reichhaltigen Schatz heimischer Arten“, so Minister Remmel. „Viele unserer Gewässer leiden unter Artenarmut. Eine weitere Verschlechterung können wir uns aus ökologischen und ökonomischen Gründen nicht leisten“, betonte der Minister. „Schon jetzt sind in NRW rund 45 Prozent der Tier- und Pflanzenarten gefährdet, viele sind schon ausgestorben. Wir sind also dabei, die Festplatte unserer Natur unwiederbringlich zu löschen. Dem müssen wir jetzt entgegensteuern.“

Etwa 60 Prozent der natürlichen Gewässer in NRW sind in der Vergangenheit so stark verändert worden, dass sie nicht mehr in einen guten ökologischen Zustand versetzt werden können. Durch Verschmutzung und Begradigung oder das unterirdische Verlegen von Gewässern in Rohre veränderten sich Flora und Fauna so stark, dass auch durch Rückbau und Renaturierung kein natürlicher Zustand mehr erreicht werden kann. „Das sind die Sünden der Vergangenheit, mit denen wir heute zu kämpfen haben“, erklärte Minister Remmel.

Die meisten NRW-Gewässer sind Nutzgewässer: Schiffe verkehren auf ihnen, mit Wasser wird Energie erzeugt, Industriebetriebe nutzen es als Brauch- und Kühlwasser. Für die Gewinnung landwirtschaftlicher Flächen wurden viele Flüsse und Bäche in der Vergangenheit vertieft, begradigt und mit Wehren versehen. Manche wurden als Abwasserleiter in Beton gefasst oder unter die Erde verlegt. Die Natur hatte und hat durch die erheblichen Veränderungen an unseren Gewässern das Nachsehen: Fische können nicht mehr über längere Strecken wandern, um zu ihren Laichplätzen zu gelangen. Viele Pflanzen und Tiere finden keinen Platz mehr, der ihren Lebensbedingungen entspricht. Als Folge dieser Eingriffe wird der gute ökologische Zustand in den meisten Fällen ohne umfangreiche Maßnahmen nicht mehr erreicht. So sind beispielsweise von 51 heimischen Fisch- und Rundmaularten bereits vier Arten ausgestorben, darunter um etwa 1920 der Stör und um etwa 1950 der Maifisch. Bis in die 90er Jahre galt auch der Lachs in NRW als ausge¬storben. Erst durch das NRW-Wanderfischprogramm konnte er wieder angesiedelt werden.

Bei den heimischen Algenarten stellt sich die Situation noch drama¬tischer dar: Von den 16 heimischen Rot- und Braunalgen sind zwölf im Bestand gefährdet.

Das Artensterben birgt für Minister Remmel auch große Risiken für den Menschen. Laut einer Studie der Naturschutzorganisation International Union for Conversation of Nature (IUCN) werden die Hälfte der 100 meist verschriebenen Medikamente in Industriestaaten aus Tieren und Pflanzen gewonnen. Mehr als 70.000 Pflanzen werden in der Medizin eingesetzt. Das Artensterben birgt demnach auch ökonomische Risiken, etwa beim Verlust von Wildbienenarten und den Folgen für den Obst¬anbau in NRW. Remmel: „Verloren gegangene Artenvielfalt kann der Mensch nicht wieder herstellen. Durch den Verlust von Lebensräumen verschwinden viele Pflanzen- und Tierarten, ganze Ökosysteme und damit auch der Mensch geraten in Gefahr.“

Hintergrundinformationen NRW-Naturerbe:

NRW verfügt über rund 3000 Naturschutzgebiete, etwa 550 Gebiete des europäischen Schutzgebietssystems „Natura 2000“ (8,4 Prozent der Landesfläche), einen Nationalpark in der Eifel und 14 Naturparke. Bemerkenswert groß ist die Artenvielfalt in Nordrhein-Westfalen mit über 40.000 verschiedenen Pflanzen- und Tierarten. Gleichwohl steht fast die Hälfte von ihnen auf der Roten Liste. Etwa 45 Prozent der heimischen Tier-, Pilz- und Pflanzenarten sind in ihren Beständen gefährdet oder bereits ausgestorben. Von den insgesamt etwa 12.000 betrachteten Arten sind 42 Prozent der Farn- und Blütenpflanzen, 42 Prozent der Säugetierarten, über 50 Prozent der Vogelarten und 55 Prozent der Schmetterlingsarten gefährdet oder ausgestorben.

Weitere Informationen zum Thema „NRW-Naturerbe“ und zur Naturerbetour des Ministers sind zu finden unter:
www.naturerbe.nrw.de

Weitere Informationen über wertvolle Natur- und Vogelschutzgebiete, Naturparke, das Biotop-Kataster sowie den Zustand von Gewässern gibt es in der neuen Datenbank des Umweltministeriums "Umweltinformationen vor Ort":
www.uvo.nrw.de

Grundlage für die naturnahe Entwicklung der Gewässer in NRW ist die EU-Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL). Zur Umsetzung wurde ein Bewirtschaftungsplan aufgestellt und das Programm „Lebendige Gewässer“ auf den Weg gebracht. Ausführliche Hintergrundinformationen und Publikationen zum Thema sind zu finden unter
www.flussgebiete.nrw.de.

Informationen zum NRW-Wanderfischprogramm, unter anderem zur Wiederansiedlung von Lachs und Maifisch sind zu finden unter:
www.wasserlauf-nrw.de

sowie auf den Seiten des Landesamtes für Natur, Umwelt- und Verbraucherschutz NRW (LANUV NRW) unter
www.lanuv.nrw.de.

Bei Nachfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, Telefon 0211 4566-719 (Wilhelm Deitermann).

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