Abschlussbericht zur „Feinstaub-Studie Frauen NRW“

30. März 2011

Minister Remmel: Schadstoffbelastung höhlt Grundrecht auf gesundes Leben aus / Abschlussbericht zur „Feinstaub-Studie Frauen NRW“ vorgelegt – Signifikanter Zusammenhang zwischen Schadstoffbelastung, Wohnort und Sterblichkeitsrate

Permanente und hohe Belastungen mit Feinstaub und Stickoxiden haben gravierende gesundheitliche Folgen und lassen das Sterblichkeitsrisiko deutlich ansteigen. Zu diesem Ergebnis kommt die Langzeitstudie „Feinstaubstudie Frauen NRW“, deren Abschlussbericht nun vorgelegt wurde.

Das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz teilt mit:

Permanente und hohe Belastungen mit Feinstaub und Stickoxiden haben gravierende gesundheitliche Folgen und lassen das Sterblichkeitsrisiko deutlich ansteigen. Zu diesem Ergebnis kommt die Langzeitstudie „Feinstaubstudie Frauen NRW“, deren Abschlussbericht nun vorgelegt wurde. Die umfangreiche Langzeitstudie zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen den Belastungen durch Feinstaub/Stickstoffdioxid, der Wohnortnähe zu einer vielbefahrenen Straße und der allgemeinen Sterblichkeit sowie der Todesursache durch Herz-Kreislauferkrank­ungen. Für den Anstieg der Sterblichkeit an Lungenkrebs konnte ein statistisch signifikanter Zusammenhang in Verbindung mit Feinstaub beobachtet werden, bei Stickstoffdioxid ergab sich ein Zusammenhang mit dem Anstieg der Todesursache „Atemwegserkrankungen“. „Die Studienergebnisse sind für mich alarmierend und werfen die politische Frage nach einer umfassenden Umweltgerechtigkeit auf“, sagte Umweltminister Johannes Remmel zum Abschlussbericht. „Finanziell besser gestellte Bevölkerungsschichten können es sich leisten, Schadstoffe und Lärmbelastung bei der Wohnortwahl zu umgehen. Wer sozial schwächer gestellt ist, hat oft keine andere Wahl, als an Orten zu wohnen, an denen der Lärmpegel und die Schadstoffbelastungen hoch sind, etwa an Hauptverkehrsstraßen. Das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit und ein gesundes Leben wird auf diese Weise aber ausgehöhlt.“

Im Rahmen der Studie „Staubkohorte Frauen NRW“ wurden fast 5.000 Frauen aus dem Ruhrgebiet sowie Dülmen und Borken untersucht und für die bis 2008 verstorbenen Personen die Todesursachen ermittelt. Die Untersuchungen kamen zum Ergebnis: Mit kürzerem Abstand zwischen Wohnort und verkehrsreichen Straßen (mehr als 5000 Fahrzeuge pro Tag) nahmen die Gesamtsterblichkeit und die Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Atemwegserkrankungen statistisch signifikant zu. Für Frauen, die näher als 50 Meter an einer Hauptverkehrsstraße wohnten, lag die allgemeine Sterblichkeitserhöhung bei mehr als 40 Prozent und die Zunahme der Todesursache Herz-Kreislauf Erkrankungen bei fast 80 Prozent. Ein Anstieg der spezifischen Sterblichkeit an Lungenkrebs war ausschließlich für Feinstaub statistisch signifikant (ca. 60 Prozent).

Remmel begrüßt Vorstoß für große Umweltzone im Ruhrgebiet

Die Analyse bestätigt erneut den folgenschweren Einfluss der Partikelbelastung auf die Gesundheit der Menschen. Ferner ist anzunehmen, dass der Dieselrußanteil im Feinstaub maßgeblich für die erhöhte Lungenkrebssterblichkeit verantwortlich ist. Aus der Studie folgt, dass weiterhin erhebliche Anstrengungen zur Reduktion der Feinstaubbelastung durch den Straßenverkehr erforderlich sind.

Remmel: „Die Ergebnisse dieser Studie zeigen einmal mehr eindringlich, dass wir uns intensiv mit dem Thema Luftschadstoffe und Gesundheit auseinandersetzen müssen. Weitere Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor Gesundheitsschäden sind erforderlich.“ Minister Remmel begrüßte in diesem Zusammenhang den Vorstoß der Ruhrgebietskommunen nach einer großen Umweltzone für das Ruhrgebiet.

Die Studie ist die Fortsetzung der 2005 veröffentlichten Untersuchung zum Zusammenhang von Luftschadstoffen und Sterblichkeit bei einer Kohorte älterer Frauen aus Nordrhein-Westfalen. Die gesamt- und todesursachenspezifische Sterblichkeit wurde über einen Zeitraum von 18 Jahren ermittelt. Die Ergebnisse des nun vorgelegten Abschlussberichtes bestätigen die Ergebnisse der vorangegangenen Erhebung. Bereits im November hatte Minister Remmel erste Zwischenergebnisse präsentiert. Wissenschaftlich erstellt wurde die Langzeitstudie durch das Helmholtz Zentrum München.

Zusammenhang zwischen Feinstaub und Diabetes-Erkrankungen

Bereits im Oktober hatten führende Umweltmediziner bei einem Fachgespräch im Ministerium vor den gesundheitlichen Folgen von Luftschadstoffen gewarnt. „Jede Verringerung der bestehenden Belastung durch Feinstaub und Stickstoffdioxid ist daher dringend anzustreben“, hieß es in einem gemeinsam verabschiedeten Papier. „Den Mahnungen der Experten werden wir folgen, weil wir Gefahren von der Bevölkerung abwenden wollen“, sagte Remmel. Die Dringlichkeit, die Feinstaub-Konzentration zügig zu senken, würden auch durch aktuelle Untersuchungen unterstrichen. Nach ersten Untersuchungen könnte Feinstaub für mehr Krankheitsbilder verantwortlich sein, als bisher angenommen. So gibt es derzeit erste Erkenntnisse, die auf einen Zusammenhang zwischen Luftschadstoffen und Diabetes-Erkrankungen hinweisen. „Wir müssen hier zwar noch weiterreichende Untersuchungen abwarten. Doch die wissenschaftlichen Fakten von Experten setzen uns unter Handlungsdruck.“

Scharfe Kritik richtet Remmel an die Bundesregierung und an Bundesumweltminister Norbert Röttgen. „Herr Röttgen lässt Nordrhein-Westfalen beim Kampf gegen Luftschadstoffe allein. Nicht nur, dass wichtige Verkehrsinfrastrukturprojekte für den Umstieg auf Bus und Bahnen brach liegen, weil es keine ausreichende finanzielle Unterstützung seitens der Bundesregierung gibt. Auch dass die staatliche Förderung für die Nachrüstung mit Partikelfilter ausläuft und es weiterhin keine Anreize bei der KfZ-Steuer für schadstoffarme Fahrzeuge gibt, ist für unser Bemühen nicht förderlich, die Luftbelastung im Ruhrgebiet zu reduzieren“, sagte Remmel und betonte weiter: „Herr Röttgen bleibt seiner Linie treu: Bei der Atomdebatte im Herbst ist Norbert Röttgen gescheitert, beim Skandal um mit Dioxin verseuchte Futter- und Lebensmittel ist er abgetaucht und bei der Einführung von E10 hat er gepatzt. Für die Menschen hat sein permanentes Nicht-Handeln gravierende Folgen.“

Link zum Fachbericht des Landesumweltamtes (LANUV):
http://www.lanuv.nrw.de/veroeffentlichungen/fachberichte/fabe31/fabe31start.htm

Bei Nachfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, Frank Seidlitz, Telefon 0211 4566-294.

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