Minister Remmel: „NRW drohen Milliarden-Kosten durch Klimaschäden“

23. Februar 2011

Minister Remmel: „NRW drohen Milliarden-Kosten durch Klimaschäden“

Der Klimawandel in NRW wird in Zukunft zu deutlich mehr Wetterextre­men führen und sich damit auf die Lebensgrundlage von Menschen, Tieren und Pflanzen in Nordrhein-Westfalen auswirken. Klimaschutzminister Remmel: „Der Klimawandel ist kein abstraktes Gebilde. Er trifft jeden. Deshalb ist der Klimaschutz eine der größten Herausforderungen, vor der die Menschheit steht.“

Das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz teilt mit:

Neuer Fachbericht des Landesumweltamtes: Klimawandel wird in NRW zu mehr Wetterextremen führen – Auswirkungen auf Mensch und Um­welt schon spürbar –Aktiver Klimaschutz ist aktive Wirtschaftspolitik.

Der Klimawandel in NRW wird in Zukunft zu deutlich mehr Wetterextre­men führen und sich damit auf die Lebensgrundlage von Menschen, Tieren und Pflanzen in Nordrhein-Westfalen auswirken. Schon jetzt seien die Folgen für die Umwelt teilweise deutlich zu registrieren. Das ist das Ergebnis eines neuen Fachberichtes aus dem Geschäftsbereich des Düsseldorfer Klimaschutzministeriums. In einer Langzeitbetrachtung wurden Messdaten teilweise von 1901 bis in die Gegenwart analysiert. „Der Klimawandel ist kein abstraktes Gebilde. Er trifft jeden. Deshalb ist der Klimaschutz eine der größten Herausforderungen, vor der die Menschheit steht“, sagte Klimaschutzminister Johannes Remmel. „Kli­maschutz ist nicht nur eine Frage der internationalen Gerechtigkeit, sondern auch der reinen ökonomischen Vernunft. Nach einer Berech­nung des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung kommen auf Deutschland Kosten durch Klimaschäden bis zum Jahr 2050 von bis zu 800 Milliarden Euro zu. Davon entfallen auf NRW mehr als 70 Milliarden Euro, wenn wir unsere Anstrengungen nicht forcieren.“

Der Fachbericht Nummer 27 des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) mit dem Titel „Klima und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen“ kommt unter anderem zu folgenden Kernaussa­gen:

+ Vegetationszeit

Seit 1951 hat sich landesweit der Beginn der Vegetationszeit nach vorne verlagert. Zwischen 1951 und 2009 um etwa 16 Tage. 

+ Jahresverläufe

Für NRW ist festzustellen, dass sich der Beginn von Frühjahr, Sommer und Herbst im Vergleich zur Klima-Normalperiode im Jahresverlauf in­zwischen deutlich nach vorne verschiebt. Während sich die Länge von Frühling und Sommer kaum ändert, nimmt die Länge des Herbstes um ca. 17 Tage besonders stark zu, die Länge des Winters nimmt um ca. 21 Tage ab.

+ Niederschläge

Verschiebung der Niederschläge vom Sommer in den Winter.

+ Zunahme von Starkregentagen

Zunahme der Tendenz von Starkregentagen mit mehr als 20 Millimeter Niederschlag pro Tag, im Winterhalbjahr ist dies ausgeprägt signifikant. In den 2000er Jahren sind vermehrt lokale Starkregenereignisse aufge­treten, die in Siedlungsbereichen häufig zu Schäden geführt haben.

+ Bodenerosionen

Bodenerosionen durch Wasser verursachen in Nordrhein-Westfalen immer wieder Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen, an baulichen Anlagen und Verkehrseinrichtungen. Starkregen ist hauptverantwortlich für diese Erosionen. Von 1937 bis 2007 konnte für zehn Messstationen im Ruhrgebiet eine signifikante Zunahme der sommerlichen Regenero­sivität von vier Prozent pro Dekade registriert werden. Zwischen 1973 und 2007 betrug die Regenerosivität sogar dramatische 20 Prozent pro Dekade.

+ Gewässertemperatur

Seit 1978 hat die mittlere Wassertemperatur des Rheins (Station Kleve-Bimmen) um etwa 1,2 Grad zugenommen. 1998 wurden zum ersten Mal seit Beginn der Messungen maximale Wassertemperaturen von mehr als 25 Grad registriert, obwohl die Abwärmeeinleitungen in den Rhein das genehmigte Maß nicht überschritten haben.

Klimaschutz ist vorsorgende und vorausschauende Politik

Die Landesregierung will NRW zum Vorreiter beim Klimaschutz machen. Bereits Anfang November hat das Landeskabinett Eckpunkte für das neue Klimaschutzgesetz verabschiedet  und verbindliche Redu­zierung der Treibhausgasemissionen in NRW bis 2020 um mindestens 25 Prozent und bis 2050 um 80 bis 95 Prozent gegenüber 1990 be­schlossen.  „Die Folgen der Klimaveränderungen sind weltweit und auch in Nordrhein-Westfalen bereits deutlich sicht- und spürbar“, sagte Kli­maschutzminister Johannes Remmel. Um die Folgen des Wandels zu begrenzen, sei es daher notwendig, den globalen Temperaturanstieg insgesamt auf zwei Grad zu begrenzen. Remmel: „Nordrhein-Westfalen kommt bei der Erfüllung der Klimaschutzziele eine besondere Verant­wortung zu, da hier etwa ein Drittel aller in Deutschland entstehenden Treibhausgase emittiert werden.“

Klimaschutz ist aktive Wirtschaftspolitik

„Wir wollen unsere Wirtschaft stärken und zugleich wirksamen Klima- und Umweltschutz sicherstellen. Der richtige Weg ist, beides zusammen zu führen: Mit ökologischer Erneuerung und Klimaschutz sind große wirtschaftliche Chancen verbunden. Wir wollen und müssen sie für Nordrhein-Westfalen nutzen“, sagte Remmel. Mit dem „Fortschrittsmotor Klimaschutz“, mit der „ökologischen industriellen Revolution“ entstehen neue Arbeitsplätze und die Wettbewerbsfähigkeit des Landes wird ge­stärkt. Mit dem Windenergieerlass hat die Landesregierung den ersten Baustein für mehr Investitionen, mehr Jobs und eine stärkere Technolo­gieführerschaft gelegt. Dass Klimaschutz Wirtschaftsförderung bedeutet, sei keine Erfindung einer rot-grünen Landesregierung, sondern längst allgemein akzeptiert. Remmel: „Selbst Siemens-Chef Peter Löscher betont immer wieder, dass der Klimaschutz zum Wachstumstreiber für die deutsche Wirtschaft werden könnte, wenn die Wirtschaft die Chan­cen nutzt.“

Bereits heute sind allein in NRW etwa 24.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Unternehmen der Umweltwirtschaft beschäftigt – Ten­denz steigend. Prognosen sagen voraus, dass die Zahl bis 2020 bun­desweit auf etwa 500.000 ansteigen wird – damit wären mehr Menschen in der Erneuerbaren Energiebranche beschäftigt als heute in der Che­mieindustrie. Von 140 börsennotierten Unternehmen der Regenerativen Energiewirtschaft haben 6 Firmen ihren Hauptsitz in NRW.

NRW ist Industrieland und soll es auch bleiben

Die deutsche Industrie ist das Rückgrat unserer Wirtschaft. Sie hat in der Finanzkrise den Aufprall abgefedert und war maßgeblich dafür ver­antwortlich, dass der Aufschwung zügiger als in anderen Ländern er­folgte. „NRW ist das Herzstück der deutschen Industrie. Wir sind stark im Maschinenbau. Wir sind stark bei Stahl und anderen Metallen. Wir sind stark im Anlagenbau. Wir sind stark in der chemischen Industrie. Das sind die besten Voraussetzungen, um gemeinsam nun eine wei­tere, vor uns liegende Herausforderung zu meistern: die nachhaltige und entschlossene Transformation unserer Wirtschaft, auch der Energiewirt­schaft. NRW soll zum Technologieführer bei erneuerbaren Energien werden“, sagte Remmel.

Klimaschutz ist eine Jahrhundertaufgabe der Menschheit

In NRW soll bald ein Klimaschutzgesetz auf den Weg gebracht werden, durch das diese Ziele rechtsverbindlich festgeschrieben werden. Auf der Basis des Gesetzes legt die Landesregierung dem Landtag in 2011 ei­nen Klimaschutzplan vor, der die erforderlichen Maßnahmen zur Errei­chung des Klimazieles sowie Zwischenziele festlegt. Remmel betonte: „Klimaschutz ist keine Umwelt- und Naturromantik, sondern pure öko­nomische Vernunft. Das Nichtstun wäre bei weitem teurer als zu han­deln.“ Darauf weist kein geringerer als der frühere Chefökonom der Weltbank, Nicolas Stern, hin: Ungebremster Klimawandel werde 5 bis 20 Prozent des globalen Sozialprodukts verschlingen.

Der Hitzesommer 2003, der Orkan Kyrill 2007, das Hochwasser 2008 und der Schneewinter 2010/2011: Deutschland, aber vor allem NRW, ist nach Ansicht von Minister Remmel mit seiner hohen Bevölkerungs­dichte, einer teuren Infrastruktur und einer ausgeprägten Land- und Forstwirtschaft sehr verletzlich gegenüber den Auswirkungen der Klima­änderungen. „Wenn es auf internationaler Ebene keine Einigung gibt, dann müssen wir eigene Wege gehen. Wir brauchen dann mehr denn je Bewegung von unten – von der Wirtschaft, von engagierten Initiativen und Bürgergruppen, von den Kommunen und natürlich den Bundeslän­dern und allen Staaten, die guten Willens sind“, betonte Remmel.

Klimaschutz ist eine Frage der internationalen Gerechtigkeit

Klimaschutz ist unweigerlich mit der Entwicklungspolitik verbunden. „Es ist absehbar, dass 200 Millionen Menschen fliehen müssen, weil sie durch den steigenden Meeresspiegel oder die Ausbreitung von Wüsten entweder ihre Heimat oder ihre Ernährungsgrundlage verlieren werden. Gerade die Industriestaaten stehen deshalb in der Pflicht, beim Thema Klimaschutz voranzugehen, damit das Recht auf Entwicklung und Leben überall auf der Welt gleichermaßen gilt“, so Remmel. Der Klimaschutz ist eine zentrale Aufgabe von Bürgerinnen und Bürgern, Bund, Ländern und Kommunen. NRW will Vorreiter beim Klimaschutz werden und wird deshalb als erstes Bundesland verbindliche Klimaschutzziele in Form des Klimaschutzgesetzes verabschieden. Die entsprechenden Vorar­beiten seien nun gemacht. Noch im ersten Halbjahr soll das Klima­schutzgesetz den Landtag erreichen.

Die Broschüre im Internet: http://www.lanuv.nrw.de/veroeffentlichungen/fachberichte/fabe27/fabe27start.htm

Bei Nachfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (Frank Seidlitz, 0211 4566 294).

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