Ministerium und LANUV stellen 2. Klimawandelbericht vor

Porträtfoto von Minister Johannes Remmel während einer Landespressekonferenz
7. November 2016

Minister Remmel: „Klimawandel führt auch in NRW zu häufigeren Wetterextremen“

Ministerium und LANUV stellen 2. Klimawandelbericht und aktualisierte Daten des Klimafolgenmonitorings vor

Der Klimawandel führt auch in Nordrhein-Westfalen zu häufigeren Wetterextremen. Dies ist ein Ergebnis des zweiten Klimawandel-Berichtes des Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV).

 
Das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz teilt mit:

Der Klimawandel führt auch in Nordrhein-Westfalen zu häufigeren Wetterextremen. Dies ist ein Ergebnis des zweiten Klimawandel-Berichtes des Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV). „Der Klimawandel ist real. Er trifft uns auch in NRW und wird die Art und Weise, wie wir leben, wohnen und arbeiten in Zukunft stark beeinflussen“, sagte Umweltminister Johannes Remmel bei der Vorstellung des neuen LANUV-Berichtes „Klimawandel und Klimafolgen in Nordrhein-Westfalen“. „Durch den fortschreitenden Klimawandel werden Stürme und Starkregenereignisse wie in den letzten Jahren beispielsweise in Münster oder Hamminkeln häufiger vorkommen“, sagte der Minister und mahnte zugleich stärkere Anstrengungen für den Klimaschutz an. „Es wird uns teuer zu stehen kommen, wenn wir jetzt nicht handeln.“ Die beste Politik gegen den fortschreitenden Klimawandel sei eine ambitionierte Politik gegen die globale Erwärmung. Deshalb habe die Landesregierung die Klimapolitik in den letzten Jahren neu ausgerichtet.
 
„Der Klimawandel ist in NRW angekommen“, fasste Minister Remmel die Auswertungen des Klimafolgenmonitorings zusammen. „Schon jetzt zeichnet sich ab, dass der Klimawandel, der Klimaschutz und die Anpassung an die unvermeidbaren Folgen der Erderwärmung eine der größten Herausforderungen darstellen, vor der wir stehen und die wir meistern müssen.“
 
Nordrhein-Westfalen hat 2011 als erstes Bundesland ein Monitoring zum Klimawandel und seinen Folgen gestartet. Insgesamt wurden für sechs Umweltbereiche 19 Indikatoren zusammengestellt, die den Einfluss des sich wandelnden Klimas auf Natur und Umwelt und damit auch auf den Menschen zeigen. Der erste Klimawandelbericht wurde 2010 vorgelegt und wird nun fortgeschrieben. „Durch unser Klimafolgenmonitoring wird deutlich, dass sich der Erwärmungstrend in NRW weiter fortsetzt: Seit Beginn der Messungen im Jahr 1881 war 2014 das wärmste Jahr in NRW. Darüber hinaus lagen von den 20 wärmsten Jahren elf im 21. Jahrhundert“, erläuterte der Präsident des Landesumweltamtes Dr. Thomas Delschen. Die Folgen des Klimawandels seien nicht nur in der Umwelt nachweisbar, sondern stellen auch eine Belastung für die betroffenen Menschen dar und gefährden die Infrastruktur, warnte der Präsident des Landesumweltamtes. Allein das Starkregen-Unwetter 2014 in Münster hat nach Auskunft des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) einen Sachschaden von rund 200 Millionen Euro bei 30.000 angezeigten Schäden verursacht.
 
Dr. Delschen verwies auf die weitreichenden Folgen des Klimawandels für Mensch und Umwelt: „Schon jetzt haben sich in NRW viele wärmeliebende Arten etablieren können, so genannte Neobiota, die ursprünglich gar nicht in diesen Regionen vorkamen. Zudem werden Krankheitserreger und Überträger von Krankheiten durch die steigenden Temperaturen begünstigt.“ In städtischen Bereichen wirkt sich der Klimawandel besonders stark aus. Zu diesem Thema wurde deshalb ein eigenes Kapitel in den Klimabericht aufgenommen.

Die wichtigsten Eckpunkte aus dem 2. Klimawandel-Bericht sind (Auswahl):

Temperatur
Der Erwärmungstrend verstärkt sich: 2014 war das wärmste Jahr. Gleichzeitig wurden 11 der 20 wärmsten Jahre seit Beginn der Messungen 1881 im 21. Jahrhundert gemessen. Die durchschnittliche Jahresmittel-Temperatur in NRW hat sich zwischen 1881 und 2015 um 1,4 Grad Celsius erhöht. Damit verbunden ist ein Rückgang der Eistage seit 1891, an denen die Temperatur unter dem Gefrierpunkt liegt, um etwa 5 Tage.
 
Schneetage
Die Anzahl der Schneetage am Kahlen Asten hat sich zwischen 1955 und 2015 um 25 Tage reduziert.
 
Vegetationszeit
Seit 1951 hat sich landesweit der Beginn der Vegetationszeit nach vorne verlagert: Insgesamt hat sich die Vegetationszeit zwischen 1951 und 2015 um etwa 15 Tage verlängert.
 
Niederschläge
Zwischen 1881 und 2015 hat der mittlere Jahres-Niederschlag um 107 Millimeter (mm) zugenommen, was einer Zunahme von fast 14 Prozent entspricht. Die Niederschläge haben über den gesamten Messzeitraum (1881 bis 2015) mit etwa 60 mm vor allem in den Wintermonaten hochsignifikant zugenommen. Außerdem zeigt sich eine zunehmende Tendenz der Anzahl der Starkregentage basierend auf den Tagesniederschlagssummen.
 
Gewässertemperatur
Seit 1974 hat die mittlere Wassertemperatur des Rheins (Station Kleve-Bimmen) um etwa 1,5 Grad Celsius zugenommen. Außerdem treten vermehrt Jahre mit einer maximalen Wassertemperatur von mehr als 25 Grad Celsius auf.
 
Grundwasserstand
Insgesamt wurden 29 langjährig beobachtete Grundwasser-Messstellen des LANUV für den Zeitraum 1951 bis 2014 ausgewertet. Davon zeigten 21 Messstellen einen signifikant fallenden Trend für den mittleren Grundwasserstand im Wasserwirtschaftsjahr.
 
Wärmeinseln /Stadtklima
Die Folgen des Klimawandels für die städtischen Regionen in NRW schlagen sich vor allem durch die Bildung von Hitzeinseln aus. Die Zunahme solcher Hitzeinsel konnte an der Beispielstadt Bochum in der Messperiode 1997 bis 2015 bereits signifikant festgestellt werden.
 
Städte weisen aufgrund ihres dichten Bebauungs- und hohen Versiegelungsanteils eine stärkere Wärmebelastung auf als das wenig bebaute Umland (sogenannter Wärmeinseleffekt). „Bei der generellen Temperaturzunahme durch den Klimawandel muss mit einer verstärkten thermischen Belastung in den dicht besiedelten Ballungsgebieten gerechnet werden“, sagte Dr. Delschen. Für Bochum konnte bereits für den Zeitraum 1997 bis 2015 eine Zunahme des Wärmeinseleffekts nachgewiesen werden. Auch die Untersuchung von Hitzewellen im Vergleich von urbanen und ländlich gelegenen Messstationen in den Städten Bochum, Bonn und Köln zeigte, dass Hitzewellen in den urbanen Gebieten häufiger auftreten und insbesondere länger andauern als im Umland. „Daher ist es wichtig, bereits heute bei städtischen Planungsprozessen den Klimawandel zu berücksichtigen. Als Unterstützung für Kommunen entwickeln wir zurzeit mit der Bundesstadt Bonn und dem Deutschen Wetterdienst ein Web-Tool zur Ableitung geeigneter städtebaulicher Klimaanpassungsmaßnahmen in verschieden strukturierten Stadtquartieren“, erläuterte Dr. Delschen.
 
Folgen für die Wälder in NRW
„Insbesondere die steigenden Temperaturen sowie die unregelmäßigen und hohen Niederschläge hinterlassen Spuren in den Wäldern Nordrhein-Westfalens“, sagte Dr. Mathias Niesar vom Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen. „Die Fichte steht zunehmend unter Wärmestress. Neue Krankheiten und Schädlinge setzten den Bäumen zu.“ Immer häufiger werden Stürme im Wald hohe Schäden verursachen und auch damit den Holzmarkt in Mitleidenschaft ziehen. Auf solche unvorhersehbaren Ereignisse waldbaulich zu reagieren, ist eine besondere Herausforderung. Aufgrund der sich verändernden Klimabedingungen und der erhöhten Risiken für die Waldbestände arbeitet Wald und Holz NRW an Konzepten für einen klimaangepassten Waldbau. Die Forstleute treffen heute waldbauliche Entscheidungen für Baumarten, die im nächsten Jahrhundert die Wälder in NRW prägen werden. Weil niemand verlässlich die klimatischen Verhältnisse des nächsten Jahrhunderts voraussagen kann, setzen die Forstleute auf eine breite Mischung von Baumarten, Struktur und Alter. „Neben unseren bisher hier heimischen Baumarten gehören in die Wälder der Zukunft auch Baumarten, von denen wir hoffen, dass sie mit dem künftig zu erwartenden Klima besser zurechtkommen. Douglasie, Weißtanne, Esskastanie und Roteiche gehören als Mischbaumarten in die Wirtschaftswälder der Zukunft“, sagte Dr. Niesar.
 
Insgesamt arbeiten in NRW rund 180.000 Menschen in Berufen, die auf den Rohstoff Holz angewiesen sind. Sie erwirtschaften einen Umsatz von 38 Milliarden Euro. Damit liegt die wirtschaftliche Bedeutung der vom Rohstoff Holz abhängigen Unternehmen in der gleichen Größenordnung wie der Maschinenbau in NRW.
 
NRW hat Klimapolitik neu ausgerichtet
NRW hat bereits 2013 als erstes Bundesland ein eigenes Klimaschutzgesetz und 2015 einen Klimaschutzplan mit 154 Maßnahmen für den Klimaschutz und 66 Maßnahmen für die Klimafolgenanpassung auf den Weg gebracht, der von einer breiten gesellschaftlichen Basis erarbeitet wurde. Minister Remmel: „Wir wollen für Kommunen, Firmen, Verbänden und für die Menschen im Land mit dem Klimaschutzplan weitere Möglichkeiten und Instrumente schaffen, um den Klimaschutz in NRW voranzubringen. Klimaschutz - made in NRW wird nicht von oben verordnet, sondern von unten gestaltet. Klimaschutz und Energiewende finden in NRW in den Städten und auf den Dörfern, auf den Dächern und in den Heizungskellern, in den Produktionshallen unserer Unternehmen, auf den Straßen, Wasserstraßen und Schienenwegen, in den Küchen und Kantinen, auf dem Bauernhof genauso wie an der Ladentheke statt. Bei uns leben 18 Millionen potenzielle Klimaschützerinnen und Klimaschützer.“

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