Minister Remmel: Aktiver Naturschutz lohnt sich

21. August 2014

Minister Remmel: Aktiver Naturschutz lohnt sich

Umweltminister informiert sich auf 18. Station seiner Sommertour über abgeschlossenes Renaturierungsprojekt „Bachtäler im Arnsberger Wald“

Umweltminister informiert sich auf 18. Station seiner Sommertour über abgeschlossenes Renaturierungsprojekt „Bachtäler im Arnsberger Wald“

Das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz teilt mit:

Mit 30 LIFE-Naturschutzprojekten und einer Fördersumme von mehr als 85 Millionen Euro steht Nordrhein-Westfalen an der Spitze der Bundesländer in Deutschland. Mit „Bachtäler im Arnsberger Wald“ wurde jetzt das zwölfte LIFE-Projekt erfolgreich abgeschlossen. Dabei brachte die Biologische Station im Kreis Soest gemeinsam mit ihren Partnern eine Vielzahl von Maßnahmen auf den Weg, um die Gewässer im Arnsberger Wald zu revitalisieren. Die Abschlussveranstaltung des Projekts hat Umweltminister Johannes Remmel heute auf der 18. Station seiner Sommertour „WildesNRW“ besucht. Minister Remmel sagte: „Diesem erfolgreichen Projekt verdanken wir es, dass im Arnsberger Wald eine naturnahe und attraktive Landschaft entstanden ist, in der viele Gewässer wieder ihren natürlichen Lauf nehmen können – zum Wohle vieler und teilweise seltener Tier- und Pflanzenarten. Und auch zum Wohle der Menschen, die den Arnsberger Wald zur Erholung nutzen.“

LIFE ist ein Förderprogramm der Europäischen Union, mit dem Natur- und Umweltvorhaben finanziert werden wie die Wiederherstellung und Erhaltung der Bergwiesen im Sauerland oder die Wiederansiedlung des Maifischs im Rhein. Auch zahlreiche Projekte zur Verbesserung der Wasserqualität gehören dazu. Denn nach dem letzten „NRW-Umweltbericht“ ist ein Großteil der Fließgewässer in Nordrhein-Westfalen weiterhin nicht in einem ökologisch guten Zustand. Lediglich acht Prozent der untersuchten 13 750 Gewässerkilometer in NRW verfügen über ein intaktes Ökosystem. 92 Prozent sind in einem mäßigen bis schlechten Zustand. Maßgeblich hierfür sind die schlechten Gewässerstrukturen, die vor allem durch menschliche Eingriffe entstanden sind – zum Beispiel durch Begradigungen von Gewässern im Zuge der Industrialisierung.

Bäche und Flüsse sind Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten. Sind die Gewässer in einem schlechten Zustand, sind auch die Lebewesen bedroht. Bereits heute steht fast die Hälfte der heimischen Tier- und Pflanzenarten in NRW auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Diesen Trend will die Landesregierung stoppen. In ihrer Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt sind natürliche und naturnahe Bäche und Flüsse ein wichtiger Baustein. Remmel: „Wir sind dabei, die Festplatte unserer Natur unwiederbringlich zu löschen. Gewässerauen sind die Lebensadern unserer Landschaften. Sie sind für den Erhalt unserer biologischen Vielfalt unverzichtbar. Außerdem liefern sie uns zahlreiche weitere Dienstleistungen, zum Beispiel einen wichtigen Beitrag zum Hochwasserschutz.“

In der über fünfjährigen Laufzeit des Projekts „Bachtäler im Arnsberger Wald“ wurden 9,5 Kilometer Fließgewässerstrecke renaturiert und auf rund 24 Kilometern die Durchgängigkeit von Fließgewässern wieder hergestellt. Zudem wurden auf mehr als 100 Hektar Fläche Waldbaumaßnahmen durchgeführt. „Dieses Renaturierungsprojekt ist ein richtungsweisendes Beispiel dafür, dass sich aktiver Naturschutz lohnt. Das Projekt bietet vielen Tier- und Pflanzenarten neue Lebensräume, darunter auch sehr seltenen und bedrohten Tieren wie dem Schwarzstorch", lobte Remmel. Neben der Biologischen Station im Kreis Soest trugen auch die Biologische Station im Hochsauerlandkreis, der Landesbetrieb Wald und Holz NRW, der Naturpark Arnsberger Wald und die Stadt Meschede als Partner zum erfolgreichen Verlauf des Projektes bei.

Unter dem Motto „WildesNRW" informieren sich Minister Remmel und der Parlamentarische Staatssekretär im Umweltministerium, Horst Becker, auf ihrer landesweiten Sommertour über die Vielfalt an Lebensräumen in NRW, über Artenreichtum und Artenverlust sowie erfolgreiche Schutzprojekte vor Ort. „Unser Land hat eine einzigartige und beeindruckende Natur, es ist ein Hort für Tausende von Tieren und Pflanzen – ein Schatz direkt vor unserer Tür. Ein Schatz, der immer wieder neu entdeckt werden will. Aber eben auch ein Schatz, den es für die nächsten Generationen zu erhalten gilt. Das Projekt im Arnsberger Wald geht hier mit gutem Beispiel voran", sagte Remmel.

Schwerpunkt des LIFE-Programms ist die Finanzierung des europäischen Schutzgebietssystems Natura 2000, bestehend aus FFH- und Vogelschutzgebieten. In Nordrhein-Westfalen sind rund 8,6 Prozent der Fläche durch dieses Schutzgebietssystem bedeckt. Allerdings befinden sich die Gebiete und die darin lebenden Pflanzen und Tiere häufig noch in einem schlechten Erhaltungszustand. Neben dem erfolgreich abgeschlossenen Projekt im Arnsberger Wald werden derzeit in Nordrhein-Westfalen 18 weitere LIFE-Naturschutzprojekte umgesetzt. Rund 58 Millionen Euro an Fördergeldern stehen hierfür zur Verfügung. Von 1996 bis 2010 bereits umgesetzt wurden 11 Projekte, für die die Fördersumme 27,4 Millionen Euro betrug. Die EU-LIFE-Projekte sind auch ein wichtiger Baustein, um die Ziele der neuen Biodiversitätsstrategie der Landesregierung zu erreichen.


Weitere Informationen:


Verlust der biologischen Vielfalt bedroht das wilde NRW

In Nordrhein-Westfalen leben über 43.000 verschiedene Tier-, Pilz- und Pflanzenarten. Dieser Artenreichtum ist die Folge des Nebeneinanders zweier großer, sehr verschiedener Naturräume: Dem atlantisch geprägten Tiefland und dem kontinental geprägten Bergland. Jede dieser Regionen bietet eine historisch gewachsene Vielfalt von Lebensräumen (Biotopen) mit ihren typischen Tieren und Pflanzen, vom kleinsten Insekt über unseren „Urwald-Baum“, die Rotbuche, und den Wanderfalken als weltweit schnellstem Lebewesen bis hin zum größten Wildtier in NRW, dem europäischen Wisent. Ein Schatz direkt vor unserer Tür. Aber auch ein Schatz, der bedroht ist und den es zu bewahren gilt.

Weltweit ist die biologische Vielfalt massiv bedroht. Seit Jahrzehnten ist ein dramatischer Rückgang der Arten zu beobachten. So liegt die gegenwärtige Verlustrate in einigen Regionen der Welt etwa 100 bis 1.000 Mal höher als die natürliche Aussterberate. Auch in NRW geht der Verlust an biologischer Vielfalt weiter. Unsere Landschaften und Lebensräume haben sich durch die Eingriffe des Menschen stark verändert. Dies zeigt zum Beispiel ein Blick auf die Wälder in Deutschland: Von Natur aus wären rund zwei Drittel der Fläche Deutschlands von unserem Ur-Baum, der Rotbuche, bedeckt. Heute sind es real aber nur noch knapp sechs Prozent der Fläche.

Unser Naturerbe in NRW zu erhalten, ist eine Herkulesaufgabe, denn auch in NRW konnte bisher das Artensterben nicht aufgehalten werden: Etwa 45 Prozent der untersuchten Tier- und Pflanzenarten sind gefährdet, vom Aussterben bedroht oder bereits ausgestorben. Nach der aktuellen „Roten Liste NRW“ sind dabei Schmetterlinge (rund 55 Prozent), Moose (60 Prozent), Kriechtiere (etwa 71 Prozent) sowie Vögel und Wildbienen/Wespen (jeweils rund 52 Prozent betroffen) überdurchschnittlich gefährdet.

Die Ursachen des Artensterbens sind häufig menschengemacht: Hierzu gehören unter anderem die zu intensive Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen, die Zerstörung und Zerschneidung naturnaher Lebensräume und der fortschreitende Flächenfraß. So gehen täglich in NRW etwa 10 Hektar an wertvollen Lebensräumen für eine Vielzahl von Tier-, Pilz- und Pflanzenarten verloren.

Das NRW-Umweltministerium will dem fortschreitenden Verlust der biologischen Vielfalt mit einer neuen Biodiversitätsstrategie und einem neuen Landesnaturschutzgesetz entgegenwirken. Beide Vorhaben sollen zeitnah umgesetzt werden.

Weitere Informationen zum Thema und zur Sommertour 2014:

Bei Nachfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, Sarah Preuß, Telefon 0211 4566-839.

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