Landesregierung zeichnet 27 Lebensretter mit der Rettungsmedaille aus

26. November 2010

Landesregierung zeichnet 27 Lebensretter mit der Rettungsmedaille aus

Ministerin Sylvia Löhrmann hat stellvertretend für Ministerpräsidentin Hannelore Kraft 27 Personen mit der Rettungsmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. In einer Feierstunde auf der Zeche Zollverein dankte die stellvertretende Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann den Retterinnen und Rettern für ihren selbstlosen Einsatz.

Thomas Kade, Münster, Oliver Höhn, Dortmund und Polizeioberkommissar Ulrich Sieslack, Dortmund

Es heißt ja immer, sein Hund ist des Menschen bester Freund – und so springt am 23. Februar 2009 ein Hundehalter seinem blinden Yorkshire-Terrier, der in den eiskalten Dortmund-Ems-Kanal gefallen war, hinterher, um ihn zu retten. Nach mehreren vergeblichen Versuchen gelingt es ihm, den Hund über die 1,80 Meter hohe Spundwand auf sicheren Boden zu heben. Er selbst schafft es aber nicht, aus dem Kanal zu klettern.

In höchster Verzweiflung alarmiert seine Ehefrau den Rettungsdienst, der einen ADAC-Hubschrauber mit Rettungsassistent Thomas Kade und Notarzt Oliver Höhn zum Unglücksort schickt. Es gelingt jedoch nicht, den Hundehalter aus dem Wasser heraus in den fliegenden Hubschrauber zu ziehen. Der Hubschrauberpilot setzt deshalb Thomas Kade und Oliver Höhn am parallel zum Kanal laufenden Fußweg ab und landet auf dem ca. 300 Meter entfernten Feld. Thomas Kade, legt sich bäuchlings über den Rand der Spundwand. Es gelingt ihm, den Hundehalter an der Kleidung und am rechten Arm zu packen. Damit er nicht selbst in den Kanal abrutscht, wird er von Oliver Höhn zur Sicherung an den Beinen festgehalten. Aber der Hundehalter ist zu schwer. Beide Retter drohen abzustürzen. Endlich erreicht auch Polizeioberkommissar Ulrich Sieslack, ein erfahrener Schwimmer und Taucher, den Unglücksort. Kurz entschlossen legt er seine Lederjacke und den Waffengürtel ab und springt in den Kanal. Mit einer Hand hält er sich an einem Nagel der Spundwand fest, mit der anderen Hand und einem angewinkelten Bein drückt er den Mann die Spundwand hoch. Mit Hilfe der gerade eintreffenden Feuerwehr gelingt die Rettung letztendlich. Der Hund hat den Unfall unbeschadet überstanden.

Leon Tinz, Hattingen

Am Nachmittag des 1. März 2009 verbringt der 15-jährige Schüler Leon Tinz mit Freunden die Freizeit am Ufer der Ruhr. Sein 13-jähriger Freund läuft über einen der Bootsstege. In einem unachtsamen Moment stolpert er und stürzt in die Ruhr. Die Strömung reißt ihn gleich mit sich fort. Der 13-jährige gerät in Panik. Spaziergänger, die den Vorfall beobachtet haben, tun so, als hätten sie nichts bemerkt.

Leon Tinz, der bei der DLRG Grundkenntnisse im Rettungsschwimmen erworben hat, zieht sofort seine Schuhe aus und springt in das ca. sechs Grad kalte Wasser. Er packt seinen Freund und zieht ihn an das rettende Ufer. Dort angelangt, alarmiert er über Handy den Vater seines Freundes, der die beiden Jungen sogleich mit dem Auto abholt.

Polizeioberkommissar Karsten Spilker, Porta Westfalica und Polizeikommissar Wolf Kallendorf, Petershagen

Am 11. April 2009 gegen 23.00 Uhr setzt eine umgestürzte Wärmelampe im Erdgeschoss eines Einfamilienhauses in Porta Westfalica eine Matratze in Brand. Es kommt zu einem Schwelbrand. Der 86-jährige Bewohner wird durch die starke Rauchentwicklung bewusstlos. Seine 78-jährige Ehefrau, die im ersten Stockwerk des Einfamilienhauses schläft, wird durch den Rauch geweckt. Sie versucht vergeblich, ihren Ehemann aus dem Zimmer zu retten. Daraufhin öffnet sie ein Fenster und zieht die brennende Matratze dadurch ins Freie.

Zufällig fahren die beiden Polizeibeamten Karsten Spilker und Wolf Kalendorf, mit ihrem Streifenwagen an dem Haus vorbei. Die alte Dame hält den Streifenwagen an und die beiden Polizisten laufen sofort – ohne Atemschutz – in das stark verqualmte Haus, packen den alten Mann und bringen ihn ins Freie.

Der inzwischen alarmierte Rettungsdienst bringt alle vier Personen mit Rauchvergiftung ins Krankenhaus. Die beiden Polizisten können nach dreistündiger ärztlicher Behandlung das Krankenhaus wieder verlassen. Die Eheleute werden nach stationärer Behandlung wieder entlassen.

Anna Petrova, St. Augustin

Der Amok-Lauf einer 16-jährigen Schülerin des Albert-Einstein-Gymnasiums in Sankt Augustin ging am 11. Mai 2009 durch alle Medien. Wir erinnern uns alle noch mit Grauen, dass die Amokläuferin sich hierfür mit einem Schwert, einer Schreckschusspistole und elf Molotowcocktails bewaffnet und in der Mädchentoilette der Schule versteckt hatte.

Als die 17-jährige Schülerin Anna Petrova während einer Klassenarbeit gegen 9.00 Uhr auf die Toilette gehen will, geschieht dann das Entsetzliche: Die maskierte Täterin springt ihr auf dem Schulflur entgegen und versucht mit dem Schwert, auf sie einzustechen. Anna Petrova ergreift in Todesangst mit beiden Händen die Klinge des Schwertes, um den Angriff abzuwehren. Dabei erleidet sie schwerste Verletzungen an ihren Händen; Sehnen, Nerven und Muskeln wurden durchtrennt. Durch ihre lauten Hilferufe aufmerksam geworden, stürmt nun ein Lehrer zum Tatort. Durch diese Ablenkung und dank ihrer heftigen Gegenwehr lässt die Angreiferin schließlich von Anna Petrova ab. Blutüberströmt flüchtet Anna Petrova ins Sekretariat. Von dort werden die Polizei und der Notarzt alarmiert. Anna Petrova wird vom eintreffenden Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht und dort fast sechs Stunden operiert. Noch heute leidet sie an den Folgen der Verletzungen. Die Amokläuferin flieht zunächst aus der Schule, stellt sich am Abend dann aber selbst der Polizei.

Polizeikommissarin Catrin Siemes, Essen und Emanuele Saporito, Köln

Die Polizistin Catrin Siemes ist in der Nacht vom 4. Juli 2009 auf den 5. Juli 2009 dienstlich auf dem „Summer-Jam 2009-Festival“. Gegen 5:30 Uhr wird sie von Besuchern des Festivals auf eine Person im nahegelegenen Fühlinger See aufmerksam gemacht, die mit den Armen reflexartig und unkontrolliert aufs Wasser schlägt. Wie sich später herausstellt, ist es ein alkoholisierter und übernächtigter junger Mann.

Catrin Siemes verständigt über Funk die Deutsche-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Dann reißt sie sich Waffen und Einsatzanzug vom Leib, springt ins Wasser und schwimmt zu der hilflosen, etwa 100 Meter vom Ufer entfernten Person. Emanuele Saporito, der als Angestellter einer Sicherheitsfirma auf der Veranstaltung arbeitet, springt ebenfalls ins Wasser, um der Polizistin zu helfen.

Als die Beiden die hilflose Person erreichen, greift Catrin Siemes den jungen Mann unter seine Arme und hält seinen Kopf über der Wasseroberfläche, während Emanuele Saporito unter Wasser taucht, um den Hilflosen nach oben zu drücken. Da der Mann heftig und unkontrolliert um sich schlägt, gelingt es den Helfern nicht, ihn ans Ufer zu bringen. Als kurz später das verständigte Rettungsboot der DLRG eintrifft, schaffen die Helfer es, ihn in das Boot zu ziehen. Dann verliert der Verunglückte das Bewusstsein. Nach einem Krankenhausaufenthalt über Nacht wird er wieder entlassen.

Polizeikommissar Jürgen Wirtz, Hennef und Klaus Meiners, Bonn (nicht anwesend)

Am Vormittag des 29. November 2009 beschließt ein 83-jähriger in Siegen, seinem Leben ein Ende zu setzen. Er stürzt sich in die Hochwasser führende Sieg. Von der reißenden Strömung wird er schnell abgetrieben. Ein zufällig vorbeikommender Radfahrer informiert sofort über sein Handy die Rettungskräfte. Er folgt dem im Fluss treibenden Mann am Ufer mit seinem Fahrrad. Dabei hält er mit der Leitstelle Kontakt und gibt seine jeweilige Position durch. So können die kurz darauf eintreffenden Polizeibeamten, darunter Polizeikommissar Jürgen Wirtz, die Unglücksstelle sofort anfahren.

Sofort springt Polizeikommissar Jürgen Wirtz beherzt in das ca. 9°C kalte Wasser und schwimmt dem Selbstmörder hinterher. Dieser will sich zunächst nicht helfen lassen. Erst nach gutem Zureden kann ihn Jürgen Wirtz an den Hosenträgern Richtung Ufer ziehen. Dabei verlassen ihn allmählich die Kräfte. Die Strömung reißt nun beide mit sich fort. In einer Flussbiegung treiben sie gegen eine verkeilte Baumwurzel.

Als der Radfahrer die Notlage von Jürgen Wirtz sieht, springt nun auch er die etwa 2,5 Meter hohe Uferböschung hinunter. Er steht bis zum Bauch im Wasser und zieht die Beiden ans Ufer. Mit Hilfe der Besatzung eines Rettungshubschraubers gelingt es schließlich, den Lebensmüden in Sicherheit zu bringen. Jürgen Wirtz schafft es dann mit letzter Kraft allein.

Nach Behandlung sind Retter und Geretteter wieder wohlauf.

Reinhold Höfer, Raesfeld

Zugefrorene Seen ziehen seit jeher Kinder magisch an – so auch ein zugefrorener Angelteich in Raesfeld am Nachmittag des 20. Januar 2010. Drei Kinder im Alter von sechs, sieben und neun Jahren wollten das Eis des Sees testen. Dazu schlägt der sechsjährige Junge mit einem Stock auf das Eis – und bricht plötzlich ein. In den fast zwei Meter tiefen See. Mit einer Wassertemperatur von knapp über null Grad.

Der neunjährige Junge rennt sofort los, um Hilfe zu holen. Vor einer nahegelegenen Anglerhütte stößt er auf Reinhold Höfer und einen weiteren Mann, der nicht geehrt werden möchte. Sofort schnappen sich die beiden Männer ein dickes Seil, das vor der Hütte liegt, und eilen zum See. Sie sehen, wie der Junge mit dem Kopf mehrmals unter Wasser taucht. Auf das ihm zugeworfene Seil reagiert er nicht. So robbt Reinhold Höfer bäuchlings über das Eis, um dem Jungen zu helfen. Kurz bevor er den Jungen ergreifen kann, bricht er selbst in das Eis ein. Der andere Mann sieht noch eine Chance: Er legt ein am Ufer liegendes Holzbrett aufs Eis und schiebt sich auf dem Bauch liegend Richtung Unglücksstelle. Mit Hilfe eines Seils zieht er Reinhold Höfer und das Kind über die Eiskante. Gemeinsam gelingt es dann den Männern, den Jungen ans rettende Ufer zu bringen.

Dort beginnen die Retter sofort, den Jungen wiederzubeleben. Das Kind spuckt daraufhin Wasser. Endlich trifft der Notarzt ein und übernimmt die weitere Erste Hilfe, bevor der kleine Junge in ein Krankenhaus gebracht und dort stationär versorgt wird.

Susen Meier, Aachen

Am 15. Februar 2010 wagt sich ein 14-jähriger Jugendlicher im starken Schneetreiben mit seinem Hund auf das dünne Eis des Weihers hinter dem Sportplatz in Aachen-Richterich. Der Junge bricht mit seinem Hund ein.

Nicht weit vom Unglücksort entfernt führen Susen Meier und ihr Mann ihren Hund spazieren. Plötzlich kommt dem Ehepaar ein älterer Mann entgegen und bittet sie, den Notruf zu wählen. Es sei jemand ins Eis eingebrochen. Susen Meier läuft sofort zum Ufer und sieht den Jungen mit seinem Hund in der Mitte des Weihers. Während ihr Mann über sein Handy die Feuerwehr anruft, redet sie beruhigend auf den Jugendlichen ein. Schnell merkt sie, wie er immer schwächer wird und immer tiefer ins Wasser absinkt. Als ihr der Junge zuruft, dass er nicht mehr kann, versucht sie, ihn durch Anschreien wachzuhalten. Dann entschließt sie sich selbst zu handeln: Sie steigt in das eiskalte Wasser und bricht sich mit den Händen eine Schneise durch die Eisschicht. Schritt für Schritt nähert sie sich dem Jungen. Ihr steht das Wasser schon bis zur Brust, als sie einen großen Ast greifen kann. Sie befestigt die Hundeleine daran und wirft dem Jungen den Ast zu. Mit letzter Kraft greift er danach und Susen Meier zieht ihn hinter sich her ans Ufer.

Dort nimmt der ältere Mann den durchnässten Jungen in Empfang. Der Mann will nicht auf die herannahende Feuerwehr warten und bringt ihn und den Hund, der sich in der Zwischenzeit selbst gerettet hat, schnell zu dessen Eltern. Die Rettungskräfte wickeln Susen Meier in warme Decken und bringen sie wohlbehalten nach Hause.

Johann Hawranek, Duisburg

Am Nachmittag des 9. April 2010 fährt Johann Hawranek mit seinem Auto über eine Brücke in Duisburg. Ihm stockt fast der Atem, als er einen Mann sieht, der über das Brückengeländer steigt und sich von dort aus in den Rhein stürzt. Johann Hawranek fährt sofort zum Flussufer, um von dort aus den Mann zu retten. Am Ufer trifft er auf zwei Arbeiter, die den Vorfall ebenfalls beobachtet haben. Nach einigen Momenten sehen sie den Selbstmörder im Wasser treiben. Während einer der Arbeiter einen Spanngurt aus seiner Baumaschine holt, ruft der andere den Rettungsdienst. Johann Hawranek reißt sich seine Kleidung vom Leib. Er legt den Spanngurt um und stürzt sich ohne zu Zögern in den eiskalten Rhein. Mit allerletzter Kraft gelingt es ihm, zu dem im Wasser treibenden Selbstmörder zu schwimmen. Er packt den Mann und hält seinen Kopf über Wasser. Die beiden Arbeiter ziehen Johann Hawranek und den Selbstmörder aus dem Wasser.

Johann Hawranek kommt mit einem Schock, starker Unterkühlung und leichten Verletzungen in ein Krankenhaus, das er nach sechsstündiger Behandlung wieder verlässt. Der von ihm Gerettete überlebte leider nicht.

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