Landesregierung fördert Projekte für eine geschlechtergerechte Gesundheitsversorgung

19. August 2011

Landesregierung fördert Projekte für eine geschlechtergerechte Gesundheitsversorgung - Ministerin Steffens: Ein Vorbild für Europa!

In den kommenden drei Jahren will die Landesregierung Projekte fördern, die zu einer geschlechtergerechten Gesundheitsversorgung beitragen sollen. Hierfür stehen sechs Millionen Euro aus EU- und Landesmitteln zur Verfügung. Gesundheitsministerin Barbara Steffens verkündete dies in Düsseldorf. „Biologische und soziokulturelle Faktoren haben erheblichen Einfluss auf unsere Gesundheit. Aber auch auf Krankheitssymptome und Verläufe, was heute in der Versorgung, in der Prävention und Rehabilitation viel zu wenig beachtet wird, aber mehr Beachtung finden muss, um Fehldiagnosen vorzubeugen und Zeit sowie auch Geld zu sparen", so die Ministerin.

Das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter teilt mit:

In den kommenden drei Jahren will die Landesregierung Projekte fördern, die zu einer geschlechtergerechten Gesundheitsversorgung beitragen sollen. Hierfür stehen sechs Millionen Euro aus EU- und Landesmitteln zur Verfügung. Gesundheitsministerin Barbara Steffens verkündete dies in Düsseldorf. „Biologische und soziokulturelle Faktoren haben erheblichen Einfluss auf unsere Gesundheit. Aber auch auf Krankheitssymptome und Verläufe, was heute in der Versorgung, in der Prävention und Rehabilitation viel zu wenig beachtet wird, aber mehr Beachtung finden muss, um Fehldiagnosen vorzubeugen und Zeit sowie auch Geld zu sparen", so die Ministerin.

Als Beispiele für geschlechtergerechte Krankheitsbilder nannte die Ministerin:

- Frauen bekommen im Durchschnitt etwa zehn Jahre später einen Herzinfarkt als Männer, dafür sterben sie aber häufiger daran,
- Depressionen treten bei Frauen etwa doppelt so häufig auf als bei Männern,
- Gut die Hälfte der Männer, aber nur ein Drittel der Frauen über 18 Jahre sind übergewichtig.

„Auch gehen Frauen und Männer anders mit Versorgungsangeboten um: Während bei Männern 20 Prozent diese Angebote annehmen, sind es bei Frauen 50 Prozent. Es gibt auch unterschiedliche Reaktionen auf Gewalt: Frauen reagieren häufiger mit Depressionen oder Angst, Männer hingegen fallen eher durch übersteigerte Aggression und Suchtverhalten auf", sagte Steffens.

„Eine geschlechtergerechte Gesundheitsversorgung ist überfällig, sie muss in unserem Gesundheitssystem zur Routine werden. Dazu sollen die innovativen Projekte des Wettbewerbs beitragen", sagte der Vorsitzende der Jury des Wettbewerbs „IuK und Gender MED.NRW" und Hauptgeschäftsführer der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Michael Schwarzenau.

Die Ministerin stellte auch beispielhaft drei von insgesamt 16 Projekten aus dem Wettbewerb „IuK (Information und Kommunikation) & Gender Med.NRW" vor, die sich entweder unmittelbar mit der Verbesserung der medizinischen Versorgung oder der Chancengleichheit von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern beschäftigen. Die drei Projektbeispiele finden Sie im Anhang. Für weitere Projektbeispiele und die jeweiligen Ansprechpartner gehen Sie bitte auf www.mgepa.nrw.de.

Beispielprojekte:

Projekt 1: „RhePort21"

In den Franziskus Kliniken in Aachen soll ein Rheumaportal aufgebaut werden. Insgesamt zwei Prozent der Bevölkerung leiden unter einer chronisch entzündlich-rheumatischen Krankheit. Darunter sind deutlich mehr Frauen als Männer. Allein das Verhältnis erkrankter Frauen zu Männern bei der rheumatoiden Arthritis beträgt 3:1 bei anderen rheumatischen Erkrankungen liegt es sogar noch deutlich höher. Die Diagnose rheumatischer Krankheiten erfolgt oft spät. Durchschnittlich dauert es über 1 Jahr vom Beginn der ersten Beschwerden bis zur Diagnose einer rheumatoiden Arthritis. Das im Projektverbund entwickelte Rheumaportal 21 ermöglicht durch ein allgemeinverständliches Diagnosescreening mit Zuweisungsservice eine zeitnahe Weiterleitung an die Rheumaexperten im Versorgungsnetzwerk in der Stadt bzw. Städteregion Aachen sowie den angrenzenden Kreisen Düren, Heinsberg und Mönchengladbach. Umfassende Patienteninformationen zum Thema Rheuma und eine „Elektronische Rheuma-Fallakte“ runden das Servicespektrum ab.

Projekt 2: „ReGE - Rehabilitation Geschlechtergerecht"

Am Medizinischen Zentrum für Gesundheit Bad Lippspinge soll ein geschlechterdifferenziertes Therapieprogramm in der Routineversorgung der kardiologischen Rehabilitation entwickelt werden. Herz-Kreislauf-Krankheiten zählen bei Frauen und Männern zu den häufigsten Indikationen für Frühverrentung und Rehabilitationsmaßnahmen. Aktuelle Forschungsergebnisse weisen deutliche Unterschiede in den Rehabilitationsbedürfnissen von Männern und Frauen mit koronarer Herzkrankheit auf. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen soll das Therapieprogramm in der kardiologischen Rehabilitation implementiert und evaluiert werden.

Projekt 3: „Gender-Gewaltkonzept"

Am Universitätsklinikum in Aachen startet das Projekt zur Erfassung und Versorgung von Patientinnen und Patienten nach Gewalterfahrungen. Gewalterfahrungen bergen ein hohes Risiko für psycho-somatische Störungen und sozioökonomische Belastungen. Das Projekt widmet sich der Analyse der geschlechtsspezifischen Prävalenz von Gewalterfahrungen, Folgeproblemen und Risikofaktoren sowie den Auswirkungen von Gewalterfahrungen auf die Gesundheit von Männern und Frauen. Außerdem soll auf möglicherweise unterschiedliche Versorgungsbedürfnisse eingegangen werden, um entsprechende geschlechtergerechte Beratungs- und Behandlungsmaßnahmen einzuleiten. Umgesetzt wird das Vorhaben anhand einer Bedarfsermittlung, der Entwicklung eines genderspezifischen Erhebungsinstruments und der Einrichtung einer Beratungsstelle sowie einer neurowissenschaftlichen Evaluation. Ziel ist es, eine Anlaufstelle für Gewaltopfer zu schaffen, die Patientinnen und Patienten nicht nur im Krankenhaus betreut, sondern auch über den stationären Aufenthalt hinaus Kontakt hält.

Bei Nachfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, Telefon 0211 8618-4246.

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