Künftiger Bischof von Essen legt Treue-Eid ab

25. November 2009

Künftiger Bischof von Essen Franz-Josef Overbeck legt Treue-Eid ab

Der künftige Bischof von Essen, Franz-Josef Overbeck, hat in der Staatskanzlei gegenüber Ministerpräsident Jürgen Rüttgers den Treue-Eid auf die Verfassung des Landes Nordrhein-Westfalen abgelegt. Der Ministerpräsident würdigte diesen Akt als Ausdruck der Verantwortung und Verpflichtung: „Das ist ein Versprechen auf Gegenseitigkeit, das weit darüber hinausgeht, was der Text des Eides enthält“.

Die Staatskanzlei teilt mit:

Der künftige Bischof von Essen, Franz-Josef Overbeck, hat heute (25. November 2009) in der Düsseldorfer Staatskanzlei gegenüber Ministerpräsident Jürgen Rüttgers den Treue-Eid auf die Verfassung des Landes Nordrhein-Westfalen abgelegt. Der Ministerpräsident würdigte diesen Akt als Ausdruck der Verantwortung und Verpflichtung: „Das ist ein Versprechen auf Gegenseitigkeit, das weit darüber hinausgeht, was der Text des Eides enthält“. Die Abnahme des Treue-Eides sei mehr als nur eine Formalität und ein Rechtsakt, so Rüttgers. Es gehe um mehr, als „Schaden zu verhüten“, wie es im Eid heiße und es gehe um mehr, als um „pflichtmäßige Sorge“. Diese Verpflichtung bekräftige gemeinsame Ansprüche, so der Ministerpräsident. „Hier stehen zwei Diener, die sich beide unserem Land, den Männern und Frauen unserer Heimat verbunden fühlen.“

Ministerpräsident Rüttgers würdigte die Arbeit, die Bischof Overbeck bisher in Münster geleistet hat. „Es ist gut zu wissen, dass mit Ihnen ein Mann im Bistum Essen wirkt, der die Katholische Soziallehre groß schreibt, der um den Wert der Diakonie weiß und dem der Dialog der Konfessionen und Religionen seit seinem Studium ein Anliegen ist“. Rüttgers betonte, dass es die wichtigste Aufgabe bleiben muss, den Blick auf die Kirchtürme zu bewahren – in Anlehnung an die ehemalige Bedeutung der Fördertürme und die Bedeutung der Bürotürme heute.

Franz-Josef Overbeck wurde am 28. Oktober 2009 von Papst Benedikt XVI. zum Bischof von Essen ernannt. 

Der Treue-Eid im Wortlaut:

Vor Gott

und auf die heiligen Evangelien
schwöre und verspreche ich,
so wie es einem Bischof geziemt,
Deutschland und dem Land
Nordrhein-Westfalen Treue.
Ich schwöre und verspreche,
die verfassungsmäßig gebildete
Regierung zu achten
und von meinem Klerus achten
zu lassen.

In der pflichtmäßigen Sorge
um das Wohl und das Interesse
des deutschen Staatswesens
werde ich in Ausübung des mir
übertragenen geistlichen Amtes
jeden Schaden zu verhüten
trachten, der es bedrohen könnte.

Grußwort von Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers
anlässlich der Abnahme des Treue-Eides von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck
Mittwoch, 25. November 2009, 13.00 Uhr, in Düsseldorf

- Es gilt das gesprochene Wort -

I.

Heute ist ein besonderer Tag.
Ein Bischof steht vor einem Ministerpräsidenten und legt den Treue-Eid ab.
Ein antiquiert anmutendes Ritual. Auf jeden Fall ein ungewöhnliches Ritual.
Und doch beweist das, was heute hier geschieht, – bei aller Trennung der Aufgaben – wie gut, wie fruchtbar unser Miteinander ist.

II.

Als Sie, Herr Overbeck, zum Bischof von Essen ernannt wurden,
war natürlich viel von Ihnen zu lesen.
Die Kirche, so sagten Sie, werde lernen müssen, in „radikaler Diaspora“ zu leben.
Radikale Diaspora!
Sehen Sie es mir nach – aber gemütlich klingt anders!

Erst recht in einer Region, die wie keine zweite in Deutschland
von Umbrüchen geprägt ist. Und von Brüchen.
Erst recht in einem Bistum, das jetzt Menschen in Bochum im Blick haben muss, bei Opel.
Da mag eine solche Ansage auch beunruhigen.
 

Trotzdem ist es richtig, was Sie gesagt haben.
Denn der Auftrag des Hirten heißt nicht, das Unangenehme zu leugnen.
Oder den Herausforderungen auszuweichen.

Der Auftrag lautet: In den Herausforderungen zu stehen. Und zu bestehen.
Gewissheit zu vermitteln, wo Bewährtes in Frage steht oder gestellt wird.

Und Verlässlichkeit, wo Vertrautes zu wanken beginnt.
Sicherheit zu geben, wo Welt sich wandelt.

Das ist übrigens ein Auftrag, den wir gemeinsam haben.
Denn wir brauchen eine neue Politik der Verlässlichkeit.
Des Vertrauens. Der Sicherheit.

In der das Wort wieder gilt.
In der Treue, Haltung und Maß ihren Raum haben.

III.

Es ist gut zu wissen, dass mit Ihnen, lieber Herr Bischof,
ein Mann das Hirtenamt übernimmt,
der die Katholische Soziallehre zu buchstabieren weiß.

Es ist gut, dass ein Mann im Ruhrbistum die Krümme trägt,
der um den Wert der Diakonie weiß.

Es ist gut, dass ein Mann wie Sie hier wirkt, dem der Dialog mit anderen Konfessionen und Religionen seit seinem Studium ein Anliegen ist.

Das Bistum Essen ist ja ein Bistum der Superlative. Es ist das jüngste.
Es ist flächenmäßig das kleinste. Und es ist eines der reichsten Bistümer –
zumindest an Vielfalt und Buntheit.

Ich freue mich, Ihre Eltern hier begrüßen zu können.
Wir in Deutschland tun uns ja gelegentlich etwas schwer damit, stolz zu sein.
Aber Sie, liebe Frau Overbeck, lieber Herr Overbeck, Sie dürfen stolz sein auf Ihren Sohn! Ja, Sie müssen stolz sein!

IV.

Lieber Bischof Overbeck, vor wenigen Monaten war derjenige hier,
der Ihnen in der Leitung des Bistums Münster Nachfolger war,
der heute noch Ihr Vorgesetzter ist und der bald Ihr Vorgänger sein wird.

Auch mit Bischof Genn habe ich darüber gesprochen,
wie wichtig im Bistum Essen die Fördertürme waren.
Und wie wichtig die Bürotürme geworden sind.

Einig waren wir uns darin, dass es die wohl wichtigste Aufgabe bleiben muss, den Blick auf die Kirchtürme zu bewahren.
Diesen Blick immer wieder zu öffnen.

Herr Bischof
die Fußspuren Ihrer Vorgänger sind groß.
Sie selbst haben nach Ihrer Ernennung Kardinal Hengsbach erwähnt.
Betrachten Sie das nicht als Bürde.
Seien Sie froh, dass diese Fußspuren da sind.
Sie geben Orientierung und Halt.

IV.

Bischof Overbeck wird gleich den Treue-Eid ablegen.
Für mich ist das mehr als ein Rechtsakt.
Für mich ist das Ausdruck von Verantwortung.
Und zwar eine Verantwortung, ein Versprechen,
eine Verpflichtung auf Gegenseitigkeit.

Dass wir uns der Freiheit verpflichtet wissen.
Der Solidarität. Und der Demokratie.

Hier stehen zwei Diener, die sich beide unserem Land und seinen Menschen verbunden fühlen.

Darin liegt die besondere Bedeutung dieses Tages!

Stehen wir deshalb gemeinsam. Gehen wir gemeinsam.
Und lassen Sie uns beides tun mit Gottes Hilfe.

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