Kriminelle Jugendliche sollen die „Kurve kriegen“

29. August 2011

Kriminelle Jugendliche sollen die „Kurve kriegen“ / Innenminister Jäger: Pädagogische Fachkräfte verstärken die Teams der NRW-Polizei

Das bundesweit einmalige Programm „Kurve kriegen“ der NRW-Polizei startet jetzt mit der konkreten Arbeit gegen Jugendkriminalität. Die vorgesehenen pädagogischen Fachkräfte sind gerade ausgewählt worden. Sie werden in den nächsten Tagen die Teams der Polizei verstärken. „Mit dem Programm wollen wir verhindern, dass gefährdete Kinder und Jugendliche zu Intensivstraftätern werden“, erklärte Innenminister Ralf Jäger.

Das Ministerium für Inneres und Kommunales teilt mit:

Das bundesweit einmalige Programm „Kurve kriegen“ der NRW-Polizei startet jetzt mit der konkreten Arbeit gegen Jugendkriminalität. Die vorgesehenen pädagogischen Fachkräfte sind gerade ausgewählt worden. Sie werden in den nächsten Tagen die Teams der Polizei verstärken. „Mit dem Programm wollen wir verhindern, dass gefährdete Kinder und Jugendliche zu Intensivstraftätern werden. Sie sollen möglichst früh Hilfe und Unterstützung bekommen“, erklärte Innenminister Ralf Jäger in Bielefeld. Polizei und Kommune arbeiten in diesem Projekt eng zusammen. Neben Bielefeld wird die NRW-Initiative in Aachen, Dortmund, Hagen, Duisburg, Köln sowie im Rhein-Erft-Kreis und dem Kreis Wesel umgesetzt.

Die Polizei erfährt als erstes davon, wenn Kinder Straftaten begehen. Deshalb soll den Modellbehörden ermöglicht werden, gezielt und umsichtig zu helfen, damit Kinder und Jugendliche noch die „Kurve kriegen“. Die Teams aus Polizei und pädagogischen Fachkräften kümmern sich um strafunmündige Kinder, die zum Beispiel innerhalb der letzten zwölf Monate durch eine Gewalttat oder drei schwere Eigentumsdelikte aufgefallen sind. Auf jede Straftat soll unverzüglich eine pädagogische Maßnahme folgen. Dafür gibt es in Absprache mit den Jugendämtern maßgeschneiderte Angebote - vom sozialen Training bis hin zur intensiv pädagogischen Betreuung in einer Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe. „Die Teams beziehen die Eltern der betroffenen Kinder und Jugendlichen mit ein. Sie spielen eine entscheidende Rolle“, erläuterte Jäger. Die intensive Betreuung soll mindestens zwei Jahre dauern. Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe sowie therapeutische Hilfen erfolgen wie bisher über das zuständige Jugendamt.

Erfahrungen zeigen, dass Intensivtäter häufig im Kindesalter Straftaten begehen. „Hier müssen wir frühzeitig mit individuellen Programmen ansetzen. In jungen Jahren können Entwicklungen mit guter Aussicht auf Erfolg beeinflusst werden“, erläuterte Jäger. Das Konzept basiert auf den Erkenntnissen der Enquetekommission „Prävention“, die im vergangenen Jahr dem Landtag NRW ihren Abschlussbericht vorgelegt hat. Sind die Lebensumstände eines Kindes von Gewalt geprägt, spiegelt sich dies in seinem Verhalten. Schlägt es beim kleinsten Anlass zu, kann es beispielsweise durch ein Coolness-Training lernen, sich nicht provozieren zu lassen, sondern mit Konflikten besser umzugehen. Ohne Unterstützung läuft für viele dieser Kinder die Spirale immer weiter nach unten. Aus diesem Grund sind auch präventive Maßnahmen wie beispielsweise Lernhilfen, Sprach- oder Sportkurse vorgesehen, die zu einer dauerhaften Eingliederung in die Gesellschaft führen.

Im vergangenen Jahr gab es in NRW 3.969 mehrfachtatverdächtige Kinder und Jugendliche, die rund 30.000 Straftaten begangen haben. Damit verübten sechs Prozent der tatverdächtigen Kinder und Jugendlichen fast ein Drittel aller Straftaten ihrer Altersgruppe. „Diese Zahlen belegen: Es ist fünf vor zwölf. Wir setzen mit unserer NRW-Initiative den Hebel früher und damit effektiver an. Nachhaltig und dauerhaft, “ erklärte Jäger. „Jedes Kind, das mit unserer Hilfe die Kurve kriegt, ist ein Gewinn. Ein Gewinn für den persönlichen Lebensweg und ein Gewinn für unsere Gesellschaft.“

Weitere Informationen und das Logo des Projektes finden Sie im Internet unter www.kurvekriegen.nrw.de.

Bei Nachfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des Ministeriums für Inneres und Kommunales, Telefon 0211 871-2300.

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