Kriminalstatistik 2009

3. März 2010

Kriminalstatistik 2009: Weniger Morde, Rückgang bei Diebstählen, negativer Trend bei Gewalt gestoppt, Straftaten insgesamt konstant / Minister Dr. Ingo Wolf: Höchste Aufklärungsquote seit 1963 zeigt Leistungsstärke der nordrhein-westfälischen Polizei

Minister Wolf lobte die Qualität der Polizeiarbeit, die sich in der gestiegenen Aufklärungsquote zeigt. „Unsere Qualitätsoffensive in der Kriminalitätsbekämpfung, die Sicherheitsprogramme und die gute Polizeiarbeit wirken. Sie haben wesentlich dazu beigetragen, dass Nordrhein-Westfalen in den letzten Jahren sicherer geworden ist“, sagte der Minister.

Das Innenministerium teilt mit:

Deutlich weniger Morde, Gewaltdelikte auf konstantem Niveau, sinkende Fallzahlen bei Diebstählen und eine beachtliche Steigerung der Aufklärungsquote - so fasste Innenminister Dr. Ingo Wolf die Eckpunkte der Kriminalitätsstatistik für 2009 zusammen. Er lobte die Qualität der Polizeiarbeit, die sich in der gestiegenen Aufklärungsquote zeigt. „Unsere Qualitätsoffensive in der Kriminalitätsbekämpfung, die Sicherheitsprogramme und die gute Polizeiarbeit wirken. Sie haben wesentlich dazu beigetragen, dass Nordrhein-Westfalen in den letzten Jahren sicherer geworden ist“, sagte Wolf heute (3. März 2010) bei der Vorstellung der Kriminalstatistik in Düsseldorf.

Die Polizei registrierte 2009 mit 1.458.438 Straftaten (+ 0,4 Prozent) nahezu gleich viele Straftaten wie im Vorjahr. Die Aufklärungsquote lag bei 50,8 Prozent. Das sind 1,5 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr und ist damit die höchste seit 1963.

Weniger junge Mehrfachtatverdächtige

Bei den jungen Mehrfachtatverdächtigen unter 21 Jahren erreichte die Zahl den niedrigsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Sie ging um 1,7 Prozent (- 135) auf 7.954 zurück, das entspricht einem Anteil von 0,3 Prozent an dieser Altersgruppe. Mehrfachtatverdächtige begehen fünf oder mehr Straftaten in einem Jahr. Im Vergleich zu 2005 verringerte sich die Zahl sogar um 11,1 Prozent (- 993).

„Die Projekte und Konzepte, die die Polizeibehörden in den letzten Jahren entwickelt haben, wirken. Es gelingt damit zum Einen, kriminelle Karrieren von jungen Menschen zu beenden und zum Anderen, Jugendliche vor solchen Karrieren zu bewahren“, lobte Wolf. Die Polizei kooperiert dabei eng mit den Kommunen, der Justiz und den Schulen. Feste Ansprechpartner in den Bezirken treffen sich regelmäßig, besprechen und lösen Problemfälle gemeinsam. Wolf: „Es war richtig, dass die Landesregierung die Grundlagen für diese Zusammenarbeit geschaffen hat. Nur gemeinsam kann Jugendkriminalität wirksam bekämpft werden.“

Insgesamt ermittelte die Polizei 136.501 Tatverdächtige unter 21 Jahren. Das sind 2,6 Prozent weniger Tatverdächtige (- 3.637) als im Jahr davor. Gegen 21.708 wurde wegen einer Gewalttat wie Raub oder Körperverletzung ermittelt. Das entspricht einem Anteil von 0,85 Prozent dieser Altersgruppe. „Die große Mehrheit der Jugendlichen ist rechtstreu. Sorge bereitet eine kleine Gruppe von gewalttätigen Intensivtätern“, stellte der Innenminister fest.

Trend bei Gewaltkriminalität gestoppt - Zahl auf Vorjahresniveau

Bei den Gewaltdelikten markierte 2008 den Wendepunkt - der jahrelange Anstieg  konnte gestoppt werden. Im vergangenen Jahr blieb die Zahl mit 52.451 Taten (+ 77 oder + 0,2 Prozent) konstant. „Bei Gewaltkriminalität reagiert die Polizei besonders sensibel“, sagte Wolf. Die Aufklärungsquote ist mit 72,5 Prozent unverändert hoch. 86,4 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen war männlich. „Der Kampf gegen die Gewaltkriminalität ist ein Schwerpunkt gesellschaftlicher und polizeilicher Prävention. Dazu gehört auch eine Kultur des Hinsehens und die Erziehung zur Gewaltfreiheit“, erklärte der Minister weiter. Ziel müsse es sein, dass sich weniger jungen Menschen als Verlierer in der Gesellschaft fühlten und ihren Frust auslebten. „Wir haben deshalb mit den Ganztagsangeboten an Schulen und der Sprachförderung bessere Bildungsperspektiven geschaffen.“

Mit 14.330 Taten stieg die Zahl der Raubdelikte leicht um 173 Fälle

(+ 1,2 Prozent) an; jede zweite Tat klärten die Ermittler auf. Die Täter erbeuteten Bargeld und Wertsachen in Höhe von rund 17 Millionen Euro. Der Anteil der unter 21-jährigen Tatverdächtigen sank im Vergleich zu letztem Jahr auf 55,3 Prozent (- 0,8 Prozent-Punkte). Rund 35 Prozent der Raubopfer waren unter 21 Jahren.
Raub und Erpressung unter Jugendlichen bereiten nach wie vor Sorge. Handy, Bargeld oder MP3-Player sind die bevorzugte Beute der Täter. „Den Jugendlichen ist oft nicht klar, dass dieses von ihnen so bezeichnete Abziehen kein Bagatelldelikt, sondern eine schwere Straftat ist. Ihnen muss deutlich gemacht werden, dass sie sich durch solche Taten, das Leben ruinieren können“, warnte Wolf. Deshalb setzt die Polizei nicht nur auf Strafverfolgung sondern auch sehr stark auf Vorbeugung. Sie ist an Kriminalitätsbrennpunkten präsent und arbeitet in örtlichen Netzwerken mit Schulen, Kommunen und privaten Vereinen zusammen.

Deutlich weniger Mord und Totschlag - 94 Prozent aufgeklärt

Im Jahr 2009 wurden 99 Menschen Opfer eines Mordes oder Totschlags. Das sind 17 weniger als in 2008 (- 15 Prozent) und 39 (- 28 Prozent) weniger als in 2005. In 260 Fällen wurde ein Tötungsdelikt versucht. Die Polizei kommt bei Mord und Totschlag fast jedem Täter auf die Spur: Rund 94 Prozent der Taten, auch der Versuche, klärten die Ermittler auf. Das Risiko, in Nordrhein-Westfalen Opfer eines vollendeten oder versuchten Tötungsdeliktes zu werden, ist heute wesentlich geringer als in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. (Zum Vergleich: 1970: 641 Delikte; 1980: 620 Delikte; 1990: 503 Delikte).

Weiterer Rückgang der Straßenkriminalität

Die Straßenkriminalität nahm im letzten Jahr um 13.240 (- 3,1Prozent) auf 408.672 Taten ab. „Die Polizei hat durch Fuß- und Fahrradstreifen die Präsenz auf der Straße verstärkt, nicht nur an den Kriminalitätsbrennpunkten. Das funktioniert und ist auch wichtig für das Sicherheitsempfinden der Menschen“, sagte der Innenminister.

Erneut Rückgang der schweren und gefährlichen Körperver­letzungen

Die Zahl der gefährlichen und schweren Körperverletzungen ging im vergangenen Jahr um 146 Fälle auf 36.005 (- 0,4 Prozent) zurück. Damit gab es im zweiten Jahr hintereinander einen Rückgang. Die Aufklärungsquote betrug 81 Prozent. Von den dabei ermittelten 45.510 Tatverdächtigen stand jeder dritte (13.838) unter Alkoholeinfluss. Der Anteil der männlichen Tatverdächtigen betrug 85 Prozent. Die Fälle von vorsätzlicher leichten Körperverletzung stiegen um 2.887 auf 82.932 (+ 3,6 Prozent) an. „Die Menschen reagieren sensibler gegenüber Gewalt. Die Bereitschaft, Anzeige zu erstatten, ist gestiegen - auch durch die Möglichkeit, sich online bei der Polizei zu melden“, erläuterte Wolf.

Diebstähle stark gesunken

Die Zahl der Diebstähle hat insgesamt um rund 3,8 Prozent auf 637.148 abgenommen (- 24.834). Den deutlichsten Rückgang gab es bei den schweren Diebstahlsdelikten. Hier sank die Zahl der Delikte um 22.243 (- 6,3 Prozent) Damit setzt sich der seit einigen Jahren anhaltende Trend auch 2009 weiter fort. „Trotz der oft schwierigen Ermittlungen - die Täter hinterlassen selten Spuren - klärte die Polizei jeden vierten Diebstahl auf“, erklärte Wolf.

Wohnungseinbrüche

„Immer mehr Einbrecher scheitern an den Sicherungsvorkehrungen“, erläuterte Wolf. Im letzten Jahr war dies 16.086 Mal der Fall. Das sind 1.235 Delikte (+ 8,3 Prozent) mehr als 2008. „Immer mehr Menschen schützen ihr Eigentum besser. Die Polizei berät hierzu kompetent, neutral und kostenlos“, sagte der Innenminister.
25.029 vollendete Wohnungseinbrüche wurden 2009 angezeigt, 1.878 mehr als im Vorjahr (+ 8,1 Prozent. Im Jahr 1995 gab es die meisten Wohnungseinbrüche. Diese Zahl lag um 16.819 Fälle und damit 30 Prozent höher als 2009.

Die wenigsten Autodiebstähle seit 1949 - Starker Rückgang der Autoaufbrüche

Im vergangenen Jahr wurden mit 7.570 erneut deutlich weniger Kraftfahrzeuge entwendet als 2008, minus 610 (- 7,5 Prozent). Das markiert einen erneuten Tiefstand. „Bei den Autodiebstählen weist die Statistik den besten Wert seit 1949 auf“, stellte Wolf fest. Hier greifen insbesondere die technischen Sicherungen der Fahrzeughersteller wie Wegfahrsperren, Alarmanlagen und bessere Türschließsysteme und die Aufklärungsarbeit der Polizei.

Einen starken Rückgang um 14.997 (- 14,8 Prozent) auf 86.667 Fälle gab es bei den Diebstählen aus Kraftfahrzeugen. Im Vergleich zum Jahr 1990, dem Höchststand der Fallzahlen bedeutet dies einen Rückgang um 136.735 Taten (- 61,2 Prozent. „Trotz der positiven Entwicklung gibt es keinen Grund sorglos zu werden: Ein Auto ist kein Tresor. Lassen Sie keine Wertgegenstände sichtbar zurück. Das schafft nur Anreize, das Fahrzeug aufzubrechen“, warnte der Innenminister.

Erfolgsgeschichte „KUNO“ geht weiter: Wieder Rückgang beim Betrug mit gestohlenen Debitkarten

Das Informationssystem „KUNO“ (Kriminalitätsbekämpfung im unbaren Zahlungsverkehr unter Nutzung nichtpolizeilicher Organisationsstrukturen) trägt wesentlich dazu bei, dass der Missbrauch von gestohlenen EC- und Kreditkarten weiter stark sinkt. Die Polizei registrierte 2.938 Taten. Das sind im Vergleich zum Vorjahr rund 1.000 Fälle (- 25 Prozent) weniger.

Bereits bei der Anzeigenaufnahme informiert die Polizei mit einer verschlüsselten E-Mail direkt den Einzelhandel über den Diebstahl einer Debitkarte. Legt ein Betrüger die gestohlene Karte in einem Geschäft vor, wird die Zahlung verweigert. Wolf: „Das schnelle Sperren verhindert Straftaten und nützt allen: den Kunden, dem Einzelhandel und der Polizei.“

Internet- und Computerkriminalität

Im Jahr 2009 wurden 54.881 Straftaten registriert, bei denen die Tat über das Internet begangen wurde. Die Internetkriminalität macht 3,8 Prozent der Gesamtkriminalität aus. Die Polizei beobachtet eine Verlagerung der Eigentumskriminalität vom klassischen Diebstahl hin zum online begangenen Waren- oder Warenkreditbetrug. 87 Prozent der Fälle waren Betrugsdelikte z. B.  bei Online-Versteigerungen. Allein in einem Verfahren erfasste die Polizei fast 7.100 Einzelfälle. Die Aufklärungsquote betrug 77,3 Prozent. „Nutzen Sie die angebotenen Sicherheitsverfahren der Online-Händler und Versteigerungsplattformen. Informieren Sie sich bei den Angeboten der Polizei und beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik“, appellierte der Minister an die Internetnutzer.
Für die Zukunft rechnet die Polizei mit einem weiteren Zuwachs der Kriminalität in diesem Bereich. Die Besonderheiten des Internets erfordern besonders qualifizierte Ermittler: Es gibt keine klassischen Tatorte, die Tat hat oft internationale Bezüge, Täter und Opfer haben nur wenige oder gar keine Vorbeziehungen. „Die hohe Aufklärungsquote zeigt, dass die nordrhein-westfälische Polizei technisch und personell gut aufgestellt ist“, stellte Wolf fest.

Sexualdelikte oft im sozialen Umfeld

Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr 10.435 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, 1.426 (- 12 Prozent) weniger als 2008. Darunter waren 1.726 Taten von Vergewaltigung und besonders schweren Fällen der sexuellen Nötigung. 80 Prozent davon klärte die Polizei auf. Die meisten Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen begehen Täter aus dem sozialen Umfeld der Opfer. In 75 Prozent der Fälle hatten Opfer und Tatverdächtige zumindest eine flüchtige Vorbeziehung. In 60 Prozent bestand sogar eine verwandtschaftliche Beziehung. 1970, lag die Zahl der Vergewaltigung noch bei 2014 Fällen, obwohl die Vergewaltigung in der Ehe noch nicht strafbar war.

Stalking - hohe Aufklärungsquote

Von den 7.659 Stalking-Fällen im Jahr 2009 (+ 2) klärten die Ermittler 88,3 Prozent auf. 81 Prozent der Opfer waren Frauen. In 70 Prozent der Fälle bestand zwischen Tatverdächtigem und Opfer eine Vorbeziehung. „Stalker sind Kriminelle, die andere Menschen in unerträglicher Weise in ihrem Privatleben beeinträchtigen“, stellte der Innenminister fest. Die hohe Aufklärungsquote sei das deutliche Zeichen an die Täter, dass die Polizei konsequent gegen Stalker vorgehe.
Die Polizei hilft den Opfern von Nachstellungen. Sie ist oft der erste Kontakt mit einer staatlichen Stelle, die eine akute Gefahrensituation unterbrechen kann. In jeder Polizeibehörde gibt es besonders geschulte Beamtinnen und Beamte für den Opferschutz, die Kontakte zu Hilfsorganisationen herstellen.

Hinweis: Die Kriminalstatistik 2009 finden Sie auf der Homepage des Landeskriminalamtes unter www.lka.nrw.de  (Zahlen und Fakten; Kriminalstatistik)

Bei Nachfragen wenden Sie sich bitte an die
Pressestelle des Innenministeriums, Telefon 0211 871 2300 oder -2301.

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