Weniger Straftaten in Nordrhein-Westfalen

25. März 2009

Kriminalstatistik 2008: Weniger Straftaten in Nordrhein-Westfalen / Erstmals weniger Gewaltdelikte / Weniger junge Mehrfachtatverdächtige / Minister Dr. Ingo Wolf: Sicherheitsprogramme und neue Polizeikonzepte wirken

Die Zahl der polizeilich erfassten Straftaten in Nordrhein-Westfalen ist 2008 um 2,8 Prozent auf insgesamt 1.453.203 gesunken. Das sind 42.130 weniger als im Jahr 2007. „Die positive Entwicklung seit 2005 setzte sich damit fort. Unser Land ist sicherer geworden“, sagte Innenminister Ingo Wolf  bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2008. <p><a href="../archive/presse2009/03_2009/090325IM.php" title="Weniger Straftaten in Nordrhein-Westfalen">Pressemitteilung lesen</a><br /><a href="/mediadatabase/PKS_2008_25_03_09_aktuell_.pdf" title="PKS_2008_25_03_09_aktuell_">Rede des Ministers lesen</a></p>

Das Innenministerium teilt mit:

Die Zahl der polizeilich erfassten Straftaten in Nordrhein-Westfalen ist 2008 um 2,8 Prozent auf insgesamt 1.453.203 gesunken. Das sind 42.130 weniger als im Jahr 2007. „Die positive Entwicklung seit 2005 setzte sich damit fort. Unser Land ist sicherer geworden. Sicherheits­programme, spezielle Konzepte gegen die Jugendkriminalität und die Qualitätsoffensive in der Kriminalitätsbekämpfung wirken“, sagte Innen­minister Dr. Ingo Wolf heute (25. März 2009) bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2008 in Düsseldorf.

Die Aufklärungsquote hielt sich auf dem guten Niveau der letzten vier Jahre und stieg um 0,1 Prozentpunkte auf 49,3 Prozent. Die Polizei er­mittelte so viele Tatverdächtige wie nie zuvor - insgesamt  496.172 oder 3,5 Prozent (+17.000) mehr. Wolf wies auf die guten Erfolge der nord­rhein-westfälischen Polizei bei Kriminalitätsvorbeugung und Ermittlun­gen hin: Erstmals seit zehn Jahren konnte die Zunahme der Gewalt ge­stoppt werden. Es gab zwei Prozent weniger Gewalttaten. Die Straßen­kriminalität ging deutlich um 6,7 Prozent zurück.

Deutlich weniger Mehrfachtatverdächtige

Im vergangenen Jahr ging die Zahl der Mehrfachtatverdächtigen unter 21 Jahren - sie begehen fünf oder mehr Straftaten in einem Jahr - um 7,2 Prozent (- 627) auf 8.089 zurück. Das ist der niedrigste Stand seit über 10 Jahren. Die Anzahl der Kinder (8 bis unter 14 Jahre) als Mehr­fachtatverdächtige  hat sich 2008 um 15,6 Prozent (- 102) auf jetzt 550 verringert. Bei den Jugendlichen (bis unter 18 Jahre) sank die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 8,5 Prozent (- 362) auf 3.883, bei den He­ranwachsenden (bis unter 21 Jahre) um 4,3 Prozent (- 163) auf 3.656.

Erfolgreich sind Projekte wie in Bonn-Tannenbusch oder Hagen, wo Ju­gendkontaktbeamte der Polizei, so genannte JuKoB, Jugendliche aus dem Dunstkreis von Intensiv- und Mehrfachtatverdächtigen herausho­len. „Das Ziel ist, dass Jugendliche gar nicht erst in den kriminellen Teufelskreis kommen“, erklärte Wolf. Die Landesregierung wolle Kinder und Jugendliche vor kriminellen Karrieren bewahren. Deshalb habe die Polizei Konzepte entwickelt, nach denen sie eng mit den Kommunen, der Justiz und den Schulen kooperiere. Sie haben feste Ansprechpart­ner in ihren Bezirken benannt, die sich regelmäßig treffen, Problemfälle ansprechen und gemeinsam lösen.

Derzeit sind rund 800 Jugendliche und 500 Heranwachsende als so ge­nannte Intensivtäter im Fokus der Polizei. Sie begehen eine hohe Zahl von Gewalttaten oder schweren Eigentumsdelikten. „Wir wollen die kri­minelle Laufbahn von Kindern und Jugendlichen beenden. Deshalb hat jede Polizeibehörde ein Konzept, mit dem sie jugendliche Intensivtäter ins Visier nimmt“, stellte Wolf fest.

Insgesamt ermittelte die Polizei 140.138 Tatverdächtige unter 21 Jah­ren. Dies bedeutet eine Steigerung von zwei Prozent. Demnach sind 5,4 Prozent der rund 2,6 Millionen jungen Menschen zwischen acht und unter 21 Jahren, die in Nordrhein-Westfalen leben, bei Straftaten fest­gestellt worden. Gegen jeden Siebten von ihnen (22.552) wurde wegen einer Gewalttat wie Raub oder gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Das entspricht einem Anteil von 0,9 Prozent dieser Altersgruppe. Wolf: „Die große Mehrheit der Jugendlichen ist rechtstreu. Probleme bereitet eine kleine Gruppe von gewalttätigen Intensivtätern“.

„Die Menschen sind sensibler gegenüber Gewalt geworden und erstat­ten häufiger als früher Strafanzeige“, erläuterte der Minister. Als Grund für die Zunahme der ermittelten jungen Tatverdächtigen sehen Wissen­schaftler wie Professor Christian Pfeifer das geänderte Anzeigeverhal­ten. „Das vorhandene Maß an Gewaltkriminalität ist für uns weiter Ver­pflichtung, hier auch in Zukunft einen deutlichen Schwerpunkt zu setzen. Die Gewalttaten, die noch immer stattfinden, sind erschreckend. Wir kennen alle solche Beispiele. Immer leiden die Opfer und ihre Angehöri­gen lange unter Angstzuständen.“

Straftaten in Schulen

Erstmals wurde im vergangenen Jahr erfasst, wie viele und welche Straftaten in Schulen begangen wurden. Von den rund 1,45 Millionen Straftaten in Nordrhein-Westfalen geschahen 1,7 Prozent (25.000) in den 6.800 Schulen mit rund 2,8 Millionen Schülerinnen und Schülern. Mehr als die Hälfte, nämlich 14.149, waren Sachbeschädigungen und Diebstähle. 1.782 Fälle von Gewaltkriminalität, wie Raub, gefährliche und schwere Körperverletzung, wurden festgestellt.

„Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass es keine Hinweise auf eine zu­nehmende Gewalt an Schulen gibt“, sagte Wolf. Die Deutsche Gesetzli­che Unfallversicherung stellte fest, dass „Raufunfälle“ in Schulen oder auf dem Schulweg zwischen 1997 und 2007 um 31,3 Prozent abge­nommen haben. Der Anteil der „Raufunfälle“ mit Knochenbrüchen nahm im gleichen Zeitraum um 44 Prozent auf rund 7.000 Fälle ab. In keiner der untersuchten Schularten - Grund-, Sonder-, Haupt-, Realschulen und Gymnasien - war eine zunehmende Brutalisierung erkennbar.

Anstieg der Gewalttaten gestoppt

Die Zahl der Gewaltdelikte ging um zwei Prozent (- 1.046) auf 52 374 zurück. Der Anteil der tatverdächtigen Männer betrug 85,6 Prozent (43.147). Die Aufklärungsquote ist mit 72,6 Prozent hoch. „Bei Gewalt­kriminalität reagiert die Polizei konsequent“, sagte der Innenminister.

Mit 14.157 Fällen gab es 1,9 Prozent (275 Fälle) weniger Raubdelikte als im Jahr 2007. Die Täter erbeuteten Bargeld und Wertsachen in Höhe von rund 14 Millionen Euro. Der Anteil der unter 21-jährigen Tatver­dächtigen sank im Vergleich zu letztem Jahr auf 56,1 Prozent (- 3,8 Prozentpunkte). „Bei ihren Konzepten gegen Gewaltkriminalität geht die Polizei präventiv und repressiv vor“, betonte Wolf. „Sie ist an Kriminali­tätsbrennpunkten sichtbar präsent. Sie arbeitet zudem in örtlichen Netzwerken mit Schulen, Kommunen und privaten Vereinen zusam­men.“ 36,8 Prozent der Raubopfer waren unter 21 Jahren.

Raub und Erpressung unter Jugendlichen bereiten trotz des Rückgan­ges nach wie vor Sorgen. Die Täter erbeuten von Gleichaltrigen oder Jüngeren Handy, MP3-Player oder Bargeld. „Den Minderjährigen muss klar gemacht werden, dass dieses so genannte Abziehen kein Bagatell­delikt, sondern eine schwere Straftat ist. Sie können sich dadurch ihr Leben ruinieren“, warnte der Minister. „Wir brauchen eine Kultur des Hinsehens. Gewalt muss geächtet werden. Das ist die gemeinsame Aufgabe von Eltern, Schule sowie staatlichen, kommunalen und privaten Einrichtungen und Initiativen.“

Markanter Rückgang der Straßenkriminalität

Die Straßenkriminalität nahm im letzten Jahr um 6,7 Prozent (- 30.146) auf 421.912 Taten ab. Das ist deutlich unter den Zahlen von 1996. 2008 gab es 7.093 Fälle von Raubdelikten im öffentlichen Raum. Das sind 11,7 Prozent (- 941) weniger als 2007. „Die Einsatzkonzepte der Polizei machen sich bezahlt. Zusätzlich zu den Einsätzen an Kriminalitäts­brennpunkten verstärkte die Polizei die Präsenz der Fuß- und Fahrrad­streifen. Dies ist wichtig für das Sicherheitsempfinden der Menschen“, erklärte Wolf.

Erstmals seit 1995 weniger Körperverletzungen

Erstmals seit 1995 ist ein Rückgang um 2,1 Prozent (- 785) bei schwe­ren und gefährlichen Körperverletzungen zu verzeichnen. Sie haben mit 36.151 Taten den größten Anteil an der Gewaltkriminalität. Die Aufklä­rungsquote betrug 81,3 Prozent. Jede zweite gefährliche oder schwere Körperverletzung begingen männliche Jugendliche. „Diese jungen Män­ner neigen eher dazu, ihre Aggressionen auszuleben und Konflikte mit Gewalt auszutragen“, stellte der Minister fest. Die Zahl der leichten Kör­perverletzungen hat im vergangenen Jahr ebenfalls abgenommen. Sie sank um 4,1 Prozent (3.422) auf 80.047 Fälle.

Deutlich weniger Mord und Totschlag - 97 Prozent aufgeklärt

Im Jahr 2008 wurden 116 Menschen Opfer eines Mordes oder Tot­schlags. Das sind 20 Prozent (29 Fälle) weniger als in 2007. In 265 Fällen wurde ein Tötungsdelikt versucht. Rund 97 Prozent der Taten, auch der Versuche, klärten die Ermittler auf. Das Risiko, in Nordrhein-Westfalen Opfer eines vollendeten oder versuchten Tötungsdeliktes zu werden, ist heute wesentlich geringer als in der zweiten Hälfte des vori­gen Jahrhunderts. (Zum Vergleich: 1970: 641 Fälle; 1980: 620 Fälle; 1990: 503 Fälle).

Stalking - hohe Aufklärungsquote

Seit April 2007 gibt es ein Gesetz gegen Stalking (Nachstellung). Diese Straftat wurde 2008 erstmals für das gesamte Jahr in der Kriminalstatis­tik erfasst. Von den 7.657 Fällen klärten die Ermittler 86,8 Prozent auf. 81 Prozent der Opfer waren Frauen. 2007 wurden in einem dreiviertel Jahr 4.429 Fälle registriert. „Der Anstieg zeigt, dass sich immer mehr Opfer in ihrer Not an die Polizei wenden“, stellte der Innenminister fest. Meist stammen die Täter aus dem sozialen Umfeld der Opfer. „Stalker sind Kriminelle, die andere Menschen in unerträglicher Weise in ihrem Privatleben beeinträchtigen.“

Die Polizei gehe konsequent gegen die Stalker vor. „Den Opfern muss geholfen werden, wieder ein normales Leben zu führen“, betonte der Innenminister. Die Polizei ist oft der erste Kontakt mit einer staatlichen Einrichtung, die Opfern hilft und eine akute Gefahrensituation unterbre­chen kann. Jede Polizeibehörde verfügt über besonders geschulte Be­amtinnen und Beamte für den Opferschutz, die Kontakte zu Hilfsorgani­sationen herstellen.

Sexualdelikte oft im sozialen Umfeld

Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr 11.861 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, 6,1 Prozent Fälle weniger als 2007 (- 773). Darunter waren 1.645 Taten von Vergewaltigungen und besonders schweren Fällen der sexuellen Nötigung. Die Zahl der Fälle von sexuel­lem Missbrauch von Kindern nahm erneut ab und liegt bei 2.746, das ist ein Minus von 1,7 Prozent (47 Fälle). Dies ist die geringste Zahl von re­gistrierten Missbrauchstaten seit über 20 Jahren.

Von den 1.605 Frauen und 72 Männern, die 2008 Opfer einer Verge­waltigung oder einer besonders schweren sexuellen Nötigung wurden, waren 42 Prozent unter 21 Jahre alt. Die meisten Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen begehen Täter aus dem sozialen Umfeld der Op­fer. In 72,8 Prozent der Fälle hatten Opfer und Tatverdächtige zumin­dest eine flüchtige Vorbeziehung. In 58,5 Prozent (981) Fällen bestand sogar eine enge Beziehung (z. B. Ehepartner, Ex-Ehepartner oder Le­bensgefährte).

Diebstähle sind stark gesunken

Die Anzahl der Diebstähle hat um rund 5,5 Prozent auf 661.982 abge­nommen (- 38.500). Damit setzt sich der seit einigen Jahren anhaltende Trend auch 2008 weiter fort. „Trotz der oft schwierigen Ermittlungen - die Täter hinterlassen selten Spuren - klärte die Polizei jeden vierten Diebstahl auf“, erklärte Wolf.

Wohnungseinbrüche weiterhin auf niedrigem Stand

Die Zahl der Wohnungseinbrüche bleibt weiter auf dem niedrigen Ni­veau von 2007, dem Jahr mit den wenigsten Wohnungseinbrüchen seit 1982. Insgesamt gab es 38.002 Taten. Das sind 1,6 Prozent (+ 609) mehr. 1995, dem Jahr mit den meisten Einbrüchen, lag die Zahl um mehr als 20.000 höher. 39,1 Prozent der Taten blieben im Versuch ste­cken (Vorjahr: 37,1 Prozent). „Einbrüche scheitern immer häufiger, weil die Menschen ihr Eigentum besser schützen. Dies ist auch ein Ergebnis der polizeilichen Vorbeugungsarbeit“, betonte der Minister. Die Polizei berate auch in Zukunft alle Interessierten, wie sie ihre Häuser oder Wohnungen am besten schützen können.

Die wenigsten Autodiebstähle seit 1949 - Starker Rückgang der Au­toaufbrüche

Im vergangenen Jahr wurden erneut weniger Kraftfahrzeuge entwendet. Der erneute  deutliche Rückgang um rund 5,2 Prozent (- 449) im Ver­gleich zu 2007 markiert einen Tiefstand. 2008 wurden 8.180 Kraftfahr­zeuge gestohlen. „Bei den Autodiebstählen weist die Statistik den bes­ten Wert seit 1949 auf“, stellte Wolf fest. Hier greifen insbesondere die technischen Sicherungen der Fahrzeughersteller.

Besonders erfreulich ist der Rückgang der Diebstähle aus Kraftfahrzeu­gen um 19,8 Prozent (- 25.089) auf 101.664. „Trotzdem gibt es keinen Grund sorglos zu werden: Ein Fahrzeug ist kein Tresor. Lassen Sie keine sichtbaren Wertgegenstände im Auto zurück, die Anreize bieten, das Fahrzeug aufzubrechen“, warnte der Innenminister.

Erheblicher weniger Betrug mit gestohlenen Debitkarten

Durch die verbesserten Sicherheitsverfahren ist der Missbrauch von Debitkarten im Lastschriftverfahren weiter stark gesunken. Die Polizei registrierte 3.921 Fälle. Das sind im Vergleich 39 Prozent (- 2492) weni­ger als im Vorjahr. „Dies ist zum einen darauf zurückzuführen, dass im­mer mehr Geschäfte auf die Bezahlung mit PIN-Eingabe umstellten und auf das unsichere Lastschriftverfahren verzichten. Zum anderen trug KUNO zum Rückgang bei“, erläuterte der Minister.

Mit diesem 2006 landesweit eingeführten Informationssystem (Krimina­litätsbekämpfung im unbaren Zahlungsverkehr unter Nutzung nichtpoli­zeilicher Organisationsstrukturen) wird der Einzelhandel direkt und mit einem Mausklick bei der Anzeigenaufnahme von der Polizei mit einer verschlüsselten E-Mail über den Diebstahl einer Debitkarte informiert. Legt ein Betrüger die gestohlene Karte in einem Geschäft vor, wird die Zahlung verweigert. Wolf: „Das Konzept KUNO bewährt sich weiterhin. Das schnelle Sperren verhindert damit Straftaten und nützt allen: den Kunden, dem Einzelhandel und der Polizei.“

Hinweis: Die Kriminalstatistik 2008 finden Sie auf der Homepage des Landeskriminalamtes unter www.lka.nrw.de (Zahlen und Fakten; Krimi­nalstatistik)

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