Kitas, Jugend, Kultur und Sport in NRW - Diese Ziele hat Ministerin Ute Schäfer

5. August 2010

Kitas, Jugend, Kultur und Sport in NRW - Diese Ziele hat Ministerin Ute Schäfer

Im Interview mit der „Rheinischen Post“ spricht Ute Schäfer, Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, über frühkindliche Bildung, den Ausbau der Kitas und weitere Schwerpunkte ihres Ressorts, in dem „alle Bereiche der außerschulischen Bildung zusammengeführt“ wurden.

(RPO) Die neue Chefin des NRW-Ressorts für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport spricht im Interview mit unserer Redaktion über die Zukunft der Kitas, den Kampf gegen das Theatersterben, Instrumente für jedes Kind und die Frage, welche ihrer vielen Aufgaben in Zukunft wohl zu kurz kommt. Kritik hagelt es indes für die schwarz-gelbe Vorgängerregierung.

Sie sagen, Sie hätten das schönste Ministerium. Und doch müssen Sie Ihre Arbeit durch fünf teilen. Kommt da nicht das ein oder andere zu kurz?

Schäfer Keinesfalls. Mit Familie, Kindern, Jugend, Kultur und Sport wurden in einem Ressort alle Bereiche der außerschulischen Bildung zusammengeführt. Wenn Sie so wollen, leite ich damit das dritte Bildungsministerium.

Was soll sich in den Kindergärten und Kindertagesstätten ändern?

Schäfer Wir wollen noch stärker als bisher eine anregungsreiche Umgebung schaffen, in der frühkindliche Bildung von Anfang möglich ist. Dazu zählen selbstverständlich die kulturelle Bildung und der Sport.

Geht das mit der vorhandenen Ausstattung der Kitas?

Schäfer Ich brauche nicht für jede Turnübung eine Turnhalle. Und zum Beispiel im Bereich der Kultur kann die Begegnung ja auch in Museen oder Theatern stattfinden.

Brauchen wir für diese Aufgabe Erzieherinnen mit Hochschulausbildung?

Schäfer Für die Leitungen streben wir das an. Vor allem aber müssen wir die Erzieherinnen und Erzieher intensiv unterstützen – durch Weiterbildung und Qualifizierung. Wir brauchen einen Berufs-Mix, zu dem auch Sozialpädagogen und eventuell sogar Logopäden gehören können.

Wie steht es um den Ausbau der Betreuung der unter Dreijährigen (U 3)?

Schäfer Auf diesem Feld habe ich nach der Übernahme des Ministeriums ein regelrechtes Chaos vorgefunden. Die Vorgängerregierung hat Kommunen und Träger quasi aufgefordert, mit Bau- und Umbaumaßnahmen ohne rechtskräftige Bewilligung zu beginnen, und dann abrupt die Finanzierung gestoppt. Vor allem Elterninitiativen, die zum Teil bereits investiert hatten, hingen plötzlich in der Luft. Wir haben jetzt zur Entschärfung solcher Härtefälle insgesamt sechs Millionen Euro Soforthilfe bereitgestellt. Zur Zeit ist unklar, wie viele U-3-Plätze es tatsächlich in NRW insgesamt gibt. Darüber werden wir uns jetzt einen Überblick verschaffen.

Das dritte Kindergartenjahr soll gebührenfrei werden, egal wie viel die Eltern verdienen. Geht da nicht Geld verloren, das an anderer Stelle fehlt?

Schäfer Bildung muss grundsätzlich gebührenfrei sei. Und Bildung beginnt in der Kita. Das dritte Jahr soll der Einstieg in die totale Gebührenfreiheit sein. Der Anteil der Eltern, die sich Gebühren spielend leisten können, liegt bei vielleicht 15 Prozent. Wir wollen den „Bauch der Gesellschaft“ entlasten.

Was tun Sie, um die Kinder am unteren Ende der Skala zu fördern?

Schäfer Wir müssen die vorhandenen Angebote besser aufeinander abstimmen. Außerdem werden wir die Mittel für den Kinder- und Jugendförderplan von 80 auf 100 Millionen Euro aufstocken.

Bundesministerin von der Leyen hat vorgeschlagen, Chip-Karten auszugeben, mit denen Hartz-IV-Kinder Kultureinrichtungen besuchen oder Nachhilfestunden bekommen können.

Schäfer Das lehne ich ab. Ich will keine Stigmatisierung von Hartz-IV-Kindern mit Chipkarten. Wir müssen viel mehr in Infrastruktur wie gute Ganztagsschulen investieren. Das macht Nachhilfe überflüssig.

Die Chip-Karten sollen sicherstellen, dass die Eltern das Geld nicht für sich ausgeben.

Schäfer Diesen Generalverdacht weise ich als Sozialdemokratin zurück. Das mag in Einzelfällen zutreffen. Aber wie kommen wir dazu, der großen Zahl von Alleinerziehenden so etwas zu unterstellen?

Haben Sie einen Plan gegen das Theatersterben?

Schäfer Ich habe einen Prüfauftrag vereinbart. Außerdem wollen wir im Rahmen der Gemeindefinanzreform die Einführung einer Kulturpauschale prüfen, um der Kultur in den Kommunen mehr finanzielle Sicherheit zu geben.

Setzen Sie die Aktion „Jedem Kind ein Instrument“(Jeki) fort?

Schäfer Grundsätzlich finde ich das Projekt gut, und ich kann mir vorstellen, dass wir Jeki weiterentwickeln. Auf jeden Fall wollen wir auch Tanz und Gesang mit in das außerschulische Förderprogramm für Kinder und Jugendliche hineinnehmen. Jeki wird jedoch immer nur ein zusätzliches Projekt sein und nicht die Städte und Gemeinden von ihrem kulturellen Bildungsauftrag entbinden.

Was für Impulse geben Sie im Sport?

Schäfer Wir wollen einen Pakt mit dem Landessportbund schließen, der mit den Vereinen und Verbänden gute Arbeit leistet. Der Breitensport ist für unser Land sehr wichtig. Dass viele Kinder heute keinen Purzelbaum mehr schlagen können, nicht balancieren oder nicht schwimmen können, müssen wir ändern.

Das Gespräch führten Annette Bosetti und Klaus Peter Kühn
Quelle: Rheinische Post, 05.08.2010

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