Beschlossen: Telematik-Offensive für ganz Nordrhein-Westfalen

20. April 2010

Kabinett beschließt Telematik-Offensive für ganz Nordrhein-Westfalen / Minister Lutz Lienenkämper: „Verkehrsteilnehmer sollen schneller ans Ziel kommen!“

Das Kabinett hat eine groß angelegte Telematik-Offensive für Nordrhein-Westfalen beschlossen. Die Landesregierung folgt damit den Empfehlungen der von MinisterpräsidentRüttgers eingerichteten Zukunftskommission, die den Ausbau intelligenter Verkehrslenkungssysteme forderte.

Das Ministerium für Bauen und Verkehr teilt mit:

Das Kabinett hat heute eine groß angelegte Telematik-Offensive für Nordrhein-Westfalen beschlossen. Die Landesregierung folgt damit den Empfehlungen der von Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers eingerichteten Zukunftskommission, die den Ausbau intelligenter Verkehrslenkungssysteme forderte. „Mein Ziel ist, allen Autofahrern in Nordrhein-Westfalen mittelfristig nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Haupt- und Nebenstrecken des Straßennetzes in Echtzeit die aktuellsten Verkehrsinformationen bereitzustellen, damit sie schneller ans Ziel kommen“, sagte Verkehrsminister Lutz Lienenkämper am Dienstag (20. April 2010) in Düsseldorf. Dies sei auch ein Beitrag zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Damit komplettiert das Land seine Anstrengungen im Rahmen der Anti-Stau-Offensive mit einer dritten Säule.

Lienenkämper sagte, dass man beim Autobahnnetz bereits große Fortschritte erzielt habe. In dieser Legislaturperiode wurden Bundesmittel in Höhe von 24 Millionen Euro in die telematische Infrastruktur auf den nordrhein-westfälischen Autobahnen investiert. Unter anderem sind die Autobahnen bereits mit 2.500 Induktionsschleifen versehen, die ständig den Verkehr messen. Als nächster Schritt stehe der Ausbau der Telematik auf Landes- und kommunalen Straßen auf der Agenda. Auch dort müssten Verkehrsinformationen erhoben werden und zeitnah den Verkehrsteilnehmern über Radio, Handy oder andere Instrumente zur Verfügung stehen. „Wer im Stau steht, soll Entscheidungshilfe erhalten, ob er die Autobahn verlässt oder ob die Ausweichstrecken ebenfalls verstopft sind“, so Lienenkämper.

Um dies zu erreichen, soll eine Verkehrszentrale für ganz Nordrhein-Westfalen beim Landesbetrieb Straßenbau entstehen, die die bisher zwei Leitzentralen ersetzt. „Wir werden im Kampf gegen den Stau nur dann wirklich erfolgreich sein, wenn wir die modernsten Instrumente zur Verkehrssteuerung bündeln. Die Telematik ist eine Schlüsseltechnologie. Unter dem Dach einer integrierten Verkehrszentrale werden in Zukunft alle Techniken kombiniert, um den Verkehr auf den Straßen optimal zu lenken“, sagte Lienenkämper.

Erfolge der Anti-Stau-Offensive

Die Staus auf den Autobahnen in Nordrhein-Westfalen sind im vergangenen Jahr um 22 Prozent im Vergleich gegenüber 2008 gesunken. Insgesamt kam es 2009 zu rund 32.500 Verkehrsbeeinträchtigungen. 2008 wurden noch 41.700 Störungen registriert. Der Rückstau sank im Vergleichszeitraum von knapp 76.300 Kilometern auf knapp 57.000 Kilometer – ein Minus von 25 Prozent.

Der Bund hat seit 2006 rund 3.9 Milliarden Euro für Ausbau und Substanzerhaltung des Autobahnnetzes in Nordrhein-Westfalen bereit gestellt, davon allein im vergangenen Jahr die Rekordsumme von 1.085 Millionen Euro. Für 2010 werden Finanzmittel ungefähr in gleicher Höhe erwartet. Die Anti-Stau-Offensive umfasst ein verbessertes Baustellenmanagement, die Beseitigung von Störstellen und Engpässen im Autobahnsystem und als dritte Säule den Ausbau der Telematik.

In das Baustellenmanagement flossen seit 2006 rund 6 Millionen Euro; bei einigen Projekten erzielte das Land eine Einsparung von bis zu einem Drittel der gesamten Bauzeit. 38 Prozent der rund 12.000 wichtigen Tagesbaustellen wurden in die Nacht verlegt.

Künftig sollen die Daten von www.autobahn.nrw.de, regionalen Verkehrsmanagement-Projekten wie dem Ruhrpiloten, Mobil-im-Rheinland und Dmotion kombinieren mit den Warndienstmeldungen der Polizei und den Infos privater Anbieter verbunden und mit dem Betrieb der dynamischen Netzsteuerung (dwista-Tafeln) auf den Autobahnen abgeglichen werden. Auch die Navigation per Handy oder PDA gehören zum Konzept. „Nur mit dem geeigneten Know-How und einer zentralen Steuerung lassen sich innovative Techniken überhaupt anwenden. Dies ist unverzichtbar für das kooperative Verkehrsmanagement im In- und Ausland“, betonte der Minister.

Beim Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen wird unter Federführung des Verkehrsministeriums ein Arbeitsstab zur Umsetzung der Verkehrszentrale eingerichtet. Einen Standort wird die Landesregierung durch einen erneuten Beschluss Ende 2010 festlegen, wenn feststeht, wie die Strukturen im Detail aussehen.

Bei Nachfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des Ministeriums für Bauen und Verkehr, Telefon 0211 3843-1015.

Daten und Fakten zur Telematik-Offensive Nordrhein-Westfalen

Verkehrstelematik-Infrastruktur auf den Autobahnen in Nordrhein-Westfalen

85 Prozent des Autobahnnetzes sind mit Anlagen zur Erfassung von Verkehrsdaten ausgestattet (rund 2.500 Messstellen). Auf Grundlage dieser Daten werden Verkehrsinformationen (zur aktuellen Verkehrslage und zur Prognose) erzeugt, die im Internet unter www.autobahn.nrw.de veröffentlicht werden. Vorteil: Bessere Auslastung der Straßeninfrastruktur, Stauprävention, Reisezeitersparnis, Veränderung des Modal-Split zu Gunsten des öffentlichen Verkehrs.
11,5 Prozent des Autobahnnetzes (rund 500 km Richtungsfahrbahnen) sind bereits mit Stauwarn- bzw. Streckenbeeinflussungsanlagen ausgerüstet; weitere 10 Prozent sollen bis Ende 2010 hinzukommen, bis 2012 sollen alle störanfälligen Stellen erfasst sein. Vorteile: Verringerung der schweren Unfälle mit Personenschaden um 25 bis 30 Prozent, Stauprävention, Kapazitätsverbesserung um bis zu 10 Prozent.

Insgesamt 67 Anlagen zur Netzbeeinflussung, so genannte dynamische Wechselwegweiser mit integrierten Stauinformationen (dWiSta-Tafeln) sind auf den Autobahnen im Ruhrgebiet, im Großraum Düsseldorf und auf dem Kölner Ring in Betrieb. Damit lässt sich der Verkehr bei besonderen Ereignissen (Staus, Unfälle, Baustellen, Großveranstaltungen) und den damit verbundenen größeren Zeitverlusten möglichst störungsfrei über Alternativrouten führen.
94 Zuflussregelungsanlagen (ZRA) an BAB-Anschlussstellen sind in Betrieb. Die Zuflussregelung ist die wirksamste und zugleich kostengünstigste Maßnahme, um den Verkehr auf hoch belasteten und besonders störanfälligen Autobahnen zu beeinflussen. Vorteile: Staureduktion bis zu 50 Prozent, Verringerung der schweren Unfälle bis zu einem Viertel, Anstieg des Geschwindigkeitsniveaus um etwa 10 Prozent.

Eine videobildunterstützte temporäre Standstreifenfreigabe befindet sich auf der A 4 zwischen AS Refrath und AS Köln-Merheim in Fahrtrichtung Köln. Zwei weitere Anlagen werden zurzeit umgesetzt (A57 zwischen AK Köln-Nord und AS Köln-Bickendorf und A45 zwischen AK Hagen und Westhofen in Fahrtrichtung Dortmund). Vorteil: Stauvermeidung.
Fünf Wechselwegweisungsanlagen sind in Betrieb; darunter die zwei grenzüberschreitenden Anlagen Arnhem-Oberhausen und Köln-Eindhoven. Vorteile: Reisezeitersparnis und Stauprävention.

Ruhrpilot: Für das Ruhrgebiet bildet der Ruhrpilot die Verkehrslage auf allen wichtigen Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen und den kommunalen Hauptverkehrsstraßen ab. Ergänzt werden diese Informationen durch Daten über Großveranstaltungen, Baustellen, die Parkraumbelegung, den ÖPNV und die Reisedaten der Deutschen Bahn. Ziel ist, den Nutzern künftig „On-Trip-Informationen“ bereitzustellen, bei denen die Daten des Ruhrpilot in die nächste Generation von Navigationsgeräten eingespielt werden. Zusätzlich sollen die Daten über den Rundfunk gesendet werden. Dazu existiert ein Letter of Intent mit dem WDR, den Verkehrsfunk insgesamt zu verbessern und zu untersuchen, wie moderne Navis innerstädtische Staumeldungen verarbeiten können.

Die Netzbeeinflussung und die Zuflussregelung auf den Autobahnen im Ruhrgebiet sind zugleich integrale Bestandteile des kooperativen Verkehrsmanagements im Ruhrgebiet (Ruhrpilot).

Die Einrichtungen auf dem Kölner Autobahnring dienen auch der grenzüberschreitenden Netzsteuerung des Fernverkehrs auf den Autobahnen zwischen Köln und Koblenz (A3 / A61) und dem Erproben einer gemeinsamen Steuerungsstrategie zwischen Köln und Frankfurt.

Die Tafeln im Großraum der Landeshauptstadt ermöglichen ein kooperatives Verkehrsmanagement mit der Stadt Düsseldorf.

Das Land Nordrhein-Westfalen hat sich aktiv beteiligt an dem vom Bundeswirtschaftsministerium im Rahmen der Forschungsinitiative „Verkehrsmanagement 2010“ geförderten Projekt dmotion, mit dem übertragbare Ergebnisse für ein strategisches Verkehrssystemmanagement in Ballungsräumen erzielt werden sollen. NRW wird dmotion auch weiterhin unterstützen.

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