Interkulturelle Kulturarbeit

13. Januar 2010

Interkulturelle Kulturarbeit des Landes Nordrhein-Westfalen

Kaum ein Bundesland ist so sehr von Migration geprägt wie Nordrhein-Westfalen. Entsprechend hat interkulturelle Kulturarbeit einen hohen Stellenwert im Land und bietet viele Möglichkeiten, um Menschen über kulturelle Grenzen hinweg zusammenzubringen.

Migration und Zuwanderung – kaum ein Bundesland ist so geprägt davon wie Nordrhein-Westfalen. Vor allem im „Pott“ waren nach dem Zweiten Weltkrieg Arbeitskräfte aus dem Ausland gefragt. „Man rief Arbeitskräfte, und es kamen Menschen“, kommentierte der Schriftsteller Max Frisch.

Grundlagenforschung
In Nordrhein-Westfalen leben etwa vier Millionen Deutsche und Nicht-Deutsche mit einer vielfach schon längeren Migrationsgeschichte. Das entspricht fast einem Viertel der Gesamtbevölkerung. Wie verändert sich das Land durch Einwanderung? Welche Einstellungen und Lebensstile, welche sozialen Lagen, kulturelle Gewohnheiten und Interessen haben die neuen Mitbürger und Mitbürgerinnen? Welche künstlerischen Potentiale liegen hier brach? Bis 2005 lagen keine gesicherten Forschungsergebnisse vor.

In einer Pilotstudie im Rahmen des Projekts „Kommunales Handlungskonzept Interkultur“ in Dortmund wurden erstmals die kulturellen Vorlieben und Gewohnheiten von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund in einer deutschen Stadt untersucht. In einer großen Studie des Heidelberger Sozialforschungsinstituts Sinus Sociovision GmbH, an der sich die Landesregierung beteiligte, ging es deutschlandweit um Lebenswelten und Milieus von Menschen mit Migrationshintergrund. Ein wichtiger Teil beschäftigte sich mit der Einstellung der Befragten zu Kunst und Kultur, ihren kulturellen Präferenzen und Gewohnheiten, ihrem Informations- und Nutzungsverhalten und ihrer kulturellen Bildung. Eines der Ergebnisse ist, dass die große Mehrheit der Eingewanderten um die Bedeutung und Notwendigkeit von Bildung weiß und diese auch anstrebt.

Projektförderung
Doch noch gibt es zu wenige interkulturell orientierte Kulturangebote bestehender Einrichtungen, die den Bedürfnissen dieser Klientel gerecht werden. Für die Spielzeiten 2009/2010 und 2010/2011 setzt die Landesregierung daher verstärkt auf die Zusammenarbeit mit Theatern, Museen und Konzerthäusern. Es werden Projekte gefördert, die sich an ein interkulturell gemischtes Publikum richten, um damit um ein Viertel unserer Bevölkerung als Kulturklientel zu werben, das bislang kaum am kulturellen Leben in Nordrhein-Westfalen teilnimmt.

Bis 2010 läuft zum Beispiel an den Theaterhäusern in Essen und Bochum das Projekt „Next generation“. Jugendliche werden gefragt, an welchem Ort sie jetzt leben und wie der Ort beschaffen sein muss, an dem sie zukünftig leben wollen. Die Ergebnisse der umfangreichen Recherche- und Theaterarbeit werden vom Dramatiker und Regisseur Nuran David Calis zu einem Stück verarbeitet. Im Oktober 2010 ist die Premiere in Bochum. Ein anderes Beispiel für interkulturell orientierte Kunstprojekte ist der Nationale Wettbewerb „Creole – Weltmusik aus Deutschland“, den 2009 die Band „East Affair“ aus Köln gewann. Die Bandmitglieder kommen aus Polen, Deutschland, Serbien und der Tschechischen Republik. Sie verknüpfen in ihrer Musik Elemente der traditionellen osteuropäischen Musik und des Jazz mit afrikanischen und indischen Einflüssen. Aufeinander hören, miteinander agieren, voneinander profitieren – Weltmusik symbolisiert den Wert des interkulturellen Austausches perfekt.

Qualifizierung und Professionalisierung
Die interkulturelle Kulturarbeit kann sich nur dann positiv auswirken, wenn ihre Macher und Macherinnen professionell denken und arbeiten. 2008 hat die Landesregierung ein dreijähriges Programm zur „Professionalisierung des interkulturellen Kunst- und Kulturmanagement“ gestartet. Ziel ist es, durch Seminare, Workshops und Beratung vor Ort die interkulturelle Kulturarbeit in Nordrhein-Westfalen erfolgreich zu verankern. Die Maßnahme richtet sich an Künstlerinnen und Künstler, Entscheider im Kulturmanagement, in Kulturverwaltung und Politik sowie an Vertreterinnen und Vertreter der Medien, die einen besonderen Fokus auf die interkulturelle Ausrichtung von Kunst- und Kulturprojekten legen. Das Internetportal www.interkulturpro.de unterstützt die Akteure dabei.

Kommunale Handlungskonzepte
Damit der interkulturelle Dialog auch im kommunalen Kulturdenken selbstverständlich wird, gab es von 2005 bis 2006 das Modellprojekt „Kommunales Handlungskonzept Interkultur“. Die damals gewährten Fördermittel boten einen Anreiz, um interkulturelle Kulturarbeit in den Kultur-Ressorts der städtischen Politik zu verankern. Bis 2009 konnten 25 Kommunen für eine solche Verankerung gewonnen werden, die mit einem Jour fixe „Interkultur“ begleitet werden. 2007 erschien dazu die Dokumentation „Kunst verbindet Menschen. Interkulturelle Konzepte für eine Gesellschaft im Wandel“ im transcript Verlag.

Ansprechpartner/in:

  • Ansprechpartner für Projekte im Bereich Interkulturelle Kulturarbeit sind die Dezernate 48 der Bezirksregierungen

Weiterführende Links:

Kulturelle Vielfalt in Dortmund: Pilotstudie zu kulturellen Interessen und Gewohnheiten von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Dortmund (2008)

Die Milieus der Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland; Sinus-Studie im Auftrag u.a. des Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, Abteilung Kultur, mit Sonderforschungsteil zu Kunst und Kultur (2007/2008)

Internet-Plattform zur Professionalisierung und Vernetzung der interkulturellen Akteure, Informationsaustausch, Termine

Tina Jerman (Hg.): „Kunst verbindet Menschen. Interkulturelle Konzepte für eine Gesellschaft im Wandel

Förderprogramme

Frauen in Kunst und Kultur
Kultur und Schule
Soziokultur

Preise

Künstlerinnenpreis des Landes Nordrhein-Westfalen

Stipendien

Arbeitsstipendien

Kulturelle Bildung in NRW

Weitere

Pressemitteilungen

Weitere

Informationen

Pressefotos

Download

Keine Ergebnistreffer

Kontakt

Pressestelle

Keine Ergebnistreffer

Verwandte

Meldungen

Verwandte

Themen

Information

Downloads

Keine Ergebnistreffer

Links

Zum Thema

Information

Karte

Abonnieren

Newsletter

Abonnieren Sie hier den Newsletter der Landesregierung Nordrhein-Westfalen oder bestellen Sie ihn ab.