Minister Jäger legt Kriminalstatistik 2011 vor

12. März 2012

Initiativen der Polizei erfolgreich / Minister Jäger legt Kriminalstatistik 2011 vor: Historischer Tiefstand bei der Jugendkriminalität, Rückgang bei Gewaltdelikten aber mehr Diebstähle und Einbrüche

Weniger Gewalttaten, Rückgang bei der Kinder- und Jugendkriminalität, aber mehr Diebstahls- und Einbruchskriminalität. So fasste Innenminis­ter Ralf Jäger die Eckpunkte der Kriminalstatistik für das Jahr 2011 zu­sammen. „Das ist eine Bilanz mit Licht und Schatten. In wichtigen Berei­chen der Kriminalitätsbekämpfung zeigen die Initiativen der NRW-Poli­zei Erfolge“, erklärte Jäger in Düsseldorf.

Das Ministerium für Inneres und Kommunales teilt mit:

Weniger Gewalttaten, Rückgang bei der Kinder- und Jugendkriminalität, aber mehr Diebstahls- und Einbruchskriminalität. So fasste Innenminis­ter Ralf Jäger die Eckpunkte der Kriminalstatistik für das Jahr 2011 zu­sammen. „Das ist eine Bilanz mit Licht und Schatten. In wichtigen Berei­chen der Kriminalitätsbekämpfung zeigen die Initiativen der NRW-Poli­zei Erfolge“, erklärte Jäger in Düsseldorf.

Die Polizei registrierte im Jahr 2011 rund 1,51 Millionen Straftaten. Das sind rund 69.000, also 4,8 Prozent mehr als im Jahr davor. Die Aufklä­rungsquote beträgt 49,1 Prozent. Sie liegt damit auf dem Niveau der vergangenen Jahre. Die größte Zunahme mit über 50.000 Fällen gab es bei der Diebstahlskriminalität. Im Jahr 2011 wurden mit 689.114 Dieb­stahlsdelikten 7,8 Prozent Fälle mehr erfasst als im Jahr davor. Vor al­lem bei Wohnungseinbrüchen und Taschendiebstählen gab es deutliche Steigerungen.

Mehr Wohnungseinbrüche

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist bundesweit gestiegen. Durch die hohe Mobilität der Täter gibt es kaum regionale Schwerpunkte. Deswe­gen sind in NRW fast alle Städte und Gemeinden betroffen. 50.368 Ein­brüche in Häuser oder Wohnungen sind in der Kriminalstatistik ver­zeichnet. Das ist eine Zunahme von 12,5 Prozent (+ 5.599). In 40 Pro­zent der Einbrüche blieb es beim Versuch, weil Riegel und Alarmanla­gen die Täter aufhielten. „Das zeigt, wie wichtig die gute Sicherung der eigenen vier Wände ist“, hob Jäger hervor. 13,6 Prozent der Taten klärten die Ermittler auf. Dabei wurden insgesamt 5.419 Einbrecher dingfest gemacht. Das sind 686 mehr als 2010. Ins Blickfeld der Ermitt­ler gerieten besonders internationale Einbrecherbanden. Sie verüben über Ländergrenzen hinweg viele Straftaten. „Auch bei der Kriminalität wird die Globalisierung deutlich“, sagte Jäger.

„Damit Spuren von Einbruchstatorten noch schneller untersucht werden können, wollen wir als Sofortmaßnahme dem Landeskriminalamt in die­sem Jahr zusätzliche Haushaltsmittel in Höhe von 4,2 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Auch können die seit Jahren bestehenden Über­hänge bei den unbearbeiteten DNA-Spuren damit bis zum Ende des Jahres ausgewertet werden“, erklärte der Innenminister.

„Die Polizei nimmt den Trend der steigenden Einbruchszahlen ernst. Sie hat deshalb die Strategie „Riegel vor!“ entwickelt“, erläuterte Jäger. Alle Polizeibehörden haben langfristig angelegte Konzepte zur Bekämpfung des Wohnungseinbruches umgesetzt. Mit verbesserten örtlichen Analy­sen, systematischer Spurensuche und Spurensicherung sowie der Aus­schöpfung aller Fahndungsmöglichkeiten sollen die Fallzahlen gesenkt und die Aufklärungsquote verbessert werden. Tagesaktuelle und lan­desweite Lageinformationen des LKA geben den Polizeibehörden die Möglichkeit, schnell neue Vorgehensweisen von Tätern oder Einbruch­serien zu erkennen und darauf zu reagieren. „Allein im vergangenen Jahr richteten die Polizeibehörden 20 Ermittlungskommissionen ein, die in Einbruchserien ermittelten“, berichtete Jäger.

Die Einbruchsermittler arbeiten in den einzelnen Regionen enger zu­sammen. Die acht Polizeibehörden des Ruhrgebiets haben sich zum „Auswerteverbund Ruhr“ zusammengeschlossen. Alle Informationen über Einbrüche im Revier stehen über eine Datenbank schnell über die Grenzen der Städte und Behörden hinweg zur Verfügung. Zu einer ähn­lichen Kooperation haben sich zwölf Polizeibehörden im Rheinland ver­netzt. „Es ist wichtig ganze Regionen im Blick zu haben“, sagte Jäger. „Durch die Vernetzung können Zusammenhänge zwischen verschiede­nen Taten besser erkannt und Täter schneller und mit vereinten Kräften ermittelt werden.“ Erste Erfolge gibt es bereits: 2011 wurden mehr Ein­brecher überführt und mehr Taten aufgeklärt. „Das zeigt, dass der Weg der NRW-Polizei richtig ist. Ich werde mich bei meinen Innenminister­kollegen dafür einsetzen, eine noch umfassendere Zusammenarbeit der Länder zu entwickeln. Diebe machen nicht an den Ländergrenzen halt. Darauf muss die Polizei vorbereitet sein“, betonte der Innenminister.

Die Initiative „Riegel vor!“ wirbt auch dafür, dass die Menschen in NRW ihr Haus und ihre Wohnung besser sichern. Dabei berät sie die Polizei kostenlos. Hinweise auf verdächtige Personen sollen direkt der Polizei über die Nummer 110 weitergegeben werden.

Mehr Taschendiebstähle

Taschendiebstähle sind ebenfalls Schwerpunkt von internationalen Die­besbanden. Die Zahl der gemeldeten Fälle stieg deutlich um 12.000 auf mehr als 52.000 an. Das ist eine Steigerung von 29 Prozent. „Die Poli­zeibehörden in den Großstädten haben bereits reagiert und ihre Kon­zepte gegen Taschendiebstahl weiterentwickelt“, erläuterte Jäger.

Weniger Fahrzeugdiebstähle -  mehr Autoaufbrüche

Der Kraftfahrzeugdiebstahl ging um 4,3 Prozent auf 7.781 Fälle zurück (- 350). Das ist im 20-Jahresvergleich der zweitniedrigste Wert. Hier greifen insbesondere die technischen Sicherungen der Fahrzeugher­steller wie Wegfahrsperren, Alarmanlagen und bessere Türschließsys­teme und die Aufklärungsarbeit der Polizei. Die Zahl der Autoaufbrüche stieg dagegen im vergangen Jahr auf 88.622 Fälle an. Das ist eine Zu­nahme von 6,8 Prozent (+ 5 648). „Viele Autobesitzer sind immer noch zu sorglos. Das Auto ist kein Tresor. Lassen Sie keine Wertgegens­tände sichtbar zurück. Das schafft Anreize, das Fahrzeug aufzubre­chen", warnte Jäger.

Kinder- und Jugendkriminalität

Eine gute Entwicklung gibt es bei der Jugendkriminalität. Von den ins­gesamt 494.013 ermittelten Tatverdächtigen waren 124.953 unter 21 Jahre alt. Das ist ein Anteil von 25 Prozent und damit der niedrigste Stand seit 41 Jahren. Der Rückgang betrug gegenüber dem Vorjahr 5,6 Prozent. Das sind 7.441 Jugendliche weniger. „Das Bild der Jugendkri­minalität in der öffentlichen Wahrnehmung und in der Realität stimmt nicht überein“, sagte Jäger. „Fälschlicherweise wird behauptet, dass die Jugendkriminalität weiter zunimmt. Das ist nicht wahr.“ Der Vergleich der Tatverdächtigenbelastungszahlen, das ist die Anzahl der ermittelten Tatverdächtigen ab dem Alter von acht Jahren, errechnet auf 100.000 Einwohner des entsprechenden Bevölkerungsanteils, ist mit 5.015 so niedrig wie seit 16 Jahren nicht mehr. Im Vorjahr lag der Wert bei 5.227. „Dieser Wert zeigt, dass es sich bei dem Rückgang nicht um ein Folge der demographischen Entwicklung handelt“, stellte der Minister fest.

„Trotz der guten Zahlen behalten wir die Kinder- und Jugendkriminalität fest im Blick“, hob Jäger hervor. Das gilt besonders für die jugendlichen Mehrfachtäter, die fünf oder mehr Straftaten pro Jahr begehen. „Bereits seit Jahren kümmert sich die Polizei mit wirkungsvollen Programmen um jugendliche Intensivtäter“, sagte der Minister. „Jetzt setzen wir den He­bel noch früher und damit effektiver an. Mit unserem Präventionsprojekt ‚Kurve kriegen’ verhindern wir, dass Kinder und Jugendliche dauerhaft in die Kriminalität abgleiten.“

In acht ausgewählten Polizeibehörden wurde in die Teams der Polizei jeweils ein Sozialpädagoge eingebunden. Dieser geht in die Familien der gefährdeten Kinder und hilft schnell und unbürokratisch. Die Palette der Hilfe reicht vom sozialen Training bis hin zur intensiven pädagogi­schen Betreuung. „Dabei stehen immer die konkreten Bedürfnisse des Kindes im Vordergrund“, betonte Jäger. „Mit dieser Initiative haben Kin­der eine Chance. Sie rutschen nicht ab, sondern kriegen die Kurve.“

Gewaltkriminalität: Hohe Aufklärungsquote -  Weniger Taten

Die Gesamtzahl der Gewaltdelikte sank um 2,0 Prozent auf 50.009 Ta­ten (- 1.012). „Dieser gute Trend war schon in den vergangenen Jahren zu erkennen und wird sich voraussichtlich auch in diesem Jahr fortset­zen“, sagte Jäger. 72,1 Prozent aller Gewaltdelikte klärten die Ermittler auf. Bei den gefährlichen und schweren Körperverletzungen waren es 80 Prozent.

Weniger Raubstraftaten

Bei den Raubstraftaten ging die Zahl um 1,3 Prozent auf 14.319 Taten zurück (- 181). 49,6 Prozent davon wurde aufgeklärt. Die Täter erbeu­teten Bargeld und Wertsachen in Höhe von rund 15,6 Millionen Euro (2010: 19,6 Millionen Euro). Der Anteil der unter 21-jährigen Tatver­dächtigen sank im Vergleich zu letztem Jahr auf 51 Prozent (- 2,8 Pro­zentpunkte). Fast jedes dritte Raubopfer war unter 21 Jahre alt.

Mord und Totschlag - fast 98 Prozent aufgeklärt

Es gab mit 136 Morden sechs weniger als 2010. Dabei handelte es sich um 63 vollendete Morde und in 73 Fällen um Versuche. (2010: 59 voll­endete und 83 versuchte Morde). Mit insgesamt 243 Totschlagsdelikten wurden 19 Fälle mehr bekannt. 60 vollendete Taten und 183 versuchte Totschlagsdelikte wurden registriert. (2010: 56 vollendete und 168 ver­suchte Fälle). Die Aufklärungsquote lag bei Mord und Totschlag bei 98 Prozent. Die Gesamtzahl der Tötungsdelikte lag im vergangenen Jahr bei 379 (Vorjahr: 366). Noch vor 40 Jahren war das Risiko in NRW Op­fer eines vollendeten oder versuchten Tötungsdeliktes zu werden be­achtlich höher (1970: 641 Delikte; 1980: 620 Delikte; 1990: 503 Delikte).

Sexualdelikte oft im sozialen Umfeld

Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr 10.957 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung; das sind 2,2 Prozent mehr als 2010
(+ 234). Darunter waren 1.925 Taten von Vergewaltigung und beson­ders schweren Fällen der sexuellen Nötigung; das sind 4,9 Prozent mehr (+ 90). Rund 80 Prozent davon klärte die Polizei auf. Die meisten Vergewaltigungen und besonders schweren sexuellen Nötigungen begehen Personen aus dem sozialen Umfeld der Opfer. In 74,3 Prozent der Fälle hatten Opfer und Tatverdächtige zumindest eine flüchtige Vorbeziehung. In 61,5 Prozent bestand sogar eine verwandtschaftliche Beziehung oder Bekanntschaft. Über ein Viertel der Tatverdächtigen stand zum Zeitpunkt der Tat unter Alkoholeinfluss.

Betrugsdelikte

Die Zahl der Betrugsdelikte nahm 2011 um 10,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 236.830 zu. Die erhöhten Fallzahlen sind überwiegend auf deutlich vermehrte Anzeigen zu Beförderungserschleichungen, also zum sogenannten Schwarzfahren, zurückzuführen. Diese stiegen in 2011 um 53,4 Prozent (+ 26.820) Fälle auf 77.019. Die Verkehrsunter­nehmen erstatten schneller Anzeige.

Tatmittel Internet / Computerkriminalität

Ein besonderes Augenmerk legt die NRW-Polizei auf die Computerkri­minalität gelegt. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Straftaten um 1,3 Prozent auf 20.036 (+ 261). Zum Vergleich: 2008 waren es 13.604 und 2009 15.541 Fälle. Die Besonderheiten des Internets erfordern be­sonders qualifizierte Ermittler. Es gibt keine klassischen Tatorte, die Tat hat oft internationale Bezüge, Täter und Opfer haben häufig nur eine geringen oder gar keine Vorbeziehung.

Die technische  Entwicklung ist rasant. „Auf diese Besonderheiten ha­ben wir uns eingestellt und im Landeskriminalamt das Cybercrime-Kom­petenzzentrum eingerichtet“, erläuterte Minister Jäger. „Hier werden über 100 spezialisierte Polizeibeamte, Wissenschaftler und Techniker in der Cybercrime-Abwehr ermitteln.“ Sie arbeiten in den unterschied­lichsten Bereichen, von der Auswertestelle für Kinderpornografie, über die Telekommunikationsüberwachung bis hin zur Computerforensik. Schon jetzt gibt es in jeder Polizeibehörde eigene IT-Ermittler. Künftig werden darüber hinaus bei sechs zentralen Polizeibehörden weitere, besonders spezialisierte Ermittler eingesetzt. Dazu gehören auch zwölf IT-Wissenschaftler, die sich mit der Bekämpfung von Computer- und Internetkriminalität auskennen.

Rede von Minister Ralf Jäger anlässlich der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik 2011

Grafiken zur Kriminalitätsstatistik

Weitere Informationen finden Sie unter www.mik.nrw.de 

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