Grußwort von Ministerpräsident Rüttgers anlässlich der 18. Weltwasserstoffkonferenz, 17. Mai 2010

17. Mai 2010

Grußwort von Ministerpräsident Rüttgers anlässlich der 18. Weltwasserstoffkonferenz, 17. Mai 2010

Grußwort von Ministerpräsident Rüttgers anlässlich der 18. Weltwasserstoffkonferenz, 17. Mai 2010

- Es gilt das gesprochene Wort -

Vor einiger Zeit war ich in Abu Dhabi. Dort habe ich mir die Pläne der Öko-Stadt Masdar-City von Sir Norman Foster angesehen. Eine faszi-nierende Vision: Die Stadt soll ohne Autos auskommen. Sie soll keine Treibhausgase emittieren. Sie soll keine Müllhalden benötigen. Sie soll ihren eigenen Strom produzieren. Und ohne fossile Brennstoffe auskommen. Es ist die Vision der idealen Stadt des 21. Jahrhunderts. Ob sie machbar ist, wird sich zeigen. Aber wichtig ist, dass wir diese Vision überhaupt haben.

Mit ihr treten wir in ein neues Zeitalter ein. Im Industriezeitalter, das jetzt zu Ende geht, waren Industrie und Umweltschutz Gegensätze. Im neuen Industriezeitalter, das jetzt beginnt, werden sie die zwei Seiten einer Medaille sein. In ihrer Verbindung liegen die großen Innovationen des 21. Jahrhunderts. Hier liegt der nächste große Innovationszyklus. Für Wachstum, für Wohlstand, für Arbeitsplätze. Wir in Nordrhein-Westfalen wollen Vorreiter auf dem Weg in das neue Zeitalter sein.
Wir in Nordrhein-Westfalen wollen Vorreiter auf dem Weg in dieses neue Zeitalter sein. Wir sind Industrieland. Und wir wollen Industrieland bleiben. Aber wir wollen das umweltfreundlichste Industrieland in Europa werden. Das ist nicht nur entscheidend für den Kampf gegen den Klimawandel. Darin liegen vor allem auch die großen Innovationen des 21. Jahrhun-derts. Die Innovationen und Beschäftigung schaffen.

Konkret bedeutet das:
Erstens: Wir müssen klimafreundlicher und effizienter produzieren. Das gilt für alle Industrien, vor allem aber für die Energie. Das heißt, dass alte Kohlekraftwerke so schnell wie möglich abgeschal-tet werden. Und neue werden nur genehmigt, wenn sie den CO2-Ausstoß deutlich reduzieren und die Energieeffizienz verbessern.
Wir müssen mit unseren Ressourcen effizienter umgehen. Mit rund 40 Prozent sind die Rohstoffkosten heute der mit Abstand größte Kostenfaktor im produzierenden Gewerbe. Forscher sagen: Wir können 20 Prozent der verbrauchten Rohstoffe durch Effizienzgewinne sparen. Durch Recycling. Durch die Entwicklung neuer Materialien. Aber das heißt auch, den Zugang zu Rohstoffen zu sichern. Deshalb fordere ich schon seit langem ein umfassendes Rohstoffkonzept.
Das bedeutet, dass Deutschland gemeinsam mit der EU im Kreise der G8 und der G20 faire Wettbewerbsbedingungen durchsetzt und Roh-stoffkartelle wirksam bekämpft.

Die Bundesregierung muss eigene Konzepte und Forschung und Ent-wicklung für neue Metalle und das Recycling seltener Materialien vorantreiben.
Und auch die Industrie muss mit strategischen Allianzen und neuen Technologien für ein effektives Recycling von Zukunftsrohstoffen ihren Beitrag dazu leisten.

Wir entwickeln eine zweite dezentrale Energieschiene

Zweitens: Wir müssen die regenerativen Energien ausbauen. Mit einer zweiten dezentralen Energieschiene.
Dezentralität ist der Schlüssel für die Energie der Zukunft. Sie gehört regenerativen Energien ganz in unserer Nähe, da wo wir le-ben, arbeiten und wohnen.

Deshalb fördern wir
-    Sonnen- und Windenergie,
-    Kraft-Wärme-Kopplung,
-    Erdwärme
-    und Bioenergie.
Um CO2 zu sparen.
Um nicht von Öl und Gas abhängig zu sein und den Launen der großen Energiemultis.
Dazu nur ein Beispiel:
Bis 2020 wollen wir in Nordrhein-Westfalen die Energie aus Biomasse auf fast 18 Milliarden Kilowattstunden verdoppeln. Damit können wir dann 20 Prozent des Strombedarfs und 10 Prozent des Wärmebedarfs unserer Privathaushalte abdecken.

Wir müssen in moderne Umwelttechnologien investieren

Und noch ein dritter Punkt: Wir müssen in moderne Techniken investie-ren, die Wachstum schaffen und zugleich das Klima schonen.
Zum Beispiel in die Brennstoffzellen- und Wasserstofftechnik. Sie birgt große wirtschaftliche Chancen: Allein mit dem Wasserstoff aus unserer Industrie könnten wir rund 260.000 Pkw oder knapp 6.000 Busse betreiben. Dafür müssten wir kein einziges Molekül Wasserstoff zusätzlich erzeugen. Diese Chance wollen wir nutzen.
Mit unserem Leitprojekt „NRW Hydrogen HyWay“ stellen wir zusammen mit dem Bund, der EU und der Industrie 200 Millionen Euro bereit
1.    für unsere Infrastruktur,
2.    für unsere Fahrzeugflotten und
3.    für stationäre Anlagen.

Wir wollen Wasserstoff künftig auch regenerativ gewinnen. Spezielle Projekte arbeiten daran: Mit Klärgas in Bottrop, mit Algen in Bochum und Bielefeld oder aus Solarenergie in Jülich.  Und auch die Infrastruktur stimmt: Von Leverkusen bis ins östliche Ruhrgebiet verläuft bereits eine 240 Kilometer lange Wasserstoff-Pipeline.
Ich bin gespannt, welche Wege der Kongress heute für die Zukunft weisen wird. Faszinierend sind aber nicht nur die Möglichkeiten mit Wasserstoff, sondern auch mit CO2. Es geht ja nicht nur darum, CO2 einzusparen. Sondern auch darum, neue Produkte aus CO2 zu gewinnen. Um zum Beispiel Kohlendioxid mit Mikroorganismen in Biomasse oder direkt zu Wertstoffen umzuwandeln. Hier erwarten wir große Innovatio-nen. Es macht keinen Sinn, CO2 nur unter der Erde zu lagern.
Deshalb wollen wir zusammen mit unserer Wirtschaft ein nationales CO2-Forschungsinstitut aufbauen.

Nordrhein-Westfalen ist heute schon einer der weltweit wichtigsten Standorte der modernen Umwelttechnik: Mit mehr als 250.000 Beschäftigten in der Umweltwirtschaft. Mit rund 45 Milliarden Euro Umsatz. Wir wollen, dass das noch mehr werden. Beispiel Elektromobilität

Lassen Sie mich noch ein letztes Beispiel für innovative Umwelttechni-ken nennen, das mich besonders fasziniert. Ich meine die Elektromobilität. Wir wollen Nordrhein-Westfalen zur ers-ten großen Modellregion für Elektro-Autos in Europa machen. Bis 2020 sollen 250.000 Elektro-Autos bei uns rollen.
Wir stellen 60 Millionen Euro bereit, um Forschung und Entwicklung vo-ranzutreiben. Wir bauen Elektro-Autos und ein Netz von Ladestationen.
Und wir entwickeln neue leistungsfähige Batterien, damit man mit die-sen Autos im ganzen Land fahren kann. Und gerade hier zeigt sich, wie wichtig Anstöße aus der Politik für die Entwicklung solcher Technologien sind: Es war richtig, dass Präsident Obama in den USA durchgesetzt hat, dass der Schadstoffausstoß von neuen Fahrzeugen bis 2016 um 30 Prozent gesenkt werden muss. Es war richtig, dass die EU beschlossen hat, dass sämtliche Neubauten vom 2021 an nicht mehr Energie verbrauchen dürfen, als sie produzieren. Das sind bislang die strengsten Standards der Welt. Aber wir brauchen solche Vorgaben.

Das Projekt Innovation City ist einmalig in Europa

Wenn wir all diese Innovationen bündeln, können wir auch neue Wege im Städtebau gehen. Vor kurzem habe ich zusammen mit dem Initiativkreis Ruhr den Startschuss für eine Innovation City in der Metropole Ruhr gegeben: Für einen Stadtteil mit rund 50.000 Menschen, der Maß-stäbe setzen wird. Für umweltbewusstes Leben und energieeffizientes Wirtschaften. Nicht auf der grünen Wiese, sondern mitten im Zentrum. Zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort.
Stadterneuerung mit High Tech und Bürgernähe zu verbinden, macht dieses Projekt einmalig in Europa. Die Zukunft gehört den umweltfreundlichen Industrieregionen. Wie Nordrhein-Westfalen. Wir werden Erfolg haben. Wenn jeder seinen Teil dazu beiträgt. „Du selbst musst die Veränderung sein, die Du in der Welt sehen willst.“ Hat Gandhi gesagt. Das sollten wir als Motto nehmen – für uns hier und heute in Essen, aber auch darüber hinaus. Ich wünsche Ihrer Konferenz viel Erfolg!

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