Grußwort von Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers anlässlich des Zukunftskongresses „Leben 2025: Petersberger Convention“ am Freitag, 6. März 2009, 10.00 Uhr, Gästehaus Petersberg

11. März 2009

Grußwort von Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers anlässlich des Zukunftskongresses „Leben 2025: Petersberger Convention“ am Freitag, 6. März 2009, 10.00 Uhr, Gästehaus Petersberg

- Es gilt das gesprochene Wort -

„Man sollte die Dinge nehmen, wie sie kommen. Aber man sollte dafür sorgen, dass die Dinge so kommen, wie man sie nehmen möchte.“ Diesen Satz des Schauspielers Curt Goetz möchte ich dem heutigen Kongress als eine Art Motto mit auf den Weg geben.  Denn darum geht es: Nicht alles ist machbar. Nicht alles können wir bestimmen. Wir müssen die Dinge so nehmen, wie sie kommen. Aber andererseits: Es ist viel mehr möglich als man denkt. Wir sollten eben dafür sorgen, dass die Dinge so kommen, wie wir sie nehmen möchten. Und deshalb kommen wir heute hier zusammen. Um darüber nachzudenken, wie unsere Zukunft hier in Nordrhein-Westfalen aussehen kann. Aussehen soll. Um zu formulieren, wo wir gemeinsam hin wollen.

Was wir gemeinsam erreichen wollen. Aber auch: Was wir gemeinsam vermeiden müssen. Wie wollen wir in Zukunft leben? Auf diese einfache Frage suchen wir eine Antwort. Es geht nicht um Prognosen, sondern um Ziele. Es geht nicht um Prognosen. Die Dynamik des Wandels macht sie so gut wie obsolet. Die Wirtschaftskrise hat das drastisch vor Augen geführt. Der Internatio-nale Währungsfonds rechnet damit, dass sich die Verluste für die Ban-ken durch die Finanzkrise weltweit auf 2.200 Milliarden Dollar summieren. Jeder, der das noch vor einem halben Jahr vorausgesagt hätte, wäre als Spinner ausgelacht worden. Vielleicht hatten die alten Griechen ja deshalb Recht. Sie meinten, um gute Voraussagen machen zu können, müsse man wahnsinnig sein. Oder zumindest schwach im Geiste. Ob das auf heutige Prognostiker zutrifft, kann und will ich nicht entscheiden.

Aber mir ist wichtig, dass wir uns weniger auf Vorhersagen konzentrie-ren. Sondern auf Ziele. Auf politische Ziele. Wir wollen wissen, wie wir leben werden. Aber wir müssen vor allem wissen, wie wir leben wollen. Wir müssen unsere Zukunft gestalten

Die Griechen hatten das Orakel von Delphi. Daraus haben Zukunftsforscher die Delphi-Methode abgeleitet. Die nichts anderes besagt als möglichst viele kluge Köpfe zu versam-meln, um Ideen zu einem wichtigen Thema zu bündeln. Und genau das machen wir heute hier. Und wenn wir schon bei klugen Köpfen sind: Goethe hat einmal gesagt: „Träume keine kleinen Träume, denn sie haben nicht die Kraft, die Herzen der Menschen zu bewegen.“

Das ist für mich das zweite Motto für den heutigen Kongress. Es geht um große Ziele, nicht um kleine. Es geht um Visionen, nicht um technokratische Verwaltung. Und es geht um eine Politik, die sich nach den Bedürfnissen der Menschen richtet. Nicht nach den Bedürfnissen von Systemen. Wer eine solche Politik macht, gewinnt auch die Herzen der Menschen. Dazu eine kurze Geschichte, die ich bezeichnend finde. Vor 80 Jahren führten Ingenieure in den Hawthorne-Werken der Wes-tern Electric Company eine Studie durch.  Sie wollten herausfinden, wie die Arbeitsplatzbedingungen sein müssen, um die Produktivität der Arbeiterinnen zu erhöhen. Ganz im Sinne tech-nokratischer Planung. Die Ingenieure drehten das Licht hell auf. Die Produktivität der Arbeite-rinnen stieg.

Sie verdunkelten den Arbeitsplatz. Die Produktivität stieg.

Sie drosselten die Luftfeuchtigkeit. Die Produktivität stieg.

Dann taten sie das Gegenteil: Sie erhöhten Temperatur und Luftfeuch-tigkeit. Die Produktivität stieg trotzdem immer weiter. Die Forscher waren mit ihrem Latein am Ende. Sie grübelten lange dar-über nach, warum die Frauen in der Fabrik immer schneller und begeis-terter Motorwicklungen herstellten. Als sie aufhörten, eine technische Erklärung zu suchen, sondern eine menschliche, fanden sie die Antwort: Sie stellten fest, dass die Frauen viel motivierter arbeiteten, weil sie sich einfach über die intensive Anteilnahme an ihrer Arbeit freuten. Die Botschaft lautet: Nur wer weiß, was die Herzen der Menschen bewegt, kann auch politisch etwas bewegen. Und nur wer etwas bewegt, wird auch die Herzen der Menschen bewegen können. Nur dann werden wir unserer Verantwortung gerecht. Unserer Verantwortung, unseren Kindern und Kindeskindern eine lebenswerte Welt zu hinterlassen.

Die Einheit der Gesellschaft bewahren

Wenn wir gemeinsam überlegen, wie Nordrhein-Westfalen 2025 und darüber hinaus aussehen soll, so ist mir eine Sache ganz besonders wichtig: Die Frage, wie wir die Einheit der Gesellschaft bewahren. Diese Frage steht im Zentrum aller Herausforderungen. Wir müssen aufpassen, dass die Wirtschaftskrise nicht zu einer tiefge-henden Gesellschaftskrise führt. Die Schere in unserer Gesellschaft darf nicht immer weiter auseinan-dergehen: zwischen Arm und Reich, zwischen Alt und Jung, zwischen Ausgebildeten und nicht Ausgebildeten, zwischen Ost und West, zwischen Einheimischen und Zuwanderern. Wirtschaftliche Vernunft und soziale Gerechtigkeit müssen zusammen-gehören. Sie sind die zwei Seiten derselben Medaille. Die Einheit der Gesellschaft zu erhalten, ist die große politische Aufgabe der Gegenwart. Ich bin sicher: Wir schaffen das! Der heutige Kongress ist ein dazu ein guter Anfang. Ich wünsche Ihnen einen spannenden, anregenden Tag!

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