Grußwort von Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter

30. April 2009

Grußwort von Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter zur Amtseinführung der Leiterin der Justizvollzugsanstalt Duisburg-Hamborn, Regierungsdirektorin Angelika Syrnik, und Würdigung der Amtsvorgängerin, Leitende Regierungsdirektorin Beate Peters

Grußwort von Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter zur Amtseinführung der Leiterin der Justizvollzugsanstalt Duisburg-Hamborn, Regierungsdirektorin Angelika Syrnik, und Würdigung der Amtsvorgängerin, Leitende Regierungsdirektorin Beate Peters.

 

- Es gilt das gesprochene Wort -

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Anlass für die heutige Veranstaltung wäre vor nicht all zu langer Zeit noch unter der Rubrik „Kaum zu glauben, aber wahr“ kommentiert worden. Die Leiterin einer Justizvollzugsanstalt übernimmt die Leitung einer anderen Anstalt des geschlossenen Männervollzuges, der zuvor eine Frau vorstand. An ihrer bisherigen Wirkungsstätte folgt ihr wiederum eine Frau nach.

Konkret heißt das: Frau Beate Peters hat am 1. April 2008 die Leitung der Justizvollzugsanstalt Duisburg-Hamborn abgegeben und dafür die Leitung der Justizvollzugsanstalt Willich I übernommen. Deren Leiterin, Frau Grafweg, war kurz zuvor an die Justizvollzugsanstalt Remscheid gewechselt. Seit dem 1. Dezember 2008 steht Frau Angelika Syrnik an der Spitze der Justizvollzugsanstalt Duisburg-Hamborn.

Trotzdem freue ich mich, dass hier nicht nur von Frauen die Rede ist, ich möchte an dieser Stelle Herrn Eschenbacher herzlich dafür danken, dass er als stellvertretender Anstaltsleiter acht Monate lang die Leitungsgeschäfte allein erledigt hat.

Ich bin sicher, dass nicht nur Herr Eschenbacher, sondern auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt Duisburg-Hamborn einschließlich der Zweiganstalten in Dinslaken, Duisburg und Oberhausen eines zu schätzen wissen: die Arbeit „unter“ einer fachkompetenten und führungsstarken Chefin!

Liebe Frau Peters, Sie standen zwei Jahre an der Spitze der Justizvollzugsanstalt Duisburg-Hamborn, nachdem Sie zuvor rund vier Jahre die entsprechende Funktion im Justizvollzugskrankenhaus in Fröndenberg ausgeübt hatten. Die Schwerpunkte Ihrer Tätigkeit hier lagen in der Reorganisation der Abteilungsstrukturen, der Einführung eines verbindlichen Konferenzsystems, der Optimierung der Personalsteuerung und der Gestaltung eines modernen Behandlungsvollzuges.

Ich weiß, dass Sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge gegangen sind: Sie wären gerne noch länger in Duisburg-Hamborn geblieben, wollten sich aber verständlicherweise auch die Chance, sich in einer noch größeren Anstalt weiter zu entwickeln, nicht entgehen lassen. Ihre Leistungen haben auch durch Ihre Ernennung zur Leitenden Regierungsdirektorin im letzten Jahr Anerkennung gefunden.

Bei Ihrem Abschied aus Duisburg-Hamborn wussten Sie noch nicht, wer Ihnen nachfolgen sollte. Hätten Sie es gewusst, hätten Sie Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sagen können: Da kommt eine, die den eingeschlagenen Weg gemeinsam mit Ihnen weitergehen wird.

Auch Ihnen, liebe Frau Syrnik, liegen ein moderner Behandlungsvollzug sowie eine durch Fördern und Fordern geprägte Personalführung am Herzen. Vor Ihrem Wechsel nach Duisburg-Hamborn gehörten Sie gut zwei Jahre meinem Hause an. Sie waren als Referentin für verschiedenste Bereiche zuständig und haben insbesondere an dem neuen Jugendstrafvollzugsgesetz des Landes maßgeblich mitgearbeitet. Zeitweise leiteten Sie auch eines der Referate der Justizvollzugsabteilung. Ihr beruflicher Werdegang im nordrhein-westfälischen Justizvollzug ist - ebenso wie bei Frau Peters - durch eine beispielhafte Veränderungsbereitschaft gekennzeichnet. Sie haben jeweils mehrere Jahre als ständige Vertreterin in der Leitung der Justizvollzugsanstalten Hagen und Gelsenkirchen erfolgreich gewirkt. In diesen Anstalten oblag Ihnen sogar jeweils für ein paar Monate die Anstaltsleitung, weil die Leiterstellen vakant waren. Mehrere Jahre in der Mittelinstanz, Landesjustizvollzugsamt Nordrhein-Westfalen haben schon vor Ihrem Wechsel an das Justizministerium gezeigt, dass Sie als Regierungsdirektorin nicht nur eine ausgeprägte Vollzugspraktikerin, sondern auch eine Frau der Aufsichtsbehörde sind. Eine Frau der Aufsichtsbehörde deshalb, weil Sie auch einzelfall- und anstaltsübergreifend mit Blick auf das Gesamtgefüge Justizvollzug agieren können.

Sie haben sich sehr auf die Übernahme der Leitung der Justizvollzugsanstalt Duisburg-Hamborn gefreut. Die besonderen Schwierigkeiten, die sich aus der dezentralen Struktur der Anstalt mit den unterschiedlichen Vollstreckungszuständigkeiten im geschlossenen Männer- und Frauenvollzug ergeben, sind für Sie ebenso eine Herausforderung wie die anstehende Schließung der Zweiganstalten in Duisburg und Oberhausen. Ich bin davon überzeugt, dass der erforderliche Umstrukturierungsprozess dank Ihres Organisationsgeschicks und Ihres Einfühlungsvermögens erfolgreich gestaltet werden wird. Erfolgreich heißt für mich auch, dass sich die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausreichend unterrichtet und fair behandelt fühlen.

Frauen in Führungspositionen - das ist auch heute noch keine Selbstverständlichkeit. In den 37 Justizvollzugsanstalten des Landes finden wir

  • 12 Anstaltsleiterinnen,
  • 9 stellvertretende Anstaltsleiterinnen,
  • 6 Verwaltungsleiterinnen und
  • 4 Leiterinnen des allgemeinen Vollzugsdienstes.

Das ist schon ordentlich, könnte aber noch besser sein. Ich sage dies auch deshalb, weil dieses Jahr ein besonderes Jahr ist. Sie werden sich fragen, warum ein besonderes Jahr.

Drei Zahlen mögen Ihnen dies verdeutlichen:

90,
60,
10.

Vor 90 Jahren konnten Frauen in Deutschland zum ersten Mal wählen und gewählt werden. In ein paar Wochen feiert das Grundgesetz seinen 60. Geburtstag - mit ihm auch der Artikel 3, der die Gleichberechtigung von Frauen und Männern regelt. Vor 10 Jahren ist das Landesgleichstellungsgesetz in Kraft getreten. Dessen Hauptziele sind die Förderung von Frauen, um bestehende Benachteiligungen abzubauen, und die Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

In rund einem Drittel der Justizvollzugsanstalten stehen also Frauen an der Spitze.

Frauen, die sich neben ihrer Fachkompetenz überwiegend durch eine hohe Verwendungsbreite sowie ausgeprägte Sozial- und Personalführungskompetenzen auszeichnen. Viele von ihnen managen nicht nur ihre Anstalt, sie sind häufig in einer Mehrfachverantwortung.

Der Ombudsmann für den nordrhein-westfälischen Justizvollzug führt in seinem aktuellen Jahresbericht aus, dass die ständig zunehmende Zahl weiblicher Bediensteter von den männlichen Kollegen teils mit gemischten Gefühlen gesehen werde. Dies erfüllt mich - ungeachtet der Frage der Einsatzmöglichkeiten weiblicher Bediensteter im geschlossenen Männervollzug - mit Sorge. Der Vollzug war und ist vielleicht mancherorts noch heute eine Männerwelt. Einer Männerwelt tun - und das sage ich aus voller Überzeugung - Frauen aus unterschiedlichen Gründen aber richtig gut! Die Führungskräfte sind in diesem Zusammenhang besonders gefordert, Fehlentwicklungen mit der notwendigen Sensibilität entgegen zu wirken. Bei Frauen in Führungspositionen setze ich diese Sensibilität voraus. Sie denken nicht „schwarz-weiß“, sehen Vielfalt als Chance, wissen um die Stärken und Schwächen der oder des Einzelnen und sind bestrebt, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter richtig einzusetzen. Richtig sind sie dann eingesetzt, wenn der Dienstbetrieb gut funktioniert und zugleich das Betriebsklima stimmt!

Ich wünsche mir, dass Frauen in Führungspositionen noch mehr als bisher zur Selbstverständlichkeit werden. Nicht, weil sie Frauen sind oder bestimmte Quoten erfüllt werden sollen. Nein: Weil wir ihre Stärken brauchen! Letztlich geht es darum zu sagen: Hier ist die Richtige, der Richtige am richtigen Platz! Für Frau Syrnik und Frau Peters trifft das ja schon zu. Ich wünsche Ihnen beiden für Ihre verantwortungsvollen Aufgaben an der Spitze einer  Justizvollzugsanstalt  weiterhin viel Erfolg und alles erdenklich Gute. Ich weiß „Ihre Anstalten“ bei Ihnen in guten Händen!

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

 

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