Festrede von Ministerpräsident Rüttgers anlässlich der Festveranstaltung zur Verleihung des Richeza-Preises an Staatssekretär Władysław Bartoszewski

4. September 2009

Festrede von Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers anlässlich der Festveranstaltung zur Verleihung des Richeza-Preises an Staatssekretär Władysław Bartoszewski in der Abtei Brauweiler

Heute Abend wird Ministerpräsident Jürgen Rüttgers in der Abtei Brauweiler den Richeza-Preis der Landesregierung an den ehemaligen polnischen Außenminister, Historiker und Publizisten Wladyslaw Bartoszewski verleihen. Ministerpräsident Rüttgers wird zu diesem Anlass eine Rede halten.

Am Freitag, 4. September 2009, um 18.30 Uhr hat Ministerpräsident Jürgen Rüttgers in der Abtei Brauweiler den Richeza-Preis der Landesregierung an den ehemaligen polnischen Außenminister, Historiker und Publizisten Wladyslaw Bartoszewski verliehen. Ministerpräsident Rüttgers hielt zu diesem Anlass die nachfolgende Rede.

Darüber hinaus sind zur Information Hinweise auf den Richeza-Preis und von der Veranstaltung beigefügt.

Festrede von Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers anlässlich der Festveranstaltung zur Verleihung des Richeza-Preises an Staatssekretär Władysław Bartoszewski in der Abtei Brauweiler

- Es gilt das gesprochene Wort -

 
Heute in der Abtei Brauweiler ein so internationales Publikum begrüßen zu dürfen, ist mir eine ganz besondere Ehre. Und eine Freude. Ich begrüße besonders Herrn Staatssekretär Bartoszewski. Ich freue mich, dass Frau Landtagspräsidentin van Dinther hier ist. Ich möchte als polnische Partner begrüßen Seine Exzellenz Herrn Botschafter Dr. Marek Prawda, Frau Generalkonsulin Jolanta Róża Kozłowska aus Köln und aus München Frau Generalkonsulin Elzbieta Sobotka. Aus der Partnerregion Nordrhein-Westfalens, aus Schlesien Herrn Vizemarschall Zbyszek Zaborowski und Herrn Adam Matusiewicz. Und Frau Generalkonsulin Janice G. Weiner aus den Vereinigten Staaten, Herrn Generalkonsul Prodromos Markoulakis aus Griechenland und Herrn Generalkonsular Kemal Demircilar aus der Türkei.

Professor Weinfurter hat am Montag hier im Kaisersaal über Königin Richeza gesprochen. Über ihren Großvater, Kaiser Otto III. Im Mai haben Sie, Herr Staatssekretär, den Kaiser-Otto-Preis erhalten, also den des Großvaters von Otto III, Otto I. Otto III. hatte eine Vision von einem geeinten Europa, in dem er als Kaiser primus inter pares stünde. Wenn man so will, eine Einigung des christlichen Abendlandes. Seiner Vision war damals nur ein kurzes Leben beschert. Und wäre Amerika damals schon entdeckt gewesen, ich bin mir sicher, Frau Generalkonsulin Weiner, Otto III. hätte es mit einbeziehen wollen, genauso wie er sich eine enge Bindung an Byzanz gewünscht hat.

Das Grab Otto III. liegt im nahen Aachen. Richeza wollte hier in Brauweiler bestattet werden. Es ist der europäische Geist der Gemeinsamkeit, in dem ich Sie heute an diesem Ort begrüße.

Aussöhnung braucht Wahrheit

1998 habe ich Papst Johannes Paul II getroffen. Damals in Rom. Er war schon schwer krank. Seine feste Stimme hat Anfang der 80er Jahre den Untergang des Kommunismus eingeläutet. Er hat für die Freiheit der Menschen in Mittel- und Osteuropa gekämpft. Und mit ihm hat ein neuer Dialog zwischen Katholiken und Juden begonnen.

Ich habe ihm damals für seinen Beitrag zur deutschen Wiedervereinigung gedankt. Ich wusste: Das war für einen Menschen, der in Polen geboren ist, keine Selbstverständlichkeit.

Wer Ihre Biographie kennt, lieber Herr Staatssekretär Bartoszewski, der weiß, was ich meine. 70. Jahrestag des Kriegsausbruches: Persönlicher Bezug auf Herrn Staatssekretär Bartoszewski

Sie, lieber Herr Staatssekretär Bartoszewski, haben noch im Mai 1939 ihr Abitur an einem humanistischen Gymnasium in Warschau abgelegt. Nur wenige konnten ahnen, was rund drei Monate später passieren würde. Sie wählten Prüfungsthemen im Geist der Verständigung. „Die Idee der Vaterlandsliebe in der Dichtung von Adam Mickiewicz.“ Desselben Adam Mickiewicz, der vorbildhaft dafür kämpfte, dass sich freie Völker in Europa verbrüdern. Die sich verbrüdern können, weil sie ihre Heimat lieben. Und im Fach Deutsch wählten sie die „Minna von Barnhelm“ von Gotthold Ephraim Lessing. Desselben Lessing, der im Ringen der damaligen Großmächte die Europäer mit seinen Werken ermahnte, das uns Alle verbindende menschliche Band zu achten.

Um so tiefer muss Sie der Überfall des Dritten Reiches auf Polen am 1. September 1939 getroffen haben. Tapfer unterstützten Sie Ihre verletzten Kameraden bei den deutschen Luftangriffen im eingekesselten Warschau.

Im Herbst 1940 wurden Sie als politischer Häftling im Konzentrationslager Auschwitz inhaftiert. Sechseinhalb Monate erlebten Sie dort tiefste Entwürdigung und Barbarei. Wie durch ein Wunder gehören Sie zu den wenigen, die aus diesem Ort durch Glück und Zufall entlassen wurden. Ihr Bericht über das Grauen innerhalb der Lagerzäune warnte damals Viele.

Es zeugt in meinen Augen von großem Mut, dass Sie mit diesem Wissen im Untergrund für ein freies Polen und auch für die verfolgten jüdischen Polen kämpften. Bis zum Kriegsende wirkten Sie durch das Sammeln von Informationen und Ihre Artikel darauf hin, dass auf die Unterdrückung und den Terror Wahrheit und Menschlichkeit folgen würden.

Wahrheit und Menschlichkeit

Wahrheit und Menschlichkeit – das war die Basis für das neue Europa. Johannes Paul II. hat mir das damals vor Augen geführt. Für ihn sei es unvergesslich gewesen, so erzählte er mir in diesem für mich so wichtigen Gespräch, 1996 durch das Brandenburger Tor zu gehen. Er sprach in Berlin vom neuen Haus Europa. Er mahnte, dass es keine Freiheit ohne Wahrheit gäbe.

Genau deswegen erinnern wir uns in diesem Jahr an den Beginn des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren. Jeder Deutsche, der Anstand hat, hat ein verzehrendes Gefühl von Scham, wenn er an den Tag denkt, an dem Deutschland die Welt überfiel. Als Deutschland zuerst Polen und dann ganz Europa in furchtbarer Weise verheerte. Wir erinnern uns an den Holocaust. Und an den Terror der nationalsozialistischen Barbarei. Der Millionen Menschen das Leben kostete. Ihnen Würde nahm. Die Hoffnung zerstörte.

Zur Wahrheit der polnisch-deutschen Geschichte gehört der brutale Versuch des Dritten Reiches, die polnische Kultur zu zerstören, ja, jedem Polen das Menschsein abzusprechen.

Hier in Brauweiler schufteten 277 polnische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene. Von hier aus wurden sie in Konzentrationslager deportiert. Es überlebten nur 80 von ihnen. Noch nach Kriegsende gab es Spannungen und Überfälle zwischen auch hier im Ort zwischen den polnischen Vertriebenen und den Einheimischen.

Diese Erinnerung zu bewahren, im Großen und im Kleinen, macht unser Selbstverständnis aus. Wer Deutscher ist, wer in diesem Land lebt, kann und darf sich dieser Verantwortung nicht entziehen. Das gilt auch für die Nachgeborenen – auch wenn sie keine Schuld an den Verbrechen trifft.

Und gerade deswegen sind wir uns sehr bewusst, dass wir unseren europäischen Freunden etwas Großes verdanken: Sie haben nach dem Krieg die Hand ausgestreckt. Zur Versöhnung. Zur Freundschaft. Zur gemeinsamen Zukunft. Der heutige Tag ist ein Symbol für eine Freundschaft, die noch nie so eng war wie heute. Eine Freundschaft nicht nur zwischen unseren Staaten. Sondern vor allem zwischen den Menschen. Ich bin froh und stolz, dass diese Freundschaft in den letzten Jahrzehnten immer wieder weiter wachsen konnte.

Abtei Brauweiler: Nicht allein das Schreckliche sehen!

Vergessen wir aber über diesen Verbrechen nicht eine andere, eine gute Geschichte. Die Abtei Brauweiler symbolisiert eine solche andere gute Geschichte deutsch-polnischer Beziehungen.

Die Ezzonen waren ein mächtiges Geschlecht, Brauweiler war ihr Hauskloster. Sie waren damals Wortführer für ein unabhängiges Polen. Hier hatte Richeza ihre Wurzeln. Richeza war die Tochter des Ezzo, Pfalzgraf von Lothringen, und Mathildes, einer Tochter von Kaiser Otto III. Richeza, die Herzog Bolesław Chrobry und Kaiser Otto III. nach dem Akt von Gnesen im Jahr 1000 als Gemahlin für den Sohn des polnischen Herzogs bestimmten. Sie regierte nach dem Tod ihres Mannes 1031 mit ihrem Sohn Kasimir das Königreich.

Das liegt lange zurück. Fast 1000 Jahre. Aber es war ein Grundstein, auf dem aufgebaut werden konnte und kann. Über viele Jahrhunderte – bis heute. Selbst auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges konnte man daran anknüpfen. Schon zwei Jahrzehnte nach Kriegsende sandten die polnischen Bischöfe eine Botschaft zu uns in den Westen: „Wir gewähren Vergebung und bitten um Vergebung.“ So ein Satz sagt sich nicht einfach.

Noch heute bin ich für diesen mutigen Schritt dankbar. Weil er uns den Pfad zur Aussöhnung gezeigt hat. Den können und müssen wir auch heute weiter gehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs ein Netz von Kontakten. Ehemalige polnische Insassen in Brauweiler wurden betreut. Dafür setzte sich der Verein für Geschichte gemeinsam mit dem Maximilian-Kolbe-Werk seit 1995 ein. Eine Partnerschaft des Rhein-Erft-Kreises mit dem Kreis Bielsko-Biała wurde gegründet.

So wie 1973 mit der Gründung der polnischen Schule in Köln. Vor elf Jahren wurde ihr der Name der Königin Richeza gegeben. Bei diesem Zukunftsakt war ich selbst anwesend. Damals zerschnitt der Eiserne Vorhang noch Europa. Und man konnte kaum hoffen, dass sich das zu unseren Lebzeiten noch einmal ändern würde.

Polen ist ein bedeutender Partner in der EU und Deutschlands

Ich empfinde es als eines der größten Geschenke in meinem Leben, dass ich den Fall des Eisernen Vorhangs erleben durfte. Dass zukünftige Generationen ganz selbstverständlich in einem Europa leben, in dem Mitteleuropa zur EU und zur NATO gehört. Polen hat dabei eine ganz wichtige Stimme. Weil es auf eine Jahrhunderte alte Kultur aufbauen kann. Weil es mit 38 Millionen Einwohnern ein großes Land der Europäischen Union ist. Weil es ein wichtiger Wirtschaftspartner gerade auch für Deutschland ist.

Vor allem aber, weil es ein mutiges Volk hat. Mit diesem Mut haben auch Sie, Herr Staatssekretär Bartoszewski, in der Solidarność für ein freies Polen gekämpft. Diesen Mut hat die Republik Polen auch bei der Wahl ihres Wegs in die Soziale Marktwirtschaft gezeigt. Der Erfolg hat Ihnen Recht gegeben! Deswegen braucht Deutschland in einer starken EU auch ein Polen mit einer starken Stimme an seiner Seite. Ein Polen, mit dem es in Freundschaft gemeinsam arbeitet. An ganz praktischen Projekten.

Deshalb hat Nordrhein-Westfalen mit der Woiwodschaft Schlesien im letzten November eine weitere Gemeinsame Erklärung für eine vertiefte Zusammenarbeit vereinbart. In diesen konkreten Kontakten erfüllt sich die Partnerschaft mit Leben. Hier kann europäische Versöhnung von den Bürgern gelebt werden.Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen will heute und in Zukunft mit der Verleihung des Richeza-Preises große Verdienste für die europäische Verständigung, für die Aussöhnung von Polen und Deutschen anerkennen. Ich will damit auch zeigen, dass wir heute in Europa auf der Grundlage unserer langen gemeinsamen Geschichte handeln und leben. Um auf dieser Grundlage den Pfad der Aussöhnung und Freundschaft weiter in die Zukunft zu gehen. Um dies zu symbolisieren, wollen wir heute einen bedeutenden Mann Polens ehren.

Laudatio Staatssekretär Władysław Bartoszewski

Sehr geehrter Herr Staatssekretär Bartoszewski:

Es ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit, dass Sie ein Freund der Deutschen geworden sind.  Kein Pole Ihrer Generation kann das leichten Herzens sein. In der Gazeta Wyborcza sagten Sie am 13. August 2009: „Wenn mir jemand, vor 60 Jahren, als ich geduckt auf dem Appellplatz des Konzentrationslagers Auschwitz stand, gesagt hätte, dass ich Deutsche, Bürger eines demokratischen und befreundeten Landes als Freunde haben werde, würde ich ihn für einen Narren halten.“

Es war Ihre Generation, die unsere Länder nach dem Krieg aufgebaut hat. Beseelt von dem Willen, der Barbarei des Zweiten Weltkrieges etwas Besseres, etwas Gutes entgegenzusetzen. Für jeden Ihrer Schritte hin zu Deutschland, zu Deutschen, bin ich Ihnen dankbar.

Wir beide setzen uns heute für den Erhalt der Gedenkstätte Auschwitz ein. Mit Unterstützung Nordrhein-Westfalens retten zur Zeit junge polnische und deutsche Restauratoren gemeinsam 39.000 Dokumente aus Auschwitz für die Zukunft.

Diese jungen Restauratoren haben jüngst nach dem Zusammenbruch des Kölner Stadtarchivs gemeinsam ein Zeichen der Freundschaft gesetzt. Denn die Gedenkstätte hat sie zu uns geschickt, um zu helfen.

Wir stehen vor einem Generationenwechsel. Die Augenzeugen aus Auschwitz und anderswo werden bald nicht mehr zu uns sprechen können. Zukünftige Generationen werden dann ihre historische Verantwortung für die Schrecken des 20. Jahrhunderts ohne den direkten Kontakt mit den Augenzeugen wahrnehmen müssen. Dabei wird ihnen helfen, dass sie in einem freien Europa zusammenleben. Auch dank Ihnen, lieber Herr Staatssekretär Bartoszewski.

Es waren diese Schritte hin zu einem neuen demokratischen Deutschland, für das der Kniefall Willy Brandts in Warschau zum Symbol wurde. Nach dem Fall der Mauer unterrichteten Sie an bayerischen Universitäten und leisteten so einen ganz praktischen Beitrag zum Dialog zwischen Ihrem Heimatland und einer jungen deutschen Generation. 1995 kehrten Sie nach Ihren Jahren in der Solidarność in die aktive Politik zurück. Sie waren Botschafter, Außenminister, und heute arbeiten Sie als Staatssekretär für internationalen Dialog. Dort wirken Sie bis heute für das polnisch-deutsche Verhältnis, für die weitere Aussöhnung.

Sie haben sich nie voraussetzunglos für Deutschland eingesetzt. Das hätte auch nichts Nachhaltiges schaffen können.

Nachhaltigkeit ist, was den heute erstmals verliehenen Richeza-Preis auszeichnet. Es ist ein Preis, der 1000 Jahre zurück in die Geschichte greift. Er will zeigen, dass nachhaltige Aussöhnung nicht nur auf modernes Geschichtsbewusstsein, sondern auch auf tiefgreifende Verwurzelungen in unseren Traditionen zurückgreifen muss. So wie es uns ein ehrwürdiger alter Baum verbildlicht.

Diese Verwurzelung ist mehr als ein kurzfristiger Einsatz. Sie braucht einen Einsatz, wie Sie ihn für die deutsch-polnische Aussöhnung geleistet haben: Sie waren uns ein kritischer Begleiter, und, wie ich wage zu sagen: Sie sind uns ein kritischer Freund geworden.

Europa: Geschichte Jarosław Kaczyński

Der Richeza-Preis zeichnet herausragende Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung aus. Ganz im Sinne Johannes Pauls ist es damit ein Preis für europäische Versöhnung. Denn die Versöhnung unter den Völkern Europas über den Geächteten und Konzentrationslagern ist Voraussetzung für die europäische Einigung. Das vereinte Europa ist etwas Neues, etwas Einzigartiges.

Der Weg dahin ist nicht frei von Widerständen. Im Sommer 2007 verdeutlichte mir der damalige polnische Ministerpräsident Jarosław Kaczyński seine Zweifel. Für ihn war die Europäische Union nur eine konventionelle internationale Institution souveräner Staaten – und eben keine neue supranationale Vereinigung von Staaten, die wichtige Souveränitätsrechte an diese neue Union abgetreten haben. Dahinter stand natürlich die hart geführte Debatte um die Mehrheitsentscheidungen im Rat. Aber es zeigte doch ein grundlegend anderes Verständnis der europäischen Strukturen, mit dem ich nicht einverstanden bin.

Europa: Gemeinsam für die Europäische Union

Es ist der Geist der europäischen Verständigung, der die Väter nach dem Zweiten Weltkrieg zur Gründung der Montanunion vor jetzt fast 60 Jahren drängte. Gegen viele Zweifler. Gegen viele Widerstände auch ganz praktischer Art. Viele ließen sich durch die wirtschaftlichen Vorteile überzeugen. Im Herzen der Europäischen Union, ja Europas steht aber der Wunsch, die Vision der Völker nach mehr Nähe im gemeinsamen Haus Europa.

Das Vertrauen der Völker ineinander wuchs auch dank der europäischen Institutionen. Deswegen konnte sich Deutschland nach dem Fall der Mauer so schnell wieder mit Zustimmung seiner Nachbarn und Freunden vereinigen. Jetzt ist möglich, was 1950 bei der Verkündung von Jean Monnets Plan durch Schuman unmöglich schien: Die Bürger der EU können über freie Grenzen von Helsinki über Litauen bis nach Lissabon reisen.

Europa braucht ein großes Ziel

Europa braucht ein großes Ziel, sonst fällt es auseinander. Das hat uns der Ratifizierungsprozess des Lissabon-Vertrages vor Augen geführt.

Wenn Europa etwas Neues ist, etwas Neues sein will, dann müssen wir neue Wege gehen. Unser Bundesverfassungsgericht hat ein Demokratiedefizit der EU festgestellt. Das heißt doch, das europäische Parlament zu stärken. Was spricht dagegen, es mit einem eigenen Initiativrecht auszustatten? Und warum sollte es nicht eine „zweite Kammer“ geben?

Für weitere Fortschritte auf dem Weg zu einem vereinten Europa kann man auch das Grundgesetz ändern. Nicht, um es abzuschaffen, sondern um etwas Neues zu ermöglichen. Bei einer Konföderation werden die Mitgliedstaaten schließlich auch nicht abgeschafft. Das Subsidiaritätsprinzip bleibt auch nicht auf der Strecke.

Im Gegenteil: Dieser Weg eröffnet die Chance, die föderalen Strukturen in Europa zu stärken. Einen Gegensatz zwischen dem demokratischen Nationalstaat und vermeintlich undemokratischen europäischen Institutionen zu konstruieren, führt in die Irre. Die EU vereint nicht Staaten, sondern Völker. Eine Gleichsetzung von Volk, Nation und Staat beruht auf einem überholten Denken.

Wir haben mit der Europäischen Union Neuland betreten. Und wir müssen zulassen, dass wir weiter Neuland betreten können. Zum Beispiel um eine gemeinsame Institution zur Regulierung der Finanzmärkte zu schaffen.Unser Ziel kann nur mehr Integration sein – um Freiheit, Frieden, Gerechtigkeit und Wohlstand auch für unsere Kinder und Enkelkinder zu sichern. Der nächste Schritt ist die Ratifikation des Lissabon-Vertrages.

as große Ziel auf dem weiteren Weg ist für mich die Bundesrepublik Deutschland als Teil der „Vereinigten Staaten von Europa“. Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Er erfordert Mut. Er ist notwendig. Aber eines ist sicher: So können wir Frieden, Freiheit und Wohlstand für die Menschen in Europa auf Dauer sichern.

Die Prüfungsthemen aus Ihrem Abitur vor 70 Jahren, lieber Herr Bartoszewski, haben Sie in Ihren Taten immer wieder mit summa cum laude bestanden.

Ich bin überzeugt: Sie, lieber Herr Staatssekretär, haben sich aus tiefer Überzeugung und mit ganzem Herzen für ein Europa der Völker und der Menschen eingesetzt. Für ein Europa, das auch unseren Wohlstand vermehrt. Vor allem aber für ein Europa, in dem die Völker zueinander Vertrauen fassen und in Freundschaft und Frieden in Zukunft miteinander leben.Dafür danken wir Ihnen von Herzen.

Es ist mir eine besondere Ehre, Ihnen heute den ersten Richeza-Preis für herausragende Verdienste um die europäische Verständigung zu verleihen.

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Der Richeza-Preis der Landesregierung Nordrhein-Westfalen

Preis für herausragende Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung

Die Regierung des Landes Nordrhein-Westfalen hat im Juni 2009 die Stiftung des „Richeza-Preises“ für herausragende Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung beschlossen. Die Höhe des grundsätzlich teilbaren Preisgeldes beträgt 10.000 Euro.

Die Geschichte der Deutschen ist mit der ihrer polnischen Nachbarn auf das Engste verwoben. Diese gemeinsame Geschichte war lange Zeit von Feindschaft, Krieg und Vertreibung geprägt. Den traurigen Tiefpunkt dieses Verhältnisses hat Polen mit der Besetzung durch Nazideutschland erleiden müssen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges haben viele Menschen an der Aufarbeitung der gemeinsamen Vergangenheit und der Versöhnung zwischen beiden Völkern mitgewirkt, die mit der Aufnahme Polens in die Europäische Union im Jahr 2004 nicht nur formal, sondern auch in den Herzen der Menschen verankert ist.

Auch für Nordrhein-Westfalen ist der Beitrag zu Verständigung und Versöhnung ein zentrales Element in seinen Beziehungen zu Polen. Die Beziehungen des Landes Nordrhein-Westfalen zu Polen sind historisch begründet. Sie sind eng mit der Einwanderung polnischer Familien verbunden, die vor allem seit Ende des 19. Jahrhunderts in der Kohle- und Stahlindustrie Beschäftigung bei uns fanden. Mit der Zeit verschmolzen die Kulturen, ohne dass die Wurzeln vergessen wurden. Diese gelungene Integration ist ein wichtiger Teil der nordrhein-westfälischen Geschichte und zeichnet die enge Verbundenheit von Nordrhein-Westfalen zu Polen aus. Vor diesem Hintergrund wird der Pflege der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Polen und Nordrhein-Westfalen eine hohe Bedeutung beigemessen, die sich in der Stiftung des Richeza-Preises ausdrückt.

Um diese besondere Verbundenheit Nordrhein-Westfalens mit Polen auszudrücken trägt der Preis der Landesregierung Nordrhein-Westfalens für herausragende Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung den Namen der polnischen Königin Richeza. Aus dem mittelniederrheinischen Adelsgeschlecht der Ezzonen stammend, wurde Richeza im 11. Jahrhundert als Ehefrau Mieszkos II. Königin von Polen und damit zur Stammmutter einiger osteuropäischer Dynastien. Als Gönnerin der Abtei Brauweiler ist ihre Geschichte auch bei vielen Menschen im Rheinland bekannt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Richeza als Symbolfigur zwischen Deutschen und Polen wieder entdeckt. Sowohl durch kirchliche Initiativen als auch staatlicherseits wurde Richeza seitdem immer wieder als Brücke nach Polen genutzt.

Die Richtlinien für die Vergabe des Richeza-Preises sehen vor:

  1. Der Richeza-Preis wird durch den Ministerpräsidenten verliehen.
  2. Ziel des Richeza-Preises ist die Würdigung herausragender Verdienste um die Verständigung zwischen Deutschland und Polen.
  3. Die Verleihung erfolgt in der Regel zweijährlich als Urkunde mit einer Medaille.
  4. Preisträger können deutsche oder polnische Einzelpersonen und Organisationen sein. Der Preis kann geteilt werden.
  5. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Er wird nicht öffentlich ausgeschrieben. Eine Bewerbung ist ausgeschlossen.
  6. Zur Beurteilung der Leistungen, deren Anerkennung durch die Verleihung erwogen wird, beruft der Ministerpräsident eine Jury, die sich in der Regel aus sieben Personen, mindestens drei Polen und drei Deutsche, zusammensetzt. Als siebtes Mitglied gehört der jeweils aktuelle Preisträger der Jury an.
  7. Die Jury ist unabhängig. Ihre Mitglieder üben ihre Tätigkeit ehrenamtlich aus und sind zur Verschwiegenheit verpflichtet.
  8. Die erstmalige Verleihung erfolgt im Jahr 2009.

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