„100 jahre bauhaus im westen“ startet mit Symposion im UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen
13. September 2018

Die Welt neu denken: „100 jahre bauhaus im westen“ startet mit Symposion im UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen

Mit einem zweitägigen Symposion startete heute in Nordrhein-Westfalen das Bauhaus-Jubiläum. Fast zwei Jahre lang wird das facettenreiche Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm „100 jahre bauhaus im westen“ in Nordrhein-Westfalen an das Jubiläum und gleichzeitig an den 100. Jahrestag der Gründung der Weimarer Republik erinnern.

 
Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft teilt mit:

Zum Auftakt hat das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit den Landschaftsverbänden Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL) sowie mit der Architektenkammer NRW, dem Institut „Moderne im Rheinland“ an der Heinrich-Heine-Universität in das UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen eingeladen. Über 200 Interessierte sowie Fachleute aus Kultur, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft werden zwei Tage lang in Diskussionen, Foren und Vorträgen „die Welt neu denken“ – im Sinne der Idee von Walter Gropius als dem Gründungsdirektor des Staatlichen Bauhauses 1919 in Weimar.
 
Das Bauhaus war weit mehr als eine Kunstakademie. Die hier gelehrten Ideale, etwa die Einheit von Kunst und Handwerk, mündeten nicht nur in einer charakteristischen Formensprache, die ganze Künstlergenerationen prägte. Die Bauhaus-Ideen beeinflussten auch das Zusammenleben in der Industriegesellschaft, die sich nach dem Ende des Ersten Weltkrieges erstmals eine demokratische Verfassung gab. Mit dem Untertitel „Gestaltung und Demokratie. Weichenstellungen im Rheinland und in Westfalen“ spürt der umfassende Beitrag Nordrhein-Westfalens zum bundesweiten Bauhaus-Jubiläum dem Bauhaus-Erbe im Westen nach. Das Projekt nimmt dabei insbesondere die Wechselwirkungen der Bewegung mit Politik und Gesellschaft in den Blick.
 
Bis zum Frühjahr 2020 wird „100 jahre bauhaus im westen“ an vielen Orten sichtbar: Auf dem Programm stehen rund 40 Veranstaltungen, darunter große Ausstellungen im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster, in der Bundeskunsthalle in Bonn oder im LVR-Industrie-museum Oberhausen. Sie befassen sich mit Architektur, Design, Fotografie, Tanz, Theater, Politik und Gesellschaft. Neben den Landes- und Industriemuseen sowie Regionalinstituten der Landschaftsverbände beteiligen sich etliche weitere Akteure und Partner. Dazu zählen die Kunstmuseen Krefeld, das Ruhr Museum Essen, die Alte Synagoge Essen, das Lehmbruck Museum Duisburg, das Josef Albers Museum Quadrat in Bottrop und das Museum Kunstpalast in Düsseldorf sowie die Architektenkammer NRW.
 
Den Einfluss des Bauhauses auf die zeitgenössische Kunst verdeutlicht unter anderem das Projekt „map 2019“: Die begehbare Skulptur des  Künstlers Thomas Schütte, hervorgegangen aus einer Kooperation des Vereins „Projekt MIK – Mies in Krefeld e.V.“ mit der Stadt Krefeld, beherbergt selbst eine Ausstellung zum Thema und dient als besonderer Veranstaltungsort für Vorträge und Debatten.
 
Einen ersten Eindruck konnten sich Interessierte bereits gestern verschaffen: In der Alten Synagoge Essen wurde die Präsentation „neues bauen in deutschland und erez israel“ eröffnet, die Bauten von Erich Rings und Josef Mendelsohn in Palästina zeigen. Dorthin mussten die beiden Architekten vor den Nazis fliehen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 28. Oktober 2018.
 
Weitere Infos unter: www.bauhaus100-im-westen.de

Hintergrund

Für Nordrhein-Westfalen hat das Ministerium für Kultur und Wissenschaft gemeinsam mit den Landschaftsverbänden Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL) die Projektkoordination für „100 jahre bauhaus im westen“ übernommen. Schirmherrin des Projekts ist Kultur- und Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen.
 
Das 100-jährige Bauhaus-Jubiläum ist ein bundesweites Kulturereignis mit internationaler Strahlkraft. Getragen wird es vom Bauhaus Verbund 2019: Im Verbund arbeiten die drei sammlungsführenden Bauhaus-Institutionen, das Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung Berlin, die Stiftung Bauhaus Dessau und die Klassik Stiftung Weimar, der Bund, vertreten durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und die Kulturstiftung des Bundes (KSB) sowie elf Bundesländer in enger Abstimmung zusammen.

Stimmen zum Projekt „100 jahre bauhaus im westen“

Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und Schirmherrin des Projekts

„Das Projekt im Rahmen des bundesweit gefeierten Bauhaus-Jubiläums verdeutlicht, wie sehr das Bauhaus neben Dessau, Weimar und Berlin auch Nordrhein-Westfalen geprägt hat. Das Symposion zum Auftakt sowie die landesweit rund 40 Ausstellungen und Veranstaltungen zeichnen das facettenreiche Bild eines Aufbruchs, der nicht nur die Kunst, sondern eine ganze Gesellschaft beeinflusste und dessen Auswirkungen bis heute spürbar sind. Als Schirmherrin lade ich Sie herzlich dazu ein, das Bauhaus und sein Erbe in Nordrhein-Westfalen neu zu entdecken.“

Ulrike Lubek, Direktorin des Landschaftsverbandes Rheinland

„Bauhaus: Das war eine gestalterische und künstlerische Revolution – Kunst, Architektur und Handwerk sollten zu einer idealen Verbindung gebracht werden. Bestimmend war die Idee, eine neue Welt zu gestalten, Technik und Kunst für eine spürbare Verbesserung der Lebens- und Arbeitswelt der Menschen zu nutzen. Die Verwandlung des Alltags durch den Einsatz neuer Materialien, neuer Verfahren, neuer Techniken – zuvorderst eine Aufgabe der Industrie! Die Landschaftsverbände machen in eindrucksvoller Weise sichtbar, dass die Industriegeschichte in Nordrhein-Westfalen ganz maßgeblich von diesen Bauhausideen geprägt wurde.“

Matthias Löb, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe

„Weimar war eine Zeit der vielen Anfänge. Die Weimarer Republik brachte zum Beispiel endlich das Wahlrecht für Frauen – und damit ganz neue Fragen zur Emanzipation. Weimar war auch eine Zeit der harten Gegensätze. Politische Aufbrüche und soziale Fortschritte gingen einher mit sozialen Konflikten und extremer Gewalt. Bauhaus, das machen unsere Ausstellungen dazu sichtbar, war nicht ohne die Weimarer Republik möglich. Aber auch umgekehrt: Die neue Demokratie erhielt wichtige Impulse vom neuen Denken in Design und Architektur. Der soziale Wohnungsbau, neue Bildungskonzepte oder neue Arbeitswelten waren beflügelt von der Idee Bauhaus. Bauhaus ist nicht bloß Geschichte, sondern die Geschichte einer Idee, die wir ‚im Westen‘ mit Besucherinnen und Besuchern diskutieren möchten: Wir bringen das Bauhaus mit der Bevölkerung zusammen.“

Milena Karabaic, LVR-Dezernentin Kultur und Landschaftliche Kulturpflege und Mitglied im Kuratorium

„Bauhaus im Westen – das ist Walter Gropius, der 1911 in Hagen der Arbeit Paläste bauen wollte. Der mit Karl Ernst Osthaus befreundete Gropius stellte dort die Ausstellung ‚Vorbildliche Industriebauten‘ vor: die Geburtsstunde der Industriekultur. Heute finden wir in Nordrhein-Westfalen beeindruckende Zeugnisse der Backstein-Industrie-architektur, einer „rußigen Variante der Bauhaus-Rationalität“, aber mit der Verseidag in Krefeld, Mies van der Rohes einziger realisierter Industriebau, auch einen genuin weißen Funktionsbau – Bauhaus pur.“

Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, LWL-Kulturdezernentin und Mitglied im Kuratorium

„Das Besondere an der Bauhaus-Lehre ist, dass sie auch für die Kunst einen experimentellen Ansatz und Grenzüberschreitungen förderte. Mit diesem innovativen Anliegen, die strengen Gattungsgrenzen zwischen bildender, darstellender und angewandter Kunst aufzulösen, prägte das Staatliche Bauhaus zahlreiche Künstlerinnen und Künstler der Moderne. Das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster überschreitet mit der Ausstellung ‚Bauhaus und Amerika. Experimente in Licht und Bewegung‘ ebenfalls Grenzen: Bewusst richtet es den Blick auf die wechselseitigen Beziehungen der nach Amerika emigrierten Bauhäusler zu amerikanischen Kunstschaffenden und konzentriert sich dabei auf das bisher wenig beachtete Feld von Licht- und Bewegungsexperimenten.“

Dr. Hildegard Kaluza, Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und Mitglied im Kuratorium

„Die Welt neu denken - Das Symposium belegt eindrucksvoll, dass diesem Aufruf zwischen Rhein und Weser schon immer gern gefolgt wurde.“

Ernst Uhing, Präsident der Architektenkammer NRW

„Das Bauhaus hat die Entwicklung der Architektur in den vergangenen 100 Jahren entscheidend beeinflusst. Der Anspruch, sozial und zugleich innovativ zu planen und zu bauen, ist bis heute eine Haltung, die Architektinnen und Architekten motiviert.“
 

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