NRW-Kriminalstatistik: 2010 weniger Straftaten

14. März 2011

„Computerkriminalität ist für die Polizei die Herausforderung der Zukunft“ / Minister Jäger legt Kriminalstatistik vor: 2010 weniger Straftaten, Rückgang auch bei Gewalt-, Jugend- und Straßenkriminalität

Die wichtigsten Daten der NRW-Kriminalstatistik für das Jahr 2010 sind: Weniger Straftaten, Rückgang bei Gewalttaten und Straßenkriminalität sowie sinkende Fallzahlen bei schwerer und gefährlicher Körperverletzung. Innenminister Ralf Jäger: „Die Menschen in NRW können sich auf ihre Polizei verlassen. Die Polizistinnen und Polizisten sorgen mit großem Engagement und Einsatz für Sicherheit.“

Das Ministerium für Inneres und Kommunales teilt mit:

Die wichtigsten Daten der Kriminalstatistik in NRW für das Jahr 2010 sind: Weniger Straftaten, Rückgang bei Gewalttaten und Straßenkriminalität sowie sinkende Fallzahlen bei schwerer und gefährlicher Körperverletzung. „Die Menschen in NRW können sich auf ihre Polizei verlassen. Die Polizistinnen und Polizisten sorgen mit großen Engagement und Einsatz für Sicherheit“, erklärte Innenminister Ralf Jäger heute in Düsseldorf bei der Vorstellung der Kriminalitätszahlen.

Die Kriminalität sank gegenüber dem Vorjahr um 1,1 Prozent (- 15.637) auf 1.442.801 Straftaten. Gegenüber dem Höchststand im Jahr 2004 ist dies ein Rückgang um über sechs Prozent (- 89.000 Fälle). Die Aufklärungsquote von 49,9 Prozent ist das zweitbeste Ergebnis der letzten zehn Jahre. Die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen beträgt 494.955.

„Das Internet ist mit seiner rasanten Entwicklung zu einem großen Betätigungsfeld für Kriminelle geworden“, warnte Ralf Jäger. Die Palette der Straftaten im Netz sei so breit wie im realen Leben. Aus dem Ladendiebstahl wird der Ebay-Betrug, die Beleidigung am Gartenzaun funktioniert jetzt per SMS und die Trickdiebe wissen heute, wie man Bankdaten fälscht, um an die Geheimnummern beim Online-Banking zu kommen. „Das Netz mit seiner weltumspannenden digitalen Kommunikation wird zur Basis für die Massenkriminalität der Zukunft. Auf diese Herausforderung   muss die Polizei reagieren und immer neue wirksame Strategien entwickeln“, sagte Jäger. So klärten die Spezialisten der Zentralen Internetrecherche beim Düsseldorfer Landeskriminalamt (LKA) in den letzten drei Jahren über 3.000 Straftaten vom illegalen Arzneimittelhandel über Betrug bis hin zu Kindesmissbrauch und der Verbreitung von Kinderpornografie auf.

„Es wird künftig eine noch wichtigere Aufgabe des LKA,  mit seinen IT-Experten die Computerkriminalität zu bekämpfen“, machte der Minister deutlich. „Selbstverständlich müssen wir mit unseren Fähigkeiten und Methoden dabei immer am Puls der Zeit bleiben. Deshalb machen wir zukünftig auch in den Polizeibehörden vor Ort mehr Polizisten durch verstärkte Aus- und Fortbildung für den Kampf gegen die Computerkriminalität fit.“

Im Jahr 2010 wurden 48.411 Straftaten registriert, bei denen die Tat über das Internet begangen wurde. Die Aufklärungsquote betrug 64,4 Prozent. Die Fälle von Computerkriminalität, also Straftaten mit Hilfe eines Computers, nahmen gegenüber dem Jahr 2009 um über 4.200 Fälle auf fast 20.000 zu. Das ist eine Steigerung von über 27 Prozent.

Ursache für diese Entwicklung ist die starke Zunahme von Phishing-Fällen, insbesondere beim Online-Banking mit Hilfe von Trojanerangriffen. Die Kriminellen locken die Bankkunden mit gefälschten E-Mails auf täuschend echt wirkende Kopien ihrer Bank-Webseite, damit sie dort Zu-gangsdaten sowie PIN und TAN eingeben. Die illegal erlangten Daten werden anschließend von den „Phishern“ missbraucht. So schleuste eine Bande aus dem Ausland Schadsoftware auf Computer von Privatpersonen und Firmen im gesamten Bundesgebiet. Damit wurden ordnungsgemäß getätigte Online-Überweisungen manipuliert und auf Täterkonten umgeleitet. Von dort wurden sie in bar abgehoben und ins Ausland gebracht. Der Schaden beträgt mehr als 230.000 Euro. Vier Haupttäter sind vor dem Landgericht Wuppertal angeklagt.

Neues NRW-Konzept für gefährdete Kinder und Jugendliche

Bei den jungen Mehrfachtatverdächtigen unter 21 Jahren erreichte die Zahl den niedrigsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Sie ging um 6,8 Prozent (- 540) auf 7.414 zurück. Mehrfachtäter begehen fünf oder mehr Straftaten in einem Jahr.

Insgesamt ermittelte die Polizei 132.394 Tatverdächtige unter 21 Jahren. Das sind 3,7 Prozent weniger (- 5079) als im Jahr davor. Ihr Anteil an allen Tatverdächtigen ist mit 26,7 Prozent der niedrigste der letzten 40 Jahre. Das zeigt nach Ansicht von Jäger: „Die Jugendkriminalität nimmt ab. Und das Bild der Jugendkriminalität stimmt in der öffentlichen Wahrnehmung oft nicht mit den tatsächlichen Gegebenheiten überein.“

Ein „ernstes Problem“ sieht der Innenminister jedoch weiterhin bei den jugendlichen Intensivtätern. Rund sechs Prozent  von ihnen begehen über 30 Prozent der Straftaten ihrer Altersgruppe. „Das ist eine alarmierende Zahl, mit der wir uns auseinandersetzen müssen“, betonte er.  Bereits seit Jahren kümmert sich die Polizei mit speziellen und guten Programmen um diese jugendlichen Intensivtäter. „Wir wollen aber den Hebel früher und damit effektiver ansetzen. Deshalb bereiten  wir im NRW-Innenministerium das „Projekt Prävention Jugendkriminalität“ vor. Unser Ziel ist, ein dauerhaftes Abgleiten von gefährdeten Kindern und Jugendlichen in die Kriminalität zu verhindern“, machte Jäger deutlich.  Dazu sollen die Kräfte von Jugendämtern und Polizei mit ihren Erfahrungen und Möglichkeiten konzentriert werden. Die Handlungsempfehlungen der Enquetekommission des Landtags aus der letzten Wahlperiode werden mit aufgegriffen und in Praxisprojekte eingebracht. „Wir wollen uns dauerhaft und mit System um die Kinder und Jugendliche kümmern“, kündigte Jäger an. „Prävention  ist mir ganz wichtig. Werden Kinder und Jugendliche von Straftaten abgehalten, dient dies auch dem Schutz der Opfer.“

Gewaltkriminalität weiter rückläufig

Bei den Gewaltdelikten gab es im vergangenen Jahr erneut einen Rückgang. Die Zahl sank um 2,7 Prozent auf 51.021 Taten (- 1.430). Das ist der niedrigste Stand seit 2004. Die Aufklärungsquote ist mit 71,7 Prozent unverändert hoch.

Mit 14.500 Taten stieg die Zahl der Raubdelikte leicht um 170 Fälle (+ 1,2 Prozent) an. Jede zweite Tat klärten die Ermittler auf. Die Täter erbeuteten Bargeld und Wertsachen in Höhe von rund 19,6 Millionen Euro. Der Anteil der unter 21-jährigen Tatverdächtigen sank im Vergleich zu letztem Jahr auf 53,8 Prozent (- 1,5 Prozent). Jedes dritte Raubopfer war unter 21 Jahre alt.

Mord und Totschlag -  über 96 Prozent aufgeklärt

Im Jahr 2010 wurden 115 Menschen Opfer eines Mordes oder Totschlags. In 251 Fällen wurde ein Tötungsdelikt versucht. Die Polizei kommt bei Mord und Totschlag fast jedem Täter auf die Spur: 96,2 Prozent der Taten, auch der Versuche, klärten die Ermittler auf. Das Risiko, in NRW Opfer eines vollendeten oder versuchten Tötungsdeliktes zu werden, ist heute wesentlich geringer als in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. (Zum Vergleich: 1970: 641 Delikte; 1980: 620 Delikte; 1990: 503 Delikte).

Sexualdelikte oft im sozialen Umfeld

Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr 10.723 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung; das sind 288 (+ 2,8 Prozent) mehr als 2009. Darunter waren 1.835 Taten von Vergewaltigung und besonders schwere Fälle der sexuellen Nötigung. Rund 80 Prozent davon klärte die Polizei auf. Die meisten Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen begehen Täter aus dem sozialen Umfeld der Opfer. In 76 Prozent der Fälle hatten Opfer und Tatverdächtige zumindest eine flüchtige Vorbeziehung. In 61 Prozent bestand sogar eine verwandtschaftliche Beziehung.

Erneut Rückgang der schweren und gefährlichen Körperverletzungen

Die Zahl der gefährlichen und schweren Körperverletzungen ging im vergangenen Jahr um  4,8 Prozent (- 1.741 Fälle) auf 34.264 zurück. Damit gab es im dritten Jahr hintereinander einen Rückgang. Die Aufklärungsquote betrug 80,9 Prozent. Von den dabei ermittelten 39.150 Tatverdächtigen stand jeder dritte unter Alkoholeinfluss. Dabei handelte es sich zum ganz überwiegenden Teil um junge Männer.

Weiterer Rückgang der Straßenkriminalität

Die Straßenkriminalität (z. B. Raubüberfälle, Körperverletzungen, Diebstähle auf Straßen, Wegen oder Plätzen) nahm im letzten Jahr um 2,4 Prozent (9.638) auf 399.034 Taten ab. Das ist nach 2009 ein erneuter Rückgang und bedeutet den niedrigsten Stand seit über 20 Jahren.

Schwere Diebstähle gehen weiter zurück

Einen deutlichen Rückgang gab es bei den schweren Diebstahlsdelikten. Hier sank die Zahl der Delikte um zwei Prozent (- 6.212). Damit setzt sich der seit einigen Jahren anhaltende Trend weiter fort. Die Zahl der Diebstähle blieb mit 638.996 (+ 0,3 Prozent) nahezu unverändert. Das ist zweitniedrigste Zahl von Diebstählen der vergangenen 34 Jahre.

Wohnungseinbrüche

Besserer Einbruchsschutz verhinderte im vergangenen Jahr in 17.607 Fällen, dass Einbrecher in ein Haus oder eine Wohnung gelangten. Das sind 1.521 unvollendete Taten mehr als 2009 (+ 9,5 Prozent). 27.162 Mal gelang es den Tätern, in Wohnungen einzubrechen, 2.133 mehr als im Vorjahr (+ 8,5 Prozent). Mit einer Fallzahl von 44.769 versuchten und vollendeten Taten liegt das Niveau damit auf dem der Jahre 2000 (44.676) und 1990 (44.168).

1995, dem Jahr mit den meisten Wohnungseinbrüchen (57.934), wurden rund 30 Prozent der Einbrüche im Versuchsstadium abgebrochen. 2010 waren es rund 40 Prozent der Fälle. „Oft kann man schon mit geringem Aufwand dem Einbrecher das Leben schwer machen. Die Experten der  Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle zeigen Ihnen, wie es geht“, sagte Jäger. Es hilft der Polizei bei der Bekämpfung von Einbrüchen, wenn verdächtige Beobachtungen mitgeteilt werden. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Unbekannte an jeder Haustür in der Nachbarschaft schellen. Jeder Hinweis kann entscheidend sein.

Die wenigsten Autoaufbrüche seit 30 Jahren

Einen Rückgang um 4,3 Prozent (- 3.693) auf 82.974 Fälle gab es bei den Diebstählen aus Kraftfahrzeugen. Das ist ein erneuter Rückgang und bedeutet die geringste Fallzahl seit 30 Jahren. Im Vergleich zum Jahr 1990, dem Höchststand, ist dies einen Rückgang um 140.428 Taten. „Trotz der positiven Entwicklung gibt es keinen Grund sorglos zu werden: Ein Auto ist kein Tresor. Lassen Sie keine Wertgegenstände sichtbar zurück. Das schafft nur Anreize, das Fahrzeug aufzubrechen", warnte Jäger.

Die Kriminalstatistik 2010 finden Sie auf der Homepage des Landeskriminalamtes unter www.lka.nrw.de (Zahlen und Fakten; Kriminalstatistik)

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