Konsequenter Ausbau des barriere­freien Tourismus gefordert

30. Mai 2012

Beauftragte des Bundes und der Länder fordern konsequenten Ausbau des barriere­freien Tourismus / Erfurter Erklärung verabschiedet

Die Behindertenbeauftragten von Bund und Ländern haben sich einstimmig für weitere Anstrengungen von Bund, Ländern, Kommunen sowie der Wirtschaft ausgesprochen, um die Barrierefreiheit von touristischen Angeboten zu verbessern.

Der Behindertenbeauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen teilt mit:

Die Behindertenbeauftragten von Bund und Ländern haben sich einstimmig für weitere Anstrengungen von Bund, Ländern, Kommunen sowie der Wirtschaft ausgesprochen, um die Barrierefreiheit von touristischen Angeboten zu verbessern. Norbert Killewald, Beauftragter der Landesregierung für die Menschen mit Behinderung in NRW: „Die Tourismusförderung von Bund und Ländern muss konsequent an die Einhaltung der Barrierefreiheit bei neuen Angeboten gekoppelt werden, um so die nationale und internationale Attraktivität zu steigern. Dies ist ein absolutes Muss, weil sonst die Gefahr besteht, dass touristische Angebote, die diese Kriterien nicht erfüllen, angesichts einer älter werdenden Gesellschaft, weniger nachgefragt werden. Dabei geht es nicht nur um den ungehinderten Zugang zu touristischen Zielen, sondern auch um ein Gebot wirtschaftlicher Vernunft. Experten gehen davon aus, dass das wirtschaftliche Potential des barrierefreien Tourismus bundesweit bis zu 5 Milliarden Euro jährlich beträgt.”

Der Landesbehindertenbeauftragte wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass im Rahmen eines Workshops, den er im letzten Jahr zum Thema „Barrierefreies Reisen“ durchführte, festgestellt wurde, dass Nordrhein-Westfalen hinter Bayern und Baden-Württemberg den 3. Platz bei den Übernachtungen belegt. Norbert Killewald: „Die Rolle des Tourismus in NRW wird oft unterschätzt. Allein in diesem Bereich arbeiten über 500.000 Menschen. Durch diese Wachstumsbranche werden also Arbeitsplätze geschaffen und die heimische Wirtschaft unterstützt. Vor diesem Hintergrund ist die Erfurter Erklärung eine umfassende Leitlinie für dieses Segment. Ich fordere deshalb alle beteiligten Akteure auf, die Forderungen und Empfehlungen der Erklärung zu beachten und umzusetzen.“ 

Bei Nachfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des Ministeriums für Arbeit, Integration und Soziales, Telefon 0211 855-3118.


Erfurter Erklärung zum barrierefreien Tourismus in Deutschland

Unter Bezugnahme auf Art. 30 der UN-Behindertenrechtskonvention (BRK), Menschen mit Behinderungen einen gleichberechtigten Zugang zu Tourismusdiensten und -stätten zu verschaffen, geben die Beauftragten der Länder zusammen mit dem Beauftragten der Bundesregierung für Menschen mit Behinderungen folgende Erklärung ab:

1.  Privatwirtschaftliche touristische Einrichtungen einschließlich Hotels und Gaststätten, Verkehrsunternehmen, Stiftungen und öffentlich-rechtliche Anstalten, Kirchen, Tourismusorganisationen und Kommunen werden gebeten, unter Mitwirkung von Interessenvertretungen der Menschen mit Behinderungen

a) Regionale Netzwerke mit dem Ziel zu gründen, unter Einbeziehung der kommunalen Behindertenbeauftragten eine abgestimmte und ineinander greifende Verbesserung der Barrierefreiheit der touristischen Servicekette zu erreichen,

die Barrierefreiheit folgender Einrichtungen und Dienstleistungen nach standardisierten Verfahren (z. B. Ziel- oder Kooperationsvereinbarungen, Checklisten) bedarfsgerecht zu verbessern:

  • touristische Informationsangebote und Dienstleistungen (Internetauftritte, Broschüren und Faltblätter, Aus- und Beschilderungen etc.),
  • Beherbergungsstätten wie Hotels, Ferienhäuser und Ferienwohnungen sowie gastronomische Einrichtungen,
  • Einrichtungen von touristischem Interesse, d. h. Gebäude, Sport-, Freizeit-, Garten- und Parkanlagen sowie naturbelassene Areale,
  • öffentlich zugängliche Gebäude, in denen Dienstleistungen der Verwaltung, der Gesundheitsversorgung oder der Privatwirtschaft erbracht oder Waren des täglichen Bedarfs angeboten werden, unter dem Gesichtspunkt der Ergänzungsfunktion dieser Standortfaktoren,
  • öffentliche Verkehrs-Infrastruktur (Zugangs- und Haltestellen zum öffentlichen Personenverkehr, Busse und Bahnen, Fußgängerbereiche) zur besseren Erreichbarkeit touristischer Infrastruktur.

2.  Die Landesregierungen sind aufgefordert, unter Mitwirkung von Interessenvertretungen der Menschen mit Behinderungen

a) Barrierefreien Tourismus konzeptionell als Querschnittsthema der Tourismuspolitik im Rahmen der jeweiligen Landestourismuskonzeption zu verankern,

eine Koordinierungsstelle für barrierefreien Tourismus mit dem Ziel anzusiedeln, über regionale und überregionale Netzwerke, Fortbildung und Angebotsprüfung die Entwicklung barrierefreier touristischer Produkte zu unterstützen sowie ihre Vermarktung zu übernehmen,

c) die Voraussetzungen für eine Vernetzung und Bündelung aller Themenstellungen der Barrierefreiheit (Bauen, Mobilität, Information und Kommunikation / Sprache) auf Landesebene zu schaffen,

d) bei länderübergreifenden Projekten und Themenstellungen (z. B. Lutherweg) sich über ihre Koordinierungsstellen zu vernetzen und auf dem Gebiet der Barrierefreiheit im Sinne der Verwendung einheitlicher Kriterien zusammenzuarbeiten,

e) Tourismusförderung an das Kriterium der Barrierefreiheit zu knüpfen,

f) die Landesdenkmalschutzgesetze im Sinne der BRK zu novellieren, insbesondere einen Abwägungsparagraphen einzufügen und die Interessenvertretungen der Menschen mit Behinderungen bei der Zusammensetzung von Denkmalräten zu berücksichtigen,

g) Anforderungen an die Barrierefreiheit von Gaststätten, Beherbergungsbetrieben und Versammlungsstätten landesrechtlich verbindlich zu regeln.

3.  Die Bundesregierung ist aufgefordert, unter Mitwirkung von Interessenvertretungen der Menschen mit Behinderungen

a) Tourismusförderung zu betreiben, die zur Steigerung der nationalen und internationalen Attraktivität Deutschlands beiträgt,

Die Schaffung von einheitlichen nationalen Standards und Kriterien zur Entwicklung und Klassifizierung der barrierefreien touristischen Servicekette durch Projektförderung, Erstellung von Gutachten sowie Moderation eines Diskussionsprozesses zu unterstützen,

c) Sich für die Verankerung und Umsetzung von Antidiskriminierungsbestimmungen einzusetzen, die auch private Anbieter von Dienstleistungen und Produkten verpflichten, eine barrierefreie Nutzbarkeit sicher zu stellen,

d) Sich für die Schaffung der rechtlichen Rahmenbedingungen für einen barrierefreien Fernbusreiseverkehr auf nationaler und europäischer Ebene einzusetzen.        
 

Hintergrund

Die Beauftragten weisen auf folgende Faktenlage hin:
Das durch mehrere Studien erwiesene wirtschaftliche Potential des barrierefreien Tourismus` beträgt bis zu 5 Milliarden Euro jährlich Nettoumsatz. Damit ist die Schaffung von bis zu 90.000 neuen Vollzeitarbeitsplätzen verbunden.

Aufgrund des demographischen Wandels in Deutschland ist eine stetig steigende Nachfrage nach barrierefreien Tourismusdiensten und -stätten zu erwarten. Ebenso ist die Zugänglichkeit von Dienstleistungen und Gütern des täglichen Bedarfs zu gewährleisten.

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