Ausblick von Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers anlässlich des Zukunftskongresses „Leben 2025: Petersberger Convention“ am Freitag, 6. März 2009, 16.00 Uhr, Gästehaus Petersberg

11. März 2009

Ausblick von Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers anlässlich des Zukunftskongresses „Leben 2025: Petersberger Convention“ am Freitag, 6. März 2009, 16.00 Uhr, Gästehaus Petersberg

- Es gilt das gesprochene Wort -

Es war ein langer Tag: mit kritischen Analysen, vielen Ideen und interessanten Lösungsvorschlägen. Ich will gar nicht erst den Versuch einer Zusammenfassung machen. Sondern einen großen amerikanischen Denker zitieren, der bei ähnli-cher Gelegenheit einmal meinte: „Alles in allem wird deutlich, dass die Zukunft große Chancen bereithält. Sie enthält aber auch Fallstricke. Der Trick ist, den Fallstricken aus dem Weg zu gehen, die Chancen zu ergreifen – und bis sechs Uhr wieder zu Hause zu sein.“ An den ersten beiden Forderungen von Woody Allen arbeiten wir. Sei-ner dritten Forderung kommen wir in wenigen Minuten nach.

Aber eines ist unstrittig: Die Dramatik der gegenwärtigen Krise zeigt, wie wichtig es ist, über die Zukunft nachzudenken. Mit starkem Engagement und mit großem Ernst. So, wie wir es heute gemeinsam hier getan haben. Und wie wir es weiter tun werden. Nordrhein-Westfalen hat eine besondere Verantwortung für die Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft.

Es geht jetzt darum, die Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft zu sichern. Um nichts weniger. Gerade wir in Nordrhein haben hier eine besondere Verantwortung. Denn die Wurzeln der Sozialen Marktwirtschaft liegen hier bei uns in Nordrhein-Westfalen. Es waren die Menschen an Rhein und Ruhr, die mit ihrer Arbeit allen Menschen in Deutschland Kraft, Vertrauen und Zuversicht gegeben haben. Damals, als unser Vaterland in Ruinen lag. Dass Wohlstand für alle Wirklichkeit werden konnte, das war den Men-schen in Nordrhein-Westfalen zu verdanken. Und das gilt heute mehr denn je. Gerade in Zeiten der Krise kommt es auf Mut und Selbstvertrauen an. Wir können voller Zuversicht in die Zukunft schauen. Unsere Stärke lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Wir sind das industrielle Kraftzentrum im Herzen Europas. Und wir müssen alles dafür tun, dass wir es bleiben.

Ich bin sicher: Wir schaffen das! Wir sind wirtschaftlich stark Wir schaffen das, weil wir stark sind. Wäre Nordrhein-Westfalen ein eigener Staat, lägen wir mit einem Brutto-inlandsprodukt von rund 500 Milliarden Euro auf Rang 17 der Weltrang-liste der Volkswirtschaften – noch vor der Türkei, Belgien, Schweden und der Schweiz. Rund ein Viertel aller ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland fließen nach Nordrhein-Westfalen. Fast 10.000 ausländische Unternehmen steuern von Nordrhein-Westfalen aus ihre Deutschland- oder Europaaktivitäten. Wir sind das Exportland Nr. 1: Ein Fünftel aller deutschen Exporte kommt aus Nordrhein-Westfalen.

Wir sind das Mittelstandsland Nr. 1: Jeder zweite Beschäftigte arbeitet in einem Betrieb mit weniger als 250 Mitarbeitern. Jeder dritte Euro wird von kleinen und mittleren Unternehmen erwirtschaftet; jeder vierte deut-sche „heimliche Weltmarktführer“ sitzt in Nordrhein-Westfalen. Wir sind für die Zukunft gut gerüstet. Wir müssen bei der zweiten industriellen Revolution vorne sein Die Tagung hat gezeigt, in welch dramatischen Umbrüchen wir leben. Wir erleben gegenwärtig eine zweite industrielle Revolution. Wissen ist der entscheidende Produktionsfaktor geworden. Das bedeutet für uns politisch:

Erstens: Wir müssen dafür sorgen, dass wir auch bei dieser zweiten in-dustriellen Revolution vorne sind. Wir müssen zu ihren Gewinnern zählen, nicht zu ihren Verlierern. Und zweitens: Wir müssen alle bei dieser zweiten industriellen Revoluti-on mitnehmen. Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Gesellschaft in eine Klassenge-sellschaft zerfällt wie damals in der ersten industriellen Revolution.

Konkret heißt das: Kreativität muss zu unserem Markenzeichen werden. Es kommt darauf an, zu einer der kreativsten Regionen Europas zu werden – und das auch der Welt zu vermitteln. Davon hängt viel ab – wirtschaftlich, technologisch, wissenschaftlich und vor allem menschlich. Unsere Chancen stehen gut. Wir schaffen das! Spätestens seit der erfolgreichen Bewerbung um den Titel Kulturhauptstadt 2010 ist jedem klar, welche ungeheuren Potenziale insbesondere die Metropole Ruhr hat. Ich wünsche mir, dass wir uns bis 2025 zu einer Art deutschem Silicon-Valley mausern.

• Mit den großen Forschungszentren am Rhein.

• Mit der Metropole Ruhr als Zentrum der Kreativen und als Schmelztiegel unterschiedlichster Kulturen:

• Und mit Westfalen und Lippe als einer Region des starken Mittelstandes und der heimlichen Weltmarkführer.

Wir sind und bleiben Industrieland. Wir sind und bleiben Vorreiter, zum Beispiel: Bei der Steigerung der Energieeffizienz.

Bei der Entwicklung regenerativer Energien. Bei den Fortschritten in der medizinischen Forschung. Bei der Entwicklung neuer Werkstoffe. Oder in der modernsten Logistik – Logport in Duisburg zeigt schon heu-te, wie das geht. Wir werden gestärkt aus der Krise kommen und diese zweite industrielle Revolution erfolgreich meistern. Wir sind und bleiben das soziale Gewissen Deutschlands. Es kommt auf wirtschaftlichen Erfolg an. Aber es kommt auch darauf an, in diesem Wandel alle mitzunehmen.

Wir in Nordrhein-Westfalen sind und bleiben das soziale Gewissen Deutschlands. Wie es Karl Arnold uns ins Stammbuch geschrieben hat. Das prägt unser Lebensgefühl bis heute – und in Zukunft. Hier bei uns wurde der Klassenkampf beendet.

Hier bei uns steht die Wiege der Mitbestimmung und der sozialen Partnerschaft. Ohne sie ist die Soziale Marktwirtschaft nicht denkbar. Es kommt darauf an, niemanden zurückzulassen. Zum Beispiel, indem wir Altersarmut verhindern. Indem wir den solidarischen Sozialstaat nicht preisgeben. Oder indem wir Städte schaffen, die für den demografischen Wandel gerüstet sind.

 

Wir in Nordrhein-Westfalen wissen, dass die Soziale Marktwirtschaft nur eine Zukunft hat, wenn wirtschaftlicher Erfolg mit sozialer Gerechtigkeit einhergeht. Und wir wissen, dass wir dafür kämpfen müssen, dass das so bleibt. Wir brauchen mehr Gemeinsinn. Vor allem brauchen wir wieder mehr Gemeinsinn und Gemeinschaft. Wir brauchen einen Wandel der Mentalitäten. Ein schrankenloser Materialismus kann nicht der Kompass für die Zukunft sein. Es ist wichtig, dass die Menschen wieder mehr Zeit füreinander haben. Dass sie miteinander leben statt nebeneinander. Dass Familien zusammenstehen. Dass Freunde füreinander da sind. Dass die Menschen einander beistehen, gerade wenn es mal nicht so gut läuft.  Das kann man aber nicht auf Knopfdruck abrufen. Das muss man ein Leben lang leben – den Kindern vorleben. Die Zeit des schrankenlosen Individualismus ist vorbei. Wir brauchen eine neue Kultur des Miteinanders. Die Soziale Marktwirtschaft ist ein Vorbild für die Welt

Weder der Marktradikalismus noch der Staatskapitalismus werden in Zukunft erfolgreich sein. Denn beide Systeme bezahlen ökonomischen Erfolg mit zu hohen so-zialen und politischen Kosten – und auch wirtschaftlichen Kosten, wie jetzt die Krise zeigt.

Immer mehr Menschen weltweit fordern eine Ordnung, die wirtschaftli-chen Erfolg mit sozialer Gerechtigkeit verbindet. Hier liegt die große Chance Europas. Hier liegt die große Chance der Sozialen Marktwirtschaft. Ein solches System weltweit durchzusetzen, ist nicht einfach. Aber es ist auch keine Utopie. Oder besser gesagt: Es bleibt eine Utopie, wenn wir es nicht politisch angehen. Es ist eine Vision, die machbar ist. Sie alle wissen: Nicht Phantasten, sondern Pragmatiker sind die erfolg-reichen Visionäre. Sie wissen, dass nicht alles geht. Aber auch, dass viel mehr geht, als man zumeist denkt. Und sie wissen, dass man viel von sich und anderen verlangen muss, um ein großes Ziel zu erreichen.

Wir sollten viel von uns verlangen! Dass unsere Visionen nicht zu klein ausfallen und trotzdem machbar bleiben, dazu hat die Veranstaltung heute, wie ich finde, einen wichtigen Beitrag geleistet.

Dafür möchte ich allen Beteiligten danken:

• Udo Di Fabio und Peter Scholl-Latour für ihre hervorragenden und inspirierenden Vorträge.

• Den Mitwirkenden in den Foren für ihre kompetenten und pointierten Beiträge.

• Dem Auditorium – nicht nur weil Sie so lange ausgeharrt, sondern weil Sie sich auch so aktiv beteiligt haben.

• Und natürlich möchte ich all denen danken, die diesen Kongress vorbereitet und durchgeführt haben. Die Mühen haben sich ge-lohnt: mein Kompliment.

Jetzt kommt es darauf an, dass den Worten auch Taten folgen. Dass wir die Ärmel hochkrempeln und gemeinsam anpacken.

Denn wie meinte Sepp Herberger nach langen Debatten über die richti-ge Strategie einmal so schön:

„Wer viel schaffen will, der darf nicht zu viel fragen.“

Schluss: Ansage des Films RUHR.2010

Und zum guten Schluss darf ich Ihnen noch etwas ankündigen, was uns optimistisch in die Zukunft entlässt:

Wir wollen wir Ihnen den Image-Film der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 vorführen.

Gedreht wurde der Film im Herbst des vergangenen Jahres.

Nächste Woche soll er während der internationalen Tourismus-Börse in Berlin erstmals einem internationalen Publikum präsentiert werden.

Der Film führt den drittgrößten Ballungsraum Europas vor Augen – unter einem Leitmotiv, das kaum passender sein könnte:

„Wandel durch Kultur, Kultur durch Wandel.“

In diesem Sinne: Film ab!

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