Ansprache von Ministerpräsident Laschet beim Trauergottesdienst für Bundearbeitsminister a.D. Norbert Blüm

Ansprache von Ministerpräsident Armin Laschet beim Trauergottesdienst für Bundearbeitsminister a.D. Norbert Blüm

5. Mai 2020

Ansprache von Ministerpräsident Armin Laschet beim Trauergottesdienst für Bundearbeitsminister a.D. Norbert Blüm am 05. Mai 2020 in der St Elisabeth Kirche in Bonn:

 
Die Landesregierung teilt mit:

„Liebe Trauergemeinde, liebe Marita Blüm, liebe Familie Blüm, „Solidarität ist kein Luxus, sondern Existenzbedingung des menschlichen Lebens.“ Ich kenne keinen Politiker, der dies so gelebt hat, wie Norbert Blüm. Meßdiener, St.Georgs Pfadfinder, Ausbildung zum Werkzeugmacher, Jugendvertreter bei Opel Rüsselsheim, Gewerkschafter.
 
Und dann 2. Bildungsweg, jedermann weiß, wie schwer der Aufstieg durch Bildung ist, Studium der Philosophie, Germanistik, Geschichte und Theologie, hier in Bonn, unter anderem bei Joseph Ratzinger.
 
Im Betrieb hat er die Solidarität als Existenz­bedingung des menschlichen Lebens erfahren, im Studium hat er die Katholische Soziallehre erlernt, in der Politik hat er beides umgesetzt.
 
Selten geworden ist es heute, aus Prinzipien heraus Politik abzuleiten und zu erklären –und im konkreten, täglichen Handeln umzusetzen.
 
Norbert Blüm hat das immer getan, über 30 Jahre im CDU-Bundesvorstand, fast 30 Jahre als Abgeordneter, 20 Jahre als Bundes­vorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft, 12 Jahre als Landes­vorsitzender in Nordrhein-Westfalen und 16 Jahre als Bundesminister.
 
Er war das soziale Gewissen der Bonner Republik. Wie kein anderer konnte er über diese Bonner Republik, über Bonn, den Rhein, über das Rheinland, Westfalen, Europa und die Welt reden.
 
Menschenwürde, die galt für ihn hier vor Ort und in der Welt. Wenn er die Menschenwürde gefährdet sah, konnte er jede diplomatische Etikette verlassen. Seine klaren Worte, die er mutig General Pinochet ins Gesicht sagte, hallen bis heute nach. Ich kann mich an keinen vergleichbaren Vorgang bis heute erinnern. Doch er war nicht nur ein Mann der Worte, sondern auch der Tat. Die Pflegever­sicherung hat er durchgekämpft gegen anfänglich brachiale Widerstände. Sie sichert heute Menschenwürde für Millionen Menschen.
Norbert Blüm konnte ernst sein und er konnte humorvoll sein wie kein anderer, er konnte streiten, er war schlagfertig. Er hat Spannungen ausgehalten und ausgelöst, weil er an seinen Prinzipien festhielt. Er war gradlinig und mutig.
 
Immer stand er als gläubiger Christ auf der Seite derer, die Hilfe brauchten. Er engagierte sich in beeindruckender Vielfalt und Intensität, beispielsweise für Flüchtlinge und für Kinder. Wenn der Mainstream Zäune und Stacheldrähte errichtete, war er bei den Menschen in Idomeni.
 
Norbert Blüm war ein Meister der Verständ­lichkeit, er hatte die Gabe, Dinge so auf den Punkt zu bringen, dass sie verständlich wurden. Man hörte ihm gerne zu, weil er anschaulich sprach, unterhalt­sam, humorvoll. So brachte er die Politik näher zu den Menschen. Allein damit hat er der Demokratie einen großen, sonst viel zu seltenen Dienst erwiesen.
 
Und natürlich war Norbert Blüm auch ein leidenschaftlicher Familienmensch, zudem fest verankert in dieser Stadt, seit er zum Studium hierhergekommen und Sie, liebe Marita Blüm, kennengelernt hatte. Er kam zum Studium ins Rheinland und wurde ein großer Nordrhein-Westfale. Ich kenne niemanden, der so bildreich, so treffend das Besondere, das Spezielle der Menschen an Rhein und Ruhr und in Westfalen beschreiben kann.
 
Liebe Trauergemeinde, es ist schmerzhaft, einen solchen Menschen zu verlieren, einen Menschen mit Herz und Haltung, einen Menschen, dem wir so viel zu verdanken haben, der nicht zuletzt das Bild der Bonner Republik über viele Jahre maßgeblich geprägt hat. Er gab ihr ein freundliches, offenes und menschliches Gesicht.
 
Norbert Blüm hat gezeigt, dass Politik nicht den Charakter verdirbt, sondern ein guter Charakter Politik besser und menschlicher machen kann.
 
Norbert Blüm war ein großer Menschen­freund und Christ. Das war die Quelle seiner Kraft. Diese Quelle speiste das unglaubliche Engagement, das er über eine so lange Zeit für so viele andere geleistet hat. Und am Ende seines Lebens, so haben Sie mir, liebe Frau Blüm erzählt, hat er sich wieder intensiv der Philosophie gewidmet.
 
Ich glaube, er würde sich am meisten wünschen: Mehr Menschlichkeit. Ich höre geradezu seine unverwechselbare Stimme, wie er sagt „Leute, das könnt Ihr auch!“
 
Mehr Menschlichkeit wagen, das ist vielleicht der beste Weg, das Gedächtnis an Norbert Blüm, diesen besonderen und heraus­ragenden Menschen, wach zu halten.“
 

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