400jähriges Synodenjubiläum der Evangelischen Kirche von Westfalen

18. Juni 2011

400jähriges Synodenjubiläum der Evangelischen Kirche von Westfalen

„Die evangelische Kirche war in ihrer langen Geschichte immer auf Gott und auf Menschlichkeit ausgerichtet. Das hat sie stark und anziehend gemacht.“ Mit diesen Worten gratulierte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft der Evangelischen Kirche von Westfalen zu ihrem 400jährigen Synodenjubiläum.

„Die evangelische Kirche war in ihrer langen Geschichte immer auf Gott und auf Menschlichkeit ausgerichtet. Das hat sie stark und anziehend gemacht.“ Mit diesen Worten gratulierte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft der Evangelischen Kirche von Westfalen zu ihrem 400jährigen Synodenjubiläum.

Grußwort von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft anlässlich des 400jährigen Synodenjubiläums der Evangelischen Kirche von Westfalen am 18. Juni 2011 in der evangelischen Stadtkirche Unna:

 „Ich gratuliere Ihnen zu einem großen und beson­deren Geburtstag: Vor 400 Jahren, im März 1611, tagte in Unna die erste märkische reformierte Synode. 1611, 400 Jahre, das sind Zeiträume, mit denen man es nur selten zu tun hat. Das Land NRW beispielsweise wird gerade einmal 65 Jahre alt. Aus Sicht Ihrer Synode also ein junger Hüpfer. Da hat 1611 schon eine andere Dimension, ein Jahr, in dem Galileo eine Audienz bei Papst Paul V in Rom hatte und El Greco in Spanien wirkte.

Sie haben in diesem Jahr, das uns heute so weit entfernt vorkommt, in Ihrer Kirche etwas begonnen, was bis heute unglaublich modern geblieben ist: Sie haben eine Art basis­demo­kratische Struktur eingeführt. Und diese Struktur haben Sie seitdem erhalten, auch durch Zeiten, die mit solchen Strukturen wenig zu tun hatten, Zeiten von autokratischer Herrschaft, von Diktatur und Krieg.

Präses Buß hat diesen besondern und frühen Aufbau „von unten nach oben“, den Sie hier vor 400 Jahren geschaffen haben, zu Recht ein „evangelisches Markenzeichen“ genannt – ich finde, ein Markenzeichen, auf das Sie sehr stolz sein können. Diese starke Beteiligung aus den Gemeinden heraus war immer und ist bis heute ein Lebenselixier Ihrer Kirche. Es ist überaus wichtig, dass seine Kraft auch künftig erhalten bleibt.

Denn die Gottesdienste, das Gemeindeleben insgesamt, die vielen ehrenamtlichen Dienste, die Ihre Kirche leistet, Ihre wertvollen Beiträge für eine humanere Gesellschaft (etwa die Gründung des Evange­lischen Kranken- und Armenhauses in Unna 1858) – all das hängt direkt oder indirekt davon ab, dass viele Menschen auch künftig „evangelisch aus Leidenschaft“ (so lautet das Motto des Synodenjubiläums) bleiben.

Ich bin überzeugt, eine Kirche, die 400 Jahre Bestand hat, besitzt sehr tiefe und feste Wurzeln. Trotzdem brauchen diese Wurzeln auch Pflege. Eine Aufgabe, die sich übrigens allen ganz ähnlich stellt, die Verantwortung in Staat und Gesellschaft übernehmen. Den demokratischen Parteien zum Beispiel, allen demokratischen Parteien, den Gewerkschaften, vielen Verbänden – und eben auch den Kirchen.

Eine Reihe der Schwierigkeiten, mit denen wir gemeinsam zu tun haben, entsteht nach meinem Eindruck aus einer Art von Organisations­un­willigkeit, die sich bei immer mehr Menschen ausbreitet. Und diese Unwilligkeit hat wiederum ihre Ursachen: Die hohen Anforderungen, die im Berufsleben gestellt werden zum Beispiel. Vielleicht nicht mehr so sehr mit Blick auf den körperlichen Einsatz, aber mit Blick auf den Einsatz von Nerven und Aufmerksamkeit. Da haben viele keine Kraft mehr übrig, um sich in der Gemeinde, im Gemeinwesen, in einem Verband oder einer Partei zu engagieren.

Viel hat zu tun mit dem stark gewachsenen Druck, flexibel und mobil zu sein. Das reißt Menschen aus ihren Gemeinden heraus. Wie und wieweit gelingt es den kirchlichen Gemeinschaften Ankerpunkt in der Mobilität zu sein, Heimat auch neu zu vermitteln?

Viel hat zu tun mit der tiefgreifenden Änderung unserer Demographie. Es fehlen einfach oft die jungen Menschen, der Nachwuchs, ohne den Gemeindeleben nach und nach austrocknet.

Und es sind, in engem Zusammenhang damit, natürlich auch die finanziellen Ressourcen, die nicht wachsen, sondern schrumpfen, und es oft schwer machen, die hohen Standards aufrecht­zuerhalten. Das fängt mit der Zahl der hauptamtlichen Pastorinnen und Pastoren in einer Gemeinde an und hört mit den Mitteln für die Jugendarbeit noch lange nicht auf.

Wie gesagt, ähnliche Fragen und Problemen stellen sich heute in vielen Organisationen. Ich bin überzeugt, dass wir solche Themen ohne Scheu in den Blick nehmen müssen. Eine Kirche, die sich in den 400 Jahren seit 1611 behauptet hat, braucht eine solche Scheu schon gar nicht zu haben. Denn in diesen 400 Jahren sind Sie mit Herausforderungen von größtem Kaliber fertig geworden. Die Fragen aber nach Sinn und Zusammenhalt in unserer Gesellschaft sind heute genau so elementar, wie sie es vor 400 Jahren waren.

Calvin, hat einmal gesagt: „Wo Gott erkannt wird, da wird auch Menschlichkeit gepflegt.“ Ich finde, das ist ein faszinierender und ein weiter tragender Gedanke. Er deutet auf den Kern des christlichen Glaubens. Die evangelische Kirche war in ihrer langen Geschichte immer auf Gott und auf Menschlichkeit ausgerichtet. Das hat sie stark und anziehend gemacht. Und Sie haben hier in Unna vor vierhundert Jahren bereits die richtungweisende Ordnung gefunden, um diesen Glauben zu leben.

Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass die demokratische Struktur Sie weiter trägt. Sie hat einen hohen Wert. Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie die starke Botschaft eines Glaubens, der auf Gotteserkenntnis und Menschlichkeit gerichtet ist, weiter in die Zukunft tragen, „evangelisch und mit Leidenschaft“.“

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