17 Gemeinschaftsschulen für NRW

21. Januar 2011

17 Gemeinschaftsschulen für NRW / Ministerin Löhrmann: „Wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem zukunftsgerechten Schulangebot“

17 Gemeinschaftsschulen sollen in Nordrhein-Westfalen zum nächsten Schuljahr im Sommer starten können. Ministerin Löhrmann zog eine erste Bilanz eines ihrer wichtigs­ten schulpolitischen Projekte, dem Modellvorhaben „Längeres gemein­sames Lernen – Gemeinschaftsschule“.

Das Ministerium für Schule und Weiterbildung teilt mit:

17 Gemeinschaftsschulen sollen in Nordrhein-Westfalen zum nächsten Schuljahr im Sommer starten können. „Damit sind wir einen wichtigen Schritt weiter auf unserem Weg einer innovativen und zukunftsgerich­teten Schulentwicklung“, sagte heute Schulministerin Sylvia Löhrmann in Düsseldorf. Die Ministerin zog eine erste Bilanz eines ihrer wichtigs­ten schulpolitischen Projekte, dem Modellvorhaben „Längeres gemein­sames Lernen – Gemeinschaftsschule“: „Unser Angebot ist als attraktiv und wegweisend wahr- und vor allem auch angenommen worden“, so Ministerin Löhrmann. „Mit 19 Anträgen ist die Resonanz erfreulich groß.“ Ziel der Gemeinschaftsschule ist es, Bildungswege länger offen zu hal­ten und mehr Schülerinnen und Schüler zu höheren Abschlüssen zu führen. Damit reagiert sie auf das veränderte Elternwahlverhalten und soll die Abhängigkeit des Bildungsaufstiegs von der sozialen Herkunft aufbrechen. Zugleich bietet die Gemeinschaftsschule den Kommunen bei zurückgehenden Schülerzahlen die Möglichkeit, ein wohnortnahes umfassendes Schulangebot unter Einbeziehung auch gymnasialer Standards vor Ort zu erhalten.

Die Prüfung durch die Bezirksregierungen und das Schulministerium hat inzwischen ergeben, dass 17 Anträge die Grundvoraussetzungen für eine Genehmigung erfüllen. „Diese 17 Schulen werden ab dem kom­menden Schuljahr das längere gemeinsame Lernen erproben“, so die Ministerin weiter. „In der kommenden Woche erhalten die Schulträger die Genehmigungserlasse, so dass die Eltern rechtzeitig zu den Anmel­determinen an den weiterführenden Schulen eine gute Entscheidungs­grundlage haben.“ Das Modellvorhaben ist auf sechs Jahre angelegt und soll wissenschaftlich begleitet werden.

Neben der bereits genehmigten Gemeinschaftsschule, der Profilschule Ascheberg, erfüllen Anträge aus folgenden Kommunen die Vorausset­zungen für die Genehmigung:

  • Bad Honnef
  • Billerbeck
  • Blankenheim/Nettersheim
  • Bochum
  • Bornheim
  • Burbach
  • Finnentrop
  • Kalletal
  • Stadt Köln (2x)
  • Langenberg
  • Lippetal
  • Morsbach
  • Neuenrade
  • Rheinberg
  • Sprockhövel

Zwei Anträge (1x Köln, Altenbeken) können zum kommenden Schuljahr nicht genehmigt werden. Zu den grundlegenden Vorgaben für die Ge­nehmigung von Anträgen gehört:

  • Die Gemeinschaftsschule entsteht in der Regel durch die Zusam­menführung bestehender Schulen.
  • Der Unterricht erfolgt in den Klassen 5 und 6 in integrierter Form.
  • Für die 7. Klasse oder später entscheiden die Schulen, ob die Kin­der weiter gemeinsam oder nach schulformspezifischen Bildungs­gängen getrennt unterrichtet werden.
  • In der Gemeinschaftsschule können alle für die Sekundarstufe I vorgesehenen Abschlüsse erreicht werden.
  • Gemeinschaftsschulen bieten auch gymnasiale Standards an.
  • Sie verfügen entweder über eine eigene gymnasiale Oberstufe oder sie kooperieren mit der Oberstufe einer anderen Gemeinschafts­schule, eines Gymnasiums, einer Gesamtschule oder eines Berufs­kollegs, sodass Eltern sowie Schülerinnen und Schüler sicher wis­sen, wo ihre Kinder bzw. sie selbst die allgemeine Hochschulreife erwerben können.
  • Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule erwerben das Abitur nach 9 Jahren (G 9); bei herausragenden Leistungen ist nach der Sekundarstufe I der direkte Übergang in die Qualifikati­onsphase möglich.
  • Für eine Gemeinschaftsschule sind vier Parallelklassen pro Jahr­gang wünschenswert, mindestens erforderlich sind drei Parallel­klassen.
  • Bei der Errichtung ist eine Mindestklassengröße von 23 Schülerin­nen und Schülern vorgesehen. Der Klassenfrequenzhöchstwert be­trägt für die integrative Form 25; in der kooperativen Form ab Klasse 7 zur Erreichung vertretbarer Klassengrößen 29. Der Klas­senfrequenzrichtwert beträgt 24 Schülerinnen und Schüler. Diese Werte orientieren sich an denen der Hauptschule. Sie tragen der Heterogenität der Schülerschaft Rechnung und berücksichtigen, dass in der Gemeinschaftsschule unterschiedliche Schulformen zu­sammenwachsen.
  • Die Lehrkräfte haben unabhängig von ihrem Lehramt eine Pflichtstun­denzahl von 25,5. Dies entspricht der Pflichtstundenzahl an der Gesamtschule und am Gymnasium.
  • Bis zu einem Drittel der Lehrkräfte sollen die Lehrbefähigung für das Gymnasium haben. Als Eingangsämter können der Gemein­schaftsschule A12-Stellen (gehobener Dienst) und A13-Stellen (hö­herer Dienst) zugewiesen werden.
  • Gemeinschaftsschulen erhalten einen Stellenzuschlag in Höhe von 0,5 Stunden je Klasse je Woche wegen des erhöhten Differenzie­rungs- und Förderbedarfs und einen Versuchszuschlag in Höhe von 0,5 Stellen pro Schule und Jahr wegen des erhöhten Schulent­wicklungsaufwands. Dazu kommt ein zusätzliches Fortbildungs­budget in Höhe von 2.500 Euro pro Schule wegen des erhöhten Fortbildungsbedarfs.
  • Für einen Antrag auf die Teilnahme am Schulversuch ist eine aktu­elle Schulentwicklungsplanung einschließlich vorangegangener El­ternbeteiligung nötig. Die Schulentwicklungsplanung muss auch eine überregionale Abstimmung mit den Nachbarkommunen ent­halten. Eine Gemeinschaftsschule kann nicht genehmigt werden, wenn eine Schule eines anderen Schulträgers dadurch in ihrem Bestand gefährdet wird. Regional abgestimmte Kooperationskon­zepte verschiedener Schulträger sind möglich. In Ballungsgebieten beziehen sich die Gesamtkonzepte auf einzelne Stadtteile. Die Er­reichbarkeit einer Hauptschule bzw. eines Hauptschulbildungs­gangs in zumutbarer Entfernung muss gewährleistet sein.

17 der vorliegenden Anträge erfüllen diese Voraussetzungen. So ent­stehen zehn der künftigen Gemeinschaftsschulen aus mindestens zwei bestehenden Schulen (Real- und Hauptschulen), sechs aus einer be­stehenden Hauptschule und eine aus einer bestehenden Verbundschule (Langenberg). Die pädagogischen Konzepte sind sehr vielfältig. Die überwiegende Zahl der künftigen Gemeinschaftsschulen möchte auch über die Klassen 5 und 6 hinaus integriert arbeiten, das heißt, sie ar­beitet binnendifferenziert. Zwei Schulen (Lippetal und Blanken­heim/Nettersheim) arbeiten kooperativ, sie unterrichten die Schülerinnen und Schüler ab Klasse 7 nach schulformbezogenen Bildungsgängen getrennt, und fünf Schulen (Burbach, Sprockhövel, Bad Honnef, Asche­berg und Billerbeck) arbeiten teilintegriert, das heißt, sie unterrichten gemeinsam in ausgewählten Fächern und differenzieren in anderen Fä­chern nach Schulformen oder differenzieren erst zu einem späteren Zeitpunkt nach schulformbezogenen Bildungsgängen.

Eine eigene Oberstufe können vier künftige Gemeinschaftsschulen ein­richten (Lippetal, Rheinberg, Blankenheim/Nettersheim und Finnentrop). Alle anderen kooperieren mit den Oberstufen von Gymnasien, Gesamt­schulen und/oder Berufskollegs. Sechs Schulen verfügen über zwei Standorte (Lippetal, Neuenrade, Burbach, Bochum, Blanken­heim/Nettersheim und Ascheberg). Alle Schulen nutzen vorhandene Gebäudesubstanz.

Gemeinschaftsschulen müssen mindestens dreizügig sein, Rheinberg und Blankenheim/Nettersheim planen sogar sechszügige Gemein­schaftsschulen.

„Ein weiterer Schwerpunkt unserer Schulpolitik ist der gemeinsame Un­terricht von Kindern mit und ohne Behinderungen. Auch hier machen sich die künftigen Gemeinschaftsschulen auf den Weg“, sagte Schulmi­nisterin Löhrmann. Inklusive Konzepte wollen sieben künftige Gemein­schaftsschulen (Sprockhövel, Bochum, Rheinberg, beide Kölner Ge­meinschaftsschulen, Langenberg und Billerbeck. Neuenrade will mittel­fristig ein inklusives Konzept umsetzen.)

„Das Interesse an der Gemeinschaftsschule ist und bleibt weiterhin sehr groß. Immer mehr Kommunen und Eltern wollen die Gemeinschafts­schule. Inzwischen liegen uns schriftliche Interessenbekundungen von über 40 Schulträgern vor, die zum Schuljahr 2012/13 eine Gemein­schaftsschule einführen wollen“, so Ministerin Löhrmann. Deshalb strebe sie eine schulgesetzliche Regelung für die Gemeinschaftsschule an. „Ich setze dabei auf konstruktive Gespräche in der Bildungskonfe­renz und mit allen im Landtag vertretenen Fraktionen.“

Bei Nachfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des Ministeriums für Schule und Weiterbildung Telefon 0211 5867-3505.

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