Mehrthemenbefragung des Zentrums für Türkeistudien

29. März 2010

10. Mehrthemenbefragung des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung – Minister Armin Laschet: „Verbundenheit zu Deutschland wächst“

Die Mehrheit der Türkeistämmigen fühlt sich in Deutschland heimisch und hat keine Rückkehrabsichten mehr. Dies ist eines der Ergebnisse der 10. Mehrthemenbefragung des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung, die Integrationsminister Armin Laschet vorstellte.

Das Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration teilt mit:

Die Mehrheit der Türkeistämmigen fühlt sich in Deutschland heimisch und hat keine Rückkehrabsichten mehr. Dies ist eines der Ergebnisse der 10. Mehrthemenbefragung des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung, die Integrationsminister Armin Laschet heute (29. März 2010) in Düsseldorf vorstellte. „Wenn 60 Prozent der Türkei­stämmigen in Deutschland bleiben wollen, dann führen Diskussionen darüber, zu wem diese Menschen gehören, an der Realität vorbei. Sie haben sich bereits entschieden; sie leben in Deutschland und sind Teil dieses Landes“, sagte Laschet auch mit Blick auf den Türkeibesuch der Bundeskanzlerin. Deutschland müsse ein Land sein, in dem jedem, unabhängig von der Herkunft der Eltern, der Aufstieg durch Bildung ermöglicht werden müsse. Voraussetzung seien gute Kenntnisse der deutschen Sprache. „Daran müssen wir gemeinsam arbeiten“, forderte Laschet.

Die Verbundenheit mit Deutschland nimmt in den letzten Jahren kontinuierlich zu. Gut ein Drittel fühlt sich mit beiden Ländern verbun­den. Laschet: „Das macht die eindeutige Positionierung des entweder Türkisch- oder Deutsch-Seins schwierig und zeigt, dass die Hinwendung zu Deutschland nicht mit einer Abwendung von der Herkunftskultur ver­bunden sein muss.“

Die Mehrheit der türkeistämmigen Zugewanderten weist eine Misch­identität auf. Unabhängig davon steht diese Mischidentität, also die Beibehaltung der kulturellen Wurzeln bei Hinwendung zur neuen Heimat, nach den Ergebnissen der Mehrthemenbefragung der Integration - gemessen etwa an Bildungsbeteiligung und Arbeitsmarkt­eingliederung - nicht im Wege.

Die Studie kommt unter anderem zu dem Schluss, dass die Identi­fikation mit Deutschland kein geeigneter Indikator zur Messung des Integrationserfolges ist, da auch erfolgreich verlaufende Prozesse der Sozialintegration nicht zwangsläufig in der Abwendung vom Herkunfts­land und einer klar deutschen Identität münden.

Im Fokus des variablen Thementeils der diesjährigen Befragung stand das Thema Kultur und deren Wirkung auf die Interessen, Gewohnheiten und Bedürfnisse der Türkeistämmigen in Nordrhein-Westfalen. „Kultur spielt eine zentrale Rolle im gesellschaftlichen Leben und ist auch ein wichtiger Faktor bei der Integration, denn sie trägt dazu bei, dass sich Menschen näher kommen, neugierig auf das 'Andere' werden und es kennenlernen wollen“, sagte Minister Armin Laschet.

Den Ergebnissen zufolge ist das Interesse an Kulturveranstaltungen bei Türkeistämmigen relativ hoch, jedoch stärker in Bezug auf türkische Kulturveranstaltungen als auf deutsche. Knapp ein Fünftel interessiert sich stark für türkische Kulturveranstaltungen, gut ein Drittel mittelmäßig, 42 Prozent wenig.

Für deutsche bzw. internationale Kulturveranstaltungen interessieren sich neun Prozent stark, ein Viertel mittelmäßig und 61 Prozent nur wenig. Besonders auffallend ist, dass beides nicht in Konkurrenz zu einander steht: Das Interesse an deutscher und türkischer Kultur über­schneidet sich stark. 95 Prozent derjenigen, die sich für deutsche Kulturveranstaltungen interessieren, sind auch an türkischen Kultur­veranstaltungen interessiert. Bezüglich des Interesses an deutschen Angeboten unterscheiden sich die Gruppen vor allem nach Bildung, jedoch weniger nach Alter oder Generation.

„Dieses Ergebnis macht deutlich, dass sich in Nordrhein-Westfalen tat­sächlich eine Verschmelzung und gegenseitige kulturelle Bereicherung ergeben kann“, hob Minister Laschet hervor. Zugleich müsse die Einbe­ziehung der Zuwanderer ins Kulturleben unter dieser Maßgabe aber auch weiter konsequent betrieben werden. Zudem belege die Studie, dass die Programmatik von „Ruhr 2010 - Kulturhauptstadt Europas“ mit ihrem interkulturellen Ansatz und dem Fokus auf die Einwanderungs­geschichte des Ruhrgebiets richtig liege.

Vor allem Jugendliche der Nachfolgegeneration und Befragte mit hoch qualifizierenden Schulabschlüssen, interessieren sich für türkische Kul­turveranstaltungen und wünschen sich mehr Angebote. „Das überrascht mich nicht“, kommentierte Minister Laschet, „wenn man hier geboren wurde und noch eine andere Kultur in sich trägt, dann geht man auf die Suche und will auch diese Kultur näher erleben.“

Im Geschlechtervergleich weisen die Frauen insgesamt ein anderes Verhältnis zu kulturellen Angeboten auf und besuchen deutsche Kultur­veranstaltungen überproportional häufiger als Männer. Auch die noch nicht so lange in Deutschland lebenden Frauen mit hohem Bildungs­abschluss würden gerne häufiger deutsche Veranstaltungen besuchen als bereits lange in Deutschland Lebende.

Minister Laschet: „Das ist für uns die Chance, Kultur als Brücke zu nutzen. Gerade diejenigen, die Deutschland neu kennenlernen, können den Weg über die Kultur gehen.“

Mit der jährlichen Mehrthemenbefragung Türkeistämmiger in Nordrhein-Westfalen, die die Stiftung Zentrum für Türkeistudien und Integrations­forschung im Auftrag des Integrationsministeriums durchführt, werden seit 1999 der Stand und die Entwicklung der Integration in zentralen Lebensbereichen untersucht und auch Merkmale der Identitätsent­wicklung der Türkeistämmigen erhoben. Die Studie soll aufzeigen, wo aus Sicht der jeweils 1.000 repräsentativ Befragten Integrationserfolge zu verzeichnen sind, wo Defizite liegen und welche Einstellungen und Meinungen in der Gruppe herrschen.

Die Ergebnisse der zehnten Mehrthemenbefragung sowie eine Kurz­fassung können von der Homepage des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung unter http://www.zft-online.de sowie auch unter www.mgffi.nrw.de heruntergeladen werden.

Bei Nachfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des Ministeriums für Generationen, Familie, Frauen und Integration, Telefon 0211 8618-4338.

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